Drei Projekte, drei Länder — aber kein Zufall. Was Łódź, Berlin und den Windpark VIFOR verbindet, ist weniger die Bautechnik als die Strategie dahinter. Die Porr unterscheidet bewusst zwischen Heimmärkten und Projektmärkten. Zu den Heimmärkten zählen sieben Länder: Österreich, Deutschland, die Schweiz, Polen, Tschechien, die Slowakei und Rumänien. Dort betreibt die Porr eigene Niederlassungen, beschäftigt lokale Teams, kennt die Vergabeprozesse und bietet das gesamte Leistungsportfolio an. In Deutschland ist man seit den 1980er-Jahren tätig, in Polen seit den 1990ern, in Rumänien seit über 20 Jahren. In diesen sieben Märkten entstehen rund 98 Prozent der Produktionsleistung von 6,8 Milliarden Euro. Der Konzern hat nicht den Anspruch, überall zu sein — sondern dort, wo er ist, zu den Top 3 zu gehören.
„Die Margenstärke eines Unternehmens hängt von der Marktposition ab", erklärt Porr-CEO Karl-Heinz Strauss. „Wenn wir den Markt kennen und gut vernetzt sind — mit den Auftraggebern, den Lieferanten, den Arbeitskräften —, dann sind wir einfach besser." Als die Porr ihre Marktanteile in Deutschland und Polen 2019 und 2020 vergrößerte, habe das zunächst Marge gekostet. „Das ist aber schon Geschichte; hat man einmal die entscheidende Größe, passiert das nicht mehr."
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt Polen. Die Porr hat dort bereits zahlreiche große Tunnelprojekte realisiert — darunter die Tunnel der S3 Bolków-Kamienna Góra, die Unterquerung der Meerenge von Świna in Swinemünde und die Verbreiterung eines historischen Eisenbahntunnels in Niederschlesien. Wer so eine Referenzliste vorweisen kann, wird bei der größten Tunnel-Ausschreibung des Landes anders wahrgenommen als ein Anbieter, der zum ersten Mal anklopft. „In Polen gehören wir zu den drei größten Bauunternehmen", so Strauss. „Wir arbeiten mit polnischem Personal und pflegen enge Lieferanten- und Kundenbeziehungen. Wir sind dort als langjähriger, verlässlicher Partner eine bekannte Größe."