Vergabe : Vergaberecht 2026: Gewerkschaft fordert stärkere heimische und regionale Wertschöpfung am Bau
Gewerkschafter Muchitsch kämpft seit Jahren für regionale Vergaben.
- © GBHInitiative „Rotweißrot bauen“ gestartet
Mit der Initiative „Rotweißrot bauen“ will die Gewerkschaft Bau-Holz die heimische Bauwirtschaft stärken, Wertschöpfung im Inland sichern und Arbeitsplätze erhalten. Zentrales Anliegen ist eine stärkere Ausrichtung öffentlicher und privater Bauvergaben am Bestbieterprinzip statt an reinen Niedrigstpreisen.
GBH-Vorsitzender Josef Muchitsch betonte bei einem Branchentreffen in Wien, dass nicht der billigste Anbieter, sondern das qualitativ beste Gesamtangebot ausschlaggebend sein müsse. Niedrigpreise würden langfristig häufig zu höheren Folgekosten führen.
Unterstützung durch Sozialpartner
Im Rahmen des Neujahrsempfangs der Gewerkschaft wurde auch die Unterstützung der Arbeitgeberseite sichtbar. Der frühere Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, sprach von einer notwendigen „Mut-Injektion“ für die Branche und unterstrich die Bedeutung gemeinsamer Verantwortung in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.
Öffentliche Bauinvestitionen von zentraler Bedeutung
Muchitsch richtete zudem einen Appell an SPÖ-Parteichef, Vizekanzler und Wohnbauminister Andreas Babler. Ziel müsse es sein, einen möglichst großen Teil der öffentlichen Bauvergaben im Umfang von rund 70 Milliarden Euro im Land zu halten. Dieses Volumen entspreche rund 18 Prozent des österreichischen Staatsbudgets.
Wohnbauminister Babler verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf den hohen Stellenwert von Sanierungsmaßnahmen und bezeichnete das neue Bundesvergabegesetz als wichtigen ersten Schritt, dem jedoch weitere Maßnahmen folgen müssten.
Neues Bundesvergabegesetz soll Regionalität stärken
Das mit Dezember beschlossene Bundesvergabegesetz 2026 soll Anfang März in Kraft treten. Es ermöglicht unter anderem eine stärkere Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und unternehmensbezogenen Kriterien (ESG) sowie eine gewerkweise Vergabe von Aufträgen.
Vergaberechtsexperte Martin Schiefer sieht darin künftig bessere Chancen für regionale Unternehmen. Das Prinzip laute „regional, wo möglich – global, wo nötig“.
Beschäftigungsrückgang in der Baubranche
Die Gewerkschaft verweist auf die angespannte Beschäftigungslage in der Bauwirtschaft. In den vergangenen vier Jahren gingen rund 17.500 Arbeitsplätze verloren. Während im Oktober 2021 noch 152.898 Personen in der Branche beschäftigt waren, lag die Zahl im Oktober 2025 bei 135.435 – ein Rückgang von rund 11,4 Prozent.
Kritik an Sub- und Subsubvergaben
Kritisch sieht die Arbeitnehmerseite die zunehmende Weitergabe von Bauaufträgen an Sub- und Subsubunternehmen. Laut Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl könne dies dazu führen, dass zwar formal österreichische Unternehmen beauftragt werden, die tatsächliche Wertschöpfung jedoch ins Ausland abfließe.
Anderl fordert daher verstärkte Kontrollen sowie konsequente Sanktionen bei Verstößen gegen das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping.