Bahnbau in Polen : 100 Kilometer Gleis, 94 Weichen, 59 Übergänge: Swietelskys Rekordauftrag in Polen

Eine Linienbaustelle in großer Dimension: Bauzüge und Gleisbaumaschinen arbeiten sich durch den Korridor, auf dem Swietelsky insgesamt rund 100 Kilometer Gleis erneuert. Seit Juli fahren auf ersten fertiggestellten Abschnitten bereits wieder Personenzüge.

Eine Linienbaustelle in großer Dimension: Bauzüge und Gleisbaumaschinen arbeiten sich durch den Korridor, auf dem Swietelsky insgesamt rund 100 Kilometer Gleis erneuert. Seit Juli fahren auf ersten fertiggestellten Abschnitten bereits wieder Personenzüge.

- © Krzysztof Dzidek / PKP Polskie Linie Kolejowe S.A.

Eine Zahl, die größer ist als die Strecke, auf der sie liegt, wirkt zunächst wie ein Rechenfehler. Bei diesem Projekt ist sie das genaue Gegenteil, sie erklärt in einem einzigen Widerspruch, warum die Baustelle komplizierter ist, als es der bloße Kilometerwert vermuten lässt.

Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Bauwirtschaft verpassen? Abonnieren Sie unseren Newsletter Hier geht’s zur Anmeldung!

100 Kilometer Gleis auf 66 Kilometern Strecke

Das Netz aus drei Bahnlinien, das zwischen Stalowa Wola, Tarnobrzeg, Sandomierz, Ocice und Padew liegt, ist zusammengenommen rund 66 Kilometer lang: Linie 25 zwischen Sandomierz und Padew Narodowa, Linie 74 zwischen Sobów und Stalowa Wola Rozwadów sowie Linie 78 zwischen Sandomierz und Grębów. Trotzdem ist im Auftrag von rund 100 Kilometern Gleis die Rede. Kein Widerspruch, sondern eine Frage der Geometrie: Linie 74 verläuft über weite Strecken zweigleisig, dazu kommen zahlreiche Bahnhofs- und Nebengleise. Ein 66 Kilometer langes Streckennetz kann eben durchaus 100 Kilometer Gleis enthalten.

Am 21. Juli kehrten die Züge zurück

Seit dem 21. Juli 2026 fahren auf dem 18 Kilometer langen Abschnitt Sandomierz–Chmielów wieder Personenzüge. Zwischenzeitlich hatten Busse den Schienenersatzverkehr übernommen, jetzt halten die Züge wieder beziehungsweise erstmals in Tarnobrzeg Ocice, Tarnobrzeg Sobów und Tarnobrzeg Wielowieś und fahren unter anderem Richtung Sandomierz, Warschau, Stalowa Wola und Rzeszów.

Neben dem bereits erneuerten Gleis laufen die Arbeiten auch am Unterbau und an den zahlreichen Querungen weiter. Insgesamt umfasst Swietelskys Auftrag unter anderem 78 Durchlässe und 59 Bahnübergänge.

- © Krzysztof Dzidek / PKP Polskie Linie Kolejowe S.A.

Was Swietelsky bis dahin tatsächlich gebaut hat

Für diese erste Bauetappe nennt Swietelsky eigene Zahlen: 20 Kilometer erneuertes Gleis, 20 Kilometer erneuerte Oberleitung, 26 neue Weichen, vier fertiggestellte Bahnsteige, zwölf Durchlässe und eine Eisenbahnbrücke. Diese 20 Kilometer Bauleistung sind allerdings nicht identisch mit den 18 Kilometern wiedereröffneter Strecke, das eine beschreibt die vom Bauunternehmen zusammengefasste Produktionsmenge, das andere den konkreten, für den Personenverkehr wieder freigegebenen Streckenabschnitt.

Sechs Wochen später soll der nächste Abschnitt folgen

Nach dem aktuellen PKP-Zeitplan sollen bis Ende August 2026 die wesentlichen Arbeiten auf dem weiteren, 15 Kilometer langen Abschnitt Chmielów–Padew abgeschlossen sein, mit 19 Durchlässen, einer Brücke und 15 Bahnübergängen sowie neuen und erneuerten Bahnsteigen in Dąbrowica Małopolska, Skopanie, Padew Narodowa und Chmielów. Wäre das erreicht, wäre die gesamte Linie 25 von Sandomierz bis Padew wieder befahrbar. Eine spätere Meldung, die diesen Termin bereits bestätigt oder verschiebt, liegt bislang nicht vor.

Warum die Baustelle drei Richtungen gleichzeitig hat

PKP PLK teilt das Projekt räumlich in drei Baulose. Los A umfasst gleich drei Äste: Sandomierz–Sobów auf Linie 25, Sobów–Zbydniów auf Linie 74 sowie Sandomierz–Grębów auf Linie 78, zusammen rund 34,8 Streckenkilometer. Los B ist der Abschnitt Sobów–Padew Narodowa auf Linie 25 mit rund 25,6 Kilometern. Los C umfasst Zbydniów–Stalowa Wola Rozwadów Towarowy auf Linie 74, rund 6,1 Kilometer. Die Baustelle wandert also nicht einfach linear von einem Ende zum anderen, sie verzweigt sich auf drei Linien und drei Lose gleichzeitig, während einzelne Teilstrecken schrittweise wieder in Betrieb gehen. Koordiniert wird das über ein eigenes Vertragsbüro von Swietelsky Rail Polska im Ort Stale.

Neue Gleise, Weichenbereiche und Oberleitungsportale prägen den Abschnitt zwischen Sandomierz und Chmielów. Neben rund 100 Kilometern Gleis umfasst der Rekordauftrag auch etwa 90 Kilometer Oberleitung.

- © Krzysztof Dzidek / PKP Polskie Linie Kolejowe S.A.

Der größte Eisenbahnauftrag der polnischen Tochter

Swietelsky Rail Polska mit Sitz in Krakau gehört zur österreichischen Swietelsky AG. Am 8. August 2025 unterzeichnete Firmenchef Wojciech Więckowski in Tarnobrzeg gemeinsam mit Vertretern von PKP PLK, in Anwesenheit des Infrastrukturministers und der Woiwodin der Woiwodschaft Karpatenvorland, den entsprechenden Vertrag.

Im August vergangenen Jahres haben wir mit Swietelsky Rail Polska den Vertrag zur Umsetzung des Projekts ‚Arbeiten auf den Bahnlinien Nr. 25, 74, 78 auf dem Abschnitt Stalowa Wola–Tarnobrzeg–Sandomierz–Ocice–Padew‘ geschlossen.
Dorota Szalacha, Pressesprecherin PKP Polskie Linie Kolejowe (übersetzt aus dem Polnischen)

Swietelsky selbst bezeichnet den Auftrag mit einem Bruttowert von mehr als einer Milliarde Złoty als größten Eisenbahnauftrag in der Geschichte seiner polnischen Tochtergesellschaft. Der öffentliche Vergabeakt liefert die exakte Zahl: 847,39 Millionen Złoty netto, entsprechend 1,0423 Milliarden Złoty brutto, laut Swietelsky umgerechnet rund 200 Millionen Euro. Elf Unternehmen hatten sich an der Ausschreibung beteiligt, gewertet wurde ausschließlich nach Preis.

Die 190 wichtigsten Kilometer darf Swietelsky nicht weitergeben

Bei den beiden größten Mengengerüsten des Auftrags, rund 100 Kilometer Gleis und 90 Kilometer Oberleitung, muss Swietelsky selbst ran. Die Ausschreibungsbedingungen von PKP PLK schreiben vor, dass der gesamte Gleisoberbau und sämtliche Oberleitungsarbeiten auf den betroffenen Strecken- und Bahnhofsgleisen vom Auftragnehmer selbst auszuführen sind, nicht durch Subunternehmer. Für andere Gewerke, darunter Teile der Brückenarbeiten, Leit- und Sicherungstechnik, Straßenbau, Telekommunikation sowie Sanitär- und Hochbaubereiche, kündigte Swietelsky im Angebot ausdrücklich an, sie gegebenenfalls durch Subunternehmer abwickeln zu lassen.

Besonders aufwendig wird der Umbau dort, wo mehrere Gleise und Weichen zusammenlaufen. Insgesamt gehören 94 Weichen zum Auftrag von Swietelsky Rail Polska.

- © Krzysztof Dzidek / PKP Polskie Linie Kolejowe S.A.

94 Weichen, 78 Durchlässe, 13 Fahrgaststandorte

Über die zentralen Zahlen hinaus, 94 Weichen und 59 Bahnübergänge, umfasst der Auftrag 78 Durchlässe sowie umfangreiche Arbeiten an Bahndämmen, Entwässerung, Bodenverbesserung und Kabeltrassen für die neue Leit- und Sicherungstechnik. Bei den Fahrgastanlagen listet die aktuelle PKP-Projektseite drei modernisierte Bahnhöfe, Grębów, Tarnobrzeg und Chmielów, dazu drei modernisierte Haltepunkte, Wielowieś, Dąbrowica Małopolska und Turbia, sowie sieben neu errichtete Haltepunkte, Tarnobrzeg Sobów, Tarnobrzeg Ocice, Tarnobrzeg Olszynka, Kępie Zaleszańskie, Zbydniów, Skopanie und Padew Narodowa. Zusammen sind das 13 Fahrgaststandorte. Insgesamt entstehen 17 Bahnsteige, neun davon vollständig neu, acht werden modernisiert.

Eine 80-Meter-Brücke, aber wo genau

Unter den Ingenieurbauwerken nennt Swietelsky eine 80 Meter lange, einfeldrige Doppel-Fachwerkbrücke als längste der insgesamt sieben im eigenen Vertragsumfang enthaltenen Brücken, die aktuelle PKP-Projektseite führt für das Gesamtprojekt acht Eisenbahnbrücken, eine öffentliche Erklärung für diese Differenz gibt es nicht. Aktuelle Baustellenmeldungen nennen mehrere konkrete Brückenbaustellen, eine neue Querung bei Ocice, den Bau der Brücke über die Babulówka bei Padew Narodowa sowie Arbeiten an den Brücken über Trześniówka und Żupawka in Tarnobrzeg. Keine dieser Meldungen ordnet eine der genannten Brücken jedoch eindeutig als die 80-Meter-Konstruktion ein, weshalb sich eine genaue Zuordnung derzeit nicht seriös treffen lässt.

Der Umbau endet nicht am Gleis: Entlang des Projektkorridors werden auch die Fahrgastanlagen erneuert. Insgesamt sind 17 Bahnsteige betroffen – neun entstehen neu, acht werden modernisiert.

- © Krzysztof Dzidek / PKP Polskie Linie Kolejowe S.A.

120 Kilometer pro Stunde, und irgendwo stehen plötzlich 200

Nach dem Umbau sollen Personenzüge auf dem Gesamtprojekt mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde fahren, Güterzüge mit bis zu 110. Nur für das kurze Los C zwischen Zbydniów und Stalowa Wola Rozwadów Towarowy weist die offizielle PKP-Projektkarte einen deutlich höheren Zielparameter aus: 200 Kilometer pro Stunde für Personenzüge. Direkt daneben findet sich allerdings die Einschränkung, dass Leit- und Sicherungstechnik sowie Bahnübergänge auf diesem Abschnitt nur für 160 Kilometer pro Stunde ausgelegt werden. Wie dieser höhere Wert mit den sonst kommunizierten 120 Kilometern pro Stunde zusammenpasst, ist öffentlich nicht erklärt, möglich wäre ein baulicher Vorsorgeparameter für spätere Ausbaustufen.

Was das dem Fahrplan bringt

Auf Linie 78 zwischen Sandomierz und Grębów, wo Züge derzeit mit 60 Kilometern pro Stunde unterwegs sind, soll sich die Fahrzeit von 13 auf 8 Minuten verkürzen. Zwischen Sandomierz und Padew soll erstmals überhaupt eine direkte Verbindung entstehen, in rund 35 Minuten, eine solche Direktverbindung existierte zum Zeitpunkt der Vertragsvergabe schlicht nicht. Zwischen Tarnobrzeg und Stalowa Wola verkürzt sich die Fahrzeit um rund drei Minuten auf etwa 20 Minuten. PKP ordnet das gesamte Vorhaben strategisch unter dem Projekt Trójstyk, zu Deutsch etwa Dreiländereck, ein, weil es Verkehrsbeziehungen wiederherstellt, die zuletzt nicht regulär nutzbar waren.

Die Baustelle läuft weiter, während der Fahrplan schon zurückkehrt

Die gesamten von PKP ausgewiesenen Projektkosten liegen bei 1,1558 Milliarden Złoty brutto, davon stammen 798,7 Millionen Złoty aus EU-Fördermitteln, eine Zahl, die deutlich über Swietelskys eigenem Auftragswert liegt und weitere Planungs-, Neben- und Fördermaßnahmen umfasst. Für den durchgehenden Bahnbetrieb notwendige Arbeiten sollen laut PKP bis zum dritten Quartal 2027 abgeschlossen sein, der formale Projekt- beziehungsweise Vertragsabschluss ist für das zweite Quartal 2028 vorgesehen.

100 Kilometer Gleis werden dabei nicht auf einen Schlag fertig. Sie verschwinden Stück für Stück aus der Baustelle und kehren, Abschnitt für Abschnitt, in den Fahrplan zurück, während wenige Kilometer weiter derselbe Rekordauftrag längst weiterläuft.

FACTBOX: Modernisierung Bahnlinien 25, 74, 78

Projekt: Modernisierung der Bahnlinien 25, 74 und 78, Abschnitt Stalowa Wola–Tarnobrzeg–Sandomierz–Ocice–Padew
Region: Polen, Woiwodschaften Karpatenvorland und Heiligkreuz
Auftraggeber: PKP Polskie Linie Kolejowe S.A.
Auftragnehmer: Swietelsky Rail Polska sp. z o.o. (Krakau), Teil der Swietelsky AG
Vertragsunterzeichnung: 8. August 2025, Tarnobrzeg
Vertragsmodell: Ausführungsplanung und Bau

Auftragswert Swietelsky: 847,39 Mio. Złoty netto / 1,0423 Mrd. Złoty brutto, laut Swietelsky rund 200 Mio. Euro
Bedeutung: größter Eisenbahnauftrag in der Geschichte von Swietelsky Rail Polska
Gesamtprojektkosten laut PKP: 1,1558 Mrd. Złoty brutto, davon 798,7 Mio. Złoty EU-Förderung

Umfang

  • Streckenlänge: rund 66 km auf drei Bahnlinien
  • Gleisumfang: rund 100 km
  • Oberleitung: rund 90 km
  • Weichen: 94
  • Bahnübergänge: 59
  • Durchlässe: 78
  • Brücken: laut Swietelsky 7 (darunter längste: rund 80 m, einfeldrige Doppel-Fachwerkbrücke); laut aktueller PKP-Projektseite 8
  • Fahrgastanlagen: 3 modernisierte Bahnhöfe, 3 modernisierte Haltepunkte, 7 neue Haltepunkte (13 Standorte gesamt)
  • Bahnsteige: 17 gesamt, 9 neu, 8 modernisiert

Projektlose

  • Los A: Sandomierz–Sobów (L25), Sobów–Zbydniów (L74), Sandomierz–Grębów (L78); rund 34,8 km
  • Los B: Sobów–Padew Narodowa (L25); rund 25,6 km
  • Los C: Zbydniów–Stalowa Wola Rozwadów Towarowy (L74); rund 6,1 km

Eigenleistungspflicht: Gleisoberbau und Oberleitung auf allen betroffenen Strecken- und Bahnhofsgleisen; Subunternehmer u. a. bei Teilen der Brückenarbeiten, Leit- und Sicherungstechnik, Straßenbau möglich
Koordination: Vertragsbüro von Swietelsky Rail Polska in Stale

Geschwindigkeit: bis 120 km/h Personenverkehr, bis 110 km/h Güterverkehr; Los C zusätzlich mit Zielparameter 200 km/h (Signaltechnik/Bahnübergänge dort für 160 km/h ausgelegt)

Fahrzeitgewinne

  • Sandomierz–Grębów: von 13 auf 8 Minuten (aktuell 60 km/h)
  • Sandomierz–Padew: neue Direktverbindung, rund 35 Minuten
  • Tarnobrzeg–Stalowa Wola: rund 20 Minuten (rund 3 Minuten schneller)

Zeitplan

  • erste Bauetappe (Swietelsky): 20 km Gleis, 20 km Oberleitung, 26 Weichen, 4 Bahnsteige, 12 Durchlässe, 1 Brücke
  • Wiederaufnahme Personenverkehr: 21. Juli 2026, Abschnitt Sandomierz–Chmielów (rund 18 km)
  • nächster geplanter Meilenstein: Abschnitt Chmielów–Padew (rund 15 km), wesentliche Arbeiten laut letztem PKP-Zeitplan bis 30. August 2026
  • Befahrbarkeit aller modernisierten Linien: geplant Q3 2027
  • formaler Projekt-/Vertragsabschluss laut PKP: Q2 2028