Baukonjunktur : „Momentan wird viel zu wenig gebaut“
Strabag-CEO Kratochwill: „Wer nicht investiert, zahlt später drauf“
- © Martin Ignatowicz PhotographyLeistbarer Wohnraum bleibt Mangelware
Österreichs Bauwirtschaft kämpft weiter mit schwacher Investitionsdynamik. Seit der Finanzkrise 2008/09 und der Pandemie ist die Baukonjunktur nicht wieder richtig in Schwung gekommen. „Aktuell steht Österreich vor großen Herausforderungen – die Investitionsdynamik stockt“, erklärte Strabag-CEO Stefan Kratochwill am Montag in Wien. Das betreffe nicht nur die Verkehrsinfrastruktur, sondern auch den Wohnbau. „Eine funktionierende Gesellschaft braucht Wohnraum – Angebot und Nachfrage driften hier auseinander“, so Kratochwill.
Baukrise drückt auf Wohnraumschaffung
„Momentan wird viel zu wenig gebaut – das verschärft das Problem“, warnte Kratochwill mit Blick auf den Mangel an leistbarem Wohnraum. Die Zahl der Baubewilligungen sei weiterhin im Keller. „Das ist so. Im letzten Jahr wurden alte Projekte neu aufgegriffen, aber neue Projekte gibt es kaum.“
Dabei könnten laut Strabag Wohnbauten unter 2.000 Euro pro Quadratmeter errichtet werden – bei einer Bauzeit von weniger als einem Jahr. Die Kostenreduktion sei durch Standardisierung und Automatisierung erreichbar, ohne Qualitätsverlust. „Wenig Planungskosten und das Produkt immer wieder gleich hinstellen – der Wiederholungseffekt bringt die größte Einsparung.“
Das Konzept eigne sich besonders für Speckgürtel-Regionen, während in Ballungszentren individuelle Lösungen nötig blieben. Bei viergeschossigen Gebäuden steige der Errichtungspreis auf bis zu 2.650 Euro pro Quadratmeter. Im Preis enthalten seien Wärmepumpe und Photovoltaikanlage, nicht jedoch Tiefgaragen – stattdessen sind Freiparkplätze vorgesehen.
Volle Auftragsbücher dank Diversifizierungsstrategie
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigt sich die Strabag-Gruppe robust. „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt“, so Kratochwill. Das Unternehmen kompensiere die Schwäche im Hochbau durch Diversifizierung – ein Prinzip, das bereits Gründer Hans Peter Haselsteiner prägte.
In Deutschland ist Strabag derzeit beim Ausbau von Stromtrassen aktiv, ebenso im Industriebau, bei Rechenzentren und Gesundheitsprojekten. Auch im Gleisbau verzeichne man in ganz Europa – etwa in Kroatien und Tschechien – eine hohe Nachfrage.
„Wer nicht investiert, zahlt später drauf“
Kratochwill mahnte verstärkte Infrastrukturinvestitionen an – sowohl im Wohnbau als auch im Verkehrsbereich. „Umso weniger investiert wird, umso mehr wird es in Zukunft kosten“, warnte der CEO. Das betreffe nicht nur Neubauten, sondern auch Wartung und Instandhaltung.
Eine kontinuierliche Investitionspolitik der öffentlichen Hand sei entscheidend, um Planbarkeit zu gewährleisten. „Die Vernachlässigung der Infrastruktur hat schmerzhafte Konsequenzen, wie wir sie derzeit in Deutschland erleben“, sagte Kratochwill.
Beispiel Asphaltproduktion: Diese sei in Deutschland und Österreich auf einem historischen Tief. „In Deutschland wird aktuell rund 25 Prozent weniger Asphalt eingebaut als im Jahr davor – das ist weniger als in den 1990er-Jahren.“
Deutschland: Sonderbudget als Hoffnungsschimmer
Positiv wertete Kratochwill das in Deutschland beschlossene Sonderbudget für Infrastrukturinvestitionen. Noch fließe zwar kein Geld, doch die Weichen seien gestellt. „Ende 2026, wahrscheinlich 2027, wird es soweit sein“, so der Strabag-Chef. Das Programm sei auf zwölf Jahre angelegt. Voraussetzung sei jedoch, dass sich Planungs- und Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigen.
„Nicht jammern, sondern Lösungen finden“
Trotz Konjunkturschwäche gibt sich Kratochwill pragmatisch: „Wir versuchen, nicht zu jammern, sondern Lösungen zu finden, um unsere Leute zu beschäftigen.“ Die Strabag wolle auch in schwierigen Zeiten flexibel bleiben. „Die Zeiten ändern sich – und man muss sich mit ihnen ändern, um erfolgreich zu bleiben.“