Fassaden | Digitalisierung : Fachevent in Groß-Enzersdorf: Digitale Workflows und Robotik sollen Fassadensanierung deutlich effizienter machen
Das Projekt „Prefab.Facade“ hatte ein klares Ziel: jene Stellschrauben zu identifizieren, die die wirtschaftliche Realisierung maßgefertigter, kreislauftauglicher Fassadenelemente ermöglichen.
- © ecoplusWie lassen sich vorgefertigte Fassadenelemente für Sanierung und Neubau schneller, präziser und kosteneffizienter herstellen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachevents „Vorgefertigte Fassaden am Prüfstand“, das der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich gemeinsam mit der BOKU am 24. November 2025 im Roboterlabor in Groß-Enzersdorf veranstaltete. Präsentiert wurden dabei zentrale Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt „Prefab.Facade“, in dem 19 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiteten.
Durchgängige digitale Prozesskette als Schlüssel
Das Projekt „Prefab.Facade“ hatte ein klares Ziel: jene Stellschrauben zu identifizieren, die die wirtschaftliche Realisierung maßgefertigter, kreislauftauglicher Fassadenelemente ermöglichen.
Der Ansatz setzte auf eine vollständige digitale Prozesskette:
• Datenaufnahme und digitales Gebäudemodell,
• parametrisches Design,
• robotergestützte Fertigung,
• optimierte Montageprozesse,
ergänzt durch eine ökologische und ökonomische Bewertung der Fassadensysteme.
Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ initiierte und koordinierte das Projekt gemeinsam mit der BOKU. Gefördert wurde es durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und kofinanziert von den beteiligten Unternehmen.
Robotik im Einsatz: Live-Demonstration im BOKU-Labor
Im Mittelpunkt des Events stand eine praktische Vorführung der entwickelten Konzepte. Im Roboterlabor zeigte das Projektteam, wie automatisierte Fertigungsprozesse, insbesondere bei der Produktion von Holzunterkonstruktionen, Zeit, Kosten und Fehlerquellen reduzieren können.
Projektleiter Benjamin Kromoser (BOKU) betonte die wirtschaftliche Relevanz:
Serielle Sanierung sei grundsätzlich nicht neu, jedoch bislang oft zu teuer gewesen. „Wir wollten herausfinden, wie man sie effizienter und damit wirtschaftlich konkurrenzfähiger machen kann – unter anderem durch automatisierte Fertigungsansätze“, erklärte er.
Anhand mehrerer Experimentierwände präsentierten die Forschenden unterschiedliche Konstruktions- und Montagevarianten. Das Know-how der beteiligten Wirtschaftspartner war dabei integraler Bestandteil, da Materialien, Werkzeuge und praxiserprobte Methoden direkt in die Entwicklungsarbeit einflossen.
Relevanz für Sanierung, Neubau und Klimaziele
Das Projekt verdeutlicht, wie industrielle und digitale Methoden einen großen Hebel für die Bauwirtschaft darstellen – insbesondere für die thermische Sanierung, die in vielen Regionen Österreichs stockt. Effizientere Produktion, präzise Vorfertigung und robotergestützte Abläufe können:
• Kosten reduzieren,
• Planungs- und Bauzeiten verkürzen,
• CO₂-Bilanzen verbessern,
• und die Qualität erhöhen.
Damit bietet „Prefab.Facade“ konkrete Antworten auf Herausforderungen wie Fachkräftemangel, steigende Baukosten und den wachsenden Bedarf an seriellen Sanierungslösungen.
Rolle des ecoplus-Clusters: Innovation in die Betriebe bringen
Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ begleitet aktuell 34 Projekte und hat seit seiner Gründung rund 770 Kooperationsprojekte initiiert. Sein Auftrag ist es, Unternehmen Zugang zu neuen Technologien, wissenschaftlicher Expertise und innovativen Prozessen zu verschaffen.
Clustermanagerin Michaela Smertnig betonte beim Event, dass das Projekt zeige, „wie industrielle Ansätze die Baubranche insbesondere in der Gebäudesanierung weiterbringen können“. Das Projekt wird im Rahmen des „NÖ Innovationsökosystems“ zusätzlich von der Europäischen Union unterstützt.