Ukraine | Kapitalmarkt : UPDATE Strabag vs. Deripaska: Anteilverkauf noch nicht durch

Download von www.picturedesk.com am 10.04.2018 (09:26). MOSCOW, RUSSIA - SEPTEMBER 21, 2017: Rusal President and Management Board Member Oleg Deripaska ahead of a meeting of Russian President Vladimr Putin with Russian businessmen at the Moscow Kremlin. Sergei Savostyanov/TASS - 20170921_PD4610

Oleg Deripaska war schon länger als Anteilseigner ungeliebt.

- © Sergei Savostyanov / Tass / picturedesk.com

Deal ist deshalb "nicht abgeblasen"

Die Strabag hat von ihrem russischen Großaktionär Oleg Deripaska am Montag eine Korrektur zu dessen Angaben vom 18. Dezember über den Verkauf seines 27,8-Prozent-Anteils erhalten. Dies hat der Konzern am Dienstagabend selbst ad hoc bekannt gegeben.

Demnach ist die Transaktion von Deripaskas Rasperia mit der Anteilserwerberin Iliadis noch nicht abgeschlossen. Es handle sich "um eine Verschiebung aufgrund der Ad-hoc-Pflicht (börsenrechtliche Vorschriften, Anm.)", sagte der Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA), Florian Beckermann, am Dienstagabend.

Der Experte betonte, dass man deshalb jetzt nicht davon ausgehen könne, dass der Deal insgesamt geplatzt sei. "Das heißt zwar nicht 'Zurück auf Los', aber es zeigt schon, dass die Strabag hier kaum in der Lage ist, das Vorgehen in Russland zu überprüfen", so Beckermann.

Was bisher geschah:

Die Strabag SE hat den Rechtsstreit gegen den russischen Oligarchen Oleg Deripaska in letzter Instanz gewonnen.

Deripaska war zu Beginn des Rechtsstreits über die russische Firma MKAO Rasperia Trading an dem Baukonzern beteiligt. Er hatte sich vor Gericht gegen eine Entmachtung durch die Mehrheitseigner gewehrt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat Strabag nun Recht gegeben.

Allerdings wurden die Anteile von Oleg Deripaska mittlerweile an die russische Aktiengesellschaft Iliadis JSC verkauft.

Für dieses Aktienpaket hat die Raiffeisen Bank International (RBI) Interesse angemeldet. Sie würde den Strabag-Anteil von 27,8 Prozent von der russischen AG übernehmen. Der mögliche Kaufpreis wurde von Raiffeisen mit 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Weitere Entwicklungen sind jedoch noch offen.

Schon längeres Tauziehen

Nachdem die Strabag als Folge des Ukraine-Angriffs Russlands Deripaska bzw. die von ihm direkt kontrollierte Rasperia Trading aus dem Syndikat der Kernaktionäre entfernt, seine Dividende eingefroren und den Anteil der Rasperia durch Kapitalmarktmaßnahmen verwässert hat, wurde am 19.12. zunächst bekannt, dass Deripaska den von ihm kontrollierten Strabag-Anteil verkauft haben soll.

Der zur Diskussion stehende 27,8-Prozent-Anteil an dem Baukonzern soll an eine russische Aktiengesellschaft namens Iliadis JSC gegangen sein.

Der Vorstand der Strabag sei darüber informiert worden, dass ein Kaufvertrag über sämtliche Anteile der von Deripaska kontrollierten MKAO "Rasperia Trading Limited" (Rasperia) abgeschlossen worden sei, teilte der Konzern am 20. Dezember 2023 mit. Der Vollzug des Kaufvertrags sei allerdings noch nicht erfolgt.

Derzeit gehe die Strabag weiterhin davon aus, dass die Anteile an Rasperia gemäß EU-Sanktionsverordnung eingefroren sind.

RBI plant über Russland-Tochter Kauf der Anteile

Am späteren Abend des 19.12. wurde bekannt, dass die RBI plane, diesen Anteil zu erwerben. Dabei sollen für insgesamt 28.500.000 Strabag-Aktien 1,5 Mrd. Euro fließen, teilte die RBI mit.

Der Kauf des Aktienpakets würde über mehrere Ecken erfolgen. Wie oben erwähnt soll die MKAO "Rasperia Trading Limited", über die Oleg Deripaska seinen Anteil an der Strabag hält, an die russische Aktiengesellschaft Iliadis JSC übertragen werden. Sollte dieser Verkauf erfolgreich sein und die Iliadis einer Due-Diligence-Prüfung der Raiffeisen standhalten, würde die Raiffeisen Russland die Strabag-Aktien dann von der Iliadis erwerben, sagte ein Raiffeisen-Sprecher.

In weiterer Folge wäre geplant, dass die Raiffeisen Russland die Aktien in Form einer Sachdividende an die RBI überträgt. Die RBI würde die Strabag-Anteile dann in Form einer langfristigen Kapitalbeteiligung an der Strabag behalten. Aber auch diese Transaktion benötigt zuvor eine Genehmigung der russischen Behörden. Sollten alle Prüfungen und Genehmigungen erfolgreich sein, könnte der Deal im ersten Quartal 2024 abgeschlossen sein, schreibt die Bank.

RBI-Zentrale Wien
Die RBI plant, den ehemaligen Deripaska-Anteil zu übernehmen. - © RBI

Strabag äußert sich positiv

Die Strabag äußerte sich am Dienstagabend positiv zu den Plänen der Raiffeisen. Es wäre "im Interesse der Gesellschaft", wenn Deripaska bzw. die von ihm gesteuerte MKAO Rasperia Trading Limited aus der Strabag als Eigentümer ausscheiden würde, da die Beteiligung "mit Nachteilen für die Gesellschaft verbunden sei". Es brauche jedoch eine genaue sanktionsrechtliche Prüfung des Deals.

Gusenbauer legt wegen Signa-Bezügen Aufsichtsratvorsitz zurück

Am Nachmittag wurde weiters bekannt, dass Alfred Gusenbauer, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Strabag SE, am Ende der Aufsichtsratssitzung der Strabag SE sein Mandat mit Ablauf des 31.12.2023 vorzeitig zurücklegt.

Vor diesem Hintergrund wurde Kerstin Gelbmann, langjähriges Aufsichtsratsmitglied, mit Wirkung zum 1.1.2024 zur Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

Alfred Gusenbauer dazu: „Die öffentliche Diskussion über einzelne in Schieflage geratene Signa Gesellschaften, deren Aufsichtsratsvorsitzender ich bin, veranlasst mich, das Aufsichtsratsmandat und damit auch den Vorsitz der Strabag SE per 31.12.2023 zurückzulegen. Ich will vermeiden, dass irgendein Reputationsschatten auf die STRABAG fällt, die im Übrigen keine besonderen Geschäftsbeziehungen mit der Signa unterhält."