Tunnelbau Österreich : 11 Meter hohe Flügelwände, 60 Grad Abschrägung: MEVA-Schalung für das Ostportal des Semmering-Basistunnels
Am Ostportal des Semmering-Basistunnels in Gloggnitz entstehen bis zu elf Meter hohe Flügelwände und eine aufwendig geformte Portalwand. Leyrer + Graf setzt bei den Betonbauarbeiten auf Schalungs- und Traggerüstsysteme von MEVA.
- © MEVAElf Meter hohe Flügelwände, Betonierabschnitte von bis zu 15 Metern Länge und eine schräg auskragende Portalwand: Am östlichen Ende des Semmering-Basistunnels in Gloggnitz entsteht eine Betonkonstruktion mit ungewöhnlicher Geometrie. Für das ausführende Bauunternehmen Leyrer + Graf stellt vor allem die Herstellung der geneigten Portalwand eine technische Herausforderung dar. Der Schalungshersteller MEVA liefert dafür nicht nur Wandschalungen und Traggerüste, sondern entwickelte auch Sonderlösungen für die Abstützung der Konstruktion.
Die Arbeiten gehören zur letzten Bauphase des 27,3 Kilometer langen Semmering-Basistunnels. Während im Inneren der beiden Tunnelröhren bereits die technische Ausrüstung voranschreitet, entsteht am östlichen Tunneleingang der künftige Portalplatz. Die Bauarbeiten dort laufen seit Mai 2025 und sollen nach derzeitiger Planung im April 2027 abgeschlossen werden.
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Elf Meter hohe Flügelwände: Die Mammut-Schalung im Einsatz
Die seitlichen Flügelwände des Portals erreichen Höhen von bis zu elf Metern. Sie flankieren die Tunneleingänge und bilden einen Teil der oberirdisch sichtbaren Betonkonstruktion.
Für ihre Herstellung kommt die Mammut-Schwerlastschalung von MEVA zum Einsatz. Die Flügelwände wurden in Abschnitten von bis zu 15 Metern Länge jeweils über die gesamte vorgesehene Wandhöhe betoniert. Damit mussten die Schalungselemente erhebliche Lasten aus dem frischen Beton aufnehmen und während des Betonierens zuverlässig in Position bleiben.
Der sogenannte Frischbetondruck ist dabei eine wesentliche Größe. Solange der Beton noch nicht erhärtet ist, belastet er die Schalung seitlich. Wie hoch dieser Druck tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem von der Betoniergeschwindigkeit, der Konsistenz des Betons und der Temperatur ab.
Die Mammut-Systemfamilie von MEVA ist für solche anspruchsvollen Betonieraufgaben ausgelegt. Die Systeme Mammut 350 und Mammut XT erlauben laut Hersteller einen Frischbetondruck von bis zu 100 Kilonewton pro Quadratmeter. Das ist eine technische Systemkennzahl und nicht mit dem tatsächlich auf der Baustelle aufgetretenen Betondruck gleichzusetzen.
Neben der Höhe der Wände verlangte auch ihre spätere Oberfläche besondere Aufmerksamkeit. Denn das Ostportal soll nicht nur dauerhaft den baulichen Anforderungen genügen, sondern auch hohen architektonischen Ansprüchen entsprechen.
60 Grad Abschrägung: Die besondere Herausforderung am Portal
Der technisch anspruchsvollste Teil der Schalungsarbeiten liegt oberhalb der beiden Tunnelröhren. Dort kragt die Portalwand in etwa zehn Metern Höhe aus. Ihre Oberkante weist eine Abschrägung von 60 Grad auf.
Anders als bei einer senkrechten Wand muss die Schalung hier an eine geneigte und auskragende Geometrie angepasst werden. Neben dem Eigengewicht der Schalung und der Bewehrung sind während der Betonage auch die Lasten aus dem frischen Beton aufzunehmen.
Bei einer geneigten Schalfläche wirken diese Kräfte nicht ausschließlich in vertikaler Richtung. Die Abstützung muss deshalb so angeordnet werden, dass sämtliche Lasten während der Herstellung sicher abgetragen werden können.
Für diese Aufgabe waren nach der projektspezifischen Fachbeschreibung besondere Lösungen von MEVA erforderlich. Die Herausforderung bestand dabei nicht allein in der Form der Portalwand, sondern auch in den räumlichen Verhältnissen: Die notwendigen Trag- und Schalungskonstruktionen mussten im begrenzten Bereich zwischen den beiden Tunnelröhren untergebracht werden.
MT 60, Triplex und MEKIT: Die Konstruktion hinter der Schalung
Für die Abstützung der geneigten Portalwand kombinierten die Beteiligten mehrere Systeme von MEVA. Eine zentrale Rolle übernimmt das modulare Traggerüst MT 60.
Das System besteht aus miteinander verbundenen Gerüstrahmen und Aussteifungselementen. Es schafft temporäre Tragstrukturen, auf denen weitere Schalungskonstruktionen aufgebaut werden können. Ergänzend kamen Triplex-Stützen zum Einsatz, die hohe beziehungsweise geneigte Schalungen abstützen und zur Aufnahme der anfallenden Kräfte beitragen.
Die MT-60-Traggerüste und Triplex-Stützen wurden im engen Bereich zwischen den beiden Tunnelröhren errichtet.
Darauf montierte das Team von Leyrer + Graf Schienenelemente aus dem MEKIT-System. Dabei handelt es sich um einen modularen Ingenieurbaukasten von MEVA, dessen Komponenten sich für unterschiedliche temporäre Trag- und Schalungskonstruktionen kombinieren lassen.
Am Semmering-Ostportal dient diese Kombination der Herstellung der ungewöhnlich geformten Portalwand. Die einzelnen Systeme übernehmen unterschiedliche Aufgaben: Das Traggerüst schafft die notwendige Unterkonstruktion, die Stützen ergänzen die Abstützung und die Schienenelemente ermöglichen den Aufbau der darüberliegenden Schalung.
Wie die Lasten im Detail verteilt und welche Kräfte die einzelnen Bauteile aufnehmen mussten, ist in den öffentlich zugänglichen Projektinformationen nicht quantifiziert. Dokumentiert ist jedoch der gemeinsame Einsatz der drei Systeme zur Herstellung der geneigten Portalwand.
Blick auf die Bauarbeiten unmittelbar vor den Tunneleingängen: Neben den bereits errichteten Stahlbetonwänden sind weitere Schalungskonstruktionen und Betonierarbeiten zu erkennen. Die anspruchsvolle Geometrie des Portals verlangt eine präzise Abstimmung von Schalung, Bewehrung und Betonage.
- © MEVASichtbeton neben dem UNESCO-Welterbe
Die komplizierte Geometrie ist nur eine der Anforderungen am Portalplatz. Hinzu kommt die Lage in unmittelbarer Nähe der historischen Semmeringbahn, die seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Entsprechend hohe Anforderungen bestehen an die architektonische Gestaltung der sichtbaren Bauwerke. Die Ausführung wird von einem international besetzten Gestaltungsbeirat begleitet.
Wie das Fachmagazin Zement+Beton berichtet, mussten die betreffenden Sichtbetonwände und Flügelmauern aus optischen Gründen ohne Arbeitsfugen innerhalb der vorgesehenen Betonierabschnitte hergestellt werden. Arbeitsfugen entstehen dort, wo zwei zeitlich getrennte Betonierabschnitte aufeinandertreffen. Bei Sichtbeton können solche Übergänge an der fertigen Oberfläche erkennbar bleiben.
Für die schrägen Sichtbetonflächen war darüber hinaus eine spezielle Schalhaut erforderlich. Diese bildet während der Betonage die unmittelbare Kontaktfläche zum Beton und beeinflusst maßgeblich das Erscheinungsbild der fertigen Oberfläche.
Die Verbindung aus hohen Wänden, geneigter Portalgeometrie und anspruchsvollen Sichtbetonoberflächen stellte damit sowohl an die ausführenden Betonbauer als auch an die eingesetzte Schalungstechnik besondere Anforderungen.
Der Beton wurde laut dem Fachbericht in einer mobilen Mischanlage direkt auf der Baustelle hergestellt.
4.600 Kubikmeter Beton für den Portalplatz
Die Schalungsarbeiten von MEVA sind Teil eines umfangreicheren Bauauftrags, den Leyrer + Graf im Auftrag der ÖBB-Infrastruktur AG ausführt.
Zum Leistungsumfang gehören neben den Portal- und Flügelwänden mehrere Betriebsgebäude, eine Störfallkammer, Kollektoren und Rückkühler sowie Straßen-, Kanal- und Erdarbeiten.
Für den gesamten Portalplatz nennt Leyrer + Graf rund 4.600 Kubikmeter Beton und 550 Tonnen Bewehrungsstahl. Hinzu kommen etwa 20.000 Kubikmeter Baugrubenaushub, rund 100.000 Kubikmeter Schüttmaterial und ungefähr 5.000 Quadratmeter Asphaltflächen.
Diese Mengen beziehen sich auf das gesamte Baulos des Portalplatzes und nicht ausschließlich auf jene Betonbauteile, für die MEVA Schalungstechnik liefert.
Die Arbeiten erfolgen zudem in einem Bereich, in dem unterschiedliche Bauwerke und Infrastrukturmaßnahmen auf engem Raum zusammentreffen. Neben den beiden Tunneleingängen sind die künftigen Betriebsanlagen und die Anbindung an die bestehende Bahninfrastruktur zu berücksichtigen.
Während Leyrer + Graf die Baumeisterarbeiten übernimmt, liegt MEVAs Beitrag in der Bereitstellung der Schalungs- und Traggerüstsysteme sowie den projektspezifischen Lösungen für die schwierige Portalgeometrie.
Der letzte Bauabschnitt vor der Inbetriebnahme
Das Ostportal ist Teil eines der größten österreichischen Schieneninfrastrukturprojekte. Der Semmering-Basistunnel verbindet Gloggnitz in Niederösterreich mit Mürzzuschlag in der Steiermark. Seine beiden eingleisigen Tunnelröhren sind jeweils rund 27,3 Kilometer lang.
Am 29. November 2024 gelang der letzte Durchschlag. Damit waren die Tunnelvortriebe nach rund zehn Jahren abgeschlossen. Seit Sommer 2025 läuft die technische Ausrüstung mit Gleisanlagen, Leitungen sowie den für den späteren Bahnbetrieb notwendigen Sicherheits- und Versorgungssystemen.
Die Züge sollen künftig mit Geschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde durch den Tunnel fahren. Die ÖBB erwarten auf der Verbindung zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag eine Verkürzung der Fahrzeit von derzeit rund 45 auf etwa 15 Minuten. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2029 vorgesehen.
Am Ostportal in Gloggnitz sollen die Baumeisterarbeiten bereits im April 2027 abgeschlossen sein. Die aufwendige Konstruktion der Flügel- und Portalwände zeigt, dass auch nach dem Ende des eigentlichen Tunnelvortriebs technisch anspruchsvolle Betonbauarbeiten notwendig bleiben.
Für MEVA steht dabei vor allem die Verbindung standardisierter Schalungstechnik mit projektspezifischen Sonderlösungen im Mittelpunkt: Elf Meter hohe Wände lassen sich mit Schwerlastschalung herstellen. Für eine in zehn Metern Höhe auskragende, um 60 Grad abgeschrägte Portalwand braucht es darüber hinaus eine genau abgestimmte Kombination aus Schalung, Traggerüsten und Abstützungen.
FACTBOX: Portalplatz Gloggnitz
Projekt: Ostportal Semmering-Basistunnel
Standort: Gloggnitz, Niederösterreich
Bauherr: ÖBB-Infrastruktur AG
Bauausführung: Leyrer + Graf
Schalungstechnik: MEVA Schalungs-Systeme GmbH
Bauzeit Portalplatz: Mai 2025 bis April 2027 (geplant)
Flügelwände: Bis zu 11 Meter hoch
Betonierabschnitte: Bis zu 15 Meter lang
Portalwand: Rund 10 Meter Höhe, 60 Grad Abschrägung
MEVA-Systeme: Mammut-Schwerlastschalung, MT 60, Triplex, MEKIT
Betonmenge Portalplatz: Rund 4.600 m³
Bewehrung Portalplatz: Rund 550 Tonnen
Baugrubenaushub: Rund 20.000 m³
Schüttmaterial: Rund 100.000 m³
Die Mengenangaben beziehen sich auf den gesamten Bauauftrag für den Portalplatz und nicht ausschließlich auf den Einsatzbereich von MEVA.
FACTBOX: Semmering-Basistunnel
Strecke: Gloggnitz–Mürzzuschlag
Tunnellänge: 27,3 Kilometer
Tunnelröhren: Zwei eingleisige Röhren
Letzter Durchschlag: 29. November 2024
Technische Ausrüstung: Seit Sommer 2025
Höchstgeschwindigkeit: Bis zu 230 km/h
Geplante Fahrzeit: Rund 15 Minuten statt bisher rund 45 Minuten
Geplante Inbetriebnahme: Ende 2029