Wohnbauexperte Amann : "Wohnbaumilliarde greift nicht!"
Von der Wohnbaumilliarde sei bisher lediglich ein Viertel der Mittel ausbezahlt.
- © Gina Sanders - stock.adobe.comAls weiteres Hindernis für den leistbaren Wohnbau nannte Wolfgang Amann, dass rund 20 Prozent der gewidmeten Flächen nicht bebaut werden. Diese Grundstücke dienten oft als gute Geldanlage, weshalb ständige Neuwidmungen wenig sinnvoll seien, solange verfügbare Flächen in guter Lage ungenutzt blieben. Hinzu kämen sehr langwierige Bau- und Bewilligungsverfahren, insbesondere im Bereich des Naturschutzes.
Deutlicher Einbruch im gewerblichen Neubau
Im Gegensatz zum gemeinnützigen Sektor, der noch vergleichsweise kontinuierlich baue, sieht Amann im gewerblichen Neubau einen weitaus stärkeren Einbruch. Dort zeige sich ein erhebliches Defizit bei Eigentums-, Vorsorge- und privaten Mietwohnungen. Die im Regierungsprogramm vorgesehene Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung hält der Experte für einen richtigen Schritt. Diese Maßnahme allein bedeute jedoch nicht automatisch ausreichend verfügbare Gelder; es brauche ein klares Bekenntnis der Bundesländer zur Errichtung leistbarer Wohnungen.
Kritisch blickt Amann zudem auf die thermische Sanierung, bei der es aktuell an Kontinuität fehle. Um Wohnungseigentümergemeinschaften zu entsprechenden Beschlüssen zu bewegen, seien verlässliche Förderzusagen unerlässlich. Da der massive Fördereinsatz des Jahres 2024 so schnell nicht wieder erreicht werde, drängt der Experte auf zusätzliche wohnrechtliche Maßnahmen. Nur so könne man Eigentümerinnen und Eigentümer dazu bringen, auch künftig Geld in die Hand zu nehmen.
51.500 Baubewilligungen im Jahr 2024
In der Wohnbauförderungsstatistik 2024 vom Fachverband der Stein- und keramischen Industrie gemeinsam mit IIBW zeigt sich ein leichter Aufwärtstrend bei der Zahl der geförderten Wohneinheiten. Die Baubewilligungen liegen rund ein Drittel unter dem 10-Jahresschnitt.
Die Zahl der Baubewilligungen lag 2024 bei 51.500 und damit weiter in einer Talsohle von rund einem Drittel unter dem 10-Jahresschnitt. Aufwärtstrend bei Zahl der geförderten Wohneinheiten (+13% zum Vorjahr) und den Ausgaben der Wohnbauförderung (+14% auf EUR 2,51 Mrd.). Beseitigung der Wohnraumverknappung ist nun Gebot der Stunde.
„Durch die hohen Kreditzinsen, die stark kritisierte KIM-Verordnung und den gestiegenen Baupreisen kamen wir auch 2024 bei den Baubewilligungen nicht aus der Talsohle heraus. Erstmals seit Jahren sehen wir allerdings einen Aufwärtstrend bei den Neuförderungen, was leichten Anlass zur Hoffnung zur Beseitigung der Wohnraumknappheit gibt“, informiert Robert Schmid, Obmann des Fachverbands.
Insgesamt wurden 19.200 Wohneinheiten gefördert (+13% gegenüber 2023). Die Ausgaben der Wohnbauförderung stiegen im vergangenen Jahr um 14% auf EUR 2,51 Mrd. und erreichten damit wieder das Niveau der frühen 2010er-Jahre. „Es ist nun dringend nötig, dass mit der Wohnbauförderung die Bauproduktion stabilisiert und das Angebot an leistbaren Wohnungen erhöht wird. Wir sehen ansonsten das Risiko, dass durch die derzeitige Wohnraumverknappung die Baukosten weiter steigen werden“, warnt Schmid.
Und weiter: „Wenn wir mehr Wohnraum bereitstellen wollen, müssen wir nicht nur die Finanzierung sicherstellen, wir müssen auch auf die Technologieoffenheit Wert legen. Die derzeit vielerorts dogmatisch geforderte Abkehr von mineralischen, weil in der Herstellung CO2 verursachenden Baumaterialien, führt zu Markteinschränkungen und in weiterer Folge zur Verteuerung des Endprodukts ‚Wohnen‘. Ein liberaler, technologieoffener und transparenter Ansatz zur Bewertung der CO2 -Emissionen über den Lebenszyklus von Wohnraum ist jedenfalls zu forcieren. Dies würde den Markt beleben und Innovationen schaffen“.
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Die Studienergebnisse im Detail
Wolfgang Amann, Studienautor und Geschäftsführer des IIBW, präsentiert die Hauptergebnisse der Wohnbauförderungsstatistik 2024 im Detail:
- Neubau stagniert auf tiefem Niveau: Nach langem Boom brach der Neubau ab 2021 massiv ein. Im vergangenen Jahr wurden 51.500 Wohneinheiten baubewilligt – das ist kaum mehr als die Hälfte des Höchststands von 2017 und um 34% unter dem 10-Jahresschnitt. Die Wohnungsproduktion brachte für den großvolumigen Wohnbau und die Eigenheime gleichermaßen schlechte Ergebnisse.
- Wohnbaurate im Bevölkerungsschnitt: Die Wohnbaurate (Wohnbaubewilligung pro 1.000 Einwohner) lag 2024 bei 3,5. Unter den Bundesländern lagen Wien (4,5) vor Vorarlberg (4,1) und Tirol (4,0) überdurchschnittlich gut. Unterdurchschnittlich waren Kärnten (2,7) sowie Salzburg und die Steiermark mit je 2,9.
- Aufschwung bei der Neubauförderung: 2024 brachte nach vielen rückläufigen Jahren erstmals wieder ein positives Lebenszeichen bei den Neubauförderungen. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 19.200 Förderungszusicherungen (15.300 bei Geschoßwohnungen und 3.900 bei Eigenheimen), das entspricht einem Zuwachs von insgesamt 13% gegenüber 2023.
- Wohnbauförderungsausgaben steigen an: Die Ausgaben der Wohnbauförderung stiegen im vergangenen Jahr um 14% auf EUR 2,51 Mrd. an. Damit lag man wieder über dem 10-Jahresschnitt. Bei der großvolumigen Neubauförderung gab es sogar +27% gegenüber 2023.
- Leichter Rückgang bei Sanierungsförderung: Die Sanierungsförderausgaben der Bundesländer sanken 2024 um 6% auf EUR 650 Mio. Zusammen mit der Umweltförderung des Bundes wurden EUR 2,15 Mrd. für Sanierung ausgegeben.