Hochhausbau in Dubai : 700 Lastwagen in 40 Stunden: Wie unter Dubais 725-Meter-Turm gebaut wird

Auf engem Baugrund an der Sheikh Zayed Road entsteht das mehrgeschoßige, vollautomatisierte Parkhaus des Burj Azizi. Doka liefert dafür vormontierte Schalungssysteme, die im Just-in-time-Takt auf die Baustelle kommen.

Auf engem Baugrund an der Sheikh Zayed Road entsteht das mehrgeschoßige, vollautomatisierte Parkhaus des Burj Azizi. Doka liefert dafür vormontierte Schalungssysteme, die im Just-in-time-Takt auf die Baustelle kommen.

- © Doka

Noch ragt der Burj Azizi nicht über Dubais Skyline. Wer heute auf die Baustelle an der Sheikh Zayed Road blickt, sieht keinen Turm, sondern ein tiefes Loch, Betonpumpen und eine ununterbrochene Kette von Mischfahrzeugen. Die eigentliche Leistung dieser frühen Bauphase ist keine Frage der Höhe, sondern der Logistik, und mittendrin arbeitet mit dem Amstettner Schalungshersteller Doka ein österreichisches Unternehmen an einem der engsten Bauplätze der Stadt. Ein 725-Meter-Turm mag der Grund sein, warum alle hinschauen. Was den Bau in diesen Wochen wirklich schwierig macht, spielt sich jedoch im Untergrund ab, und die kritischste Zahl ist vorerst nicht 725, sondern 40.

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7.000 Kubikmeter in 40 Stunden: der Betonmarathon im Untergrund

Im Mai 2026 meldete der Entwickler Azizi einen zentralen Betonierabschnitt, der die Dimension des Projekts schon vor dem ersten oberirdischen Stockwerk erahnen lässt. Für das mehrgeschoßige, vollautomatisierte Parkhaus des Turms brachten in nur 40 Stunden mehr als 700 Lastwagen rund 7.000 Kubikmeter Beton auf die Baustelle, begleitet von mehr als 200 Arbeitskräften in diesem Abschnitt und rund 750 Beschäftigten, die täglich auf der Baustelle sind.

Rechnerisch entspricht das im Schnitt 175 Kubikmetern pro Stunde, rund 17 Lastwagen je Stunde oder einem Betonmischer etwa alle dreieinhalb Minuten. Ein solcher Takt lässt wenig Spielraum für Störungen in Anlieferung, Pumpbetrieb oder Verkehrsfluss auf einer der meistbefahrenen Straßen Dubais. Bei einem als durchgehender Bauteil geplanten Betonierabschnitt wird der Beton möglichst ohne Unterbrechung eingebaut, damit keine unerwünschten kalten Fugen entstehen. Deshalb muss die Lieferkette über die gesamte Betonage stabil bleiben.

Schalung und Arbeitsplattformen an den vertikalen Bauteilen des Parkhauses. Die Struktur reicht über 14 Ebenen und bildet einen zentralen Teil der Infrastruktur für den geplanten 725-Meter-Turm.

- © Doka

Neun Kellergeschoße: die unterirdische Stadt unter dem Turm

Das Parkhaus des Burj Azizi ist kein simpler Stellplatz, sondern ein vollautomatisiertes Bauwerk, das sich über neun Untergeschoße fast 30 Meter tief in den Boden gräbt. Insgesamt umfasst die Parkstruktur 14 Ebenen. Für den geplanten Mix aus Wohnungen, Hotel, Mall und Freizeitangeboten ist das automatisierte Parkhaus ein zentraler Teil der Betriebsinfrastruktur.

Parallel dazu entsteht die Gründung des eigentlichen Turms. Sie besteht aus einer fünf Meter starken, durchgehenden Fundamentplatte, die die gesamte Last des 725 Meter hohen Bauwerks aufnehmen und in den Boden verteilen soll. Zu dieser Turm-Bodenplatte, ihrer genauen Betonmenge oder der Pfahlgründung liegen öffentlich noch keine belastbaren Detailzahlen vor, sie wird zeitgleich zur Parkhauskonstruktion hergestellt. Für Group-CEO Farhad Azizi ist gerade dieser unsichtbare Teil entscheidend.

Die Bodenplatte ist zwar unsichtbar, aber fundamental für die Integrität des Bauwerks. Sie wird mit jener ingenieurtechnischen Präzision ausgeführt, die dieser Maßstab verlangt, und setzt den Standard für alles, was danach kommt.
Farhad Azizi, Group CEO Azizi Developments

Just-in-time statt Lagerplatz: was Doka auf der engen Baustelle macht

Genau hier kommt Doka ins Spiel, der Schalungs- und Gerüsttechnikkonzern aus dem niederösterreichischen Amstetten. Das Problem an der Sheikh Zayed Road ist nämlich nicht der Beton, sondern der Platz. Die Baustelle liegt eingeklemmt an einer der wichtigsten Verkehrsachsen Dubais, Fläche für Schalung, Bewehrung oder Materiallager gibt es kaum.

Doka begegnet dem mit einem durchgetakteten Just-in-time-System. Die Schalungselemente werden nicht auf der Baustelle zusammengebaut, sondern andernorts in Dubai vormontiert und erst dann, wenn sie gebraucht werden, auf die enge Baustelle geliefert. Ein Vor-Ort-Lager entfällt damit praktisch vollständig. Für das Parkhaus kommen unter anderem die Kletterschalung Xclimb 60 und das System MF240 mit Top 50 für die vertikalen Bauteile zum Einsatz, Dokadek 30 für die Decken und Frami Xlife für Wände und Stützen. Entscheidend ist dabei der Ablauf: Während der Gebäudekern unabhängig emporwächst, entstehen die Geschoßdecken in schnellen, sich wiederholenden Zyklen.

Über das Parkhaus hinaus hat Doka bereits 2024 den Auftrag für die Schalungssysteme des gesamten Turms erhalten. Dazu zählen Klettersysteme für die Kernwände und die Megastützen, Schutzschirme, Deckenschalungen sowie Hebe- und Ladesysteme, also genau jene Technik, mit der der Kern später Geschoß für Geschoß in die Höhe klettern soll.

Dicht gestaffelte Gerüste, Deckenschalungen und Bewehrung prägen den Bauablauf. Wegen des knappen Platzes werden die Systeme außerhalb der Baustelle vormontiert und erst bei Bedarf angeliefert.

- © Doka

725 Meter, aber der Rang bleibt offen

Berühmt wird der Turm durch seine Höhe. Der Entwurf des Architekturbüros AE7 sieht 725 Meter und rund 236.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche vor, mit Wohnungen, Penthäusern, einem vertikalen Einkaufszentrum über mehrere Etagen, einem Hotel sowie Freizeit- und Gastronomieflächen. Bei der Geschoßzahl schwanken die Angaben je nach Zählweise: AE7 nennt mehr als 140 Ebenen, die internationale Wolkenkratzer-Datenbank CTBUH führt 133 oberirdische Geschoße.

Mit 725 Metern würde der Burj Azizi den heute zweithöchsten fertigen Wolkenkratzer, den 678,9 Meter hohen Merdeka 118 in Kuala Lumpur, deutlich überragen. Unter dem Burj Khalifa, der mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt bleibt, läge er allerdings weiterhin um gut hundert Meter. Ob der Burj Azizi bei seiner Eröffnung tatsächlich der zweithöchste Turm der Welt sein wird, ist aber nicht sicher: In Saudi-Arabien wird zeitgleich am mindestens 1.000 Meter hohen Jeddah Tower weitergebaut. Der Rang hängt damit von der Reihenfolge der Fertigstellungen und der tatsächlichen Endhöhe ab, nicht von der Ankündigung allein.

Auch beim Zeitplan ist Zurückhaltung angebracht. Die öffentlichen Angaben schwanken: Frühere Azizi-Mitteilungen nannten 2027, später 2029, das Architekturbüro nennt 2028, der CTBUH führt 2030. Ein fixer Endtermin ist damit nicht belastbar, der Bau soll nach unterschiedlichen öffentlichen Angaben zwischen 2028 und 2030 fertig werden.

Warum die schwierigste Zahl vorerst 40 lautet

Der Entwickler kündigt für das fertige Gebäude eine Reihe von Superlativen an, von der höchsten Hotel-Lobby bis zu einer Aussichtsplattform auf Ebene 130 in 649 Metern Höhe. Das sind allerdings Projektankündigungen, keine bereits bestätigten Rekorde, und sie liegen noch Jahre in der Zukunft.

Die Gegenwart des Burj Azizi ist unspektakulärer und zugleich anspruchsvoller. Sie besteht aus einer Baugrube, einer fünf Meter starken Platte, neun Kellergeschoßen und einer Betonlogistik im Minutentakt. Bevor der Kern überhaupt zu klettern beginnt, muss die Lieferkette stehen, und bevor der Turm ein Symbol der Skyline wird, ist er vor allem eine Frage von Lieferfenstern, Vormontage und einem Bauplatz mit zu wenig Platz. Der spektakulärste Wert dieses Projekts ist derzeit nicht die 725, sondern die 40: die Stunden, in denen der Beton nicht ins Stocken geraten durfte.

So soll der Burj Azizi nach der Fertigstellung aussehen: Der Turm ist mit 725 Metern Höhe geplant und würde damit den Merdeka 118 in Kuala Lumpur überragen.

- © Azizi Developments

FACTBOX: Burj Azizi, Dubai

Projekt: Gemischt genutzter Wolkenkratzer (Wohnungen, Hotel, vertikale Mall, Aussichtsplattform) an der Sheikh Zayed Road
Entwickler: Azizi Developments
Architektur: AE7
Höhe: 725 Meter; mehr als 140 Ebenen laut AE7, 133 oberirdische Geschoße laut CTBUH
Bruttogeschoßfläche: rund 236.000 m²
Rang: würde den Merdeka 118 (678,9 m, Kuala Lumpur) überholen; unter dem Burj Khalifa (828 m). Endgültiger Rang offen wegen des zeitgleich gebauten Jeddah Tower (über 1.000 m)
Fertigstellung: je nach Quelle zwischen 2028 und 2030

Der Untergrund

  • Parkhaus: 14 Ebenen, neun Untergeschoße, fast 30 Meter tief, vollautomatisiert
  • Betonierabschnitt Parkhaus: rund 7.000 m³ Beton in 40 Stunden, mehr als 700 Lkw, über 200 Arbeitskräfte im Abschnitt, rund 750 täglich auf der Baustelle
  • Liefertakt: rechnerisch rund 175 m³/Stunde, im Schnitt etwa alle 3,5 Minuten ein Betonmischer
  • Turmgründung: durchgehende Fundamentplatte, fünf Meter stark (parallel zum Parkhaus)

Doka (Amstetten): Schalungssysteme und Just-in-time-Logistik für das Parkhaus (u. a. Xclimb 60, MF240 mit Top 50, Dokadek 30, Frami Xlife); seit 2024 Schalungsauftrag für den gesamten Turm (Klettersysteme für Kernwände und Megastützen)
Weitere Baubeteiligte: Gardinia Contracting (Hauptbau), International Foundation Group (Pfähle, Baugrube, Wasserhaltung)