Koralmbahn Projektbericht und Interview mit dem ÖBB-Projektleiter : Koralmtunnel eröffnet, schnelle ÖBB-Verbindung in den Süden

Koralmbahn Zugtaufe

ÖBB CEO Andreas Matthä und Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Zugtaufe des 1. Koralmbahn-Zuges am Grazer Hauptbahnhof.

- © chriszenz.com

Nur wenige Stunden nach der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Koralmbahn ziehen die ÖBB eine erste Bilanz. Der Start des Betriebs auf der neuen Hochleistungsstrecke zwischen Graz und Klagenfurt verlief planmäßig. Es gab eine extrem hohe Nachfrage – die Strecke wurde vom ersten Moment an hervorragend angenommen: Bereits in den ersten Stunden waren 30 Züge und rund 10.000 Reisende auf der Koralmstrecke in Kärnten und der Steiermark unterwegs. Die neue Südstrecke entwickelt sich damit vom ersten Tag an zu einem echten Fahrgastmagneten. 

Mit Fahrzeiten von nur 41 Minuten zwischen Graz und Klagenfurt, einem dichteren Taktangebot sowie der nahtlosen Verknüpfung von Nah- und Fernverkehr setzt die Koralmbahn neue Maßstäbe im österreichischen Bahnverkehr. Auch die neuen Interregio-Züge, die zusätzliche attraktive Verbindungen im inneralpinen Raum schaffen, werden von den Kund:innen sehr gut angenommen.

Juni 2025: Testfahrten auf Koralmbahn abgeschlossen

Die ÖBB haben die Testphase auf der Koralmbahn und durch den Koralmtunnel nach eigenen Angaben erfolgreich beendet. Es wurden über 280 Testfahrten mit bis zu 250 km/h absolviert. Die avisierte Fahrzeit von Graz nach Klagenfurt mit 45 Minuten sei nun gesichert. 

In den vergangenen Wochen haben die ÖBB die Hochleistungsstrecke zwischen Graz und Klagenfurt mit einzelnen Lokomotiven, speziellen Messwagen und Railjets getestet. Vorstandschef Andreas Matthä, der an einer der Testfahrten teilgenommen hat, meinte: „Künftig werden wir mit einer Fahrzeit von knapp 45 Minuten die schnellste Verbindung zwischen Graz und Klagenfurt erleben. Die Bahn ist damit doppelt so schnell wie der Pkw.“

Ab Oktober soll der Güterverkehr auf der Koralmbahn aufgenommen werden. Der neue integrierte Taktfahrplan für den Personenverkehr wird im Sommer fertiggestellt und im September präsentiert. 

Ab August finden umfassende Schulungen für Lokführer und Techniker des ÖBB-Streckenmanagements statt. Bis zur Inbetriebnahme sind zudem noch Sicherheitsübungen mit Blaulichtorganisationen aus Kärnten und der Steiermark geplant.

6. längster Eisenbahntunnel der Welt: Einblicke in den Bau

Bei einem Gespräch mit Klaus Schneider, seines Zeichens Projektleiter Koralmtunnel und Gesamtkoordinator der Koralmbahn, springt die Begeisterung schnell über. Er kennt das Mega-Bauprojekt der ÖBB im Süden Österreich zwischen der Steiermark und Kärnten wie kaum ein Anderer. Schließlich ist er von Anfang an mit dabei, als alles Ende der 1990er-Jahre begann. Jetzt befindet sich die Koralmbahn sich im letzten Zielsprint. Bis Ende des Jahres werden alle baulichen Abschnitte fertiggestellt und die Inbetriebnahmephase in die Wege geleitet. „Im Vorjahr fuhr zum ersten Mal ein Reisezug betrieben mit Diesel durch den sechst längsten Eisenbahntunnel der Welt. 2025 wird dann alles auf Herz und Nieren geprüft. Genau in einem Jahr, im Oktober 2025, werden Güterzüge durch die 33 Kilometer langen Tunnelröhren fahren, ab Dezember 2025 auch Personenzüge“, schildert Klaus Schneider.

Judith Engel
, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG, meinte anlässlich der Eröffnung des Infoparks: „Sehr bald wird es normal sein, in 45 Minuten zwischen Graz und Klagenfurt zu pendeln. Mit dem Infopark Koralmbahn wollen wir erlebbar machen, welche Innovationen, Weltrekorde und Herausforderungen dahinterstecken.“

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Tunneldurchschlag voller Emotionen

ÖBB-Projektleiter Schneider erlebte es über Jahrzehnte hautnah mit. Besonders emotional fand er auch den finalen Tunneldurchschlag 2020: „Die Menschen haben über 12 Jahre dort unter Tag gearbeitet. Hinzu kam auch noch die Corona-Pandemie, also haben wir alles live übertragen.“ Trotz der Leistungen der Tunnelbohrmaschinen, weist er auf die Leistung der Arbeiter hin: „Hinter allem stehen Menschen. Also hinter jeder einzelnen Schraube, oder wenn der Gesteinsdruck zu groß wurde und die Bohrer freigelegt werden mussten. Die Mineure betreten einen Raum, den noch nie jemand vor ihnen betreten hat. Sie schaffen sich ihren Weg selbst.“

Der Koralmtunnel führt durch die Lavantaler Hauptstörungszone, einen kristallinen Gebirgsblock mit sehr massivem Material und schichtigen Aufbau: „Es gibt hier viele Überlagerungen und dadurch einen hohen Druck. Die Maschinen mussten oft händisch wieder freigelegt werden, da sich auch spitze Teile des Gebirges in ihr steckten und ein Weiterkommen nicht möglich war“, erzählt Schneider über die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine.

>> Hier gibt es mehr Informationen zu (Tunnel)Bauprojekten der ÖBB.

  • "2025 wird dann alles auf Herz und Nieren geprüft. Genau in einem Jahr, im Oktober 2025, werden Güterzüge durch die 33 Kilometer langen Tunnelröhren fahren, ab Dezember 2025 auch Personenzüge."

    Klaus Schneider, Projektleiter Koralmtunnel und Gesamtkoordinator der Koralmbahn

Logistische Herausforderung

Bedenkt man noch die Bedingungen, die unter Tag herrschen, ist es eine menschliche Höchstleistung, die hier vollbracht worden ist und wird: „Die höchste Überlagerung zum Tunnel ist 1.200 Meter. Die Temperatur liegt über 30 Grad Celsius, meist bei 33 Grad. Laufend muss Frischluft zugebracht und auf eine ausgewogene Temperierung geachtet werden“, so Klaus Schneider.

Hinzu kommt noch die logistische Herausforderung und die weiten Strecken, die zurückgelegt werden müssen. „Der Koralmtunnel kann nur über das Ost- oder Westportal erreicht werden. Weitere Zugangspunkte gibt es nicht. Der Weg zum Arbeitsplatz dauert deshalb bis zu 90 Minuten. Ist das Material oder Werkzeug nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hat das große Auswirkungen“, gibt Schneider zu Bedenken. Derzeit erfolgt gerade die technische Ausstattung, wobei hier schon mehr als die Hälfte erledigt ist. Bis Jahresende werden alle Hauptarbeiten fertig gestellt. Parallel startete mit März bereits die Installation der Oberleitung.

Einblick in den Koralmtunnel

- © ÖBB Zenz

Verlegt wurden 20.000 Gleistragplatten.

- © ÖBB Zenz

High-Tech aus Östereich

Für die Logistik und weite Teile der Bahntechnik sind das Vorarlberger Unternehmen Rhomberg Sersa Rail Group und die Porr Group verantwortlich. Rund 13.000 Gleistragplatten für die Fahrbahn kamen wiederum umweltfreundlich per Schiene aus dem Wöllersdorfer Stammwerk (NÖ) der MABA Fertigteilindustrie, einer Tochter der Kirchdorfer Gruppe. Die Hochleistungsschienen, Hochgeschwindigkeitsweichen und die dazugehörige digitale Technik zur Weichenüberwachung stammen indessen von der voestalpine Railway Systems, dem weltweit führenden Anbieter für komplette Bahninfrastruktursysteme.

Für das einheitliche Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) ist Siemens Mobility verantwortlich. Und das Linzer Unternehmen Sprecher Automation sorgt mit ihren Automatisierungssystemen für die sichere Übertragung und Überwachung der elektrischen und maschinellen Anlagenteile untereinander.

Die Koralmbahn im Überblick

Strecke

Graz (Steiermark)–Klagenfurt (Kärnten)

Streckenlänge 130 Kilometer

50 Kilometer Tunnel (davon 33 Kilometer Koralmtunnel)

Über 100 Brücken und Unterführungen

23 Bahnhöfe und Haltestellen (davon 12 entlang der Neubaustrecke)


Meilensteine
1998: Baustart Koralmbahn
2007: Inbetriebnahme erste Abschnitte
2008: Baustart Koralmtunnel
2014: Fertigstellung Drauquerung
2015: Baubeginn Tunnelkette Granitztal
2017: Baustart Bahnhof Weststeiermark
2018: Erster Durchschlag Koralmtunnel
2019: Baustart des letzten Abschnitts Graz–Weitendorf
2020: Finaler Koralm Tunneldurchschlag
2023: Teilinbetriebnahme Koralmbahn Kärnten

Fakten Koralmtunnel
* 33 km Länge
• 10 m Durchmesser
• 2 eingleisige Röhren
• Alle 500 m Querschläge
• 25-50 m Abstand der Tunnelröhren zueinander
• 1.200 m maximale Überlagerung
• 3 Tunnelbohrmaschinen mit jeweils rund 10.000 PS
• 900 m lange Nothaltestelle
• 160.000 Tübbinge (Betonteile zur Auskleidung)
• 90 Gleiskilometer Stollenbahn
• 30 Stollenbahn-Loks

Visualisierung Koralmbahn
© ÖBB