Seilbahnbau in Österreich : 380 Tonnen Stahl am 42-Grad-Hang: Hallstatts neue Salzbergbahn öffnet am Samstag

Auf 594 Metern Fahrbahnlänge überwindet die neue Salzbergbahn einen Hang mit bis zu rund 42 Grad Neigung. Am 29. August soll die vollständig neu errichtete Anlage erstmals regulär Gäste auf den Salzberg bringen.

Auf 594 Metern Fahrbahnlänge überwindet die neue Salzbergbahn einen Hang mit bis zu rund 42 Grad Neigung. Am 29. August soll die vollständig neu errichtete Anlage erstmals regulär Gäste auf den Salzberg bringen.

- © Thomas Sattler

Um eine neue Seilbahn zu bauen, brauchte Hallstatt zunächst eine zweite. Eine eigens errichtete Materialbahn brachte Stützen und Bauteile in den bis zu 42 Grad steilen Hang und transportierte rund 700 Tonnen der alten Anlage zurück ins Tal. Für die letzten Elemente reichte selbst sie nicht: Am 13. Juli setzte ein Super-Puma-Hubschrauber die abschließenden Teile der insgesamt rund 380 Tonnen schweren Fahrbahnkonstruktion ein.

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Eine Seilbahn, um eine Seilbahn zu bauen

Um den Materialtransport nicht ausschließlich über die steile Forststraße abwickeln zu müssen, errichtete das Projektteam parallel zur bestehenden Trasse eine eigene, große Materialseilbahn. Sie brachte Stützen, Fahrbahnteile und weiteres Baumaterial zwischen Tal und Hang, über die gesamte Bauzeit hinweg mehrere tausend Transporte. Selbst diese temporäre Anlage brauchte ein eigenes, ordentliches Fundament: Allein für eine massive Abspannung vor dem Salinen-Verwaltungsgebäude wurden rund 70 Kubikmeter Beton verarbeitet. Nach Abschluss der Haupttrassenarbeiten wurde die große Materialseilbahn bereits wieder demontiert, eine kleinere Anlage blieb für Restarbeiten zunächst bestehen.

594 Meter auf bis zu 42 Grad

Doppelmayr führt die neue Anlage als 60-FUL Salzbergbahn, mit 594 Metern Fahrbahnlänge und einer technischen Fahrgeschwindigkeit von 6 Metern pro Sekunde. Salzwelten selbst nennt für den derzeitigen Inbetriebnahme-Betrieb eine vorgesehene Geschwindigkeit von 5,5 Metern pro Sekunde, während die Systeme schrittweise hochgefahren und Brems- sowie Sicherheitsprüfungen unterzogen werden, vermutlich der übliche Unterschied zwischen technischer Auslegung und tatsächlich eingestellter Betriebsfahrt.

Die maximale Neigung liegt bei rund 42 Grad, keine kurze touristische Schrägbahn, sondern eine rund 600 Meter lange Anlage an einem Hang, an dem klassische Baustellenlogistik rasch an ihre Grenzen stößt. Die neue Fahrbahn entstand deshalb weitgehend aus vorgefertigten Stahlkonstruktionen: Garaventa montierte beziehungsweise bereitete insgesamt 44 Fahrbahnelemente in der Schweiz vor, entlang der Trasse wurden dafür 43 Stützenfundamente hergestellt, einzelne Stützen erreichen Höhen von bis zu 28 Metern. Für die neue Fahrbahnkonstruktion waren mehr als 20 Lkw-Ladungen mit insgesamt rund 380 Tonnen Material nötig. Zur Stahlkonstruktion gehört zudem ein durchgehender Dienstweg aus 2.197 einzelnen Gitterrosten, jeder mit mindestens vier Schrauben befestigt, allein daraus ergeben sich rechnerisch mindestens 8.788 Verschraubungen.

Die beiden neuen Fahrzeuge wurden von Carvatech in Oberweis bei Gmunden gebaut. Jede Kabine fasst 60 Personen; eine automatische Niveauregulierung hält den Fahrgastraum trotz wechselnder Streckenneigung waagrecht.

- © Thomas Sattler

700 Tonnen mussten zuerst herunter

Bevor die neue Trasse entstehen konnte, musste die komplette Bestandsanlage verschwinden. Die alte Standseilbahn beendete am 31. August 2025 ihre letzte Fahrt, am folgenden Tag begann der Rückbau. Salzwelten beziffert das dabei demontierte Material, alte Schienen, Stützen und technische Bauteile, mit rund 700 Tonnen, transportiert über die neu errichtete Materialseilbahn ins Tal. Diese Zahl bezieht sich auf die Altanlage, sie lässt sich nicht direkt der 380-Tonnen-Angabe für die neue Fahrbahnkonstruktion gegenüberstellen, da unterschiedliche Bauteile und Umfänge gemeint sind.

Bereits die ersten 40 Meter der alten Schienen wurden dabei nicht über die Materialseilbahn, sondern per Super-Puma-Transporthubschrauber von der Bergstation ausgeflogen.

Elf Monate später kommt derselbe Hubschraubertyp zurück

Fast elf Monate nach diesem ersten Einsatz kam am 13. Juli 2026 wieder ein Super Puma zum Einsatz, diesmal in umgekehrter Richtung: Die letzten Fahrbahnelemente der neuen Trasse wurden per Hubschrauber eingesetzt. Damit war der durchgehende Zusammenschluss erreicht, die gesamte 594 Meter lange Fahrbahn stand erstmals vollständig. Ein Großteil der Montage war zuvor über konventionelle Baustellen- und Materialseilbahnlogistik erfolgt, der Hubschrauber übernahm gezielt jene letzten, schwer zugänglichen Abschnitte.

Auch während des laufenden Altbetriebs war bereits ein Super Puma im Einsatz: Für den Baukran im Hochtal musste ein rund 3,9 Tonnen schwerer Teil der bestehenden Panoramabrücke vorübergehend entfernt werden. Nach zweitägiger Vorbereitung, Geländer und Bodenplatten wurden zur Gewichtsreduktion demontiert, flog der Schwerlasthubschrauber das Bauteil aus dem Hochtal ins Echerntal.

Was hinter 40 Tonnen Antrieb steckt

In der Bergstation sitzt der neue, rund 40 Tonnen schwere Antrieb, in der Talstation die Spanneinrichtung mit einem rund sieben Tonnen schweren Spanngewicht, das die Zugseilspannung konstant hält. Die beiden Antriebsscheiben messen jeweils mehr als 3,60 Meter im Durchmesser und wiegen rund 5,5 Tonnen pro Stück, gefertigt im Schweizer Garaventa-Stammwerk und per Lkw nach Hallstatt transportiert, selbst die Fahrt über die Forststraße ins Hochtal war wegen einer Engstelle bei einem Tunnel anspruchsvoll.

Entlang der neuen Stahlfahrbahn verläuft ein durchgehender Dienstweg. Für ihn wurden insgesamt 2.197 Gitterroste montiert – Teil einer Konstruktion, für die mehr als 20 Lkw-Ladungen mit rund 380 Tonnen Material nach Hallstatt kamen.

- © Thomas Sattler

15,5 Tonnen durch den Hallstätter Tunnel

Der aufwendigste Einzeltransport betraf jedoch die beiden Kabinen. Sie wurden beim oberösterreichischen Kabinenbauer Carvatech in Oberweis bei Gmunden hergestellt, mit einem Gewicht von jeweils 15,5 Tonnen. Die erste Kabine wurde nachts nach Hallstatt gebracht, per Straßensondertransport durch den Hallstätter Tunnel, eine Engstelle, die Salzwelten ausdrücklich als besondere Herausforderung hervorhebt. Gegen Mitternacht erreichte der Transport die Baustelle, am folgenden Morgen setzte ein Spezialkran das Fahrzeug millimetergenau auf die neue Fahrbahn. Anschließend fuhr das Transportteam zurück nach Oberweis und holte die zweite Kabine.

Konstruktiv bestehen die Fahrzeuge aus einem tragenden Stahlrahmen mit Aluminiumaufbau und großflächiger Verglasung, ergänzt um Fangbremsen, automatische Türantriebe, Belüftung sowie indirekte und außenliegende LED-Beleuchtung, das Design nimmt die Form eines Salzkristalls auf.

Die neue Standseilbahn wird ihre Besucher begeistern. Das Kabinen-Design, inspiriert von Salzkristallen, ist ein besonderes Highlight der neuen Anlage, genauso wie der innovative Niveauausgleich, der für einen angenehmen Fahrkomfort sorgen wird.
Michael Leithinger, Vertriebsleiter Carvatech (zur ursprünglichen Projektankündigung 2025)

Technisch entscheidend ist dabei die automatische Niveauregulierung: Unabhängig von der momentanen Streckenneigung bleibt der Fahrgastraum waagrecht, in den Stationen sorgen horizontal geführte Gleisabschnitte und Perrontüren für einen barrierefreien Ein- und Ausstieg. Laut Salzwelten steigt die Kapazität dadurch von bisher 24 auf 60 Personen je Fahrzeug, Doppelmayr beziffert die neue maximale Förderleistung auf 1.000 Personen pro Stunde.

Warum überhaupt neu gebaut wurde

Die Vorgängeranlage wurde 1980 eröffnet und beförderte bis zu ihrer letzten Fahrt am 31. August 2025 nach Angaben von Salzwelten weit mehr als zehn Millionen Gäste. Begründet wurde der Ersatz mit alternder Technik, gestiegenem Wartungsaufwand und einer für die heutigen Besucherzahlen nicht mehr ausreichenden Kapazität, zuletzt zählte die Infrastruktur am Salzberg mehr als 490.000 Besucher jährlich. Ersetzt wird damit keine hundertjährige Museumsbahn, sondern eine Infrastruktur, die 1980 modern war und für das heutige Hallstatt schlicht nicht mehr reicht.

Bereits am 22. April 2025 begannen erste Bauarbeiten, während die alte Bahn noch bis Ende August Gäste beförderte, in dieser Zeit wurden laut Salzwelten noch mehr als 100.000 Besucher mit der alten Anlage transportiert, an einzelnen Feiertagen bis zu 2.000 täglich, während direkt daneben gebaut wurde. Ein eigener Holzschutzüberbau im Bereich der Talstation trennte Baustellenlogistik und Besucherströme. Die aktuelle Pressemeldung spricht von 362 Tagen Bauzeit bis zur Eröffnung, dokumentierte Bauarbeiten liefen jedoch bereits seit April 2025, die genaue Abgrenzung dieser Zahl erklärt Salzwelten nicht.

Auch die Talstation wurde im Zuge des Großprojekts vollständig neu gestaltet. Insgesamt investiert Salzwelten rund 34 Millionen Euro in die neue Standseilbahn und die gleichzeitige Modernisierung des Hallstätter Standorts.

- © Salzwelten

34 Millionen Euro, aber nicht nur für die Bahn

Salzwelten beziffert die Gesamtinvestition mit rund 34 Millionen Euro, ausdrücklich für die neue Standseilbahn und die gleichzeitige, umfassende Modernisierung des gesamten Hallstätter Salzwelten-Standorts: neue Talstation mit Flagship-Store, neu gestaltete Bereiche an der Bergstation mit dem Bistro „Weitblick 7000" und einer Aussichtsterrasse sowie modernisierte Bereiche des Bergwerks selbst. Einen gesondert ausgewiesenen reinen Auftragswert für die Seilbahntechnik gibt es öffentlich nicht.

Ein 1,5 Zentimeter großer Fund mitten auf der Baustelle

Die Talstation liegt im Bereich einer bekannten römischen Siedlung, weshalb vor und während der Bauarbeiten archäologische Untersuchungen vorgesehen waren. Die Grabungen liefen von März bis August 2025. Im Juni 2025 entdeckten Archäologen dabei eine nur rund 1,5 Zentimeter große Kamee mit dem Kopf der Medusa, aus schwarz-weiß gebändertem Achat beziehungsweise Onyx, vermutlich im zweiten Jahrhundert nach Christus im norditalienischen Aquileia hergestellt. Sie zählt laut Landesarchäologe Stefan Traxler zu den bedeutendsten römischen Einzelfunden Oberösterreichs und dürfte einst zur Halskette einer wohlhabenden römischen Frau gehört haben. Während wenige Meter weiter 380 Tonnen Stahl für eine neue Bahn montiert wurden, war eines der bedeutendsten Fundstücke der gesamten Baustelle gerade einmal 1,5 Zentimeter groß.

Was am Samstag tatsächlich passiert

Auf einen Berg, dessen Salzgeschichte nach Angaben von Salzwelten mehr als 7.000 Jahre zurückreicht, führt ab Samstag eine Standseilbahn, deren Stahlfahrbahn erst vor wenigen Wochen per Schwerlasthubschrauber geschlossen wurde. Bis zur Eröffnung laufen die Systeme weiter schrittweise auf die vorgesehene Betriebsgeschwindigkeit hoch, begleitet von Brems- und Sicherheitsprüfungen. Salzwelten bezeichnet die neue Anlage als modernste Standseilbahn Europas, ein Betreiberclaim, für den es keine unabhängige, objektive Rangliste gibt. Um 9 Uhr soll die neue Salzbergbahn Hallstatt am 29. August 2026 erstmals regulär mit Gästen fahren.

FACTBOX: Salzbergbahn Hallstatt

Projekt: Neubau Salzbergbahn Hallstatt
Ort: Hallstatt, Oberösterreich
Wiedereröffnung: 29. August 2026, geplant ab 9 Uhr
Betreiber/Projektträger: Salzwelten GmbH / Salinen Austria AG
Seilbahntechnik: Doppelmayr Gruppe / Garaventa
Kabinen: Carvatech, Oberweis bei Gmunden
Architektur: Hasenauer.Architekten (Federführung laut aktueller Meldung: Sigrid Aigner)
Investition: rund 34 Mio. Euro für Gesamtprojekt (Bahn plus Modernisierung Salzwelten); kein gesondert veröffentlichter reiner Bahnwert

Zeitplan

  • Beginn erster Bauarbeiten: 22. April 2025
  • Ende Altbetrieb: 31. August 2025
  • Beginn Demontage Altanlage: 1. September 2025
  • letzte Fahrbahnelemente per Super Puma: 13. Juli 2026
  • Betreiberangabe: „362 Tage Bauzeit" (Abgrenzung zu den dokumentierten früheren Arbeiten nicht erklärt)

Fahrbahn

  • Länge: 594 m
  • maximale Steigung: rund 42°
  • technische Geschwindigkeit (Doppelmayr): 6 m/s
  • vorgesehene Betriebsgeschwindigkeit (aktuell, Salzwelten): 5,5 m/s
  • Förderleistung: bis 1.000 Personen/h
  • Stützenfundamente: 43; Fahrbahnelemente: 44; max. Stützenhöhe: bis 28 m
  • Material neue Fahrbahn: rund 380 t (mehr als 20 Lkw-Ladungen)
  • Dienstweg: 2.197 Gitterroste, mindestens 8.788 Verschraubungen

Fahrzeuge

  • 2 Kabinen, je 60 Personen (bisher: 24 laut Salzwelten)
  • Gewicht je Kabine: 15,5 t
  • Konstruktion: Stahlrahmen, Aluminiumaufbau, Verglasung; Niveauregulierung, Fangbremsen, automatische Türen

Antriebstechnik

  • Antrieb Bergstation: rund 40 t
  • Antriebsscheiben: 2 × mehr als 3,60 m Durchmesser, je rund 5,5 t
  • Spanngewicht Talstation: rund 7 t

Baustellenlogistik

  • eigene Materialseilbahn (große Anlage nach Haupttrassenarbeiten demontiert, kleinere blieb vorerst)
  • Betonabspannung Materialseilbahn: rund 70 m³
  • Rückbau Altanlage: rund 700 t über Materialseilbahn transportiert
  • Super-Puma-Einsätze: u. a. erste 40 m Altschienen ausgeflogen; letzte neue Fahrbahnelemente 13. Juli 2026
  • neue bleibende Schutzkonstruktion: 39 m oberhalb der Salzbergstraße

Altanlage: eröffnet 1980, letzte Fahrt 31. August 2025, laut Salzwelten mehr als 10 Mio. Fahrgäste

Archäologischer Fund: „Medusa von Hallstatt", rund 1,5 cm große Onyx-Kamee, vermutlich 2. Jahrhundert n. Chr., gefunden Juni 2025 im Bereich der Talstation; Grabungen (ARDIS Archäologie/OÖ Landes-Kultur GmbH) März bis August 2025, Kosten 84.774,96 Euro