Fachkonferenz zu Allianzverträgen : Allianzvertrag lessons learned

Vortragende ÖBV Allianzvertrag

Alle Vortragenden und Podiumsteilnehmer der Fachkonferenz Partnerschaft mit Baupraxis 2025. Moderiert wurde sie von Bettina Kreuter, stellvertretende Chefredakteurin SOLID.

- © ÖBV

In Österreich gibt es mit dem österreichischem Allianzmodell nur ein Vergabeverfahren mit einem Preiswettbewerb und einer Gewichtung <60%, das im Regelfall schneller und mit weniger Aufwand umzusetzen ist.

In Deutschland sind es mehrere parallellaufende Vergabefahren für Planer und Ausführende mit Assessmentcentern und meistens ohne Preiswettberwerb.

In der Schweiz werden mehrere parallele Vergabeverfahren für Planer und Ausführende mit Dialogrunden, teilweise mit Preiswettbewerb mit einer Gewichtung von <30% durchgeführt.  

Darüber hinaus wurden bei der 6.Jahresveranstaltung auch die Ergebnisse und Lessons Learned aus den Projekten mit Allianzvertrag in Österreich: Asfinag-Landeckertunnel, ÖBB-Angath-Rohbaustollen, IPA in Deutschland: 13 Projekte der DB in den unterschiedlichsten Phasen und erste wichtige Meilenstein in der Schweiz bei der SSB und dem Abwasserverband vorgestellt.

Zitate aus der Podiumsdiskussion

Bei der traditionellen Podiumsdiskussion, im Anschluss an die Vorträge, musste aufgrund der regen Diskussion die Dauer erheblich verlängert werden:

Wolfgang Dittrich (Strabag): „Bei dem IPA-Modell in Deutschland kann der Ausführende früher Ideen einbringen.“

Dieter Deix (PORR):“Je früher der Ausführende beim Projekt eingebunden ist, desto besser für das Projekt.“ Wenn alles bereits vor der Vergabe geplant ist, kann der Ausführende nur mehr wenig einbringen.“

Judith Engel (ÖBB): „Wir werden am open Books festhalten anhand weiterer Projekte mit Allianzmodellen Erfahrungen darüber sammeln. ECI ist für uns nicht nicht denkbar.“

Mario Marti (Kellerhals Carrad, Schweiz): „Wenn die Ausführenden und Planer frühzeitig eingebunden sind, führt dies zum besten Ergebnis.“

Jörn Koch (Amprion, Deutschland): „Wir machen keinen Mehrparteienvertrag, da dies zum Aufblähen der Gremien führt.“

Daniel Deutschmann (Heid & Partner): „Zentrale Punkte, die in der Praxis bei den Pilotprojekten immer wieder eine Diskussion verursacht haben, wie z.B. Verkürzung des Vergabeverfahrens oder open books, wird man im überarbeiteten ÖBV-Merkblatt mit geplantem Erscheinungsdatum Frühjahr 2026 unter anderem finden können.“ 

Bei der Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Daniel Deutschmann, Jörn Koch, Mario Marti, Judith Engel, Josef-Dieter Deix, Wolfgang Dittrich und Diskussionsleiter ÖBV-GF Michael Pauser.

- © ÖBV

Hochkarätige Vortragende zu Allianzverträgen

Was war das Motto der 6. Veranstaltung? 

Daniel Deutschmann (Heid&Partner): Das Vortragsmotto 2025 lautet „Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Allianzmodelle im D-A-CH-Raum“. Unterschiede gibt es in der Zusammensetzung der Vertragspartner, etwa in der Einbindung des Auftragnehmers. In Deutschland wird IPA immer mit einer integrierten Planungsleistung kombiniert, die mindestens die Ausführungsplanung umfasst, oder teilweise sogar schon ab Leistungsphase 2 nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure beginnt. 

Auch beim Allianzvertrag ist im Sinne eines Early Contractor Involvement die Einbindung des Auftragnehmers schon ab der Planung des Vorentwurfs oder früher möglich. Allianzverträge sind sowohl mit ECI als auch abgeschlossener Planung möglich. 

Am Donnerstag, den 23. Oktober, berichteten hochkarätige Vortragende, wie z. B. Frédéric Heil (ÖBB INFRA), Yasmin Dheban (SBB), über ihre praktischen Erfahrungen mit Allianzverträgen in Österreich sowie IPA-Modellen in Deutschland und der Schweiz. 

Bei der Podiumsdiskussion wurden  auf die Vor- und Nachteile von Partnerschaftsverträgen im D-A-CH-Raum eingegangen. Dazu haben wir prominente Diskussionspartner aus Österreich, wie Judith Engel (ÖBB-Vorständin) und Josef-Dieter Deix (Porr-COO) und Vertreter aus Deutschland und der Schweiz eingeladen. 

ÖBV-Regelwerk in Ausarbeitung

Was hat sich in Bezug auf Allianzverträge seit Ihrer ersten Veranstaltung getan? 

Michael Pauser (ÖBV): Vieles, denn 2021 hatten bereits öffentliche Bauherrn, Planer, Ausführende und Konsulenten das ÖBV-Regelwek „Alternative Vertragsmodelle – Empfehlungen für die Auswahl und Umsetzung“ fertiggestellt, jedoch, mit Ausnahme der TIWAG, noch keine Projekte in der Praxis umgesetzt hatte. 

2025 können wir in Österreich auf insgesamt 16 Allianzprojekten, sowohl im Tief- als auch im Hochbau zurückblicken. Erfahrungen wurden damit z. B. bei der ASFINAG, ÖBB, BIG, TIWAG, Land Vorarlberg, Tirol Kliniken, Best in Parking oder FH Campus Wien schon gemacht. 

Nun Arbeiten die Experten in der ÖBV daran, aus den, in der Praxis gewonnen Erfahrungen mit Partnerschaftsverträgen, in einem ÖBV-Regelwerk zusammen zu fassen, um für künftige Projekte mit konkreter Anleitung eine Hilfestellung zur schnelleren Umsetzung für alle Beteiligten herausgeben zu können. In Deutschland ist die DB mit 11 Projekten mittels IPA-Verträgen Vorreiter und in der Schweiz muss frischer Wind betreffend Allianzmodellen bei ihren Juristen und Controllern erst einziehen. Das war der Stand 2024. 

Das Programm der Fachkonferenz

>> Hier finden Sie das gesamte Programm der Veranstaltung!

Die 6. Fachkonferenz „Partnerschaft mit Baupraxis“ wurde von der Österreichischen Bautechnik Vereinigung gemeinsam mit Heid & Partner Rechtsanwälte in Kooperation mit SOLID durchgeführt. Bettina Kreuter, stellvertretende Chefredakteurin, moderierte.