Insolvenz : Vorarlberger Bauunternehmen Haberl mit 18 Mio. Euro Passiva insolvent
Der Konkurs reiht sich in eine Reihe belastender Entwicklungen der vergangenen Wochen ein. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe ist angespannt – vor allem im Wohnbau, wo hohe Kosten auf eine rückläufige Nachfrage treffen.
- © FotoliaDas Landesgericht Feldkirch eröffnete am Freitag auf Eigenantrag das Konkursverfahren. Laut Angaben der Firma belaufen sich die Passiva auf rund 18 Millionen Euro, betroffen sind 33 Dienstnehmer. Ob der Betrieb fortgeführt werden kann, muss der Masseverwalter prüfen.
Ausbleibende Kundenzahlungen als Auslöser
Wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) mitteilt, gingen der Insolvenz Streitigkeiten bei einem Großprojekt voraus. Diese hätten zu erheblichen ausstehenden Kundenzahlungen geführt – und würden laut Unternehmen auch in naher Zukunft weitere Zahlungsausfälle erwarten lassen. Der daraus entstandene Liquiditätsengpass konnte intern nicht mehr abgefedert werden.
Geschäftsführer und beschränkt haftender Alleingesellschafter ist Helmut Haberl. Gläubiger können ihre Forderungen bis 5. Februar anmelden; die Berichts- und Prüfungstagsatzung ist für den 19. Februar angesetzt.
Investorenlösung scheiterte
Der Alpenländische Kreditorenverband (akv) ergänzt, dass Haberl Bau seit mehr als drei Jahrzehnten im Hoch- und Tiefbau tätig ist. Neben den ausbleibenden Zahlungen seien auch Gespräche mit potenziellen Investoren endgültig gescheitert. Die Löhne seien noch bis einschließlich November ausbezahlt worden.
Als Aktiva weist das Unternehmen rund 1,6 Mio. Euro aus, dazu kommen neun Liegenschaften. Laut akv gibt es aktuell 15 Gläubiger mit gesamt rund 18,8 Mio. Euro an Forderungen, davon gut 18 Mio. Euro Bankverbindlichkeiten.
Weitere Insolvenzen in Vorarlbergs Bauwirtschaft
Der Konkurs reiht sich in eine Reihe belastender Entwicklungen der vergangenen Wochen ein. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe ist angespannt – vor allem im Wohnbau, wo hohe Kosten auf eine rückläufige Nachfrage treffen.
Zuletzt mussten mehrere Unternehmen Insolvenz anmelden:
- Markus Tschohl Küchen GmbH (Eigenantrag, rund 3,7 Mio. Euro Passiva, 15 Dienstnehmer; Anfang November)
- Krista GmbH & Co KG, Feldkirch (Insolvenz auf Gläubigerantrag, Überschuldung über 1 Mio. Euro, 13 Beschäftigte; Ende November)
- Mangold Bau GmbH, Lochau (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, 17 Dienstnehmer, Verbindlichkeiten von 1,7 Mio. Euro; diese Woche)
Damit setzt sich der Trend steigender Insolvenzen im Bau- und Baunebengewerbe der Region fort.
„Da ist derzeit viel Sand im Getriebe“
Laut Nathaniel Heinritz, KSV-Standortleiter in Feldkirch, zählen Bau und Baunebengewerbe aktuell zu den drei am stärksten betroffenen Branchen Vorarlbergs. Gegen Jahresende sei eine deutliche Dynamik spürbar: „Die Nachfrage geht zurück, gleichzeitig bleiben die Baukosten hoch. Es wird weniger gebaut – das führt zu Liquiditätsengpässen.“
Das löse in vielen Fällen eine Kettenreaktion aus. Wenn Unternehmen weniger Aufträge erhalten und in der Folge ihre eigenen Lieferanten und Subunternehmen nicht mehr bedienen können, geraten auch deren Geschäftsmodelle unter Druck. Heinritz spricht von „viel Sand im Getriebe“ der regionalen Bauwirtschaft.
Einordnung für die Branche
Die Insolvenzentwicklung in Vorarlberg zeigt, wie sensibel die Bauwirtschaft auf Verschiebungen im Wohnbau reagiert – insbesondere in Phasen hoher Finanzierungskosten und weiterhin teurer Baumaterialien. Für 2026 wird branchenweit auf eine Stabilisierung gehofft. Kurzfristig bleibt jedoch entscheidend, ob Projekte wieder rasch angestoßen und Finanzierungen erleichtert werden.
Haberl Bau steht exemplarisch für die aktuelle Risikolage: hohe Abhängigkeit von Einzelprojekten, wachsende Forderungsausfälle und ein Umfeld, in dem Investorensuchen zunehmend scheitern.