Nachhaltigkeit | Dämmung : Austrotherm nimmt österreichweit einzigartige Recyclinganlage in Vollbetrieb

Heimo Pascher Austrotherm

Austrotherm-Geschäftsführer Heimo Pascher in der neuen Anlage.

- © Austrotherm

Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft

Der Dämmstoffhersteller Austrotherm setzt einen weiteren Schritt in Richtung geschlossener Materialkreisläufe. Nach erfolgreichem Testbetrieb wurde die Recyclinganlage für EPS- und XPS-Dämmstoffe am Standort Purbach nun vollständig in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um die erste Anlage dieser Art in Österreich.

Für das Jahr 2026 rechnet das Unternehmen mit rund 100 Tonnen Dämmstoffabfällen, die wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden können. Diese Menge entspricht dem Dämmstoffbedarf von mehr als 100 Einfamilienhäusern. In das Projekt investierte Austrotherm insgesamt rund 1,2 Millionen Euro.

Ziel: Dämmstoffe dauerhaft im Kreislauf halten

Austrotherm verfolgt seit mehreren Jahren eine konsequente Kreislaufstrategie. Bereits seit 2021 bietet das Unternehmen ein österreichweites Rücknahmesystem für saubere XPS-Baustellenverschnitte an. Die Abholung erfolgt klimaneutral oder alternativ über die Rückgabe am Standort Purbach.

Im Herbst 2024 wurde das Angebot um ein Recyclingservice für EPS-Dämmstoffe erweitert. Grundlage dafür ist das Forschungsprojekt „EPSolutely“, das gemeinsam mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette ein österreichweites Logistikkonzept für EPS-Recycling entwickelt hat. Insgesamt beteiligen sich fünf weitere EPS-Hersteller an der kostenlosen Rücknahme.

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Erweiterter Anwendungsbereich durch neue Anlage

Mit der neuen Recyclinganlage werden die bisherigen Möglichkeiten deutlich ausgeweitet. Während bisher vor allem saubere, sortenreine Abfälle verarbeitet werden konnten, erlaubt die Anlage in Purbach nun auch die Aufbereitung komplexerer Materialien.

Künftig können neben Produktionsabfällen und Baustellenverschnitten auch komplette Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) sowie Dämmstoffe mit unterschiedlich stark anhaftenden Materialien recycelt werden. Ziel ist es, EPS- und XPS-Dämmstoffe am Ende ihrer Lebensdauer wieder als Rohstoff nutzbar zu machen.

Mehrstufiger Recyclingprozess

Die Aufbereitung erfolgt in mehreren Schritten: von der händischen Materialaufgabe über Vorbrechen, Granulierung und Entstaubung bis hin zur Abscheidung von Störstoffen mittels Magnet- und Schwergutabscheidern. Das gewonnene Material wird sortenrein zwischengelagert und anschließend zu hochwertigem Rezyklat weiterverarbeitet.

Dieses Rezyklat dient wiederum als Rohstoff für die Produktion neuer Dämmstoffe.

Deutliche CO₂-Einsparungen möglich

Der ökologische Effekt ist klar bezifferbar. Während bei der Herstellung einer Tonne primären Polystyrols rund 2,4 Tonnen CO₂ entstehen, verursacht recyceltes Polystyrol lediglich etwa 0,5 Tonnen CO₂. Damit lassen sich die Emissionen pro Tonne Rohstoff um rund 80 Prozent reduzieren.

Aus Unternehmenssicht liegt der größte Hebel damit direkt im eingesetzten Material und dessen Wiederverwendung im Kreislauf.

Ausbau der Kapazitäten geplant

Die Recyclinganlage verfügt über eine maximale Kapazität von bis zu 1.000 Tonnen pro Jahr. In den kommenden Monaten sind weitere Testreihen geplant, um Effizienz und Output kontinuierlich zu steigern.

Derzeit können alle EPS- und XPS-Dämmstoffe recycelt werden, die seit 2018 in Verkehr gebracht wurden. Für ältere Materialien, die noch das inzwischen verbotene Flammschutzmittel HBCD enthalten, arbeitet Austrotherm im Rahmen von Forschungsaktivitäten an zukünftigen Lösungen.