IKK Group : „Den Wandel mitgestalten und Verantwortung übernehmen“
Inhalt
- Infrastruktur asl Alleinstellungsmerkmal
- BKW Engineering Netzwerk unter IKK-Dach
- Projekt am Campus der Theresianischen Militärakademie MILAK
- Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit
- Offene Fragen zu EU-Taxonomie
- BIM-Strategie der IKK-Group
- Open BIM bei komplexen Projekten
- Potenziale von Künstlicher Intelligenz
- Arbeitskräftemangel und Bauwirtschaft
- Zahlen, Daten, Fakten zur IKK-Group
Die beiden Geschäftsführer der IKK Group, Franz-Christian Kraschl und Andreas Perchinig, im Gespräch mit SOLID-Chefredakteur Thomas Pöll.
- © WEKA Industrie MedienInfrastruktur asl Alleinstellungsmerkmal
SOLID: Wie sehen Sie Ihren eigenen Stellenwert im österreichischen Bauwesen?
Franz-Christian Kraschl: Wir sind mit rund 200 Mitarbeitenden in der Steiermark und in Kärnten wahrscheinlich das größte Planungsunternehmen in diesem Bereich – und entsprechend auch österreichweit gut positioniert.
Unsere Fachbereiche sind sehr breit aufgestellt, insbesondere im Hoch- und Tiefbau verfügen wir über umfassende Expertise. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal im Tiefbau ist unsere Spezialisierung auf Schieneninfrastruktur. Darüber hinaus sind wir auch stark in der Straßenplanung tätig. Im Hochbau liegt unser Fokus insbesondere auf dem Gewerbebau. Wir können viele dieser Leistungen direkt im eigenen Haus erbringen.
Sie sagten, dass Infrastruktur ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal für Ihr Unternehmen ist. Worin und woran zeigt sich das besonders?
Andreas Perchinig: Ich würde sagen, dass die Zahl der Unternehmen, die in diesem Fachbereich in Österreich tätig sind, insgesamt überschaubar ist. Natürlich gibt es Mitbewerber in diesem Bereich, aber unter den generalplanenden Unternehmen sind die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt. Wir bei der IKK Group sind hier relativ ausgewogen aufgestellt – man könnte sagen, die Gewichtung liegt derzeit etwa bei 50:50 zwischen Hoch- und Tiefbau.
Kraschl: Ein besonderer Vorteil in unserem Bereich der Schieneninfrastruktur ist, dass solche Projekte oft in enger Verbindung mit Straßenplanungen und dem Begleitwegenetz stehen. Und genau das können wir alles im eigenen Haus abdecken.
Unsere Teams arbeiten hier sehr eng zusammen – auch in Bezug auf die verwendete Software. Das ist aus unserer Sicht ein klarer Vorteil gegenüber anderen Unternehmen.
BKW Engineering Netzwerk unter IKK-Dach
Wie hat sich das Unternehmen strategisch entwickelt? Sie sprachen von neun Fachbereichen – das beginnt üblicherweise mit einem und wächst dann nach und nach. Sie haben auch das BKW-Netzwerk erwähnt – vielleicht können Sie das etwas näher erklären, da es nicht allen bekannt ist.
Kraschl: 2022 wurden 4 eigenständige Firmen des BKW Engineering Netzwerkes in Österreich unter dem gemeinsamen Dach der IKK Group zusammengeführt. Ziel war es, organisatorische Reibungsverluste zu vermeiden und Synergien besser zu nutzen. Im Zuge dieser Fusion sind auch unsere heutigen neun Fachbereiche entstanden – sie basieren im Wesentlichen auf den Kompetenzen der früher eigenständigen Firmen.
Ende 2023 wurde ein weiteres Unternehmen mit der IKK Group verschmolzen, und 2024 kam dann noch ein Unternehmen aus dem BKW Netzwerk dazu - somit wurde die heutige IKK Group aus 6 Firmen aufgebaut.
Wir haben sehr deutlich gespürt, dass dieser Schritt richtig und notwendig war – er hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute als Generalplaner österreichweit so professionell auftreten können.
Was ist das BKW-Netzwerk?
Das BKW Engineering Netzwerk ist Teil der BKW AG, einem Schweizer Energiedienstleister – vergleichbar etwa mit dem Verbund in Österreich.
Aus dem Energiebereich heraus hat sich ein eigenständiger Engineering-Zweig entwickelt, der heute rund 4.000 Mitarbeitende beschäftigt – verteilt auf etwa 50 Büros in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. In Österreich umfasst das Netzwerk derzeit rund 400 Personen. Neben der IKK Group gehören weitere Unternehmen dazu. Die AEP in Tirol ist unser Partner in den Bereichen Kulturtechnik und Wasserwirtschaft, kommunaler Infrastruktur, Energieversorgung, Umwelttechnik, Alpintechnik, Hochbau, Verkehrswege und Freizeitanlagen. Die Geotechnik Tauchmann in Oberösterreich ist Spezialist in den Bereichen Bodenuntersuchungen, Baugrundgutachten und Hydrogeologie und die TBH in Graz ist ein erfahrener Planer im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung. Der weitere Ausbau des Netzwerks ist ausdrücklich geplant – vor allem in Wien, wo aktuell noch Potenzial für eine stärkere Präsenz gesehen wird.
Kraschl: Das macht uns im Verbund noch stärker, weil wir hier unsere Kompetenzen bündeln und uns fachlich austauschen können.
Perchinig: Und auf Basis des Netzwerkes können wir auch auf übergeordnete Ressourcen zurückgreifen in Richtung Berichtspflichten, Nachhaltigkeit, KI etc., damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss.
Projekt am Campus der Theresianischen Militärakademie MILAK
Auf welche Projekte in der Vergangenheit oder Gegenwart sind Sie besonders stolz? Und welche Herausforderungen stechen dabei hervor?
Perchinig: Grundsätzlich sind wir natürlich auf alle unsere Projekte stolz. Aktuell stehen einige interessante Fertigstellungen an – besonders hervorheben möchte ich ein innovatives Projekt, das kurz vor dem Abschluss steht: das neue Unterkunfts- und Wirtschaftsgebäude am Campus der Theresianischen Militärakademie MILAK.
Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der bestehenden Anlage, die wir gemeinsam mit Hertl.Architekten geplant haben. Das Besondere: Es ist eines der ersten größeren Unterkunftsgebäude des Bundesheeres in Holzbauweise. Zwar gab es bereits Pilotprojekte, aber dieses Gebäude ist nun ein Projekt in größerem Maßstab – mit hohem Anspruch an Nachhaltigkeit und Bauqualität.
Kraschl: Was ich persönlich besonders hervorheben möchte: Wir haben aktuell rund 1.000 laufende Projekte – von ganz kleinen bis zu sehr großen, in unterschiedlichsten Fachbereichen. Auf diese Vielfalt bin ich besonders stolz.
Denn sie ermöglicht unseren Mitarbeitenden ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld mit unterschiedlichsten Aufgabenstellungen. Diese Projektlandschaft sorgt nicht nur für fachliche Breite, sondern macht die tägliche Arbeit auch spannend und motivierend.
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"Wir haben aktuell rund 1.000 Projekte - von ganz kleinen bis zu sehr großen, in unterschiedlichsten Fachbereichen. Auf diese Vielfalt bin ich besonders stolz."Franz-Christian Kraschl, Geschäftsführer IKK-Group
Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist ein weiterer Begriff, der derzeit stark diskutiert wird – teils populär, teils kritisch betrachtet. Wie sehen Sie die aktuelle Situation und die künftige Entwicklung in diesem Bereich? Das Thema muss ja auch ökonomisch darstellbar sein.
Perchinig: Das Thema Nachhaltigkeit ist zweifellos präsent, aber es ist noch nicht flächendeckend in der Praxis angekommen. Hier besteht noch erhebliches Potenzial. Derzeit hängt vieles vom jeweiligen Auftraggeber ab – vor allem private Bauherren treiben nachhaltige Lösungen aktiv voran. Im öffentlichen Bereich ist das Bild durchwachsener: Manche Institutionen setzen klare Nachhaltigkeitsziele, andere agieren zurückhaltender.
Ein bedeutender Impuls wird künftig von der neuen OIB-Richtlinie 7 ausgehen. Wir erwarten, dass damit stärker standardisierte Anforderungen kommen und nachhaltige Planung und Ausführung mehr Schwung erhalten.
Intern stellen wir uns bereits intensiv auf dieses Thema ein. Unsere Standards werden entsprechend angepasst, auch in Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft. So sind wir beispielsweise Partner bei Madaster, einer Plattform zur digitalen Erfassung von Materialien und Bauteilen im Sinne der Wiederverwendung.
Offene Fragen zu EU-Taxonomie
Ein weiteres großes Thema betrifft ESG-Kriterien und die EU-Taxonomie – derzeit noch ein Feld mit vielen offenen Fragen?
Perchinig: Das ist definitiv ein relevantes Thema – und wir versuchen unsere Kunden dabei auch bestmöglich zu unterstützen und zu beraten. Allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass gerade im Bereich der EU-Taxonomie stark die Wirtschaftstreuhänder bzw. Unternehmensberater das Feld besetzen. Das hat dazu geführt, dass wir als Bau- und Planungsexperten in gewissem Maße aus dem Prozess gedrängt wurden – was aus unserer Sicht eigentlich nicht sinnvoll ist.
Denn: Wer, wenn nicht die Baufachleute, kann ein Gebäude fachlich korrekt und umfassend bewerten? Diese Kompetenz liegt klar in der Branche – sowohl technisch als auch in Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte.
Allerdings ist das Thema in vielen Unternehmen noch nicht vollständig angekommen. Erst jetzt – 2025 – beginnen viele größere Betriebe, sich konkret mit der EU-Taxonomie auseinanderzusetzen. Insofern wird unsere Rolle als beratender Partner künftig an Bedeutung gewinnen.
Wir sehen hier also eine Entwicklung, bei der die Bauwirtschaft wieder stärker eingebunden werden sollte – nicht zuletzt, weil die Umsetzung der ESG-Kriterien in der Praxis umfassendes technisches Know-how erfordert.
Welche Initiativen meinen Sie konkret, wenn es um Unterstützung bei neuen Berichtspflichten geht?
Perchinig: Ein Beispiel ist der Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI), bei dem wir ebenfalls Mitglied sind. Dort wird aktiv daran gearbeitet, Wissen zu bündeln und unter den Mitgliedsunternehmen weiterzugeben – insbesondere im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsberichtspflicht.
Gerade im Bereich der Ingenieur- und Ziviltechnikerbüros gibt es bereits einige Ansätze, wie man sich gegenseitig unterstützen kann – sei es durch Leitfäden, Austauschformate oder gemeinsame Positionierungen gegenüber Gesetzgebern und Auftraggebern.
Kraschl: Für uns ist dabei entscheidend: Wir wollen uns bei diesen Themen nicht nur anpassen, sondern aktiv mitgestalten. Es geht nicht darum, bloß auf externe Vorgaben zu reagieren, sondern darum, den Wandel mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Da ist auch die Unterstützung des Mutterkonzerns sehr hilfreich.
BIM-Strategie der IKK-Group
BIM galt lange als zentrales Digitalisierungsthema in der Bauwirtschaft. Zuletzt war es in der öffentlichen Diskussion etwas ruhiger geworden. Hat sich die Bedeutung tatsächlich verändert – oder ist es inzwischen einfach Standard? Und wie sieht Ihre BIM-Strategie aktuell aus?
Kraschl: Das ist ein berechtigter Eindruck – und tatsächlich lässt sich sagen: BIM ist für viele Planungsbüros mittlerweile Standard geworden, zumindest in bestimmten Bereichen wie dem Hochbau. Dadurch hat sich die öffentliche Wahrnehmung verändert – nicht, weil BIM an Relevanz verloren hätte, sondern weil es im Hintergrund zunehmend selbstverständlich eingesetzt wird.
Wir bei der IKK Group haben uns Anfang 2023 entschieden, BIM systematisch im gesamten Unternehmen zu implementieren. Ziel war und ist es, unsere Planungsprozesse vollständig BIM-basiert abzuwickeln – also mit dreidimensionaler Modellierung und allen relevanten Attributen, um Planung, Koordination und Auswertung digital abzubilden.
Eine zentrale Rolle in diesem Transformationsprozess spielt unser Fachbereich „BIM und Digitalisierung“. 2023 stand stark im Zeichen interner Schulungen und Prozessdefinitionen. Wir haben eine klare Roadmap mit Zielen entwickelt, die wir laufend evaluieren. Parallel dazu haben wir ein umfassendes Schulungsprogramm aufgebaut – mit BIM-Basis- und Practitioner-Schulungen –, und wir sind mittlerweile auch offizieller Ausbildungspartner von buildingSMART.
Inzwischen schulen wir nicht nur interne Teams, sondern auch externe Partner, die bei uns im Haus Weiterbildungen absolvieren. Im Hochbau setzen wir mittlerweile alle Projekte BIM-basiert um. Im Tiefbau hinkt die Entwicklung derzeit noch etwas hinterher. Unser Ziel ist es nun, auch den Tiefbau „BIM-fit“ zu machen. Dabei greifen wir auf die Erfahrungen und Standards aus dem Hochbau zurück – etwa hinsichtlich Software, Objektkatalogen und Planungsprozessen – und übertragen sie Schritt für Schritt auf die Anforderungen des Tiefbaus.
Setzen Sie BIM primär auf eigene Initiative ein – oder geschieht das auf Anforderung der Auftraggeber?
Kraschl: Es ist beides der Fall. Bei vielen Projekten fordern Auftraggeber bereits ganz konkret BIM-Leistungen ein – sei es im Hochbau oder zunehmend auch im
Infrastrukturbereich. In solchen Fällen
ist die modellbasierte Planung natürlich fixer Bestandteil des Projektumfangs.
Aber auch dort, wo BIM nicht verpflichtend vorgegeben ist, setzen wir es aus Überzeugung und auf eigene Initiative ein. Wir sehen darin klare Vorteile: weniger Reibungsverluste, deutlich reduzierte Schnittstellenprobleme und eine effizientere Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen im Haus.
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"Wenn ein Auftraggeber BIM-Leistungen beauftragt und definiert, was geliefert werden soll, dann gehört ihm auch das Modell."Andreas Perchinig, Geschäftsführer IKK-Group
Open BIM bei komplexen Projekten
Sie setzen auf Open BIM und sind bei buildingSMART engagiert. Funktioniert das inzwischen zuverlässig – auch in komplexen Projekten?
Kraschl: Ja, Open BIM funktioniert heute sehr gut – auch wenn das nicht immer so war. In der Vergangenheit sind wir durchaus an Grenzen gestoßen, etwa bei der Datenmenge, speziell im Tiefbau.
Heute ist das kein Thema mehr. Die technischen Voraussetzungen – Software, Schnittstellen, Hardware – haben sich deutlich weiterentwickelt. Die Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, zeigen ganz klar: Open BIM ist praxisfähig – wenn man es konsequent umsetzt.
Wir selbst kommen aus einer Zeit, in der viel über BIM gesprochen wurde – oft abstrakt, mit großem theoretischem Überbau. Auch wir haben das über Jahre hinweg begleitet. Aber irgendwann war für uns klar: Es reicht nicht, nur darüber zu diskutieren – man muss ins Tun kommen.
Das war der Wendepunkt. Wir haben intern gesagt: Jetzt beginnen wir mit der Umsetzung – Schritt für Schritt, mit klaren Zielen, in konkreten Projekten. Und dieser aktive Zugang hat sich ausgezahlt.
Das gilt übrigens auch für Themen wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung generell: Solange alles nur in Strategiepapieren und Workshops besprochen wird, ändert sich wenig. Erst wenn man beginnt, Dinge konkret umzusetzen, kann man auch mitgestalten – sei es bei Normen, bei Prozessen oder bei der technischen Entwicklung.
Ein immer wieder diskutiertes Thema im Zusammenhang mit BIM ist die Frage: Wem gehören eigentlich die Daten? Vor allem im Kontext von Facility Management (FM) wurde lange argumentiert, dass die Daten zwingend dem Auftraggeber gehören müssten. Wie sehen Sie das heute – gerade auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit?
Perchinig: Die Frage der Dateneigentümerschaft ist nach wie vor ein sensibles und vielschichtiges Thema – sowohl rechtlich als auch praktisch. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Auftraggeber BIM-Leistungen beauftragt und definiert, was geliefert werden soll, dann gehört ihm auch das Modell. Das ist inzwischen recht klar geregelt. Aber damit ist die Diskussion nicht beendet – im Gegenteil.
Kraschl: Gerade im öffentlichen Bereich sehen wir noch häufig, dass die Anforderungen an das Modell zwar hoch sind, aber die Fähigkeit, diese Daten auch sinnvoll weiterzunutzen, noch begrenzt ist. Viele Auftraggeber befinden sich selbst noch im Aufbauprozess, was Know-how, IT-Infrastruktur und strategische Nutzung betrifft.
Wir versuchen deshalb, unsere Kunden auch in dieser Hinsicht aktiv zu begleiten – etwa durch gezielte Beratung, wie ein Modell sinnvoll strukturiert und übergeben werden kann, oder durch Services zur weiteren Datenpflege und Aktualisierung.
Letztlich könnte sich hier ein Zielmodell etablieren, bei dem die Daten im Eigentum des Auftraggebers verbleiben, während der Pflege- und Aktualisierungsauftrag beim Planer oder einem spezialisierten Dienstleister liegt. Das würde auch helfen, den langfristigen Nutzen aus BIM-Modellen – etwa im Bereich Nachhaltigkeit, CO2-Bilanzierung oder Kreislaufwirtschaft – tatsächlich zu realisieren.
Potenziale von Künstlicher Intelligenz
Ein weiteres Schlagwort, das derzeit viele Diskussionen prägt, ist „Künstliche Intelligenz“. Welche Rolle spielt KI heute schon bei Ihnen – und welche Potenziale sehen Sie für die Zukunft?
Kraschl: Das Bewusstsein für das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist bei uns definitiv vorhanden – und es wird auch seitens der BKW Engineering intensiv daran gearbeitet. Aktuell läuft bei uns eine Mitarbeitendenumfrage, in der wir gezielt erheben, wo unsere Teams Potenziale für den Einsatz von KI sehen. Aktuell setzen wir KI in diversen administrativen Bereichen ein.
Im Hochbau setzen wir verstärkt auf eine strukturierte Datenbasis, die künftig auch für KI-Auswertungen genutzt werden kann. Wie mein Kollege Andreas bereits erwähnt hat, arbeiten wir gezielt daran, Standards so zu gestalten, dass sie KI-tauglich sind. Das betrifft zum Beispiel die Modellstruktur, benutzerdefinierte Attribute oder Kataloge, die in Zukunft automatisiert ausgewertet und weiterverarbeitet werden können.
Perchinig: Klar ist: Die Qualität der Ergebnisse von KI-Systemen hängt wesentlich von der Qualität und Herkunft der Daten ab. Nur wenn wir wissen, woher die Daten stammen, wie sie strukturiert und in welchem Kontext sie entstanden sind, können wir den Einsatz von KI sinnvoll und verantwortungsvoll gestalten.
Ein Vorteil unseres Netzwerks ist dabei, dass wir auf umfangreiche, qualitativ hochwertige Datenpools zugreifen können. Das eröffnet uns die Möglichkeit, KI nicht isoliert, sondern im unternehmensübergreifenden Maßstab zu denken – mit entsprechend größerem Nutzen für Planung, Auswertung und strategische Steuerung.
Arbeitskräftemangel und Bauwirtschaft
Der Fachkräftemangel – oder mittlerweile sogar der generelle Arbeitskräftemangel – ist in der gesamten Branche ein ständiges Thema. Wie gehen Sie damit um, und wie schätzen Sie die Zukunft der Bauwirtschaft in diesem Zusammenhang ein?
Kraschl: Dieses Thema beschäftigt mich stark – auch, weil ich selbst seit über 20 Jahren leidenschaftlich im Tiefbau tätig bin. Umso mehr frage ich mich: Warum will heute scheinbar niemand mehr eine Straße oder eine Schiene planen? Wir versuchen, Infrastruktur aktiv zu gestalten und insbesondere das bestehende Netz – wie etwa das österreichische Autobahnnetz – in gutem Zustand zu erhalten. Genau das ist unsere Aufgabe. Doch der Arbeitskräftemangel erschwert diese enorm.
Perchinig: Ich glaube, dass sich die Bauwirtschaft grundsätzlich in Richtung partnerschaftlicher Zusammenarbeit entwickeln sollte. Denn nur durch konstruktives Miteinander können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.
Früher war die Baubranche stark von Konflikten geprägt. Es herrschte oft ein regelrechtes „Hauen und Stechen“. Doch das hat sich verändert – insbesondere die jüngere Generation zeigt dafür wenig Interesse. Sie geht Konfrontationen eher aus dem Weg und sucht nicht das Streitgespräch.
Diese veränderte Haltung sollten wir ernst nehmen und als Branche entsprechend darauf reagieren. Es wird immer wichtiger, Projekte partnerschaftlich und auf Augenhöhe abzuwickeln – unabhängig davon, ob es sich um Auftraggeber, Planer oder Ausführende handelt. Nur durch eine respektvolle, konstruktive Zusammenarbeit können wir die Attraktivität der Branche steigern und gleichzeitig die Herausforderungen wie den Fachkräftemangel besser bewältigen
Zahlen, Daten, Fakten zur IKK-Group
Die IKK Group steht für Innovation, Kompetenz und Know-how und ist eines der größten Generalplanungsbüros in Österreich und Teil des internationalen BKW Engineering Netzwerks. Mit rund 200 Mitarbeitenden und vier Standorten verbindet das Unternehmen Expertise im Hoch- und Tiefbau – mit besonderem Fokus auf Infrastruktur im Hoch- und Tiefbau, nachhaltigem Gewerbebau und Digitalisierung.
Die Gruppe verfügt über neun Fachbereiche: Architektur + Hochbau, Baumanagement, BIM + Digitalisierung, Industrie-Stahlbau, Infrastruktur, Ingenieurbau, Tragwerksplanung, Tunnel + Geotechnik, Wasser + Umwelt.
IKK Group GmbH
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