Schalungstechnik : Eine Milliarde Liter Trinkwasser: Wie Doka den größten geschlossenen Wasserbehälter der Welt schalt
Der Trinkwasserbehälter Neusiedl am Steinfeld südlich von Wien wird bis 2028 um zwei neue Kammern erweitert, weitere folgen ab 2029. Nach Fertigstellung fasst das Bauwerk rund eine Milliarde Liter Trinkwasser, der gesamte Stephansdom würde in das Becken hineinpassen.
- © DokaWer in Wien das Wasserglas öffnet, trinkt unter anderem aus Neusiedl am Steinfeld. Der Trinkwasserbehälter im niederösterreichischen Industrieviertel, rund 60 Kilometer südlich der Bundeshauptstadt, ist das größte Wasserreservoir von Wiener Wasser und einer der größten in Europa. Er sitzt im Gefälle der I. Wiener Hochquellenleitung, das Quellwasser fließt ohne den Einsatz von Pumpen hindurch und weiter in die Stadt. Vier Wasserkammern fasst der Bestand, rund 600 Millionen Liter sind darin gespeichert. Seit Dezember 2024 wird der Standort ausgebaut. Bauherr ist die Stadt Wien über die MA 31, Wiener Wasser. Ausführendes Tunnel- und Tiefbauunternehmen ist die Gebrüder Haider & Co Hoch- und Tiefbau GmbH aus Großraming. Den schalungstechnischen Part übernimmt Doka.
Bis Ende 2028 entstehen zwei neue Kammern mit 200 Millionen Litern Speichervolumen, ab 2029 folgen zwei weitere sowie die Sanierung der bestehenden Kammern. Nach Fertigstellung wird der Behälter rund eine Milliarde Liter Trinkwasser fassen, eine Million Kubikmeter, was der Fläche eines Fußballfelds entspricht, das 140 Meter hoch mit Wasser gefüllt ist. Anders gesagt: In dieses Becken würde der gesamte Stephansdom hineinpassen. Damit wird Neusiedl am Steinfeld der weltweit größte geschlossene Trinkwasserbehälter.
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Zwölf Meter hohe Wände: die Schalung als Geometrie-Aufgabe
Für die Schalungsplanung beginnt das eigentliche Problem dort, wo die Bautafel des Bauwerks aufhört: an den Wandhöhen. Die Behälterwände steigen bis auf zwölf Meter, eine Höhe, in der klassische Wandschalungen entweder an ihre statischen Grenzen kommen oder zusätzliche Sicherungsmaßnahmen brauchen, die den Bauablauf bremsen. Doka setzt für diese Bereiche die Rahmenschalung Framax Xlife plus ein, eine Großflächenschalung, deren Stahlrahmen für hohe Frischbetondruckkräfte ausgelegt ist und die für eine hohe Anzahl an Wiedereinsätzen entwickelt wurde.
Anspruchsvoller als die reine Wandschalung ist die Deckenseite. Auf zwölf Meter hoher Unterstellung kommen 1.200 Quadratmeter DokaXdek-Tische zum Einsatz, getragen vom Modul-Traggerüst Staxo 100. Eine zusätzliche Komplikation entsteht durch die 70 Zentimeter starken Rundsäulen, von denen mehr als hundert die neuen Kammern strukturieren. Genau im Passbereich rund um diese Säulen lassen sich Standard-Deckentische nicht einfach absetzen, und händische Schalungslösungen würden bei dieser Stückzahl massiven Mehraufwand bedeuten. Doka greift hier zu einer Hybridlösung: DokaXdek-Einhängebügel in Kombination mit H20-Trägern stellen die Passbereiche her und reduzieren weitere Unterstellungsmaßnahmen. Bei mehr als hundert Säulen schlägt das auf den Arbeits- und Materialaufwand spürbar durch.
Sicherheit als Auftragskriterium: Arbeiten in zwölf Metern Höhe
Wer für die Stadt Wien baut, baut für einen öffentlichen Bauherrn mit hohen Sicherheitsanforderungen. Auf den zwölf Meter hohen Wänden schaffen Xsafe-plus-Bühnen mit integrierten Aufstiegen sichere Arbeitsbereiche direkt an der Schalung, ohne dass externe Gerüstkonstruktionen aufgebaut werden müssen. Für die Bewehrungsarbeiten ergänzt Ringlock als Bewehrungsgerüst in doppelbreiter Ausführung das Bild. Die doppelte Breite ist kein Detail, sondern eine bewusste Entscheidung für mehr Bewegungsfreiheit auf der Arbeitsebene.
Paul Schein, Polier bei Gebrüder Haider, bestätigt das aus der Baustellenperspektive: „Bei dieser anspruchsvollen Arbeitshöhe brauchen wir für die Bewehrungsarbeiten ausreichend Platz und einen sicheren Stand. Die doppelbreite Ringlock-Ausführung gibt der Mannschaft mehr Bewegungsfreiheit und schafft eine stabile Arbeitsbasis."
„Wiener Wasser 2050": Versorgungssicherheit als Bauziel
Strategisch ist Neusiedl am Steinfeld Teil von „Wiener Wasser 2050", einer Programmlinie, mit der die Stadt ihre Trinkwasserinfrastruktur an Bevölkerungswachstum und Klimawandel anpasst. Wien wächst, die Sommer werden heißer, die Schwankungen im Wasserverbrauch nehmen zu. Die zusätzlichen 400 Millionen Liter Speichervolumen, die in den nächsten Jahren in Neusiedl entstehen, sind die Pufferreserve für genau diese Veränderungen.
Für die Schalungsbranche ist ein solches Projekt auch eine Visitenkarte. Trinkwasserbehälter dieser Größenordnung werden nicht häufig gebaut, und die Anforderungen an Maßhaltigkeit, Oberfläche und Dichtheit sind ungewöhnlich hoch. Wer hier liefert, liefert sichtbar. Doka tritt in Neusiedl am Steinfeld nicht als reiner Materiallieferant auf, sondern als Lösungsanbieter, der Wandschalung, Deckenschalung, Traggerüst, Bühnensystem und Bewehrungsgerüst aus einer Hand kombiniert.
Schalung als Kreislaufprodukt
Was die Doka-Systeme auf der Baustelle leisten, ist die eine Seite der Nachhaltigkeitsgleichung. Die andere ist die Frage, was nach dem Projekt mit ihnen passiert. Rahmenschalungen wie die Framax Xlife plus werden überwiegend im Mietmodell eingesetzt und wandern nach Projektende zurück in den Doka-Mietpool, wo sie gereinigt, repariert und für den nächsten Einsatz aufbereitet werden. Diese Wiederverwendungslogik ist der eigentliche ökologische Hebel der Schalungsbranche: Je länger ein System im Kreislauf bleibt, desto weniger Neumaterial muss produziert werden.
Parallel dazu arbeitet Doka an der Dekarbonisierung der eigenen Standorte, mit dem Ziel Net Zero bis 2040. Wie weit das Unternehmen auf diesem Weg ist und welche Hebel besonders gewirkt haben, zeigt das Gespräch mit Geschäftsführer Harald Zulehner.
Drei Fragen an Doka
Harald Zulehner, Geschäftsführer Doka Österreich, über Emissionsreduktion, EcoVadis-Auszeichnung und nachhaltige Produkte.
Doka hat die Scope-1- und Scope-2-Emissionen in Österreich seit 2021 um mehr als 50 Prozent reduziert. Was waren die wichtigsten Hebel? Der größte Hebel war die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen. Im Headquarter in Amstetten inklusive sämtlicher Niederlassungen und Produktionsstandorte in Österreich beziehen wir 100 % Öko-Strom. Damit konnten wir unsere CO2-Emissionen von Strom schnell und effektiv reduzieren. Damit haben wir alleine 2025 knapp 4.000 Tonnen CO2 im Vergleich zu 2021 eingespart. Zusätzlich haben wir in den letzten Jahren mehrere Photovoltaikanlagen in Österreich errichtet und bauen diese sukzessive weiter aus. Die zwei weiteren großen Hebel für die Reduktion sind Mobilität und Wärme. Bei der Mobilität stellen wir schrittweise um, in Österreich ist der Prozess bereits sehr weit fortgeschritten. Ein Beispiel aus dem Produktionsumfeld ist unser erster vollelektrischer Lkw am Standort Amstetten, mit dem jährlich rund 36 Tonnen CO2 eingespart werden.
Doka wurde von der Nachhaltigkeitsagentur EcoVadis mit Silber ausgezeichnet. Was bedeutet diese Bewertung? Die Silber-Auszeichnung ist ein wichtiges Signal an unsere Kunden und Partner: Sie zeigt, dass Doka zu den Besten im Bereich Nachhaltigkeit zählt. Mit 91 von 100 Punkten in der Kategorie Umwelt gehören wir sogar zu den besten 1 % der bewerteten Unternehmen unserer Branche. Das bestätigt unseren Weg. Wichtig ist uns in dem Kontext: Wir setzen nicht auf große Worte, sondern auf konkrete Maßnahmen, die wir konsequent umsetzen. Nachhaltigkeit ist bei Doka fest in unsere Prozesse integriert, mit klaren Zielen, transparenten Daten und messbaren Fortschritten. Genau das macht unsere Performance vergleichbar und für unsere Kunden nachvollziehbar.
Wie wird diese strategische Ausrichtung auf Produktebene sichtbar? Wir sehen klar, dass sich die Anforderungen im Markt verändern. Unsere Kunden erwarten zunehmend transparente und belastbare Nachhaltigkeitsleistungen. Wer hier nicht vorbereitet ist, wird künftig nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Deshalb gehen wir bewusst voran. Ein Beispiel ist die Xlife top Schalungsplatte. Ihr Kern besteht aus recyceltem Kunststoff, sie ist auf eine lange Lebensdauer ausgelegt und am Ende ihres Lebenszyklus wieder recycelbar. Damit verbindet sie ökologische Vorteile mit wirtschaftlichem Nutzen: weniger Ressourcenverbrauch, hohe Wiederverwendbarkeit und eine robuste Lösung für den Baustellenalltag.