Werftareal geht in die Verwertung : Hafen Korneuburg - Insolvenz für Signa-Projektgesellschaft mit 40 Millionen Euro Schulden
Das Areal der ehemaligen Schiffswerft Korneuburg, das nach den Plänen von Signa zu einem neuen Donaustadtteil entwickelt werden sollte. Nach dem Konkursantrag der Projektgesellschaft soll das Immobilienvermögen nun verwertet werden.
- © WikipediaWer heute an der Donau in Korneuburg entlanggeht, sieht ein Gelände, das auf den ersten Blick nicht zu einem 500-Millionen-Projekt passt. Schotterwege, Brachflächen, dazwischen die denkmalgeschützten Hallen einer ehemaligen Schiffswerft, die historische Kran- und Slipanlage, der Blick auf das Hafenbecken. Ein paar Bestandsnutzungen halten den Betrieb am Leben, Vereine, Gastronomie, ein Großhandelsbetrieb, der Werftbad-Verein, Lagerflächen. Was hier einmal entstehen sollte, ist auf dem Areal selbst kaum mehr ablesbar. Auf den Plänen aus dem Jahr 2021 hingegen sehr deutlich: ein neuer Stadtteil an der Donau, Wohnraum für 1.400 bis 1.700 Menschen, Arbeitsflächen, Hotel, Gastronomie, Kultur, Freizeit. Investitionsvolumen 500 Millionen Euro. Eines der größeren Stadtentwicklungsprojekte Niederösterreichs der vergangenen Jahre. Am 20. Mai 2026 ist es vorerst Geschichte.
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Der Konkursantrag
Am vergangenen Mittwoch wurde laut einer Aussendung von Creditreform am Handelsgericht Wien ein Konkursantrag für die Hafen Korneuburg Immobilien GmbH & Co KG eingebracht. Die Gesellschaft mit Sitz in der Wiener Herrengasse war Rechtsträgerin des Großprojekts „Hafen Korneuburg" und gehörte zur Signa Development Selection AG, die selbst Ende 2023 im Zuge des Signa-Zusammenbruchs in die Insolvenz gegangen war. Laut ORF-Bericht stellte die projektfinanzierende Bank den Kredit fällig. Die Verbindlichkeiten von rund 40 Millionen Euro verteilen sich auf zehn Gläubiger, das Immobilienvermögen soll im Konkursverfahren verwertet werden. Zur Insolvenzverwalterin wurde Andrea Fruhstorfer bestellt.
Damit endet vorerst eine Projektgeschichte, die im Sommer 2021 mit großen Bildern und großen Zahlen begonnen hatte, eingebettet in den damals selbstbewusst auftretenden Signa-Konzern, der in Österreich und Deutschland an mehreren Innenstadtlagen und Stadtquartieren gleichzeitig baute.
Was geplant war
Auf dem rund 15 Hektar großen Areal der früheren Werft Korneuburg östlich der Donau sollte ein neuer Stadtteil entstehen, mit Wohnraum für 1.400 bis 1.700 Menschen, Arbeitsflächen, Kultur, Freizeit, Hotel und Gastronomie. Die Stadt Korneuburg, die das Werftareal über Jahrzehnte hinweg als Industriestandort und später als Mischnutzungsareal kannte, sah in dem Vorhaben die Chance, einen lange brachliegenden Teil der Donauseite neu zu entwickeln. Signa hatte die Flächen im Frühjahr 2019 über die Hafen Korneuburg Immobilien GmbH & Co KG erworben, der Kaufpreis lag laut ORF-Berichten bei knapp 20 Millionen Euro. Das Werftareal hatte zuvor mehrfach den Besitzer gewechselt, der ORF nennt einen Vorverkauf 2016 um 1,3 Millionen Euro und einen späteren Verkauf um 8,2 Millionen Euro an die BOP Hafenentwicklungs GmbH.
Die Stadtgemeinde Korneuburg hatte das Vorhaben planungsrechtlich begleitet. In den Unterlagen der Stadt wird das Werftareal als vollständig saniert und dekontaminiert beschrieben, der Hochwasserschutz wurde im Zuge der Vorbereitungsarbeiten errichtet und fertiggestellt. Teile der historischen Werfthallen sowie die Kran- und Slipanlage stehen unter Denkmalschutz und sollten in das geplante Quartier integriert werden. Das gesamte Areal inklusive Hafenbecken misst nach Angaben der Stadt 261.117 Quadratmeter.
Vom Stillstand zur Bausperre
Nach dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe Ende 2023 verlor das Projekt seine wirtschaftliche Trägerstruktur. Was zunächst noch als Hängepartie beschrieben wurde, mit der Hoffnung auf eine Neuaufstellung des Konzerns, verfestigte sich im Lauf des Jahres 2024 zum Stillstand. Konkrete nächste Bauabschnitte rückten in unbestimmte Ferne, das Areal blieb in der bestehenden Mischnutzung.
Im Frühjahr 2025 wurde dann auch formal ein Schlussstrich unter die Planungsphase gezogen. Stadtgemeinde Korneuburg und die Signa-Projektgesellschaft zogen das beim Land Niederösterreich eingereichte Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verfahren zurück. Der Gemeinderat erließ in der Folge eine Bausperre für die Halbinsel des Werftareals. Im Mai 2026 weitete der Gemeinderat die Bausperre auf das Festland des Areals aus. Ziel war laut der Berichterstattung, die Bebauung einzelner Grundstücke zu verhindern und die Flächenwidmungen im Hinblick auf eine künftige gesamtheitliche Nutzung zu überarbeiten.
Ende April 2026 wurde laut ORF zudem ein Angebot für die Entwicklung des Areals von der Stadt geprüft und abgelehnt. Vorgesehen war demnach ein internationaler Bildungscampus mit Wohnmöglichkeiten, Hotel, Sporthallen, Eisflächen, Gym und Freiflächen. Bürgermeister Christian Gepp bestätigte gegenüber ORF, dass die Stadt das Projekt geprüft und verworfen habe. Im selben Zeitraum war bereits öffentlich von einer drohenden Insolvenz der Hafen Korneuburg Immobilien GmbH & Co KG die Rede. Markus Neurauter, Vorstand der Signa Development Selection AG, bestätigte gegenüber ORF entsprechende Medienberichte.
Eigentumsverhältnisse und nächste Schritte
Das Werftareal ist eigentumsrechtlich aufgeteilt, und genau das macht jede künftige Entwicklung komplex. Laut ORF-Berichten gehörten Signa rund 50 Prozent der Grundfläche, konkret 7,79 Hektar. Stadt Korneuburg und der Stadtentwicklungsfonds SEFKO besaßen gemeinsam 6,34 Hektar. Der Rest entfällt auf öffentlichen Grund und Privateigentum. An der Werftinsel hielt Signa etwa drei Viertel, die Stadt etwa ein Viertel. Damit ist eine gesamthafte Entwicklung des Areals immer auf eine Abstimmung zwischen mehreren Eigentümern angewiesen, ein Umstand, der bei der ursprünglichen Projektkonzeption über die Kooperation der Beteiligten gelöst war, jetzt aber im Konkursverfahren neu geordnet werden muss.
Die Stadt selbst will nach Angaben von Bürgermeister Christian Gepp (ÖVP) bei einem Verkauf einzelner Grundstücke vor allem bei „strategischen Flächen“ prüfen, ob ein Ankauf infrage kommt. Von Zeitdruck spricht Gepp dabei nicht: Bei der weiteren Entwicklung des ehemaligen Werftareals bestehe „kein Zeit-, sondern ein Qualitätsdruck“. Der vor Jahren entwickelte Masterplan gelte aus Sicht der Stadt weiter. Ziel sei eine Mischung aus Kultur, Freizeit, Arbeit und Wohnen, allerdings „in einer für die Stadt verträglichen Form“. Es solle kein neuer eigener Stadtteil entstehen, sondern ein Projekt mit erkennbarem Mehrwert für Korneuburg. Die Stadtgemeinde zählt nach Angaben Gepps nicht zu den Gläubigern der insolventen Projektgesellschaft.
Was mit den Signa-Flächen geschieht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Insolvenzverwalterin ist verpflichtet, das Immobilienvermögen im Sinne der Gläubiger zu verwerten. Die Stadtgemeinde hält in ihren Beschlüssen weiterhin am Ziel einer gesamthaften, planungsrechtlich abgestimmten Entwicklung des Werftareals fest. Wer das Areal künftig entwickeln wird und in welcher Form, ist Stand 21. Mai 2026 offen.
Vor der Werft, auf einer Betonleitwand am Beginn des Areals, hat jemand vor einiger Zeit die Worte „Benko raus" gesprüht. Sie sind dort, anders als das Großprojekt der Jahre 2019 bis 2023, noch lesbar.