Großprojekte wie S1 und Lobautunnel bündeln viele Konfliktlinien. Wie lässt sich hier eine Lösung finden?
Hanke: Dieses Projekt wird seit über zwei Jahrzehnten diskutiert. Entscheidend ist, Klimaziele und Entwicklungsziele gemeinsam zu betrachten. Es geht ja auch um die Frage, welche Fahrzeuge dann ab 2040 auf dieser Strecke unterwegs sind – und der Großteil werden Elektroautos sein. Im Norden Wiens gibt es große Potenziale für Wohnbau, insbesondere sozialen Wohnbau. Dafür braucht es leistungsfähige Verkehrserschließung.
Der erste Bauabschnitt ist baureif und wird umgesetzt, um die Wiener:innen und Niederösterreicher:innen zu entlasten. Für den zweiten Abschnitt gilt: Wenn die Verfahren positiv abgeschlossen werden, unterstütze ich auch dessen Realisierung. Die täglichen Staus auf der Tangente verursachen massive Emissionen und Kosten. Neue Infrastruktur kann – mit Blick auf zukünftige E-Mobilität – Teil der Lösung sein.
E-Mobilität ist derzeit überhaupt eines der dominierenden Themen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Vergleich zwischen Elektro- und Verbrennungsmotoren? Wohin geht die Reise?
Hanke: Die Entwicklung geht klar in Richtung E-Mobilität – nicht nur in Österreich, sondern europaweit. Hybrid- und Elektrofahrzeuge erreichen bei den Neuzulassungen mittlerweile höhere Stückzahlen als Fahrzeuge mit rein fossilem Antrieb. In Österreich ist zuletzt bereits jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug ein reines Elektroauto gewesen, der Anteil liegt bei über 21 Prozent. Das zeigt deutlich, dass diese Antriebsform Zukunft hat.
Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf den Pkw-Bereich. Sie zeigt sich ebenso in anderen Segmenten sowie in der Ladeinfrastruktur. Vor fünf Jahren war die Situation eine völlig andere als heute. Schnellladepunkte ermöglichen mittlerweile, Reisen mit kurzen Ladezeiten fortzusetzen. Österreich hat hier vieles richtig gemacht, auch durch ein zielgerichtetes Förderregime.
Mit emove-austria.gv.at haben wir zudem eine zentrale Informationsplattform geschaffen: Förderungen, Statistiken, Presseinformationen und regionale Auswertungen sind dort gebündelt verfügbar. Das macht sichtbar, wo sich die Entwicklung besonders dynamisch vollzieht – in Großstädten ebenso wie in ländlichen Gemeinden. Die Innovation ist angekommen.
Damit verbunden ist immer auch die Frage nach dem Verbrennungsmotor. Wie sehen Sie die Perspektive?
Hanke: Ich denke, das Jahr 2035 ist ein sinnvoller Zielpunkt, die Neuzulassung von Verbrenner einzuschränken, weil Unternehmen langfristige Planungssicherheit benötigen. Es kann sein, dass es auch danach noch einzelne Verkäufe fossiler Fahrzeuge gibt, das ist realistisch. Entscheidend ist jedoch Klarheit über den eingeschlagenen Weg. Industrie und Wirtschaft müssen sich auf politische Rahmenbedingungen verlassen können.
Aktuell wird auf EU-Ebene noch einmal diskutiert, ob die Regelungen angepasst werden. Selbst wenn es hier zu leichten Änderungen kommt, wird das die technologische Entwicklung nicht umkehren. Es geht nicht nur um Mobilität, sondern auch um die Autozulieferindustrie, die für Österreich von großer Bedeutung ist. Veränderungen in der Antriebstechnologie sind Realität, darauf müssen sich Unternehmen einstellen. Unser Anspruch ist es, geradlinig zu bleiben und mit klaren Zielen Vorreiter zu sein.
Die Baukosten steigen, Budgets sind begrenzt. Wie gehen Sie damit um?
Hanke: Durch Mehrjahresplanung und klare Prioritäten. Der Rahmenplan bei den ÖBB gibt Stabilität, die in Europa in dieser Form einzigartig ist. Die Baukosten haben sich zuletzt wieder etwas normalisiert. Wichtig ist Planungssicherheit für Bauwirtschaft und Arbeitsmarkt.
Gibt es derzeit Bereiche, die Ihnen Sorgen bereiten?
Hanke: Der Güterverkehr auf der Schiene ist europaweit rückläufig. Darauf müssen wir reagieren, etwa durch den Ausbau von Terminals wie aktuell in Wels. Konjunkturelle Schwankungen gehören dazu. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein, wenn die Mengen wieder steigen.
Abschließend: Woran wollen Sie konkret gemessen werden?
Hanke: Daran, dass wir zentrale Infrastrukturprojekte auf Schiene und Straße voranbringen, Lückenschlüsse schaffen und damit leistbare Mobilität für alle Menschen in Österreich sichern.