Österreichischer Stahlbautag : Die Klassenfahrt der Stahlbaubranche

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Mehr als 330 Besucher kamen zum zweitägigen Stahlbautag nach Graz. 

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Als „Klassenfahrt der Stahlbaubranche“ bezeichnete Moderatorin Andrea Dunkl treffend den Stahlbautag in der Messe Graz. In seinen Eröffnungsworten betonte Verbandspräsident Arno Sorger danach die zentrale Rolle eines nachhaltigen Stahlbaus für die Energiewende: „Wir bekennen uns zum Klimaschutz und sehen uns als Teil der Lösung.“ 

Auf das durchwachsene wirtschaftliche Umfeld ging Sabine Hesse ein: „So vielfältig die Gründe für die anhaltende Industrierezession sein mögen, so klar ist das Ziel: raus mit allen Mitteln!“, sagte die Geschäftsführerin des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), dem der Stahlbauverband seit 1999 angehört. 

Positiv merkte sie an, dass Metalle und die Industrieproduktion europaweit in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt seien. Etwa wurde im Anschluss an einen Stahlgipfel auf EU-Ebene ein neuer „Steel and Metals Action Plan“ beschlossen, um insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie im Zuge der Dekarbonisierung sicherzustellen. „Ohne Stahlproduktion würde Europa in die geopolitische Abhängigkeit geraten. Als Branche wollen wir unseren Beitrag zur heimischen Industriestrategie leisten.“ 

Die Keynote hielt voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner – hier im Gespräch mit Stahlbauverband-Geschäftsführer Georg Matzner.

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Operation am offenen Herzen

Das Streben der voestalpine nach einer wirtschaftlich erfolgreichen Dekarbonisierung der Stahlerzeugung und -weiterverarbeitung skizzierte Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner. „Eine schrittweise Transformation ist für uns der beste Weg. Das erhöht die Flexibilität und verringert das Baurisiko.“ Die Umstellung gleiche einer Operation am offenen Herzen, da die bestehende Infrastruktur parallel weiterlaufe. 

Die Transformation ist in vollem Gange. In Linz und Donawitz laufen zurzeit gut 30 Projekte. „Die Tiefbauarbeiten in Donawitz sind größtenteils abgeschlossen, die Arbeiten zur Stromanbindung schreiten planmäßig voran“, berichtet Eibensteiner. Die Stromversorgung am Standort Linz soll durch eine 220-Kilovolt-Leitung für die künftige Elektrostahlerzeugung gewährleistet werden. Innerhalb des Werksgeländes wird elektrische Energie über einen in Bau befindlichen Mikrotunnel inklusive Wasserkühlung übertragen. 

Mit dem teilweisen Umstieg von der Hochofen- auf die Elektrostahlroute sollen die CO2-Emissionen bis 2029 um rund 30 Prozent oder 4 Millionen Tonnen jährlich reduziert werden. „Greentec Steel ist damit das größte Klimaschutzprogramm in Österreich.“ Bis 2050 wird die Elektrostahlerzeugung schrittweise hochgefahren. 

Gleichzeitig forscht die voestalpine an bahnbrechenden Technologien, um Klimaneutralität bis 2050 zu erlangen. Das Forschungsprojekt SuSteel (= Sustainable Steelmaking) befasst sich mit der CO2-neutralen Herstellung von Rohstahl mithilfe von Wasserstoffplasma.  

Ein Leuchtturmprojekt im Wortsinn entsteht in Linz. In einem 60 Meter hohen Neubau, der von der Autobahn aus sichtbar sein wird, sollen Roheisen und Roheisenbriketts ab 2027 durch wasserstoffbasierte Feinerz-Reduktion (Hyfor) und Smelter (Schmelzofen) im industriellen Maßstab hergestellt werden. Die wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlage für Feinerze wird dabei erstmals direkt mit dem Schmelzofen gekoppelt. „Das Projekt markiert einen Meilenstein auf dem Weg zur Eisenerzeugung der Zukunft“, unterstreicht der voestalpine-Chef. 

Mehr Projekte, weniger Emissionen

Welche Chancen sich dem Stahlbau in der Mobilitätsinfrastruktur eröffnen, zeigten die Vorträge von Asfinag-Geschäftsführer Andreas Fromm und ÖBB-Infrastruktur-Vorstandsmitglied Judith Engel. „Ein Großteil unserer Brückenbauten stammt aus den 70ern“, so Fromm. Damit stehen in den kommenden Jahren viele Ausschreibungen von Bauprojekten an.  

Die Herausforderung: „Wir müssen mit der Zahl der Projekte rauf und zeitgleich mit den CO2-Emissionen runter.“ Mit einem CO2-Fußabdruck von 55 bis 84 Prozent der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus komme dem Aspekt der Materialherstellung besondere Bedeutung zu. Die Entscheidung bei der Auftragsvergabe falle daher immer stärker auch unter Qualitäts- und Nachhaltigkeitsaspekten und nicht nur nach Preiskriterien. 

Derzeit ist der flächenmäßige Anteil der Stahl- und Stahlverbundbrücken am gesamten Asfinag-Netz mit acht Prozent verhältnismäßig gering, aber das könnte sich in Zukunft ändern. „Darüber hinaus handelt es sich bei unseren Stahl- und Stahlverbundbrücken in vielen Fällen um Schlüsselbauwerke mit großer Spannbreite – von der Praterbrücke in Wien bis zur Europabrücke in Tirol.“ 

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„Bei der Auftragsvergabe der Asfinag spielen Nachhaltigkeitskriterien eine immer größere Rolle“, erklärt Geschäftsführer Andreas Fromm. - © ÖSTV

Ein Brücken-Methusalem aus Stahl

Ein Großkunde der Stahlindustrie sind die ÖBB – seien es Brücken oder Oberleitungsmasten, Lärmschutzwände oder Inspektionsstege, Bahnsteigdächer oder Lärmschutzwände. Das Durchschnittsalter der Stahlbrücken in Österreichs Bahnnetz liegt bei knapp 49 Jahren – mit deutlich älteren Ausreißern: Die Welser Traunbrücke beispielsweise stammt aus dem Jahre 1893. 

„Stahlbrücken sind robust, langlebig, flexibel erneuerbar und wiederverwertbar“, weiß Vorständin Judith Engel. Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden 181 Stahlbrücken neu errichtet. 

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ÖBB-Vorständin Judith Engel: „Stahlbrücken sind robust, langlebig, flexibel erneuerbar und wiederverwertbar. - © ÖSTV