Bauwirtschaft : Strabag knackt erstmals die 20-Milliarden-Marke
Inhalt
- Bauleistung über 20 Milliarden Euro – Wachstum in fast allen Segmenten
- Rekord beim Auftragsbestand – Infrastruktur als zentraler Wachstumstreiber
- Großprojekte prägen das internationale Portfolio
- Margenentwicklung: 2025 stark, 2026 vorsichtiger Ausblick
- Internationalisierung als strategische Antwort
- Infrastrukturboom stabilisiert die Branche
- Personalentwicklung und Fachkräftedruck
- Einordnung: Wachstum mit strukturellen Risiken
Vor allem der Infrastrukturboom treibt die Bauleistung nach oben.
- © STRABAGBauleistung über 20 Milliarden Euro – Wachstum in fast allen Segmenten
Mit einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr erreichte die Strabag erstmals eine Bauleistung von mehr als 20 Milliarden Euro. Ein Teil des Wachstums resultiert aus der Übernahme der australischen Georgiou Group, die laut Unternehmen etwa die Hälfte des Leistungsanstiegs ausmachte.
Auch in den europäischen Kernmärkten entwickelte sich das Geschäft robust. Besonders Polen, Tschechien und Deutschland trugen zum Wachstum bei, während sich das Vereinigte Königreich aufgrund verschobener Großprojekte schwächer zeigte. Der Personalstand erhöhte sich um drei Prozent auf rund 80.200 Vollzeitäquivalente – ein Signal für die weiterhin hohe Auslastung im internationalen Projektgeschäft.
Bereits in früheren Berichten auf solidbau.at wurde darauf hingewiesen, dass die großen österreichischen Baukonzerne zunehmend international wachsen, während die Dynamik im heimischen Hochbau aufgrund der schwachen Neubauproduktion gedämpft bleibt. Die aktuellen Zahlen bestätigen diesen Trend.
Rekord beim Auftragsbestand – Infrastruktur als zentraler Wachstumstreiber
Besonders deutlich fällt der Sprung beim Auftragsbestand aus: Mit 31,4 Milliarden Euro überschritt die Strabag erstmals die Marke von 30 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 24 Prozent gegenüber 2024.
Treiber sind laut Konzern vor allem strategische Wachstumsfelder wie Mobilitäts-, Energie- und Wasserinfrastruktur sowie Hightech-Bauten. Auf solidbau.at wurde zuletzt mehrfach darauf verwiesen, dass gerade Infrastrukturprogramme in Europa – etwa Bahn- und Stromtrassenprojekte – zu einem stabilisierenden Faktor für die Bauindustrie werden. Während der Wohnbau schwächelt, sorgen öffentliche Investitionen für Auslastung.
Neue Bahnaufträge in Europa summierten sich auf rund 1,3 Milliarden Euro. In Deutschland erhielt der Konzern Zuschläge im Stromtrassenbau sowie für innovative Energieprojekte wie eine großdimensionierte Flusswärmepumpe. Hinzu kommen Großprojekte im Vereinigten Königreich und Australien.
Großprojekte prägen das internationale Portfolio
Zu den auffälligsten Projekten zählt die Beteiligung an wesentlichen Bauabschnitten der Fehmarnsundquerung in Deutschland, einem der größten europäischen Infrastrukturvorhaben. Gleichzeitig baut die Strabag ihr Engagement im Hightech-Sektor aus – etwa durch Projekte in der Halbleiterindustrie oder beim IPAI-Campus für Künstliche Intelligenz.
Diese Entwicklung spiegelt einen strategischen Wandel wider, der auch in der österreichischen Bauwirtschaft insgesamt zu beobachten ist: Die Verschiebung von klassischen Hochbauprojekten hin zu Infrastruktur, Energie- und Technologieprojekten. Gerade energie- und klimapolitische Programme eröffnen langfristige Investitionsperspektiven.
Margenentwicklung: 2025 stark, 2026 vorsichtiger Ausblick
Neben der Bauleistung verbesserte sich 2025 auch die Profitabilität. Die EBIT-Marge stieg von 6,1 Prozent im Jahr 2024 auf voraussichtlich mindestens 6,5 Prozent. Positive Effekte aus internationalen Großprojekten sowie milde Witterungsverhältnisse in Deutschland gegen Jahresende wirkten unterstützend.
Für das laufende Jahr 2026 gibt sich der Konzern jedoch zurückhaltender: Die operative Marge soll auf 5 bis 5,5 Prozent sinken. Diese vorsichtigere Prognose passt zum Branchenbild, das auch solidbau.at zuletzt skizziert hat: Zwar bleibt die Nachfrage im Infrastruktursegment hoch, doch steigende Lohnkosten, volatile Materialpreise und ein weiterhin schwacher Wohnbau drücken auf die Ertragslage.
Internationalisierung als strategische Antwort
Die Übernahme in Australien zeigt, wie stark die großen Baukonzerne auf geografische Diversifikation setzen. Während Europa zunehmend von regulatorischen Anforderungen und einem anspruchsvollen Marktumfeld geprägt ist, bieten Regionen wie Australien oder der Nahe Osten neue Wachstumschancen.
Der Personalaufbau in Polen, Tschechien und im Nahen Osten verdeutlicht diese Verschiebung. Gleichzeitig ging die Mitarbeiterzahl in den Americas aufgrund auslaufender Großprojekte zurück – ein Hinweis auf die zyklische Natur des internationalen Projektgeschäfts.
Für die österreichische Bauwirtschaft ist diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sichern internationale Projekte Auslastung und Wachstum, andererseits verschiebt sich der Schwerpunkt der Wertschöpfung zunehmend ins Ausland.
Infrastrukturboom stabilisiert die Branche
Dass Infrastrukturprojekte derzeit den größten Wachstumsbeitrag liefern, passt zum europäischen Gesamtbild. Investitionen in Bahn, Energieversorgung und Wasserwirtschaft gelten als zentrale Hebel für Dekarbonisierung und wirtschaftliche Resilienz.
Wie bereits in mehreren Analysen auf solidbau.at ausgeführt, profitieren davon insbesondere große, international tätige Baukonzerne mit komplexen Engineering-Kapazitäten. Mittelständische Unternehmen hingegen bleiben stärker vom schwächelnden Hochbau abhängig.
Für die Strabag eröffnen Projekte im Stromtrassenbau oder im Bahnbau langfristige Perspektiven, da sie meist über mehrere Jahre laufen und relativ stabile Cashflows ermöglichen.
Personalentwicklung und Fachkräftedruck
Der Anstieg auf mehr als 80.000 Beschäftigte unterstreicht die Bedeutung internationaler Fachkräfte. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen der Branche. Gerade bei Infrastrukturprojekten steigt der Bedarf an spezialisierten Ingenieur- und Technikberufen.
In Österreich selbst bleibt die Beschäftigungssituation im Bauwesen angespannt: Während der Infrastruktursektor wächst, kämpfen Teile des Wohnbaus mit rückläufigen Volumina. Große Konzerne können diese Schwankungen durch internationale Projekte besser ausgleichen als kleinere Betriebe.
Einordnung: Wachstum mit strukturellen Risiken
Die Zahlen zeigen ein starkes Jahr für die Strabag – zugleich spiegeln sie die strukturellen Veränderungen der Bauwirtschaft wider. Der Rekordauftragsbestand deutet auf stabile Auslastung hin, doch die vorsichtigere Margenprognose signalisiert steigenden Kostendruck.
Für die Branche insgesamt ergeben sich mehrere Trends:
• Infrastruktur ersetzt zunehmend den Wohnbau als Wachstumstreiber.
• Internationalisierung wird zum zentralen strategischen Instrument.
• Profitabilität bleibt trotz hoher Auslastung unter Druck.
Konzernchef Stefan Kratochwill spricht von historischen Meilensteinen und einem optimistischen Blick auf Chancen im Infrastrukturbereich. Aus bauwirtschaftlicher Perspektive zeigt sich jedoch auch: Wachstum allein garantiert keine steigenden Renditen. Die kommenden Jahre werden entscheidend davon abhängen, wie effizient Großprojekte umgesetzt und Risiken entlang globaler Lieferketten gesteuert werden können.