Tanja Kühberger, BIM-Managerin bei der IKK Group, über Attribuierungs-Logik, Schnittstelle zur ARGE und Austauschformate im Infrastrukturbau.
Was bedeutet die Attribuierung praktisch bei 1.000 Kilometern Kabel und 55 Kilometern Gleisen im Tunnel? Welche Metadaten werden hinterlegt, und wie wird die Datenqualität gesichert? Attribuierung bedeutet in diesem Projekt nicht, dass jedes Kabel als eigenes 3D-Objekt modelliert wird. Modelliert und mit Informationen versehen werden vor allem jene Elemente, deren Informationen einen Mehrwert für Wartung und Betrieb bieten, etwa Kabeltrassen, Verteiler, Schaltschränke, Entwässerungselemente, sicherheitstechnische Einrichtungen oder Komponenten der Gleisanlage. Der Fokus der ÖBB liegt dabei klar darauf, das Modell nicht nur in der Planungs- und Bauphase zu nutzen, sondern auch als belastbare Informationsgrundlage für die spätere Betriebsphase. In der Projekt-Datenstruktur ist definiert, welche Elemente mit welchen Informationen versehen werden müssen. Informationen zur räumlichen Verortung, Bauteilkennzeichnung und Materialität werden direkt mit dem modellierten Objekt verknüpft. Relevante Dokumente wie Produktdatenblätter, Prüf- oder Wartungsinformationen werden verlinkt, um Modell- und Dateigrößen handhabbar zu halten. Die Datenqualität sichern wir über eine klar definierte Datenstruktur, definierte Musterbereiche, Modellierungsrichtlinien und regelmäßige Modellprüfungen. Entscheidend ist, dass Geometrie, Listen, verlinkte Dokumente und Fachinformationen konsistent zusammenspielen und die Informationen später im Betrieb tatsächlich auffindbar und nutzbar sind.
Wie ist die Schnittstelle zwischen Ihrem BIM-Management der Streckenausrüstung und dem Bauwerksmodell der pde Integralen Planung organisiert? Wo liegen in der Praxis die größten Reibungspunkte? Das Bauwerksmodell bildet den Ist-Zustand des Tunnelrohbaus ab und ist eine wesentliche räumliche Grundlage für die Planung der Streckenausrüstung. Die Fachmodelle der Streckenausrüstung werden von der ARGE erstellt und müssen mit diesem Bauwerksmodell koordiniert werden, damit Kabeltrassen, Verteiler, Leuchten, Sicherheitstechnik oder gleisnahe Einbauten kollisionsfrei und nachvollziehbar geplant werden können. Unsere Rolle im BIM-Management liegt dabei vor allem in der Organisation, Prüfung und Qualitätssicherung des BIM-Prozesses. Dazu gehören unter anderem die Abstimmung von Modellständen, die Prüfung der Datenstruktur, die Kontrolle der Attribuierung sowie die Koordination zwischen Bauwerksmodell, Ausrüstungsmodellen, Ausführung und späterer Übergabe an den Betrieb. Wesentlich ist dabei die enge und gute Zusammenarbeit mit der ARGE. Auf Seiten der ARGE liegt sehr viel Ausführungs-Know-how und Projekterfahrung, das für eine praxistaugliche Modellkoordination unverzichtbar ist. Viele Fragen, etwa zu Montageabläufen, Bauzuständen oder Toleranzen, lassen sich nur gemeinsam sinnvoll lösen. Die größten Reibungspunkte liegen in der Praxis meist in unterschiedlichen Detaillierungsgraden, Modellierungslogiken, Softwareumgebungen und Änderungsständen. BIM-Management bedeutet hier vor allem, diese Informationen zusammenzuführen, prüfbar zu machen und eine konsistente Datengrundlage für Ausführung, Dokumentation und Betrieb sicherzustellen.
Setzen sich im österreichischen Infrastrukturbau standardisierte Austauschformate wie IFC tatsächlich durch, oder bleibt die Modellpflege weitgehend projektspezifisch? Standardisierte Austauschformate wie IFC setzen sich im österreichischen Infrastrukturbau zunehmend durch, sind aber noch kein Selbstläufer. Sie sind eine wichtige Grundlage für herstellerneutralen Datenaustausch, Modellkoordination und Übergabe an den Auftraggeber. Trotzdem bleibt die konkrete Modellpflege teilweise projektspezifisch. Gerade Infrastrukturprojekte haben sehr unterschiedliche Anforderungen an Objektstruktur, Attribuierung, Detaillierungsgrad und spätere Nutzung im Betrieb. Der Trend geht klar in Richtung Standardisierung. Der Nutzen entsteht aber erst dann, wenn Austauschformate, Projektvorgaben und Qualitätssicherung sauber zusammenspielen. Genau hier liegt eine zentrale Aufgabe des BIM-Managements.