Strabag | Klemens Haselsteiner : Haselsteiner-Nachfolge: wie es jetzt weiter geht

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Mit der Strabag steht eines der größten Bauunternehmen Europas vor der Herausforderung, seine Führung neu zu ordnen und gleichzeitig die eingeschlagene strategische Richtung fortzusetzen.

- © STRABAG

Der plötzliche Tod von Klemens Haselsteiner, seit 2023 CEO der Strabag SE, hat nicht nur das Unternehmen, sondern auch die gesamte Bauwirtschaft in Österreich erschüttert. Haselsteiner, der das Unternehmen mit einer klaren Vision für Digitalisierung und Nachhaltigkeit führte, hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schließen ist, aber in jedem Fall geschlossen werden muss

Eines der größten Bauunternehmen Europas steht vor der Herausforderung, seine Führung neu zu ordnen und gleichzeitig die eingeschlagene strategische Richtung fortzusetzen.

Nachfolge: 2 ½ Varianten für die Zeit nach Klemens Haselsteiner

Nach dem unerwarteten Verlust von Klemens Haselsteiner richtet sich der Blick vor allem auf die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin, der oder die die ambitionierten Projekte des Unternehmens weiterführen könnte. 

Bisher üblich war eine Nachbesetzung aus dem Vorstand bzw. der oberen Führungsebene des Unternehmens. Logischen Kronprinzen gibt es im Unterschied zur Situation 2022 beim altersbedingten Ausscheiden von Klemens Haselsteiners Vorgänger Thomas Birtel dieses Mal keinen. 

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Damals hatte man die Auswahl zwischen eben Klemens Haselsteiner (der damals drei Jahre im Vorstand war) und Peter Krammer, der durch die langjährige Leitung wichtiger Segmente und seine sehr aktive Rolle im Bereich Digitalisierung ebenfalls das Zeug zur Birtel-Nachfolge gehabt hätte.

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Krammer hat nach Klemens Haselsteiners Bestellung die Strabag SE verlassen und hat wenig später die Nachfolge des in Pension gegangenen Karl Weidlinger CEO bei Swietelsky, der Nummer 3 unter Österreichs Baukonzernen, übernommen.

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Einiges scheint so auf jemanden von außen mit Branchenerfahrung und Fokus auf den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung hinzuweisen. Eine solche externe Besetzung könnte frischen Wind in das Unternehmen bringen und neue Impulse setzen, insbesondere im internationalen Wettbewerb.

Peter Krammer galt 2022 wie Klemens Haselsteiner als möglicher Nachfolger von Thomas Birtel.

"Joker" Hans-Peter Haselsteiner

Unter besonderer Beobachtung steht aber auch Strabag SE-Gründer Hans-Peter Haselsteiner, der Vater des verstorbenen CEOs. Wenige Tage nach dem tragischen Ereignis stellte der Strabag-SE-Vorstand dem Großaktionär Haselsteiner eine Generalvollmacht aus. Ob „HPH“ längerfristig eine größere Verantwortung übernehmen oder sich auf seine Eigentümerfunktion beschränken wird, bleibt abzuwarten.

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Bei der Übernahme der Generalvollmacht sagte Hans-Peter Haselsteiner: „Mein Sohn Klemens hat die Weichen für Strabag auf Zukunft gestellt. Das Unternehmen beweist sich heute nicht nur resilient gegenüber den vielfältigen Verwerfungen am Markt, es hat auch den richtigen Weg eingeschlagen, um weiterhin zukunftsfähig zu sein.

Diesen Weg wollen wir vonseiten der Eigentümer genauso weitergehen wie der Vorstand und der Aufsichtsrat. Ich werde im Auftrag des Vorstands und in Abstimmung mit meinen Syndikatspartnern das Unternehmen dabei unterstützen, den Transformationsprozess fortzusetzen und ich stelle dem Nachfolger, sobald der Aufsichtsrat hier eine Entscheidung getroffen hat, genauso meine Erfahrung zur Verfügung, wie ich es bei Klemens getan habe.

Damit wollen wir auch zum Ausdruck bringen, dass die Familie Haselsteiner unverrückbar mit der Strabag verbunden ist“

ABD0157_20240126 - WIEN - ?STERREICH: ++ ARCHIVBILD ++ ZU APA0200 VOM 26.1.2024 - Signa-Development-Miteigent?mer Hans Peter Haselsteiner am Donnerstag, 23. M?rz 2023, im Rahmen der Programmpr?sentation der Tiroler Festspiele Erl f?r die Wintersaison 2023/24 in Wien. Der insolvente Immobilien-Projektentwickler Signa Development erh?lt von einer Tochtergesellschaft der Haselsteiner Familien-Privatstiftung einen Massekredit in H?he von 25 Mio. Euro. Ein Massedarlehen ist vorrangig gegen?ber den Forderungen, die vor Insolvenzer?ffnung aufgenommen wurden. (ARCHIVBILD VOM 23.3.2023) - FOTO: APA/FLORIAN WIESER
Strabag-Gründer Hans-Peter Haselsteiner kommt in der derzeitigen Situation eine besondere Rolle zu. - © APA/FLORIAN WIESER

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Digitalisierung und Nachhaltigkeit als strategische Prioritäten

In den letzten Jahren hat die Strabag SE bedeutende Fortschritte in der Digitalisierung ihrer Bauprozesse gemacht. Unter der Leitung von Klemens Haselsteiner wurde die Einführung digitaler Technologien wie Building Information Modeling (BIM) und automatisierter Bauverfahren konsequent vorangetrieben. Diese Initiativen sollen nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Fehlerquote reduzieren und die Projektabwicklung beschleunigen – ein Vermächtnis, das seine Nachfolger weiterführen müssen.

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Parallel dazu hat sich die Strabag SE verstärkt dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Der Konzern verfolgt ehrgeizige Ziele zur Reduzierung von CO2-Emissionen und investiert in umweltfreundliche Baustoffe sowie energieeffiziente Bauverfahren. Die strategische Ausrichtung auf nachhaltige Bauweisen wird als entscheidender Wettbewerbsvorteil angesehen, insbesondere vor dem Hintergrund verschärfter gesetzlicher Vorgaben und wachsender gesellschaftlicher Erwartungen.

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Zudem plant das Unternehmen, seine Innovationskraft durch verstärkte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter auszubauen. Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen sollen dazu beitragen, neue Technologien und Materialien schneller zur Marktreife zu bringen. Auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Optimierung von Bauprozessen und Ressourceneinsatz steht im Fokus.

>> Ein Beispiel für eine Uni-Kooperation finden Sie unter Strabag und TU unterzeichnen Zusammenarbeit

Wirtschaftlicher Ausblick, internationale Wettbewerbsfähigkeit und jüngste Investition in Australien

Wirtschaftlich sieht es für die Strabag SE auf jeden Fall gut aus. Das Unternehmen verfügt über eine solide Auftragslage und eine starke Präsenz in den Kernmärkten Österreich, Deutschland und Osteuropa. Der wirtschaftliche Ausblick für die kommenden Jahre ist positiv, wenngleich Herausforderungen wie steigende Materialkosten, Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten die Branche belasten könnten.

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Die Strabag SE konnte in den ersten neun Monaten des Jahres 2024 eine stabile Leistung von € 13,6 Milliarden verzeichnen, was dem Niveau des Vorjahreszeitraums entspricht. Besonders hervorzuheben ist der Auftragsbestand, der zum 30. September 2024 mit € 25,3 Milliarden einen neuen Rekord erreichte und damit um 4 % über dem Vorjahreswert lag. Die größten Zuwächse wurden dabei in Deutschland, Polen und der Slowakei erzielt.

Im internationalen Wettbewerb positioniert sich die Strabag als technologisch fortschrittliches und nachhaltiges Bauunternehmen. Die kontinuierliche Investition in Innovationen und die Anpassung an globale Trends sichern dem Konzern eine starke Marktstellung. 

Zusätzlich strebt Strabag an, ihre Präsenz in außerhalb Europas gelegenen Märkten auszubauen. Ein Fokus liegt dabei auf Nordamerika und Asien, wo erhebliche Investitionen in Infrastrukturprojekte erwartet werden. Partnerschaften mit lokalen Unternehmen sollen den Markteintritt erleichtern und das Risiko minimieren.

Im November 2024 gab die Strabag die geplante Übernahme der australischen Georgiou Group Pty Ltd bekannt, einem auf Straßen- und Infrastrukturbau spezialisierten Unternehmen mit Sitz in Perth. Die Georgiou Group erwirtschaftet mit 875 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von etwa 1,3 Milliarden AUD (ca. € 787 Millionen). Der Kaufpreis soll im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen und wird aus vorhandenen Barmitteln finanziert. Mit dieser Akquisition strebt Strabag eine dauerhafte Präsenz auf dem australischen Markt an.

Diese strategische Investition unterstreicht das Bestreben der Strabag SE, ihre internationale Marktposition weiter auszubauen und von den wachsenden Infrastrukturprojekten in Australien zu profitieren. Langfristig wird erwartet, dass diese Expansion nicht nur zusätzliche Einnahmequellen erschließt (so wird die Strabag SE wohl bald die 20-Milliarden-Umsatzmarke knacken), sondern auch technologische Synergien zwischen den verschiedenen internationalen Tochtergesellschaften schafft.