Wohnbau : Schneller bauen statt lang warten – warum Österreich beim leistbaren Wohnen vor allem effizientere Verfahren braucht

Betonbaupreis Wohnbau
© Hertha Hurnaus

OECD: Angebotspolitik statt Mietpreisregulierung – Österreich kennt die Symptome

Die OECD-Ökonomin Daniela Glocker präsentierte Befunde aus den Niederlanden, die stark an Österreich erinnern: Das Wohnungsangebot wächst zu langsam, Planungs- und Genehmigungsprozesse dauern zu lange, Kommunen kämpfen mit Infrastrukturkosten, und Arbeitskräftemangel limitiert die Bautätigkeit.

Glockers Schlussfolgerung – weniger Mietregulierung, um Investoren anzuziehen – findet in Österreich allerdings wenig Widerhall. Die sozialen und wirtschaftlichen Realitäten in Wien, Graz, Linz oder Salzburg unterscheiden sich stark von liberaleren Märkten.

Wiener Erfahrungen: Regulierung plus Bodenpolitik – aber „Tempo“ wird zur Engstelle

Gregor Puscher vom Wohnfonds Wien zeigte die Perspektive der Stadt Wien auf, deren sozialer Wohnbau international als Modell gilt. Wien setzt seit Jahrzehnten auf aktive Bodenpolitik und langfristige Flächensicherung – rund drei Millionen Quadratmeter unentwickelter Grund stehen für kommende Generationen bereit.

Doch auch Wien kämpft mit wachsender Verfahrenskomplexität: Nachhaltigkeitsauflagen, Dekarbonisierungspflichten, Richtwertsystem und Infrastrukturkoordination verlängern die Genehmigungswege. Selbst bei guter Flächenverfügbarkeit bleibt der Flaschenhals: Es dauert zu lange, bis Baureife erreicht wird.

Für die österreichische Bauwirtschaft bedeutet das: Die Nachfrage wäre da – aber die Pipeline stockt.

Städte und Verbände: Mieterschutz zentral, doch schnelleres Bauen als gemeinsamer Nenner

Städtevertreter aus Amsterdam und der Deutsche Mieterbund wiesen die OECD-Forderung nach weniger Regulierung zurück. Auch in Österreich gilt: Mieterschutz bleibt politisch und gesellschaftlich unverzichtbar. Aber selbst Vertreter regulierter Märkte betonen, dass ohne mehr Neubau kein Preisstabilisierungseffekt erreichbar ist.

Hilmar von Lojewski vom Deutschen Städtetag brachte ein Argument, das auch in Österreich zunehmend diskutiert wird: Neubau und Verdichtung seien wichtiger als das Festhalten an alten, günstigen Bestandsmieten. Dazu brauche es flächensparende Bauweisen und aktive Bodenpolitik – zwei Punkte, bei denen Österreich bereits viel Erfahrung hat.

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Österreichs zentrale Herausforderung: Verfahren beschleunigen, Kapazitäten sichern

inig waren sich alle Diskutanten über die Notwendigkeit schnellerer, einfacherer Abläufe. Für Österreich ist das nicht neu – vom UVP-Reformpaket bis zu Digitalisierungsprojekten in den Baubehörden wurde Tempo mehrfach angekündigt, aber nur teilweise erreicht.

Die Kernfragen lauten:

  • Wie gelingt eine echte Straffung von Planungs- und Bewilligungsverfahren?
  • Wie werden Bauämter personell und digital so ausgestattet, dass sie die steigenden Anforderungen bewältigen?
  • Wie können Nachhaltigkeitsauflagen mit praktikablen Zeitplänen kombiniert werden?
  • Welche Bauweisen (modular, seriell, vorgefertigt) helfen, den Prozess zusätzlich zu verkürzen?

Solange diese Fragen ungelöst bleiben, werde der österreichische Wohnungsmarkt kaum Entspannung spüren.

Fazit: Für leistbares Wohnen braucht Österreich weniger Komplexität – und mehr Geschwindigkeit

Die Debatte zeigte, dass Regulierungsmodelle stark variieren. Doch ein Punkt verbindet internationale Experten und österreichische Praktiker: Leistbares Wohnen wird nur möglich sein, wenn schneller gebaut werden kann. Dafür müssen Bund, Länder und Städte die Verfahrensarchitektur entschlacken, Zuständigkeiten bündeln und digitale Werkzeuge konsequent einsetzen.