Bilanz : Porr steigert Gewinn und Auftragsbestand deutlich

Der Vorstand der Porr v.li.: Klemens Eiter (CFO), Karl-Heinz Strauss (CEO), Josef-Dieter Deix und Claude-Patrick Jeutter

Der Porr-Vorstand v.li.: CFO Klemens Eiter, CEO Karl-Heinz Strauss, Josef-Dieter Deix und Claude-Patrick Jeutter

- © Astrid Knie

Solide Ergebnisentwicklung trotz herausforderndem Marktumfeld

Die Porr hat in den ersten drei Quartalen 2025 ihre Profitabilität deutlich verbessert. Das Periodenergebnis stieg um 15,1 % auf 70 Mio. Euro, der Gewinn je Aktie legte sogar um 21,2 % auf 1,43 Euro zu. Das EBITDA erhöhte sich um 8,1 % auf 269,8 Mio. Euro, das EBIT erreichte 108,1 Mio. Euro – ein Plus von 17,7 %.

Umsatz und Produktionsleistung blieben stabil: Die Umsätze lagen mit 4,62 Mrd. Euro praktisch auf Vorjahresniveau (+0,2 %), die Produktionsleistung erreichte knapp 5 Mrd. Euro (–0,7 %). Der Bauboom der vergangenen Jahre setzt sich damit zwar nicht fort, Die Porr konnte jedoch über verbesserte Kostenstrukturen und eine starke Nachfrage im Infrastrukturbereich ihre Ergebniskennzahlen ausbauen.

Der Konzern reduzierte die Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen um 1,3 %. Einsparungen von insgesamt 62 Mio. Euro sowie höhere Beiträge aus at-equity bilanzierten Beteiligungen – insbesondere ARGE-Projekten – stützten das operative Ergebnis.

Infrastruktur und Bahnbau als Wachstumstreiber

Ausschlaggebend für die starke Entwicklung war die dynamische Nachfrage im Tiefbau. Großprojekte in den Bereichen Verkehr, Bahn und Energie prägten die ersten neun Monate. Besonders großvolumige Neuaufträge kamen aus Polen und Rumänien: etwa die Eisenbahnstrecken Jasło–Nowy Zagórz und Craiova–Caransebeș. In Österreich erhielt Porr den Zuschlag für die Sanierung der A2-Tunnelkette im Packabschnitt.

Auch im Hochbau hellt sich die Lage – nach zuletzt schwächerer Konjunktur – langsam wieder auf. Porr realisiert unter anderem die Mutter-Kind-Station des Warschauer Krankenhauses und die Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld in Berlin. Im Wohnbau verzeichnete der Konzern mehrere mittelgroße Projekte in Deutschland; in Wien zählt die Wohnhausanlage Nordbahnhof Baufeld 3E zu den größten Einzelaufträgen.

Viele der neu gewonnenen Infrastrukturprojekte sind als Design-&-Build-Aufträge in frühen Planungsphasen und tragen daher noch nicht wesentlich zur aktuellen Produktionsleistung bei. Die Porr erwartet, dass dieser Effekt in den kommenden Quartalen ausläuft.

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Rekord beim Auftragsbestand – Aufstieg in den ATX

Besonders deutlich zeigt sich der Wachstumskurs beim Auftragseingang. Dieser stieg gegenüber dem Vorjahr um 26,7 % auf 6,05 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand liegt mit 9,6 Mrd. Euro auf einem All-Time-High (+17,2 %).

Die starke Geschäftsentwicklung schlug sich auch am Kapitalmarkt nieder. Die Porr-Aktie wurde im September 2025 in den Leitindex ATX aufgenommen. Der Aktienkurs hat sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt, das Handelsvolumen vervierfacht. Den Kapitalmarktimpuls begünstigte eine beschleunigte Privatplatzierung im Juni, bei der Porr 1,7 Mio. eigene Aktien veräußerte; der Erlös soll in den Ausbau der europäischen Infrastrukturaktivitäten fließen.

Bilanz: Eigenkapital gestärkt, Verschuldung reduziert

Die Bilanzsumme wuchs gegenüber dem Vorjahresstichtag um 4,3 % auf 4,46 Mrd. Euro. Das Eigenkapital erhöhte sich um 7,2 % auf 897 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote liegt nun bei 20,1 %.

Trotz Rückzahlung von Hybridkapital, Aktienrückkauf- und -verkaufsprogramm sowie kleineren Akquisitionen gelang es, die Nettoverschuldung um 28,9 Mio. Euro auf 307 Mio. Euro zu senken. Der Free Cashflow verbesserte sich um 25,5 Mio. Euro auf –188,3 Mio. Euro; die liquiden Mittel betrugen zum Stichtag 344,2 Mio. Euro. Die Liquiditätsreserve bleibt mit 790 Mio. Euro komfortabel.

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Einschätzung der Märkte: Energie, Bahn und Wasserwirtschaft im Fokus

Die Porr geht davon aus, dass sich die hohe Nachfrage im Tiefbau fortsetzt. Investitionen in Verkehrswege, Stromnetze und Wasserinfrastruktur bilden weiterhin den Kern des Wachstums in den sieben Heimmärkten. Besonders dynamisch verläuft der Bahnbau, wo Porr in mehreren Ländern mit spezialisierten Kompetenzen präsent ist.

Im Hochbau bleibt das Umfeld durch die konjunkturelle Lage und hohe Finanzierungskosten schwierig – gleichwohl mehren sich Signale einer schrittweisen Erholung. Projekte im Gesundheitsbau und bei Bildungseinrichtungen sowie einzelne urbane Wohnbauentwicklungen tragen dazu bei.

Ausblick: Umsatz zwischen 6,2 und 6,3 Mrd. Euro – langfristiges Ziel bleibt höhere EBIT-Marge

Für das Gesamtjahr 2025 erwartet der Vorstand einen Umsatz zwischen 6,2 und 6,3 Mrd. Euro. Das EBIT soll zwischen 180 und 190 Mio. Euro liegen. Für die Jahre nach 2025 rechnet Porr mit einer weiteren Ergebnisverbesserung. Bis 2030 strebt der Konzern eine EBIT-Marge von 3,5 bis 4,0 % an.

Die Prognose steht allerdings unter geopolitischen Vorbehalten. Eine Verschärfung der internationalen Lage könnte die Projektlandschaft – insbesondere im Osteuropageschäft – beeinflussen.