Asfinag schnürt Maßnahmenpaket für Luegbrücke : Zwei Fahrspuren pro Fahrrichtung an 180 Tagen
Inhalt
- Bedarfsgerechte Nutzung der Autobahnbrücke
- Auswirkungen der Bauarbeiten auf der Brennerautobahn
- Keine Kompromisse bei Sicherheit
- 27.5.: Republik will 2,1 Hektar Fläche enteignen
- Vehemente Proteste von Gries am Brenner
- Lösen 40 Millionen für die Gemeinden das Problem?
- Bürgermeister will zumindest Einhausungen
- Asfinag reagiert erfreut
- Causa Luegbrücke: keine Zeit mehr für Tunnel

Die geplante Bauzeit für die Erneuerung der Luegbrücke ist mit 5 Jahren veranschlagt. Für den Verkehr bedeutet dies Einschränkungen.
- © AsfinagBedarfsgerechte Nutzung der Autobahnbrücke
„Mit diesem Fahrkalender bieten wir ein vorausschauendes Planungsinstrument. Die zusätzlichen Lkw-Fahrverbotstage sind entsprechend eines verkehrstechnischen Gutachtens erforderlich. Darüber hinaus gibt es als zentrale Infostelle eine eigene Website, auf der wir über die aktuelle Verkehrslage, Staus und Reisezeit in Echtzeit informieren. Diese Informationen stellen wir dreisprachig, in Deutsch, Englisch und Italienisch zur Verfügung, um auch dem europaweiten Verkehr frühzeitig Planungssicherheit bieten zu können“, sagt Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele.
Der Regelbetrieb auf der Luegbrücke wird ab 1. Jänner 2025 einspurig sein, um die Brücke zu entlasten. An Tagen mit hohem Verkehrsaufkommen (etwa an Reisetagen) kann die Asfinag in Abstimmung mit den Statikern eine zweispurige Verkehrsführung gewährleisten, um lange Staus und ein Verkehrschaos zu vermeiden. Das ist jedoch nur durch eine innovative Verkehrsführung möglich, bei der alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf der zentrierten, linken Fahrspur über die Brücke fahren. Pkw nützen dann beide Fahrspuren.
An 180 Tagen kann dieses System aktiviert werden – und zwar bedarfsgerecht in Richtung Süden, in Richtung Norden oder in beiden Richtungen, sofern es der Verkehr notwendig macht.
Auswirkungen der Bauarbeiten auf der Brennerautobahn
Am 1. Jänner 2025 gehen die Bauarbeiten mit Einschränkungen für den Reise- und LKW-Verkehr los: Aus Sicherheitsgründen wird die Luegbrücke beim Brenner zeitweise nur mehr einspurig befahrbar sein. Die WKO Tirol machte dazu auch eine Umfrage unter betroffenen Unternehmen. Lesen Sie hier Infos zur Baustelle bis 2030, zur Erneuerungen der Brücke und was es für den Verkehr bedeutet.
Hier sehen Sie alle Details für die Luegbrücke am Brenner im Überblick, zusammengefasst von der WK Tirol:
Einspurige Verkehrsführung: Ab 1. Jänner 2025 wird der Verkehr auf der Brücke nur auf einer Fahrspur pro Richtung geleitet, um das Tragwerk der Brücke zu entlasten und ihre Sicherheit weiterhin zu gewährleisten.
Temporäre Zweispurigkeit: An etwa 170 Tagen im Jahr wird eine temporäre Zweispurigkeit eingerichtet, um an verkehrsstarken Tagen Staus zu vermeiden. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen dabei auf die linke Fahrspur wechseln, um das Tragwerk zu entlasten.
Kontrollsysteme: In der Fahrbahn verbaute Waagen werden Fahrzeuge während der Fahrt auf ihr Gewicht prüfen. Ein Ausleitungssystem sorgt dafür, dass Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf richtige Spur umgeleitet werden
Section Control: Ab Anfang 2025 wird eine Abschnittskontrolle auf der Brücke installiert, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu überwachen.
Schrankenanlagen: Sieben zusätzliche Schrankenanlagen werden errichtet, um die Anrainer-Gemeinden vor Stauflucht und Ausweichverkehr zu schützen.
Zusätzliche Verkehrskameras: Die Kamera-Infrastruktur wird ausgebaut, um die Verkehrslage in Echtzeit zu überwachen.
Ausbau der Anzeigensysteme: Investitionen in die Verbesserung der Anzeigesysteme und die Sanierung von Verkehrsbeeinflussungsanlagen werden vorgenommen.
Zusätzliche Kapazitäten auf der Rollenden Landstraße: An relevanten Tagen wird das Angebot der Rollenden Landstraße ausgeweitet, um zusätzliche Kapazitäten für den Schwerverkehr bereitzustellen.
LKW-Fahrverbote: Weitere LKW-Fahrverbote werden eingeführt, um Überlastungen zu minimieren. Es sind aber keine weiteren Dosiertage (Blockabfertigungen oder ähnliches) vorgesehen.
Fahrkalender: In Abstimmung mit dem Land Tirol erstellt die ASFINAG derzeit einen umfassenden Fahrkalender, der Verkehrsteilnehmenden als Planungswerkzeug dienen soll, um sich rechtzeitig auf die Situationen vor Ort einstellen zu können.
Bei der Wirtschaftskammer Tirol ist sich Präsidentin Barbara Thaler bewusst: "Die Maßnahmen im Zusammenhang mit den Arbeiten an der Luegbrücke stellen uns vor Herausforderungen, bieten aber auch Chancen, die Infrastruktur im Land nachhaltig zu verbessern. Diese Modernisierungen sind ein wichtiger Schritt, um langfristig effizientere Verkehrswege zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken."
Zudem hat die Wirtschaftskammer Tirol eine Umfrage unter den unmittelbar betroffenen Unternehmen im Wipptal und Stubaital durchgeführt, um potenzielle Handlungsfelder als Interessenvertretung zu identifizieren. Gemeinsam mit der Bezirksstelle Innsbruck-Land und der Sparte Transport & Verkehr wird an lösungsorientierten Vorschlägen gearbeitet, um die WK-Mitglieder bestmöglich zu unterstützen.
Keine Kompromisse bei Sicherheit
Die bereits mehrfach angekündigte Eingleisigkeit sei aus Sicherheitsgründen unabdingbar. Dies habe nun auch eine im April durchgeführte "Hauptprüfung" bestätigt bzw. ergeben, erklärte Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele. "Bei der Sicherheit kann es keine Kompromisse geben", betonte der Asfinag-Chef. Siegele betonte aber auch: "Die Brücke ist weiterhin befahrbar. Es ist keine Gefahr im Verzug. Das ist der Brücke zuzumuten."
Thomas Gabl, bei der Asfinag für die Erhaltung und Überwachung zuständig, ergänzte, dass man von einem "Faktor 15 im Vergleich zu einer normalen Brücke" sprechen könne. Teilweise würden die Bauteile alle drei Monate kontrolliert, ansonsten etwa alle sechs Jahre. Zudem habe man durch eine um 17 Millionen Euro errichtete Stahlkonstruktion verhindern können, dass "das Schlimmste passiert". Eine Sanierung im klassischen Sinn sei an und mit der Luegbrücke jedenfalls nicht mehr möglich.
Das erste Brückentragwerk werde voraussichtlich "Ende 2027" fertiggestellt sein, sagte Siegele. Erst dann stünden wieder durchgängig zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung. Mit der Fertigstellung der gesamten Brücke sei dann im Jahr 2030 zu rechnen. 300 Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden. Mit weiteren Verzögerungen durch Einsprüche rechnet man offenbar nicht, zuletzt steht noch ein wasserrechtlicher Bescheid aus.
27.5.: Republik will 2,1 Hektar Fläche enteignen
Zu einer mündlichen Verhandlung wurde bereits geladen. Dem Vernehmen nach soll es um rund 2,1 Hektar Fläche gehen, wobei ein Drittel davon für eine vorübergehende Nutzung vorgesehen ist. Die Asfinag muss indes für die Enteignung Entschädigungszahlungen aufbringen, die im Rahmen der Verhandlung vereinbart werden.
"Wir bedauern, dass trotz vielfacher Bemühungen bisher keine Einigung mit der Gemeinde Gries am Brenner gelungen ist. Aufgrund des schlechten Zustandes der Luegbrücke dürfen wir keine Zeit mehr verlieren", begründete Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele den Schritt. Es sei "im Sinne der Verkehrs- und Versorgungssicherheit notwendig, die Umsetzung der Generalerneuerung voranzutreiben und damit die Zeit der wohl erforderlichen Einspurigkeit auf der Luegbrücke möglichst gering zu halten."
Der Straßenbetreiber stellte einen Antrag zur "Einräumung von Zwangsrechten" bei der Bundesstraßenbehörde. Eine gütliche Einigung scheint aber noch nicht vom Tisch zu sein: Die Abteilung habe nun "als Verhandlungsleitung insbesondere dahin zu wirken, dass ein Einverständnis zwischen den Parteien erzielt wird", sagte Abteilungsleiter Bernhard Knapp.
Der Grieser Bürgermeister Karl Mühlsteiger - der sich stets vehement für einen Tunnel statt für die Erneuerung der Brücke ausgesprochen hatte - ärgerte sich im APA-Gespräch indes über die andauernde "Drüberfahrpolitik der Asfinag". Sollte dies durchgehen, sei er gespannt auf die "Argumentation" - immer sei es der Landeshauptmann, der letztlich entscheide. Die nun geforderten Flächen "können wir aber sicher nicht abtreten", hielt der Bürgermeister fest. Teils würden diese als Zwischenlagerplatz für den Bauhof dienen, teils handle es sich um Flächen des ehemaligen Sportplatzareals, die für eine anderweite Nutzung vorgesehen seien: "Die können wir natürlich auch nicht hergeben."
Vehemente Proteste von Gries am Brenner
Für die Generalsanierung der Luegbrücke auf der Tiroler Brennerautobahn (A13) hat das Verkehrsministerium per Bescheid grünes Licht gegeben. Da der Bescheid theoretisch noch beeinsprucht werden kann, ist der Baubeginn aber noch offen. Die Wipptaler Gemeinden hatten sich vehement gegen eine Sanierung ausgesprochen. Sie befürworten eine Tunnellösung.
Die betroffene Gemeinde Gries am Brenner wird gegen den Bescheid berufen. Die Gemeinde hatte bereits im Vorjahr versucht, einen Bescheid, der die Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verneinte, zu kippen. Die außerordentliche Revision wurde jedoch vom OGH abgewiesen.
Lösen 40 Millionen für die Gemeinden das Problem?
Eine Befriedung der Wipptaler könnte aber auch auf anderem Wege möglich sein: Die türkis-grüne Bundesregierung hat kürzlich im Nationalrat einen Antrag eingebracht, der vorsieht, dass die Gemeinden im Wipptal in den nächsten zehn Jahren 40 Millionen Euro mehr aus den Mauteinnahmen für Umwelt-, Lärm- und Gesundheitsschutz erhalten.
Bürgermeister will zumindest Einhausungen
Der Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, zeigte sich am Freitag gegenüber dem ORF Tirol zumindest zu einem Gespräch bereit. Dass der Bescheid kommt, habe ihn jedenfalls nicht überrascht. "Wir sind da sicher gesprächsbereit. Aber dann reden wir schon über Einhausungen mindestens - und nicht über einfache Lärmschutzwände, die uns nichts bringen. Da muss dann an den richtigen Standorten eine Einhausung wie in Schönberg kommen", so Mühlsteiger. Dann könne man ins Gespräch kommen.
>> Lesen Sie dazu auch: Luegbrücke auf Tiroler A13 erhält bis zum Neubau Sicherheitskonstruktion
Die Gemeinde wolle den Bescheid gemeinsam mit Experten prüfen, sobald er vorliege. Sollte er nicht den Vorstellungen entsprechen, sei ein Einspruch und damit eine Verzögerung der Bauarbeiten denkbar.
Asfinag reagiert erfreut
Die Asfinag hatte bereits im Vorfeld eindringlich vor weiteren Verzögerungen gewarnt. Damit würde sich die ohnehin bereits angekündigte zweijährige Einspurigkeit der Luegbrücke ab 2025 noch weiter in die Länge ziehen, hieß es. Massive Staus und ein Verkehrschaos wurden befürchtet.
>> Lesen Sie hier das große Interview mit Asfinag-Vorstandsdirektor Hartwig Hufnagl
Der Autobahnbetreiber reagierte am Freitag naturgemäß erfreut auf die erwartete Entscheidung. Man strebe weiterhin einen Baubeginn im Jahr 2024 an, hieß es.
Causa Luegbrücke: keine Zeit mehr für Tunnel
Seit geraumer Zeit wird zwischen der Wipptaler Bevölkerung und der Tiroler Landespolitik auf der einen Seite und der Asfinag bzw. dem Verkehrsministerium auf der anderen Seite über die Zukunft der in den 1960er Jahren errichteten Luegbrücke gestritten.
Auch der damalige Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte vor den Gemeinderatswahlen 2022 eine Tunnellösung ins Spiel gebracht. Sein Nachfolger Anton Mattle wollte diese Forderung nicht aufgreifen. Es handle sich nicht mehr um eine politische, sondern um eine technische Frage, so Mattle. Die Tunnelvariante würde mindestens zehn Jahre dauern, so viel Zeit habe man nicht mehr.
Von der Asfinag bzw. vom Bund forderten Mattle und sein Verkehrslandesrat René Zumtobel Verbesserungen für die verkehrsgeplagte Bevölkerung. Der Landeshauptmann forderte auch ein Gesamtkonzept für Baustellen und Lärmschutz für das gesamte Wipptal.