Pocket House eröffnete kürzlich einen Standort in der deutschen Hauptstadt. Geschäftsführerin Simone Rongitsch erklärt das Warum.
Im vergangenen März eröffneten Sie einen zweiten Standort in Berlin. Was war die Motivation?
Der deutsche Markt war für uns ein logischer Schritt, da er zu Österreich punkto Qualität, Betrieb und Nutzung der Objekte ähnelt. Uns war es wichtig, dass unsere zukünftigen Kunden aus Deutschland betreut werden, damit sie dieselbe Qualität wie unsere österreichischen Kunden bekommen. Denn wir haben gelernt, dass eine enge Zusammenarbeit den größten Erfolg bei Standorten bringt. Wir werden weiterhin in Wien programmieren. Die Daten liegen in Deutschland und das Planungsteam verteilt sich zwischen Wien und Berlin, das durch Technologieaffinität überzeugt und eine dynamische Immobilienlandschaft aufweist. Besonders im Bereich Refurbished-Projekte eröffnen sich spannende Herausforderungen für unser Unternehmen.
Wie fällt Ihre erste Bilanz in Berlin nach drei Monaten aus?
Positiv! Wir wurden mit Neugier, Interesse und positiver Resonanz auf dem deutschen Markt empfangen. Natürlich erschweren derzeitige Herausforderungen das Abschließen von Projekten. Doch die Rückmeldungen zeigen, dass wir keinesfalls zu spät in den Markt eingetreten sind. Im Gegenteil, es gibt noch viel Potenzial, insbesondere in unseren Königsdisziplinen Office-Refurbishments und Mixed-Use-Quartieren, die nicht alle unsere Mitbewerber abdecken. Erste Projekte konnten wir bereits gewinnen und eine Vielzahl an Gesprächen führen, an die wir nun anknüpfen.
Wie unterscheiden sich die Anfordernisse Ihrer deutschen Kunden von jenen in Österreich?
In Österreich ist der Markt viel klarer und überschaubarer strukturiert. Es gibt konkrete Planungsvorgaben durch Städte und Kommunen, die Qualität im Wohnungsbau oder Service- und Sharing Angebot in allen Assetklassen betreffend. Und auch die Entwickler etwa im Bürobau tendieren eher dazu, ein voll ausgestattetes Gesamtkonzept zu liefern, was zum Beispiel Mieter-App oder Paketboxen betrifft.
Hier sind in Deutschland noch in einer Findungsphase, wie weit digitale Infrastruktur eine Entwicklungsbedingung sein kann. Insbesondere in Berlin ist der Markt dynamischer, internationaler und die Herausforderungen bei Büroleerstand und Wohnraumknappheit sind hoch. Gerade im Büro wird mehr auf die individuellen Bedürfnisse eines potenziellen Mieters geschaut und diese werden in die Entscheidungen miteinbezogen. Die Wohnungswirtschaft weiß hingegen sehr klar, welche Anforderungen sie an digitale Infrastrukturen hat. Hier liegt die Dringlichkeit darin, den Wohnraum zu schaffen. So nah die beiden Länder sprachlich liegen, so fern können die Planungskulturen sein.
Erwägen Sie eine weitere Expansion, beispielsweise in die Schweiz?
2025 sind keine weiteren Standorteröffnungen geplant. Der Fokus liegt weiterhin auf dem Ausbau unseres Markteintritts in Deutschland. Dank der Mehrsprachigkeit unserer App und bestehender Schnittstellen zu führenden internationalen Hardwareanbietern sind jedoch bereits erste Projekte in Polen und Tschechien für das vierte Quartal 2025 bzw. das erste Quartal 2026 geplant. Die Schweiz befindet sich generell auf unserem Vertriebsradar. Erste Gespräche werden bereits geführt. Dennoch gilt: Einen Markt muss man zunächst verstehen – vor allem die jeweilige Planungs- und Baukultur.