Wohnbau : Leistbares Wohnen wird zum Thema auf EU-Ebene - mit Konsequenzen für die Bauwirtschaft
Für den Bausektor eröffnen die EU-Initiativen mehrere Perspektiven.
- © Lichtwolke99 - stock.adobe.comDie EU nimmt das Thema leistbares Wohnen stärker ins Visier. Bei einem Treffen der Sozial- und Arbeitsminister in Brüssel wurde am Montag deutlich, wie drängend das Problem inzwischen auf europäischer Ebene geworden ist. Zwar liegt Wohnpolitik weiterhin primär in der Kompetenz der Mitgliedsstaaten – dennoch will der Europäische Rat die „strategische Diskussion über Wohnen“ vorantreiben. Für Österreich, wo die Immobilienpreise in den vergangenen zehn Jahren um knapp 65 % gestiegen sind, ist das ein hochrelevantes Signal.
Europäische Initiative für leistbares Wohnen
„Wohnen ist ein Menschenrecht“, sagte Österreichs Sozialministerin Korinna Schumann. Die fehlende Leistbarkeit sei inzwischen ein strukturelles europäisches Problem: EU-weit fehlen rund eine Million Wohnungen. Im Vergleich dazu liegt Österreich mit einem starken gemeinnützigen Sektor besser, steht aber ebenfalls unter Druck – vor allem durch hohe Baukosten, Flächenknappheit und strenge Regulatorik.
Laut Dänemarks Sozialministerin Sophie Haestorp Andersen wird die EU-Kommission „bald einen Plan für leistbares Wohnen“ vorlegen. Erwartet werden Maßnahmen zur Stärkung des sozialen Wohnbaus, Vorschläge zur Vereinheitlichung technischer Vorgaben sowie Finanzierungsinstrumente für Neubau, Sanierung und Digitalisierung. Für die Bauwirtschaft könnten damit neue EU-Programme entstehen, die Investitionen stimulieren und Planungsverfahren harmonisieren.
Gesundheit am Arbeitsplatz: Schärfere Grenzwerte vereinbart
Neben der Wohnpolitik beschlossen die Minister eine Aktualisierung der EU-Richtlinie zu krebserregenden und reproduktionstoxischen Stoffen. Neu aufgenommen werden verbindliche Expositionsgrenzwerte für Kobalt und anorganische Verbindungen sowie Vorgaben zum Umgang mit Schweißrauch – ein Thema, das Bauunternehmen organisatorisch und technisch unmittelbar betrifft.
Mit der Überarbeitung sollen in den nächsten 40 Jahren EU-weit 1.700 Lungenkrebsfälle und rund 19.000 weitere Erkrankungen verhindert werden. „Niemand sollte durch die Arbeit krank werden“, betonte der dänische Arbeitsminister Kaare Dybvad Bek. Schumann verwies auf die Bedeutung eines starken Arbeitnehmerschutzes.
Zentrale Bedeutung für die Bauwirtschaft
Für den Bausektor eröffnen die EU-Initiativen mehrere Perspektiven:
• Erwartbare Wohnraumoffensive der EU: Zusätzliche Mittel für sozialen Wohnbau, leistbare Sanierungen und Verdichtung könnten Investitionsimpulse setzen – insbesondere in urbanen Ballungsräumen.
• Arbeits- und Gesundheitsschutz: Strengere CMRD-Grenzwerte bedeuten Handlungsbedarf bei Schweißarbeiten, Metallbearbeitung und beim Umgang mit Gefahrstoffen. Unternehmen müssen ihre Sicherheitskonzepte, Schulungen und Schutzmaßnahmen entsprechend anpassen.
• Fachkräftesicherung: Die Ausweitung des EGF ermöglicht es, Umschulungen und Qualifizierungen frühzeitiger zu finanzieren – ein Vorteil in einem Sektor, der von Arbeitskräftemangel geprägt ist.
Der EU-Plan für leistbares Wohnen soll nach Angaben aus Brüssel „zeitnah“ folgen. Für Österreichs Bauwirtschaft könnte er einen wichtigen Impuls setzen, um Neubau, Sanierung und sozialpolitische Ziele wieder stärker in Einklang zu bringen.