Wie sehr setzen die Baukonzerne bei der Risikoeinschätzung von Projekten auf digitale Mittel und künstliche Intelligenz? „Am Ende entscheidet der Mensch!“, lautet die Zusammenfassung von Klemens Eiter, der alle Diskutanten zustimmen. Denn es sind die Erfahrungen und die Ansätze. „Die Leute, die ein Projekt über ein halbes Jahr kalkulieren, wissen genau, was drin ist und ob sie eine Spekulation eingehen.“
Bei allen Großaufträgen setzt die Porr einen begleitenden, unabhängigen Risikomanager ein. „Die KI kann dir da oder dort Unterstützung bieten, die KI sagt, wenn wirklich ein Problem ist. Da wirst du den Menschen nie ersetzen, du hast den Markt und da geht einer rein und der glaubt, einen Preis einzusetzen, damit er den Auftrag kriegt und geht sich das dort vernünftig aus oder nicht. Ich glaube, dass die Maschine den Menschen im Bereich Risiko nicht ersetzt kann“, so Eiter.
Einen bodenständigen Zugang mit Excel-Sheets, ganz klaren Methoden und Strukturen gibt es bei Leyrer + Graf. Das begrüßt auch Josef Kurz von Sequello: „Eine Entscheidung würde ich aufgrund einer Risikobewertung von KI nicht.“ Was Klemens Eiter zum nächsten Punkt bringt: „Wie berücksichtigt das System das Grundproblem? Und das Grundproblem ist der Markt.“ In Wahrheit müsste die KI vorhersagen können, welche Optimierungen zu machen sind, damit man den Auftrag bekomme.
„Das muss sie schaffen. Das muss sie können. Woher soll sie das können? Das kann man aus der Erfahrung von früher sagen“, so Eiter.
Während Künstliche Intelligenz in der Industrie bereits vor zehn Jahren ihren Einzug feierte, ist man im Baubereich gerade mittendrin. Tausende Bauprojekte mit unterschiedlichen Orten mit verschiedenen Größen und Parametern. Man ist sich einig, dass KI in gewissen Bereichen erfolgreich eingesetzt werden kann wie in der Buchhaltung, im Bestellwesen, aber vermutlich nicht im Risikomanagement. Um dies zu bewerkstelligen, brauche es aber auch „einen Kulturwandel“ ist Klemens Eiter überzeugt. Die Ansätze seien gut, um zum Beispiel Lieferscheine zu digitalisieren und Mitarbeiter zu entlasten und anders einzusetzen.
Einen wichtigen Punkt bringt Harald Gindl noch ins Rennen: „Digitalisierungskosten sind enorme Fixkosten. Da muss man wirklich dreimal überlegen, ob man Dinge digitalisiert.“ Dennoch ist man sich einig, dass Digitalisierung zwar nicht einfach und nicht günstig ist, man zumindest in sinnvollem Maß nicht an ihr vorbeikommt.
Michael Mayer-Schütz ist vor allem im Risikomanagement skeptisch: „Es kommt darauf an, wie man es einsetzt. Wenn man es zum Challengen einsetzt, wo es Sinn macht, da bringt die KI viel. Nämlich Geschwindigkeit. Du kannst mehr anbieten. Hilfsmethoden, ob du halbwegs auf einer Linie bist oder nicht.“