Bauwirtschaft : Baukosten senken, Potenziale heben: Symposium in Steyregg zeigt konkrete Wege für Oberösterreichs Bauwirtschaft
Bmstr. DI Anton Rieder (Rieder Bau GmbH & Co KG), Dir. Mag. Robert Oberleitner (GF Neue Heimat), Abgeordneter zum Nationalrat Josef Muchitsch, Bmstr. Ing. Norbert Hartl (Präs. der BAUAkademie BWZ OÖ), Landesrat Markus Achleitner, Bmstr. Ing. Wolfgang Holzhaider (Landesinnungsmeister Bau OÖ)
- © BAU AkademieDie Bauwirtschaft steckt in einem strukturellen Wandel, der durch steigende Kosten, komplexe Verfahren und hohe regulatorische Dichte weiter beschleunigt wird. Beim Bau-Symposium 2025 in der BAUAkademie BWZ OÖ in Steyregg – organisiert mit der Landesinnung Bau OÖ und der Zukunftsagentur Bau (ZAB) – stand deshalb eine Frage im Zentrum: Wie lässt sich in Oberösterreich kostengünstiger, schneller und zugleich hochwertig bauen?
Die Antwort der teilnehmenden Expertinnen und Experten fiel klar aus: Durch einfachere Standards, integrierte Planung, neue Gebäudeklassen und mutige Pilotprojekte können erhebliche Einsparungen erzielt werden – ohne Qualitätsverlust.
Hamburg-Standard rückt in den Fokus: Ein Drittel weniger Kosten
Ein Höhepunkt des Symposiums war die Präsentation des „Hamburg-Standards“ durch Robert Klaus, Abteilungsleiter der Obersten Bauaufsicht Hamburgs. Das Modell gilt in Deutschland als Vorreiter einer neuen Baukultur und basiert auf radikal vereinfachten Vorgaben, klaren Typologien und schlanken Genehmigungsprozessen.
Die Wirkung ist belegt:
• mehr als 1.000 bis 2.000 Euro Einsparung pro m² Wohnfläche,
• über ein Drittel niedrigere Baukosten,
• spürbar weniger CO₂,
• deutlich schnellere Verfahren.
Besonders aufschlussreich sind die Hamburger Pilotprojekte:
13 Bauvorhaben in allen Bezirken – rund 1.200 Wohnungen – dienen dazu, die Maßnahmen systematisch zu testen. Das prominenteste Beispiel ist das Wilhelmsburger Rathausviertel mit rund 1.900 Wohneinheiten sowie Bildungs- und Gewerbeflächen. Die begleitende Forschung zeigt, dass ein standardisiertes, entschlacktes System Planungs- und Bauprozesse massiv beschleunigt.
In Steyregg wurde deutlich: Ein übertragbares Modell wie der Hamburg-Standard könnte auch in Oberösterreich enormes Potenzial entfalten – sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen geöffnet werden.
OÖ Baubetriebe: „Wir brauchen weniger Regulierung, mehr Planungskompetenz“
Aus Sicht der Bauwirtschaft brachte Bundesinnungsmeister-Stv. Norbert Hartl klar auf den Punkt, was die Branche belastet:
Überregulierung, ein immer dichteres Normennetz und langwierige Verfahren. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen seien mit administrativen Anforderungen konfrontiert, die Ressourcen binden und Innovation hemmen.
Zentrale Forderungen der Branche:
• Bürokratieabbau und strukturelle Reformen
• mehr Freiheitsgrade bei Gebäudeklassen (z. B. Gebäudeklasse E)
• Stärkung der Planung und Ausbildung
• klare Standards statt Detailvorgaben
Landesinnungsmeister Wolfgang Holzhaider betonte, dass Produktivitätsverluste im Bau vor allem aus komplexen Projekten und zersplitterten Planungsprozessen resultieren. Generalplaner-Modelle, so seine Analyse, würden Reibungsverluste minimieren und damit Kostensicherheit schaffen.
Holzhaider forderte zudem eine Reform der Architekturausbildung, die stärker auf Baumanagement und Ausführungswissen eingehen müsse. Die entscheidende Kostenbeeinflussung liege in der frühen Planungsphase – hier brauche es dringend mehr Kompetenz.
Bauen außerhalb der Norm: ZAB und Forschung zeigen Einsparpotenziale
Großes Interesse galt den ZAB-Projekten rund um „Bauen außerhalb der Norm“. Dort wird geprüft, wie Bauvorhaben auch jenseits eng gefasster Vorschriften umgesetzt werden können, ohne Sicherheitsstandards zu gefährden.
Konkrete Ergebnisse aus der Forschung (Universität Innsbruck):
• bis zu 30 % Einsparung bei Decken- oder Heizungsdimensionierungen,
• gleiche Nutzung und Komfort,
• deutlich bessere CO₂-Bilanz.
Gerade Gebäudeklasse E könnte laut Experten je nach Projekt 10–25 % Baukostenreduktion ermöglichen – ein Hebel, der angesichts steigender Zinsen und Immobilienpreise für den Wohnbau wie für den betrieblichen Neubau entscheidend ist.
Politik: Impulse aus Land und Bund
Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner stellte klar, dass das Land OÖ bessere Rahmenbedingungen und Investitionsimpulse setzen wolle – etwa durch Anpassungen rund um die KIM-Verordnung sowie direkte Landesinvestitionen, um die Baukonjunktur zu stabilisieren.
Auf Bundesebene betonte Nationalratsabgeordneter Josef Muchitsch, dass die Bauwirtschaft ein systemrelevanter Wirtschaftszweig sei, der entlastet werden müsse. Seine zentralen Punkte:
• eine einheitliche österreichische Bauordnung,
• mehr regionale Wertschöpfung,
• Vergaben nach „rot-weiß-rot“ statt reinen Billigstbieterentscheidungen.
Werde nur der niedrigste Preis gewertet, verlieren österreichische Betriebe wesentliche Vorteile wie qualitative Arbeit, sichere Jobs und hohe Ausbildungsstandards – und geraten im internationalen Vergleich unter Druck.
Das starke Interesse der Teilnehmenden und der offene Austausch zeigten, dass die Branche bereit ist, neue Wege zu gehen – und Oberösterreich zu einem Vorreiter für kosteneffizientes, nachhaltiges und innovatives Bauen zu machen.