Digitalisierung | Infrastruktur : Digitalisierung in der Infrastruktur: Warum der Bruch zwischen Planung und Bau überwunden werden muss
Wenn der digitale Faden auf der Baustelle abreißt
Die Digitalisierung der Infrastruktur ist derzeit stark auf die Planungsphase ausgerichtet. Modelle werden erstellt, koordiniert und geprüft – doch mit Beginn der Bauausführung verlieren sie oft ihre zentrale Rolle. Informationen entstehen parallel zur Baustelle, werden aber nicht mehr im Kontext des digitalen Modells geführt.
Gerade bei komplexen Infrastrukturprojekten mit langen Laufzeiten ist das problematisch. Daten aus Baumaschinen, Bauzuständen oder Vermessungen liegen zwar digital vor, bleiben jedoch häufig isoliert. Damit geht jenes Wissen verloren, das für Projektsteuerung, Nachvollziehbarkeit und späteren Betrieb entscheidend wäre.
Der BIM Globe 2026 setzt genau hier an. Die Jahreshauptveranstaltung von buildingSMART Austria versteht sich als Plattform, um Digitalisierung nicht nur aus der Perspektive der Planung zu diskutieren, sondern den Fokus stärker auf Bauphase und Betrieb zu richten.
Der kritische Übergang von der Planung in die Ausführung
In der Praxis zeigt sich, dass BIM-Modelle während der Planung eine hohe Reife erreichen, auf der Baustelle jedoch oft zu statischen Referenzen werden. Gleichzeitig entstehen genau dort zentrale Kontextinformationen: Baufortschritt, Bauzustände, Punktwolken aus Laserscans, Gerätestandorte oder Freigabeprozesse.
Werden diese Daten nicht strukturiert mit dem Modell verknüpft, entsteht ein neuer Medienbruch. Die Folgen reichen von eingeschränkter Transparenz über zusätzliche Kosten bis hin zu Wissensverlusten für den späteren Betrieb.
Baustellenkontext im Modell halten – technisch längst möglich
Ein Schwerpunkt der Infrastruktur-Sessions beim BIM Globe 2026 liegt auf der Frage, wie sich digitale Modelle während der Bauausführung als zentrale Referenz erhalten lassen. Zwei Fachvorträge zeigen anhand konkreter Anwendungen, dass die Integration von Baustellendaten heute keine Vision mehr ist.
Technisch lassen sich bereits heute unter anderem:
• Punktwolken modellbezogen referenzieren
• Bauzustände zeitlich abbilden
• Dokumente, Bescheide und Protokolle direkt am Modell verknüpfen
• Maschinendaten und Vermessungsinformationen systematisch integrieren
Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Softwarelösung als eine durchgängige Datenstrategie über Planung, Bau und Betrieb hinweg.
Wissen aus der Bauphase für den Betrieb sichern
Besonders Betreiber profitieren von konsistenten digitalen Prozessen. Informationen, die während der Bauphase entstehen, sind für Wartung, Instandhaltung und Weiterentwicklung von Infrastrukturanlagen zentral. In vielen Projekten werden sie jedoch nur unzureichend übergeben.
Eine strukturierte Verbindung zwischen Modell, Baustellenkontext und Dokumentation schafft die Grundlage dafür, Bauwerkswissen langfristig nutzbar zu machen – anstatt es mit Projektabschluss erneut zu verlieren.
Vom Modell zur gelebten digitalen Praxis
Der BIM Globe 2026 versteht sich als Impulsgeber für diesen Wandel: weg von isolierten Modellansätzen hin zu durchgängigen digitalen Prozessen entlang des gesamten Lebenszyklus von Infrastrukturprojekten. Die vorgestellten Praxisbeispiele zeigen, wie digitale Modelle auch in der Bauphase aktiv genutzt werden können – und damit einen messbaren Mehrwert für Planung, Ausführung und Betrieb schaffen.