Kreislaufwirtschaft am Bau : Erstes Gips-zu-Gips-Recyclingwerk Österreichs eröffnet
Erster geschlossener Gipskreislauf Österreichs
Mit der Inbetriebnahme ihres neuen Recyclingwerks in Stockerau hat die GzG Gipsrecycling GmbH, ein Joint Venture von Porr, Saint-Gobain und Saubermacher, den ersten geschlossenen Gipskreislauf in Österreich eingeleitet. Erstmals können Gipsabfälle im Land zu Rezyklat verarbeitet werden. Dieses wird künftig bei Saint-Gobain in Bad Aussee neuen Gipskartonplatten beigefügt. Das schont natürliche Ressourcen und ebnet den Weg für die Umsetzung der Recyclinggips-Verordnung sowie das kommende Deponierungsverbot.
Die Anlage verfügt über eine Jahreskapazität von 60.000 Tonnen und wurde im Oktober offiziell eröffnet. Bereits im Sommer 2025 begann die Annahme erster Gipsabfälle.
Großer Widerhall am Markt
Der Markt reagiert laut den Betreibern äußerst positiv. Die Abfälle werden in Stockerau sorgfältig vorsortiert, mechanisch aufbereitet und in mehreren Siebstufen behandelt, um die maximale Sortenreinheit sicherzustellen.
Die seit 1. April 2025 geltende Recyclinggips-Verordnung schuf erstmals verbindliche Vorgaben für die sortenreine Trennung und Aufbereitung von Gipsabfällen. Mit dem zum 1. Jänner 2026 in Kraft tretenden Deponierungsverbot wird die Nachfrage nach entsprechenden Recyclingkapazitäten weiter steigen.
Feierliche Eröffnung (v.li.): GZG-Geschäftsführer Julian Lechner; Saubermacher-COO Andreas Opelt; Saubermacher-Gründer Hans Roth; Benoit Bazin, Präsident und CEO der Saint-Gobain Gruppe; Peter Giffinger, CEO Austria bei Saint-Gobain; Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf; Staatssekretärin Elisabeth Zehetner; PORR COO Josef-Dieter Deix; WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser; Stephan Roth; Botschafter Matthieu Peyraud; GZG-Geschäftsführerin Monika Döll, GZG-Geschäftsführer Andreas Mehlmauer-Larcher, Saubermacher-CEO Ralf Mittermayr
- © Richard TanzerZero Waste – 100 % recyclingfähig: so funktioniert es
Gips ist zu 100 % recycelbar. In Stockerau werden die Abfälle in einer speziell konzipierten mechanischen Behandlungsanlage für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Der Gipskern wird dabei von Karton und Störstoffen getrennt, zerkleinert und einer Qualitätskontrolle unterzogen.
Das so gewonnene Rezyklat wird anschließend nach Bad Aussee transportiert, wo es bei Saint-Gobain in neuen Gipskartonplatten eingesetzt wird – mit einem Anteil von bis zu 40 Prozent. Der Transport erfolgt emissionsreduziert per Bahn, wofür das Werk über einen eigenen Bahnanschluss verfügt. Nachhaltigkeit spielt auch im laufenden Betrieb eine zentrale Rolle.
Bedeutung für die Bauwirtschaft
Mit dem Werk in Stockerau entsteht eine neue industrielle Infrastruktur für Baustoffrecycling in Österreich. Gips, bislang ein Abfallprodukt mit begrenzten Entsorgungsmöglichkeiten, wird zu einem wertvollen Sekundärrohstoff. Das Projekt gilt als Blaupause für weitere Kreislauflösungen im Bereich mineralischer Baustoffe und zeigt, dass Ressourcenschonung und wirtschaftliche Effizienz Hand in Hand gehen können.
Stimmen zur Eröffnung
PORR COO Josef-Dieter Deix:
„Als Bauunternehmen nehmen wir unsere Verantwortung für die Nachhaltigkeit sehr ernst. Uns war es wichtig, bereits frühzeitig eine innovative Antwort auf das Deponieverbot zu schaffen und damit die Kreislaufwirtschaft in Österreich substanziell mitzugestalten. Mit dieser Anlage haben wir einen Prozess geschaffen, der Vorbildwirkung hat: Der früher als wertlos erachtete Gipsabfall wird in ein wertvolles Recyclingmaterial umgewandelt. Die PORR hat hier gemeinsam mit ihren Partnern Pionierarbeit in der Sammlung und Aufbereitung der Gipsabfälle geleistet.“
Benoit Bazin, Präsident und CEO der Saint-Gobain Gruppe:
„In den 80 Ländern, in denen Saint-Gobain tätig ist, engagieren wir uns, die Umweltauswirkungen des Bauens sowohl in unserem eigenen Wirkungsbereich als auch entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren. Nachhaltiges Bauen erfordert ein Umdenken, wie wir Materialien entwickeln, herstellen und wiederverwerten. Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist unerlässlich, da er den Ressourcenverbrauch, beispielsweise von Gips, senkt, die Lebensdauer von Produkten verlängert und Recycling fördert. Heute machen wir einen bedeutenden Schritt nach vorne: Gemeinsam mit unseren Partnern sind wir stolz darauf, Österreichs erste Recyclinganlage „Gips-zu-Gips“ zu eröffnen.“
Peter Giffinger, CEO Austria bei Saint-Gobain:
„Heute feiern wir nicht nur die Inbetriebnahme einer hochmodernen Anlage, sondern auch die Verwirklichung einer lang gehegten Vision. Seit 2019 arbeiten wir daran, Gips in einen geschlossenen Recyclingkreislauf zu bringen. Die Frage, warum es uns trotz der jahrtausendelangen Bedeutung von Gips als Baustoff nicht gelungen ist, ihn nachhaltig wiederzuverwenden, hat mich stets beschäftigt. Heute können wir stolz sagen, dass wir einen bedeutenden Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft gemacht haben.“
Saubermacher-Gründer Hans Roth:
„Diese Anlage markiert einen Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft in Österreich: Erstmals wird Gips im industriellen Maßstab wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt. Indem wir Gipsabfälle hochwertig recyceln, reduzieren wir Deponievolumen, sparen Primärrohstoffe und senken Emissionen. Gemeinsam mit unseren Partnern PORR und Saint-Gobain setzen wir ein starkes Zeichen für Innovation und Verantwortung in der Bauwirtschaft und sichern zugleich die Versorgung mit nachhaltigen Rohstoffen für die Zukunft.“