Tiefbau : Swietelsky erhält Zuschlag für 376-Millionen-Euro-Baulos der A26 in Linz
Inhalt
- Swietelsky erhält Zuschlag für 376-Millionen-Euro-Baulos
- Zwei Tunnel, schwieriger Untergrund und Bauende 2035
- Kosten der A26 steigen auf 1,18 Milliarden Euro
- Neuer COO Wolfgang Pacher steht für Tiefbaufokus
- Rekord-Auftragsstand, Ergebnis unter Druck
- Eigene Konzernzentrale in Linz bleibt in der Warteschleife
Die Swietelsky-Zentrale in Linz: Der Baukonzern steht vor einem 376-Millionen-Euro-Großauftrag für die A26.
- © Swietelsky AGSwietelsky soll damit die Hauptbauleistungen der zweiten Etappe der A26 übernehmen. Geplant sind zwei Tunnel von der Donau unter dem Freinberg bis zur Westbrücke beim Linzer Hauptbahnhof. Die beabsichtigte Vergabe trifft auf ein Unternehmen, das seine Position im Infrastrukturgeschäft zuletzt ausgebaut und die Führung im Österreich-Geschäft neu aufgestellt hat.
Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Bauwirtschaft verpassen? Abonnieren Sie unseren Newsletter Hier geht’s zur Anmeldung!
Swietelsky erhält Zuschlag für 376-Millionen-Euro-Baulos
Seit der beabsichtigten Zuschlagsentscheidung steht fest, was der Kern der zweiten Etappe der A26 kosten soll: 376 Millionen Euro. Für diese Summe erhielt Swietelsky den Zuschlag für die Hauptbauleistungen des mit Abstand größten Bauloses innerhalb des Gesamtprojekts. Auch für die Asfinag zählt die Vergabe zu den größeren der jüngeren Vergangenheit.
Noch ist der Auftrag allerdings nicht endgültig fixiert. Bis 13. April läuft die gesetzliche Stillhaltefrist, innerhalb der die Zuschlagsentscheidung beeinsprucht werden kann. Insgesamt hatten sich sieben Bietergemeinschaften um das Los beworben. Weder die Asfinag noch Swietelsky wollen sich derzeit inhaltlich zur Vergabe äußern. Erst wenn innerhalb dieser Frist kein Einspruch erfolgt oder ein allfälliges Verfahren abgeschlossen ist, wird aus der beabsichtigten Zuschlagsentscheidung ein endgültiger Auftrag.
Zwei Tunnel, schwieriger Untergrund und Bauende 2035
Die Bedeutung des zweiten A26-Bauabschnitts liegt nicht nur in seinem Volumen, sondern vor allem in seiner baulichen und logistischen Komplexität. Errichtet werden zwei Autobahntunnel, die von der Donau unter dem Freinberg bis zur Westbrücke beim Linzer Hauptbahnhof führen. Sollte nach Ablauf der Stillhaltefrist kein erfolgreicher Einspruch erfolgen, soll der Baustart im Sommer erfolgen. Allein die Einrichtung der Baustelle wird rund drei Monate in Anspruch nehmen, für den zweiten Bauabschnitt insgesamt sind rund sechs Jahre Bauzeit vorgesehen.
Eine der zentralen Herausforderungen beginnt schon bei der Baustellenlogistik. Zigtausende Tonnen Sand und Gestein müssen abtransportiert werden. Dafür ist – ähnlich wie bereits beim Bau der Donautalbrücke – eine eigene Schiffsanlegestelle an der Donau vorgesehen. Das Ausbruchsmaterial soll über eine der bereits errichteten Auffahrtsrampen per Lkw aus dem Berg gebracht, anschließend auf Lastkähne verladen und über den Wasserweg abtransportiert werden.
Auch geologisch stellt das Los hohe Anforderungen. Zu Beginn des Tunnelvortriebs treffen die Bautrupps auf festen Gneis, in dem mit Sprengstoff gearbeitet werden kann. In diesem Abschnitt sind vergleichsweise rasche Vortriebsleistungen möglich. Anspruchsvoller wird das Projekt im letzten Drittel: Dort muss der Tunnel durch sandigen Untergrund getrieben werden, was deutlich aufwendigere Sicherungsmaßnahmen erfordert.
Hinzu kommt, dass sich der Bauabschnitt nicht auf den Tunnel unter dem Freinberg beschränkt. Gleichzeitig wird auch im Bereich des Wissensturms beim Hauptbahnhof gearbeitet, wo der Tunnel endet. Die A26 bleibt dort allerdings weiterhin unter der Erde: Im Bereich der Waldeggstraße ist eine Unterflurtrasse vorgesehen. Erst kurz vor der Westbrücke tritt die Trasse wieder an die Oberfläche. Mit dem Neubau dieser Brücke soll das Gesamtprojekt im Jahr 2035 seinen baulichen Schlusspunkt erreichen.
Kosten der A26 steigen auf 1,18 Milliarden Euro
Mit dem Zuschlag an Swietelsky ist zwar ein zentraler Schritt für die zweite Etappe erfolgt, für das Gesamtprojekt bleiben die Dimensionen aber enorm. Die gesamte A26 ist inzwischen mit 1,18 Milliarden Euro veranschlagt und damit deutlich teurer als ursprünglich angenommen. Zuletzt wurde die Kostenschätzung im Jahr 2023 um 440 Millionen Euro nach oben korrigiert.
Damit bleibt die Linzer Stadtautobahn nicht nur eines der größten Infrastrukturvorhaben der Region, sondern auch ein Projekt mit politischer Fallhöhe. Die Debatte über Nutzen, Eingriffstiefe und Prioritätensetzung im Verkehrsausbau ist damit keineswegs beendet. Für Swietelsky ist der Zuschlag ein Prestigeerfolg. Für das Projekt selbst bleibt er Teil einer Autobahn, deren Kostenentwicklung und verkehrspolitische Rolle weiter umstritten sind.
Dass unterlegene Bieter bei einer Vergabe dieser Größenordnung Einspruch erheben, ist unterdessen nicht ungewöhnlich und durchaus erwartbar. Größere zusätzliche Verzögerungen gelten derzeit allerdings nicht als wahrscheinlich.
Neuer COO Wolfgang Pacher steht für Tiefbaufokus
Seit 1. April ist auch personell sichtbar, wohin sich Swietelsky entwickelt: Wolfgang Pacher hat als COO Österreich die Verantwortung für das Heimmarktgeschäft übernommen. Der langjährige Tunnel- und Infrastrukturexperte folgt auf August Weichselbaumer, der nach 27 Jahren im Unternehmen in den Ruhestand geht.
Pacher ist seit 2010 in leitenden Funktionen bei Swietelsky tätig, seit 2023 als Geschäftsbereichsleiter für Tunnel- und Ingenieurtiefbau. Seine Bestellung unterstreicht den wachsenden Fokus des Konzerns auf Tiefbau und Infrastruktur.
Rekord-Auftragsstand, Ergebnis unter Druck
Auch die aktuellen Geschäftszahlen stützen das Bild eines Konzerns auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr 2025/26 steigerte Swietelsky die Bauleistung auf 2,154 Milliarden Euro und lag damit um 5,4 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Auftragsstand erreichte zum 30. September 2025 mit 4,353 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert in der Unternehmensgeschichte, ein Plus von 35,3 Prozent. Konzernweit beschäftigt Swietelsky inzwischen mehr als 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Dabei zeigt sich das Wachstum über mehrere Sparten hinweg. Nach drei rückläufigen Jahren verzeichnete der Hochbau wieder ein Plus, insbesondere im nicht-wohnraumschaffenden Bereich, aber auch im Wohnbau. Gleichzeitig setzten Infrastruktursparten wie Tiefbau und Eisenbahnoberbau ihren Wachstumstrend fort.
Der Konzern wächst damit in Leistung und Auftragsbestand, die Ertragsseite bleibt aber unter Druck. Das Ergebnis vor Steuern sank im ersten Halbjahr um 11,2 Prozent auf 105,3 Millionen Euro, das Ergebnis nach Steuern ging von 86,3 auf 79,0 Millionen Euro zurück. Aus dem Zahlenwerk ergibt sich dafür ein recht klares Bild: Material- und Personalaufwand stiegen deutlich, zugleich nahmen die Abschreibungen zu und das Zinsergebnis fiel schwächer aus. Mehr Geschäft bedeutet im aktuellen Umfeld also nicht automatisch mehr Gewinn.
Eigene Konzernzentrale in Linz bleibt in der Warteschleife
Dass Swietelskys Expansionskurs nicht überall gleich reibungslos sichtbar wird, zeigt ausgerechnet das eigene Prestigeprojekt in Linz. Beim Chemie-Kreisverkehr plant der Konzern seit 2023 eine neue Firmenzentrale in Form eines 75 Meter hohen Turms. Ein Baustart ist bislang jedoch nicht erfolgt, auch der Altbestand auf dem Areal wurde noch nicht abgetragen.
Nach Angaben des Unternehmens liegen zwar Baugenehmigung und Baubescheid vor. Gegen das Projekt wurde jedoch von einer Drittpartei Einspruch erhoben. Solange dieser nicht geklärt ist, kann mit dem Bau nicht begonnen werden. Damit ist auch die ursprünglich in Aussicht gestellte Eröffnung Anfang 2027 nicht mehr zu halten.
Während Swietelsky also große Aufträge bei Infrastruktur- und Hochbauprojekten an Land zieht, wartet die eigene Konzernzentrale weiter auf den Startschuss.