Schalungstechnik : 14 Meter Wände, 3 Zentimeter Spielraum: Schalung für greentec steel in Donawitz

Ringer Greensteel Schalung

Wandschalung mit dem Master-PRO-System von Ringer am Mediengebäude in Donawitz: Die einseitige Bedienbarkeit war Voraussetzung, weil die Bestandsbebauung an manchen Stellen nur drei Zentimeter Spielraum ließ.

- © Ringer / Voestalpine

Wenn auf einer normalen Baustelle der Polier sagt, eine Wand müsse heute noch geschlossen werden, wird gerechnet, koordiniert und improvisiert. Wenn auf einer Baustelle mitten in einem laufenden Stahlwerk dasselbe gesagt wird, kommt eine zusätzliche Größe ins Spiel: Wann fährt der nächste innerbetriebliche Transport mit flüssigem Stahl? Solche Transporte wiegen bis zu 1.000 Tonnen pro Stück, sie haben in Donawitz absolute Priorität und dürfen unter keinen Umständen aufgehalten werden. Wer im Werk baut, baut deshalb nicht nur gegen Stahlbetonpläne und Wettervorhersagen, sondern auch gegen den Produktionsrhythmus eines laufenden Konzerns.

Genau in dieser Konstellation realisiert das steirische Bauunternehmen Lieb Bau Weiz aktuell das Baupaket 3 des Donawitzer greentec-steel-Programms, das zentrale Mediengebäude. Der Begriff klingt nach Rundfunk, gemeint ist aber ein Versorgungsbau: jener Gebäudekomplex, in dem Strom, Hydraulik und Steuerungstechnik des künftigen Elektrolichtbogenofens zusammenlaufen. Schalungspartner ist der österreichische Spezialist Ringer, dessen Material in einem Warenwert von 7,5 Millionen Euro auf der Baustelle steht.

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Das Mediengebäude: das Herzstück hinter dem Elektrolichtbogenofen

Wenn vom Donawitzer Großprojekt die Rede ist, geht es meistens um den Elektrolichtbogenofen selbst, in dem ab 2027 jährlich 850.000 Tonnen CO2-reduzierter Stahl entstehen sollen. Das Mediengebäude steht in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten dieser Hauptanlage. Es beherbergt Hydraulikräume und vor allem das Q-One-System, jene digitale Stromregelung des italienischen Anlagenbauers Danieli, die den Elektrolichtbogenofen überhaupt erst präzise steuerbar macht.

Über dem Mediengebäude wird zusätzlich die gesamte Legierungswirtschaft installiert. Bei Vollfüllung trägt das Bauwerk eine Last von 18.400 Tonnen. Verbaut werden 8.000 Kubikmeter Beton und 1.600 Tonnen Bewehrungsstahl, bis zu 300 Kubikmeter Beton pro Woche.

Versorgungsbau für greentec steel: Am Mediengebäude in Donawitz errichten Lieb Bau Weiz und Ringer bis zu 14 Meter hohe Wände – mitten im laufenden Stahlwerk der voestalpine.

- © Ringer / Voestalpine

14 Meter Wand, 3 Zentimeter Spielraum

Was den Bau zur Schalungsaufgabe im engeren Sinn macht, sind die Wände. Wandstärken zwischen 30 und 60 Zentimetern, an einer besonders engen Stelle nur drei Zentimeter Abstand zur Bestandskonstruktion und Wandhöhen, die in einem Fall 14 Meter erreichen. Für die großflächigen Wandbereiche setzte Lieb Bau Weiz auf das Master-PRO-System von Ringer, das in Elementen von 240 mal 300 Zentimetern verbaut wurde. Wegen der einseitigen Bedienbarkeit war es gerade dort einsetzbar, wo die Bestandsbebauung dem Schalungsteam keinen Platz für eine herkömmliche Zweiseitenschalung ließ.

Die 14 Meter hohen Wände wurden in vier Betonierabschnitten errichtet, jeder mit 200 Kubikmetern Beton und 40 Tonnen Bewehrungsstahl. Zunächst wurde eine komplette Schalungsseite gestellt, dann mit Doppelgeländer-Gerüst die Bewehrung eingebaut. Wegen der Wandstärken bis 60 Zentimeter musste das in zwei Arbeitsschritten verlegt werden. Für die zahlreichen Eck- und Sonderbereiche kombinierte Ringer Alu-Master-Innenecken, Stahl-Master-Elemente und DW20-Anker. 

Antimagnetischer Nirosta-Stahl: das Magnetfeld unter den Kupferschienen

Eines der bautechnisch unüblichsten Details des Mediengebäudes ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. Die Stromversorgung des Elektrolichtbogenofens läuft über massive Kupferschienen, die enorme Stromstärken transportieren und dabei ein extremes Magnetfeld erzeugen. In den Bereichen unter und neben diesen Schienen konnte deshalb kein konventioneller Bewehrungsstahl eingebaut werden, ohne dass unerwünschte magnetische Effekte auf das Bauteil zu erwarten gewesen wären. Die Lösung: 28,3 Tonnen antimagnetischer Nirosta-Stahl ersetzen die Bewehrung in den kritischen Zonen. Stahlbeton-Klassik trifft in Donawitz auf Sonderwerkstoff, weil das Bauwerk Teil eines Hochstromsystems wird.

© Ringer GmbH / Voestalpine

Decken in 27 Metern Höhe: digitale Betonreifeprüfung im Einsatz

Die Decken folgen einer eigenen Logik. Insgesamt 4.620 Quadratmeter Deckenfläche werden hergestellt, Stärken zwischen 25 und 100 Zentimetern, die höchste Decke in 27 Metern Höhe. Hier kommen Ringer-Traggerüstsysteme in Kombination mit Flex-Schalung zum Einsatz, um die teils massiven Lasten und Unterzüge sicher abzutragen. Eine 5-Tonnen-Ausfahrbühne übernimmt den Materialtransport in den oberen Geschossen.

Begleitet wird das Ganze durch ein digitales Werkzeug: die digitale Betonreifeprüfung. Sensoren, die direkt im Frischbeton platziert werden, erfassen kontinuierlich den Temperaturverlauf in den Bauteilen. Aus diesen Daten wird die jeweils erreichte Druckfestigkeit berechnet und damit der frühestmögliche Ausschalzeitpunkt für die einzelnen Decken. 

80 Prozent in zwölf Monaten: der Zeitdruck im greentec-steel-Programm

Den Druck setzt der Zeitplan. 80 Prozent des Bauvorhabens sollen innerhalb von zwölf Monaten realisiert sein, damit das Mediengebäude rechtzeitig steht, bevor die Anlagenbauer im Inneren mit der Installation von Q-One und Hydraulik beginnen können. Im Hintergrund läuft die parallele Errichtung der 220-kV-Stromtrasse von APG und Energie Steiermark, an deren Endpunkt das Mediengebäude später sitzt. Verzögerungen sind in einem Programm dieser Größenordnung schwer aufzuholen, weil die elf Teilprojekte ineinandergreifen: Wer beim Mediengebäude in Rückstand gerät, hält am Ende auch die Inbetriebnahme des Elektrolichtbogenofens auf.

Dass dabei am Ende mehr herauskommt als nur ein weiteres Betongebäude im Werk, ist der Logik des Gesamtprogramms geschuldet. greentec steel ist mit 1,5 Milliarden Euro Investitionsvolumen das größte Klimaschutzprogramm Österreichs und soll die CO2-Emissionen der voestalpine konzernweit um rund 30 Prozent gegenüber 2019 senken, das entspricht knapp vier Millionen Tonnen pro Jahr. Beim Baupaket 3 in Donawitz wird die Schalungs- und Gerüsttechnik damit zum vermutlich unscheinbarsten Hebel dieser Klimarechnung. Erst wenn der Beton steht, kann der grüne Strom in den neuen Ofen fließen.

Markus Ringer, Eigentümer von Ringer, über die Lehren aus Donawitz.

- © RINGER GmbH / Hasselblad H6D

Nirosta und Betonreifeprüfung: „Vierfache Vorlaufzeit, zehnfache Kosten"

Ringer entwickelt aus den Donawitzer Erfahrungen eine neue Generation Betonierbühnen mit zusätzlicher Klappe für die Ankerriegel-Montage, Markteinführung noch 2026. Über Nirosta-Logistik, die Grenzen der digitalen Betonreifeprüfung und die Lehren aus dem Projekt.

Hatte der Einsatz von 28,3 Tonnen antimagnetischem Nirosta-Stahl auch Auswirkungen auf Schalung, Ablauf oder Bewehrungslogistik? 

Auf die Schalung selbst hatte der Nirosta-Stahl keine besondere Auswirkung, in der Bewehrungslogistik aber sehr wohl. Nirosta-Bewehrung hat etwa die vierfache Vorlaufzeit von konventionellem Bewehrungsstahl und wird projektbezogen gefertigt. In der Verarbeitung darf kein normaler Bindedraht verwendet werden, sondern Kabelbinder oder Kupfer-Isolierdraht, zwischen den Stangen liegt zusätzlich eine Trennlage aus Kunststoff, sonst entsteht auch bei Nirosta ein Magnetfeld. Kostenseitig liegt das insgesamt bei etwa dem Zehnfachen gegenüber einer konventionellen Lösung.

Wie funktioniert die digitale Betonreifeprüfung, und ist sie bei Projekten dieser Größenordnung mittlerweile Standard? 

Sensoren werden direkt in die Schalung integriert und messen den Temperaturverlauf im Beton, der Abgleich mit hinterlegten Vergleichskurven ermittelt den aktuellen Reifegrad und damit den Zeitpunkt der erforderlichen Festigkeit. Ausschalzeiten lassen sich so oft um mehrere Tage pro Takt verkürzen, vor allem in kalten Jahreszeiten. Zu berücksichtigen ist aber: Personal zum Ausschalen muss zu diesem früheren Zeitpunkt auch verfügbar sein, die Personalplanung wird damit anspruchsvoller, weil der Ausschalzeitpunkt nicht im Vorhinein feststeht. Auch die geforderte Betongüte spielt eine Rolle. Es bleibt deshalb immer ein Abwägen, ob die Methode wirtschaftlich sinnvoll ist, unabhängig von der Projektgröße.

Was nimmt Ringer aus Donawitz für künftige Großprojekte mit? 

Vor allem zwei Dinge. Erstens die extrem kurze Bauzeit für ein so anspruchsvolles Projekt, kombiniert mit einem außergewöhnlich hohen Betondruck durch die hohen Wände und engen Verhältnisse, was auch das Schalungsmaterial entsprechend beansprucht. Zweitens hat sich gezeigt, wie wichtig Flexibilität und Lieferfähigkeit sind. Der Materialeinsatz lag am Ende deutlich höher als geplant, statt 3 Millionen Euro bei 7,5 Millionen Euro. Dass wir trotzdem jederzeit lieferfähig geblieben sind, war für den Projekterfolg entscheidend. Die Erfahrungen aus Donawitz fließen direkt in eine neue Generation Betonierbühnen ein, die schalungsseitig eine zusätzliche Klappe für die Montage von Ankerriegeln oder Versteifungselementen bietet. Markteinführung noch 2026.