Tunnelsanierung in Kärnten : Zwei Röhren, trotzdem Gegenverkehr: Warum der Karawankentunnel erst 2029 fertig ist

Karawankentunnel

Seit März 2026 läuft der gesamte Verkehr durch die neue Oströhre des Karawankentunnels. Bis zur Fertigstellung der sanierten Bestandsröhre Mitte 2029 bleibt sie allerdings im Gegenverkehr in Betrieb.

- © ASFINAG

Die neue Röhre war am 18. März 2026 kaum symbolisch freigegeben, da begann schon der Umbau. Wenige Tage nach der Verkehrsumlegung war die alte Weströhre gesperrt, seit 27. März laufen dort die Sanierungsarbeiten. Für die Autofahrer änderte sich zunächst wenig: Sie fahren weiter im Gegenverkehr durch den Berg, mit dem Tempolimit, das dazugehört, nur eben in einem Tunnel, der 35 Jahre jünger ist.

Der Sicherheitsgewinn, für den siebeneinhalb Jahre gebaut wurde, tritt erst ein, wenn die alte Röhre wieder verfügbar ist. Das dauert bis Mitte 2029.

Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Bauwirtschaft verpassen? Abonnieren Sie unseren Newsletter Hier geht’s zur Anmeldung!

4,4 Kilometer Baustelle unter dem Berg

Der Karawankentunnel ist ein Grenzbauwerk. Die Staatsgrenze läuft mitten durch die Röhre, 4.402 Meter liegen auf österreichischem, 3.546 Meter auf slowenischem Staatsgebiet, zusammen knapp acht Kilometer. Entsprechend sind auch die Aufträge geteilt: Die ASFINAG hat den österreichischen Abschnitt ausgeschrieben, der slowenische Betreiber DARS seinen. Nur die sicherheitstechnische Ausstattung des Tunnels wurde gemeinsam vergeben.

Den österreichischen Teil saniert eine Bietergemeinschaft, die genau genommen aus zwei Häusern besteht. Östu-Stettin und Habau gehören beide zur Habau Group, dazu kommt Vogl.plus als externer Partner. Die ASFINAG investiert rund 120 Millionen Euro in die Sanierung. Rechnet man den Neubau der Oströhre dazu, liegt der österreichische Anteil am Vollausbau bei rund 310 Millionen Euro.

Die Arbeit ist innerhalb der ARGE klar aufgeteilt. Östu-Stettin übernimmt die bergmännischen Arbeiten im Tunnel, Vogl.plus die Betoninstandsetzung und die Tunnelanstricharbeiten, gemeinsam führen die beiden alle weiteren Maßnahmen in der Röhre aus. Habau verantwortet alles außerhalb: Straßenbau, Betonbau, Brückeninstandsetzung und die Hochbauleistungen im Portal- und Freilandbereich.

Der Karawankentunnel ist nicht nur ein technisch anspruchsvolles Bauwerk, sondern auch ein Symbol für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und zukunftsorientierte Mobilität. Besonders freut es uns, dass wir mit gleich zwei Konzernunternehmen, Östu-Stettin und Habau, unsere umfassende Expertise im Tunnelbau erneut unter Beweis stellen können.
Hubert Wetschnig, CEO Habau Group

Vermessungsarbeiten nach einem Abschlag beim Bau der neuen Oströhre im Jahr 2019. Nach deren Eröffnung ist nun die 1991 in Betrieb genommene Weströhre auf österreichischer Seite über 4,4 Kilometer zur Baustelle geworden.

- © FCP

Zuerst kommt alles heraus

Der Begriff Generalsanierung klingt nach Ausbessern. Was in der Weströhre passiert, beginnt mit dem Gegenteil. Abgetragen werden die alte Zwischendecke, die Betonfahrbahn, die Fahrbahnentwässerung, die Kabeltröge und die Randsteine. Was bleibt, ist im Wesentlichen die Betoninnenschale, und auch die wird instand gesetzt, bevor eine neue Zwischendecke eingezogen und das gesamte Beschichtungssystem erneuert wird.

Dazwischen liegt ein Arbeitsschritt, der erklärt, warum sich der Zeitplan der beiden Röhren nicht entkoppeln lässt: die Anbindung an die Querschläge. Die Verbindungsgänge zwischen den beiden Röhren wurden bereits beim Neubau der Oströhre hergestellt, sie existieren also schon. Auf der Seite der alten Röhre sind sie aber noch geschlossen. Erst jetzt, im Zuge der Sanierung, werden sie durchgebrochen. Danach kann im Ereignisfall aus jeder Röhre in die jeweils andere geflüchtet werden, das Kernstück des Sicherheitskonzepts.

Dazu kommt die gesamte Technik: Fahrbahn, Entwässerung, Videokameras, Brandmeldeanlage, Beleuchtung, Tunnelwandbeschichtung, Lüftung und die komplette Sensorik. Auch die Löschwasserleitung wird erneuert.

Bewehrungsarbeiten an der Innenschale der neuen Oströhre im Jahr 2020. In der alten Weströhre bleibt die bestehende Betoninnenschale grundsätzlich erhalten, wird aber instand gesetzt und anschließend mit neuer Zwischendecke und neuem Beschichtungssystem ergänzt.

- © FCP

Was draußen passiert

Der Auftrag endet nicht am Portal. Im Freiland wird die rund 600 Meter lange Zulaufstrecke saniert, samt Brücken, Fahrbahn, Ankerwänden und Steinschlagschutz. Der Anschluss am Nordportal wird instand gesetzt, Fahrbahnen und Entwässerung erneuert, die Brückenbauwerke geprüft, abgedichtet und bei Bedarf saniert. Stützwände, Böschungen und Steinschlagschutzanlagen werden ertüchtigt.

Das gesamte Nordportal wird zudem neu gestaltet. Dieser Teil kommt voraussichtlich erst gegen Ende der Bauzeit.

Der Vollausbau umfasst nicht nur die Röhren im Berg. Bereits bei den Vorbereitungsarbeiten wurden im österreichischen Vorportalbereich neue Bauwerke errichtet; im Zuge der Generalsanierung werden nun auch Zufahrtsstrecke, Brücken, Stützwände und Steinschlagschutzanlagen instand gesetzt.

- © FCP

Warum ein Tunnel von 1991 schon dran ist

35 Jahre sind für ein Tunnelbauwerk kein Alter. Die Weströhre ist auch nicht baufällig. Sie hat aber zwei Dinge zu tragen gehabt, die sie in dieser Form nicht überstehen konnte.

Erstens war sie mehr als drei Jahrzehnte lang die einzige Straßenverbindung durch den Berg und musste beide Fahrtrichtungen gleichzeitig aufnehmen. Zweitens haben sich die Sicherheitsanforderungen an Straßentunnel seit 1991 grundlegend verändert. Was damals gebaut wurde, entsprach dem damaligen Stand; die Nachrüstungen der vergangenen Jahrzehnte betrafen einzelne Systeme, nicht das Bauwerk als Ganzes.

Erneuert wird die Röhre deshalb nicht, weil sie kaputt wäre, sondern weil sie am Ende auf demselben technischen Niveau liegen soll wie der Neubau nebenan. Zwei Röhren, die unterschiedlich sicher sind, ergeben kein gemeinsames Sicherheitskonzept.

Die digitale Projektansicht zeigt den österreichischen Vorportalbereich mit Zufahrtsbauwerken, Brücken und Betriebsgebäuden. Neben der Tunnelsanierung wird auch das Umfeld des Nordportals umfassend erneuert und neu gestaltet.

- © ASFINAG

Der Tunnel, der drei Wochen lang ein Symbol war

Am 1. Juni 1991 wurde die Fertigstellung an der Mautstelle Rosenbach gefeiert, mit Staatsoberhäuptern und Regierungschefs. Die ASFINAG zitiert bis heute die Sprache von damals: eine neue Ära der wirtschafts- und verkehrspolitischen Entwicklung, Ausdruck des Wunsches von Österreich und dem damaligen Jugoslawien nach einer gemeinsamen Zukunft Europas.

Drei Wochen später erklärte Slowenien seine Unabhängigkeit, zwei Tage danach begann der Zehntagekrieg. Der Tunnel, der die Verbindung nach Jugoslawien symbolisieren sollte, führte binnen eines Monats in ein anderes Land. Geblieben ist er als das, wofür er gebaut wurde: die zentrale Nord-Süd-Achse, die die schwierigen Übergänge über Wurzen- und Loiblpass ersetzt hat.

Erst 2029 verschwindet der Gegenverkehr

Der Vollausbau lief in drei Schritten. Ab Oktober 2015 wurden die Portalbereiche vorbereitet, im September 2018 begann der Neubau der Oströhre, im März 2026 ging sie in Betrieb. Seither läuft die dritte Phase, die Sanierung des Bestands, bis Mitte 2029.

Erst dann steht, was seit 2015 das Ziel war: zwei getrennte Röhren mit je zwei Fahrstreifen, jede Fahrtrichtung in ihrer eigenen. Das Gegenverkehrstempolimit entfällt, im Regelfall gilt Tempo 100.

Ganz weg ist der Gegenverkehr allerdings auch dann nicht. Beide Röhren bekommen eine Sicherheitsausstattung, die es erlaubt, im Störungsfall innerhalb weniger Minuten auf temporären Gegenverkehr umzuschalten. Was heute drei Jahre lang der Normalzustand ist, wird ab 2029 der Ausnahmefall sein, auf Knopfdruck.

FACTBOX: Generalsanierung Weströhre Karawankentunnel

Projekt: Generalsanierung der Bestandsröhre (Weströhre), A 11 Karawankenautobahn / A 2 (Slowenien)
Bauherren und Betreiber: ASFINAG und DARS
Ausführung Österreich: Bietergemeinschaft aus Östu-Stettin und Habau (beide Habau Group) sowie Vogl.plus
Investition Österreich: rund 120 Millionen Euro (Sanierung); rund 310 Millionen Euro Gesamtanteil der ASFINAG am Vollausbau
Bauzeit: 27. März 2026 bis Mitte 2029

Das Bauwerk

  • Gesamtlänge: rund 7.948 Meter; Österreich 4.402 Meter, Slowenien 3.546 Meter
  • Weströhre eröffnet 1991, bis März 2026 einzige Röhre, durchgehend im Gegenverkehr
  • Neue Oströhre: Bauzeit September 2018 bis März 2026, Verkehrsfreigabe 18. März 2026
  • Vorbereitungsmaßnahmen im Portalbereich: Oktober 2015 bis Oktober 2017

Bauumfang

  • Abtragung von Zwischendecke, Betonfahrbahn, Fahrbahnentwässerung, Kabeltrögen und Randsteinen
  • Anbindung an die beim Neubau hergestellten Querschläge
  • Betoninstandsetzung der Innenschale, neue Zwischendecke, neues Beschichtungssystem
  • Fahrbahn, Entwässerung, Lüftung, Beleuchtung, Brandmeldeanlage, Videokameras, gesamte Sensorik, Löschwasserleitung
  • Freiland: 600 Meter Zulaufstrecke mit Brücken, Ankerwänden und Steinschlagschutz; Nordportal wird neu gestaltet

Aufteilung in der ARGE: Östu-Stettin bergmännische Arbeiten im Tunnel; Vogl.plus Betoninstandsetzung und Tunnelanstrich; beide gemeinsam alle weiteren Arbeiten in der Röhre; Habau alle Arbeiten außerhalb (Straßen-, Beton-, Brücken- und Hochbau)
Verkehr während der Bauzeit: Gegenverkehr in der neuen Oströhre
Nach Fertigstellung: zwei Röhren mit je zwei Fahrstreifen, kein Gegenverkehr im Regelbetrieb, Tempo 100; Umschaltung auf temporären Gegenverkehr im Störungsfall binnen weniger Minuten möglich