Kommunikation auf der Baustelle : Maximen des Dialogs – Kooperation als Grundhaltung
Ohne das gegenseitige Bemühen um Kooperation würden Dialoge im Chaos enden.
- © Taskmanager - stock.adobe.comKooperation als stillschweigende Grundlage
Beim Dialog geht es unter anderem darum, ein Problem zu lösen, Informationen auszutauschen, eine Entscheidung zu treffen. Und doch scheitern viele Dialoge daran, dass dieses gemeinsame Ziel in der Kommunikation nicht oder nur unzureichend zum Ausdruck gebracht wird. Missverständnisse, falsche Deutungen und unklare Botschaften führen dazu, dass die Kooperationsbasis verdeckt bleibt.
Der britische Philosoph Paul Grice hat sein Kooperationsprinzip zur Grundlage gelingender Kommunikation erhoben. Bei den meisten Äußerungen gibt es eine implizite Bedeutung. Diese muss sich der Empfänger oft selbst erschließen. Dafür benötigt es jedoch die entsprechende Haltung dies Tun zu wollen. Dies nennt Grice das Kooperationsprinzip.
Ohne dieses gegenseitige Bemühen um Kooperation würden Dialoge im Chaos enden. Gerade in stressigen Situationen auf der Baustelle zeigt sich, wie wichtig es ist, das Kooperationsprinzip bewusst zu leben und nicht nur vorauszusetzen.
Kommunikation auf mehreren Ebenen
Die Herausforderung: Kommunikation findet immer auf mehreren Ebenen statt. Da ist das Gesagte – die Worte an sich. Doch hinzu kommen Tonfall, Körpersprache, Kontext und Beziehungsebene. Wer sich dessen bewusst ist, kann sich beim Zuhören bewusst entscheiden, auf welcher Ebene er eine Aussage verstehen möchte. Und wer spricht, trägt Verantwortung, seine Botschaften so zu formulieren, dass sie möglichst wenig missverständlich sind. Gerade im hektischen Alltag auf der Baustelle kann dies den Unterschied machen zwischen einer Eskalation und einer konstruktiven Lösung. Wer die Vielschichtigkeit berücksichtigt, baut Brücken statt Mauern.
Die fünf Maximen des Dialogs nach René Borbonus
Um Dialoge klarer und respektvoller zu gestalten, hat der Kommunikationsexperte René Borbonus fünf Maximen formuliert. Sie können als Leitlinien für gelingende Kommunikation verstanden werden:
1. Maxime der Angemessenheit – Sagen Sie so viel wie nötig und so wenig wie möglich, damit Ihr Gegenüber Sie richtig verstehen und Ihre Absichten nachvollziehen kann.
2. Maxime der Aufrichtigkeit – Äußern Sie nur, was sie selbst für richtig und wahr halten.
3. Maxime der Sachbezogenheit – Beschränken Sie sich mit Ihren Aussagen auf Themenrelevantes und lassen Sie alles andere weg.
4. Maxime der Eindeutigkeit – Bemühen Sie sich um eine klare Ausdrucksweise, indem Sie vage, mehrdeutige, ablenkende, manipulative oder andere verschiedene Formulierungen meiden.
5. Maxime der Empathie – Bemühen Sie sich stets darum, Ihre Gesprächspartner*innen zu sehen.
Kooperation als Grundhaltung
Kooperation als Grundhaltung bedeutet also, dass wir Dialoge nicht als Bühne für Durchsetzung verstehen, sondern als Raum, in dem gemeinsames Verständnis wächst. Sie setzt voraus, dass wir uns bewusst auf das gemeinsame Ziel beziehen und unsere Sprache daran ausrichten. Gerade auf der Baustelle, wo unterschiedliche Interessen, Zeitdruck und Stress aufeinandertreffen, kann diese Haltung den entscheidenden Unterschied machen. Denn am Ende ist Kommunikation nicht nur Austausch von Worten – sie ist der Kitt, der Projekte zusammenhält. Und dieser Kitt wird umso stabiler, je mehr wir uns an die Maximen des Dialogs halten. Wer Kooperation in der Kommunikation lebt, schafft nicht nur bessere Ergebnisse, sondern auch ein respektvolles Miteinander, das den Alltag erleichtert und Konflikte reduziert.