Holzbau in Österreich : 340 Millionen Euro, 2.500 Holzträger: Habau und Swietelsky bauen Salzburgs neues Verwaltungszentrum
So soll das neue Landesdienstleistungszentrum in Salzburg aussehen: Das rund 50.000 Quadratmeter große Verwaltungsgebäude entsteht in Holz-Hybridbauweise und wird von der ARGE HABAU–SWIETELSKY errichtet. Die Visualisierung zeigt die markante Gebäudeform mit begrünten Dachflächen und Innenhöfen.
- © Architektur Burtscher Durig – zoomvp.atUnter dem Salzburger Bahnhofsviertel liegt weicher, wassergesättigter Seeton, und erst ab rund 38 Metern Tiefe beginnt der tragfähige Flysch, ein festes Gestein. Dorthin mussten die Bohrgeräte, die ab 2024 auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal an der Kaiserschützenstraße im Einsatz waren, bevor auf dem Grundstück etwas Neues wachsen konnte. Die alten Gebäude waren zuvor abgebrochen worden. Heute steht an dieser Stelle, wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, ein Gebäude mit 13 Geschoßen, von denen zehn über der Erde liegen: das Landesdienstleistungszentrum des Landes Salzburg. Die Landesverwaltung, bisher auf 25 Standorte verteilt, soll dort unter einer Adresse zusammenziehen.
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25 Standorte, rund 1.400 Beschäftigte: Was im Landesdienstleistungszentrum entsteht
Auf rund 50.000 Quadratmetern Nettonutzfläche entstehen Büros und ein Bürgerservice, dazu das Landeslabor, die Verwaltungsakademie, ein Rechenzentrum, ein Betriebsrestaurant, ein öffentliches Café und ein Betriebskindergarten. Nicht alle Flächen sind Büros, das Land weist zahlreiche Sonder- und Servicebereiche aus. Rund 1.400 Landesbedienstete sollen künftig im Haus arbeiten.
Der Entwurf von Burtscher-Durig gliedert das Gebäude entlang der Straßenfluchten und lässt die oberen Geschoße zurückspringen. Vorgesehen sind ein zweigeschoßiger, öffentlich zugänglicher Sockel, Stadtterrassen und ein begrünter Innenhof. Beim Hauptbahnhof treffen laut Land 46 Bus- und Bahnlinien zusammen.
Ab dem dritten Obergeschoß aus Holz: Das Hybridtragwerk mit 2.500 Trägern
Die unteren Geschoße und die Gründung bestehen überwiegend aus Beton, ab dem dritten Obergeschoß setzen Habau und Swietelsky auf eine Holz-Hybridbauweise. Das Tragwerk umfasst rund 2.500 Holzträger und 540 Holzstützen, die in Teilen des Innenraums sichtbar bleiben. Es ist kein Gebäude ganz aus Holz, sondern eine Kombination aus Holz und Beton.
Die Hasslacher Gruppe lieferte 1.400 Kubikmeter Fichten-Brettschichtholz in Sichtqualität und 220 Kubikmeter BauBuche. Brettschichtholz entsteht, indem Bretter lagenweise verleimt werden, BauBuche ist ein Furnierschichtholz aus dem Laubholz Buche. Gefertigt wurden die Bauteile in Sachsenburg und im deutschen Kleinheubach, bereits abgebunden, oberflächenveredelt und teilweise mit vormontierten Stahlteilen und Verbindungsmitteln.
Fichte in den Decken, Buche in den Stützen: Warum zwei Hölzer zum Einsatz kommen
Niklas Mayr, Bauleiter Ingenieurholzbau bei Swietelsky, beschreibt die Aufteilung: Die Deckenkonstruktion besteht aus Fichtenträgern, die Stützen aus BauBuche. Das Buchenholz erlaubt schlankere Querschnitte und damit eine bessere Raumausnutzung, außerdem sollten die Stützen sichtbar bleiben.
Rund zehn Fachkräfte für den Holzbau: So wurden die Träger montiert
Die meisten Anschlüsse, etwa Deckenbalken an fassadenseitigen Unterzügen, sind mit Einhängeverbindern ausgeführt. Bei einer kleineren Zahl von Anschlüssen kamen klassische Schwalbenschwanzverbindungen mit zusätzlicher Verschraubung zum Einsatz. Das Tragwerk ist also nicht ohne Metall zusammengefügt.
Für den Holzbau standen laut Mayr rund zehn Fachkräfte auf der Baustelle. Er nennt den hohen Vorfertigungsgrad und die detaillierte Abstimmung der Anschlüsse als Voraussetzung für den Bauablauf. Habau erwähnt zudem eine vorgefertigte Rahmenlösung für Säulen und Unterzüge ab dem dritten Obergeschoß, die Zeit spart. Beim Einbau der fassadenseitigen Unterzüge wurde die Absturzsicherung für das jeweils darüberliegende Geschoß gleich mitmontiert, so war ein Teil der Sicherheitsausstattung vorhanden, bevor der nächste Montageabschnitt begann.
Bis zu 49 Meter tief: Der Spezialtiefbau im Seeton
Für die Gründung beauftragte die Arbeitsgemeinschaft Bauer Spezialtiefbau mit der Baugrubenumschließung, den Bohrpfählen und der thermischen Aktivierung. Mehr als 200 Bohrpfähle mit 120 Zentimetern Durchmesser reichen laut Bauer bis zu 49 Meter ab Gelände in den Boden und sind mindestens 8,5 Meter in den Flysch eingebunden. Sie tragen die Lasten des Gebäudes in die festen Schichten ab.
Gebohrt wurde mit drei Großdrehbohrgeräten mit je rund 170 Tonnen Arbeitsgewicht. Die Bohrungen wurden bis zum Flysch mit Stahlrohren gesichert, danach teilweise ohne Rohre weiter vertieft. An Spitzentagen brauchte die Baustelle bis zu 500 Kubikmeter Beton, die Bewehrungskörbe wiegen bis zu 25 Tonnen.
Die Baugrube sichert eine Schlitzwand, eine im Boden hergestellte Betonwand. Sie ist 80 Zentimeter dick und reicht mehr als 40 Meter tief, später bleibt sie als Kelleraußenwand erhalten und trägt Lasten ab. Rückverankert ist sie mit mehr als 120 Ankern.
Knapp 100 Kilometer Erdwärmeleitungen: Das Fundament wird zum Wärmespeicher
Pfähle und Schlitzwände sind thermisch aktiviert. In den Bewehrungskörben verlaufen Leitungen, die Erdwärme aufnehmen und an die Haustechnik weitergeben sollen. Bauer beziffert ihre vorgesehene Länge auf knapp 100 Kilometer. Zusätzlich nennt das Land eine Bauteilaktivierung zur Beheizung und Kühlung des Gebäudes. Der Energiebedarf soll vollständig aus erneuerbarer Energie oder Fernwärme gedeckt werden.
An der Fassade sitzen rund 4.500 schwenkbare Photovoltaikmodule mit einer Spitzenleistung von 721 Kilowatt-Peak. Habau beschreibt außerdem ein Rechenzentrum mit Abwärmenutzung. Im Haus liegen laut Land 700 Kilometer Stromkabel, 560 Kilometer Datenkabel und 9 Kilometer Glasfaser.
340 Millionen Euro Gesamtkosten: Bauherr, Auftrag und Beteiligte
Das Land Salzburg beziffert die Gesamtkosten des Projekts auf rund 340 Millionen Euro brutto, einschließlich Ausweichquartieren und weiterer Aufwendungen. Bauherr und späterer Nutzer ist das Land, die Arbeitsgemeinschaft Habau–Swietelsky ist Generalunternehmer. Für Habau ist es das größte Hochbauprojekt, das das Unternehmen je übernommen hat.
Bei der Firstfeier anlässlich der Fertigstellung des Rohbaus am 27. November 2025: Peter Krammer, CEO der SWIETELSKY AG, Landesrätin Daniela Gutschi und Hubert Wetschnig, CEO der HABAU GROUP (v. l. n. r.). Die beiden Baukonzerne errichten das Landesdienstleistungszentrum gemeinsam als Arbeitsgemeinschaft.
- © Land Salzburg/Neumayr/HoferSpatenstich im Jänner 2024, Dachgleiche im November 2025: Wie es zur Schlüsselübergabe kommt
Der offizielle Spatenstich fand am 12. Jänner 2024 statt, die Aushubarbeiten begannen im Juli 2024. Im September 2025 erreichte der Rohbau die oberste Ebene, am 27. November 2025 feierte die Arbeitsgemeinschaft die Dachgleiche. Aktuell stehen laut Land Arbeiten an den Außenanlagen und der Abbruch von Kranfundamenten an, damit der Bau im November fertig wird.
Die Schlüsselübergabe ist für November 2026 geplant. Erste Dienststellen sollen noch im November und Dezember übersiedeln, der Großteil der Belegschaft folgt im Jänner 2027 in drei Tranchen, das Landeslabor im Februar 2027. Der Betriebskindergarten nimmt im Herbst 2027 den Betrieb auf.
Factbox: Landesdienstleistungszentrum Salzburg (LDZ)
- Projekt: Landesdienstleistungszentrum Salzburg, Kaiserschützenstraße 5, beim Salzburger Hauptbahnhof
- Bauherr: Land Salzburg
- Generalunternehmer: Arbeitsgemeinschaft Habau Hoch- und Tiefbaugesellschaft (Perg) und Swietelsky (Linz)
- Architektur: Burtscher-Durig
- Grundstück: rund 10.000 Quadratmeter
- Nettonutzfläche: rund 50.000 Quadratmeter
- Geschoße: 13, davon zehn oberirdisch und drei unterirdisch
- Bauweise: Holz-Beton-Hybrid, Holztragwerk ab dem dritten Obergeschoß
- Holz: rund 2.500 Holzträger und 540 Holzstützen; geliefert von der Hasslacher Gruppe: 1.400 Kubikmeter Fichten-Brettschichtholz und 220 Kubikmeter BauBuche
- Gründung: mehr als 200 Bohrpfähle mit 120 Zentimetern Durchmesser, Bohrtiefen bis 49 Meter ab Gelände laut Bauer Spezialtiefbau; Schlitzwand 80 Zentimeter dick
- Erdwärme: thermisch aktivierte Pfähle und Schlitzwände, knapp 100 Kilometer Leitungen laut Bauer
- Photovoltaik: rund 4.500 schwenkbare Fassadenmodule, 721 Kilowatt-Peak laut Habau
- Leitungen: 700 Kilometer Stromkabel, 560 Kilometer Datenkabel, 9 Kilometer Glasfaser laut Land
- Künftige Nutzung: rund 1.400 Landesbedienstete aus 25 bisherigen Standorten
- Gesamtkosten: rund 340 Millionen Euro brutto laut Land
- Termine: Spatenstich 12. Jänner 2024, Dachgleiche 27. November 2025, Schlüsselübergabe für November 2026 geplant, Übersiedlung großteils Jänner 2027