Europa

EU-Projekt für Gebäudesanierung: 340 Millionen Investitionen

Das Programm erleichtert die Finanzierung der thermischen Sanierungen von Gebäuden in sechs Ländern. Die Österreichische Energieagentur ist Partner bei dem Projekt, das über den Zeitraum von vier Jahren geht.

Europa Sanierung Nachhaltigkeit

Die Gebäude in der EU sind für rund 40 Prozent des Energieverbrauches und 36 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Daher ist es auch erklärtes Ziel der EU, die CO2-Emissionen des Gebäudesektors um rund 90 Prozent zu senken. „Die thermische Sanierung spielt eine wesentliche Rolle, um den Energieverbrauch der Gebäude in Europa deutlich zu senken. So erreicht man auch eine Reduktion der CO2-Emissionen, da die eingesetzte Energie derzeit zu einem großen Teil aus fossilen Brennstoffen wie Öl oder Kohle stammt. Mehr sanierte und energieeffiziente Gebäude bedeuten aber auch eine Verbesserung der Lebensqualität von tausenden Bürgerinnen und Bürgern in Mittel- und Osteuropa“, erklärt Andreas Hirtl, der die Österreichischen Energieagentur bei FinEERGo-Dom vertritt. Das Projekt wird von der EU im Rahmen des Horizon-2020-Programms finanziert. Die Österreichische Energieagentur setzt FinEERGo-Dom, gestartet im Juni 2019, gemeinsam mit neun Partnerorganisationen aus sechs Ländern (Polen, Lettland, Bulgarien, Niederland, Rumänien und der Slowakei) um.

Ziel: 340 Millionen Euro Investitionen, 1,5 Millionen m2 renoviert, 160 GWh Energie pro Jahr gespart

„Im Rahmen von FinEERGo-Dom wird ein Finanzierungsmechanismus entwickelt, der große Investitionen in Gebäudesanierung ermöglichen wird“, erklärt Hirtl. „Ziel ist es, in teilnehmenden Ländern innerhalb von vier Jahren 340 Millionen Euro an Investitionen auszulösen, 1,5 Millionen m2 zu renovieren und damit pro Jahr 160 GWh Energie einzusparen“, so Hirtl weiter. Die geplanten Einsparungen entsprechen also dem Strombedarf von rund 45.700 Haushalten*.
Das Potenzial für Energieeinsparungen und erneuerbare Energie ist insbesondere in Osteuropa groß, da in diesen Ländern bei Gebäuden, die vor den 90er-Jahren gebaut wurden, keine Energieeffizienzstandards erforderlich waren. Darüber hinaus müssen wegen der unterlassenen Instandhaltung 70 bis 90 Prozent der Gebäude renoviert werden.

Aufbauend auf den in Lettland bei der Einführung eines Finanzierungssystems gewonnenen Erfahrungen (LABEEF) wird das FinEERGo-Dom-Team sogenannte garantierte Finanzierungsmechanismen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien bei thermischen Sanierungen von Gebäuden in mehreren EU-Mitgliedstaaten einführen oder verbessern. Das Kerninstrument dabei ist die Onlineplattform SHAREX. Diese ist darauf ausgelegt, jede Transaktion von der ersten Idee bis zur Finalisierung zu verfolgen und gleichzeitig ein Höchstmaß an rechtlicher und finanzieller Sicherheit und Transparenz zu gewährleisten. Der Dialog mit unterschiedlichen Interessensgruppen, politischen Entscheidungsträgern und Parteien, die den Finanzierungsmechanismus in Anspruch nehmen, spielt eine wesentliche Rolle, um die jeweiligen Interessen und Bedürfnisse abzudecken.

Auf EU-Ebene wird die Bedeutung von Gebäuden im Rahmen der allgemeinen Energieeffizienzstrategie betont: Die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD, 2010/31/EU und ihre Ergänzung die EU-Richtlinie 2018/844/EU) unterstreicht die Vorbildfunktion von öffentlichen Gebäuden. Sie erfordert die Integration einer Sanierungsstrategie in die National Energy Efficiency Action Plans (NEEAPs) (EPBD, 2018/844/EU Artikel 2a). Die EU-Mitgliedstaaten müssen langfristige Renovierungsstrategien festlegen, die alle drei Jahre aktualisiert werden, um die Renovierung des nationalen Gebäudebestands, einschließlich Wohn- und Nichtwohngebäuden, zu unterstützen.