Rekord-Auftragsbestände : Von 33 auf 36 Milliarden in drei Monaten: Was Strabags Rekord antreibt
Knapp 36 Milliarden Euro Auftragsbestand: STRABAG hat seinen Arbeitsvorrat binnen drei Monaten um weitere 2,9 Milliarden Euro erhöht. Besonders stark wächst das Segment International + Sondersparten.
- © STRABAGEine Rekordzahl allein erklärt selten, warum sie entsteht. Bei Strabag lohnt sich der Blick eine Ebene tiefer besonders, weil sich dort zeigt, dass der aktuelle Auftragsboom alles andere als gleichmäßig über den Konzern verteilt ist. Ein einzelnes Segment trägt den größten Teil des Wachstums, und das verändert langsam, aber sichtbar, welche Art von Bauwirtschaft Strabag in den kommenden Jahren betreibt.
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Drei Milliarden mehr in drei Monaten
Zum 30. Juni 2026 meldet Strabag einen Auftragsbestand von exakt 35,985 Milliarden Euro. Das sind 27 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 15 Prozent mehr als Ende 2025. Noch bemerkenswerter ist der kurzfristige Sprung: Zum 31. März 2026 lag der Bestand bei 33,063 Milliarden Euro, innerhalb eines einzigen Quartals kamen damit rund 2,922 Milliarden Euro dazu, ein Plus von rund 8,8 Prozent in nur drei Monaten.
Die starke Nachfrage im Infrastrukturbau, insbesondere in Deutschland und auf unseren internationalen Märkten, hat den Auftragsbestand auf einen neuen Rekordwert von 36 Milliarden Euro getrieben. Gleichzeitig setzt sich unser profitables Wachstum fort und führt zu einer weiteren Erhöhung der Ergebnisse.Stefan Kratochwill, CEO Strabag SE
Die Aktie reagierte deutlich: Am Tag der Veröffentlichung sprang der Kurs um rund 11,8 Prozent auf etwa 95,80 Euro und näherte sich damit dem bisherigen Allzeithoch aus dem Februar 2026.
Drei Viertel des Zuwachses kommen aus einem Segment
Der eigentlich interessante Befund liegt jedoch nicht in der Gesamtzahl, sondern in ihrer Herkunft. Von den insgesamt 7,619 Milliarden Euro, um die der Konzern-Auftragsbestand gegenüber Juni 2025 wuchs, stammen rund 5,727 Milliarden Euro aus einem einzigen Segment: International + Sondersparten. Rechnerisch entspricht das rund 75 Prozent des gesamten Zuwachses.
Das Segment selbst wuchs binnen zwölf Monaten von 6,811 auf 12,538 Milliarden Euro, ein Plus von 84 Prozent. Vor einem Jahr entfielen darauf rund 24 Prozent des gesamten Konzern-Auftragsbestands, heute sind es 34,8 Prozent, ein Anstieg um fast elf Prozentpunkte innerhalb von zwölf Monaten. International + Sondersparten ist damit beim Auftragsbestand inzwischen fast so groß wie das bislang dominierende Segment Nord + West: 14,748 Milliarden Euro stehen 12,538 Milliarden Euro gegenüber, Süd + Ost liegt mit 8,672 Milliarden Euro dahinter. Auch der längerfristige Vergleich zeigt das Tempo: Ende 2024 lag International + Sondersparten noch bei 5,505 Milliarden Euro, binnen anderthalb Jahren hat sich das Segment damit um rund 128 Prozent vergrößert, während der Gesamtkonzern im selben Zeitraum um rund 42 Prozent wuchs, das Segment wächst also ungefähr dreimal so schnell wie Strabag insgesamt.
Was in diesem Segment überhaupt steckt
Der Name klingt zunächst, als sammle Strabag dort schlicht sämtliche außereuropäischen Projekte. Tatsächlich ist die Zusammensetzung breiter: Neben dem Großteil des außereuropäischen Geschäfts, den weltweiten Tunnelbauaktivitäten sowie den Märkten Großbritannien, Australien und Italien gehören dazu unabhängig vom jeweiligen Land auch Infrastructure Development, Immobilien Development, Energy Infrastructure, Building Solutions sowie Strabag Hold Estate. Ein deutsches Tunnelprojekt kann damit ebenso in diesem Segment liegen wie ein australischer Bahnauftrag, „internationales Geschäft wächst um 84 Prozent" wäre deshalb eine zu grobe Übersetzung. Das Segment bildet nicht nur eine geografische Expansion ab, es zeigt auch, welche Geschäftsfelder Strabag strategisch stärker gewichtet, im Rahmen der Konzernstrategie 2030 sind das insbesondere Mobilitätsinfrastruktur, Energie- und Wasserinfrastruktur, High-Tech-Bauten sowie die Dekarbonisierung des Gebäudebestands.
Ein 3,5-Milliarden-Projekt aus dem Vorjahr treibt die aktuelle Zahl
Als einen der wesentlichen Gründe für den 84-Prozent-Sprung nennt Strabag ausdrücklich das britische Haweswater Aqueduct Resilience Programme, kurz Harp. Das Projekt wurde jedoch bereits im August 2025 vergeben, nicht 2026. Der scheinbare Widerspruch löst sich über den Vergleichsstichtag auf: Am 30. Juni 2025 war Harp noch nicht im Auftragsbestand enthalten, ein Jahr später ist ein großer Teil davon noch nicht abgearbeitet und deshalb weiterhin präsent, ein klassisches Beispiel dafür, dass ein wachsender Auftragsbestand nicht automatisch bedeutet, dass all diese Aufträge im aktuellen Berichtszeitraum gewonnen wurden.
Das Projektvolumen von Harp liegt bei rund drei Milliarden Pfund beziehungsweise etwa 3,5 Milliarden Euro, diese Zahl beschreibt das Gesamtvolumen des Konsortialprojekts, nicht automatisch den Strabag-eigenen Auftragsbestand daraus. Modernisiert wird ein 110 Kilometer langes Wasserleitungssystem im Nordwesten Englands, dabei werden sechs Tunnelabschnitte mit insgesamt rund 50 Kilometern Länge ersetzt. Strabag UK verantwortet Planung und Bauausführung, für die Bauphase sind rund neun Jahre vorgesehen, der Gesamtauftrag umfasst zusätzlich Finanzierung und eine 25-jährige Instandhaltungsphase und soll langfristig die Wasserversorgung von rund 2,5 Millionen Menschen sichern.
Was tatsächlich 2026 neu dazukam
Neben Harp gewann Strabag im ersten Halbjahr 2026 eine Reihe konkreter neuer Aufträge. In Deutschland zählen dazu mehrere Vergabepakete des Pfaffensteigtunnels, rund elf Kilometer lang und zweiröhrig, davon etwa 9,8 Kilometer im maschinellen Vortrieb mit zwei Tunnelbohrmaschinen, sowie der Ersatzneubau der Schleuse Erlangen am Main-Donau-Kanal, gemeinsam mit Züblin, mit einem Auftragsvolumen von 380 Millionen Euro, dazu die Korridorsanierung Lehrte–Oebisfelde auf der Strecke Hannover–Berlin. In Chile kamen rund 800 Millionen Euro für Mining-Infrastruktur dazu, in Australien mehr als 490 Millionen Euro neue Bahnaufträge, im Straßen- und Bahnbau Osteuropas Projekte im Gesamtwert von mehr als einer Milliarde Euro.
54 Kilometer Tunnel unter einer chilenischen Kupfermine
In Chile hat die Strabag-Tochter Züblin zwei Großaufträge für die Untertagemine Chuquicamata Mina Norte erhalten, Gesamtvolumen rund 800 Millionen Euro. Gebaut werden mehr als 54 Kilometer Tunnel sowie zusätzliche unterirdische Infrastruktur, rund 1.200 Beschäftigte sollen für die Umsetzung mobilisiert werden, Fertigstellung ist für 2031 vorgesehen. Strabag nennt diese Mining-Aufträge im Halbjahresbericht ausdrücklich als wesentlichen Auftragseingang des ersten Halbjahrs. Chile ist dabei kein neu erschlossener Markt: Züblin ist dort laut Unternehmensangaben seit fast vier Jahrzehnten tätig und war bereits bei mehreren großen Mining- und Energieprojekten aktiv, im Halbjahresbericht bezeichnet Strabag Chile ausdrücklich als einen der etablierten internationalen Märkte mit erwartet guter Auslastung durch Mining.
Vom Zukauf zum Milliarden-Auftragsbestand in Australien
Deutlich jünger ist die Entwicklung in Australien. Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025 kaufte Strabag die australische Georgiou Group für rund 140 Millionen Euro, das Unternehmen brachte damals eine jährliche Leistung von rund 790 Millionen Euro mit. Ende 2025 steuerte Australien bereits rund 793 Millionen Euro zum Strabag-Auftragsbestand bei. 2026 folgte der entscheidende zweite Schritt: Im Juni meldete Strabag mehr als 490 Millionen Euro neue Bahnaufträge für Georgiou, darunter die Greenfield- und Brownfield-Pakete der ersten Phase von The Wave in Queensland, unter anderem 19 Kilometer zweigleisige Bahnstrecke zwischen Beerwah und Caloundra. Mit diesen neuen Aufträgen überschritt der Auftragsbestand von Georgiou erstmals eine Milliarde Euro, Kaufpreis und Auftragsbestand sind wirtschaftlich zwar nicht direkt vergleichbar, als Größenordnung zeigt der Sprung aber deutlich, warum Strabag Australien als Wachstumsmarkt bezeichnet. The Wave gehört zur langfristigen Infrastrukturstrategie Queenslands im Zusammenhang mit den Olympischen und Paralympischen Spielen Brisbane 2032, Strabag erwartet dort zwischen 2026 und 2030 zusätzliche Nachfrage durch Mobilitäts- und Energieinfrastruktur, Mining und olympiabedingte Investitionen.
Nicht die Übernahmen treiben den Boom
Bei so vielen internationalen Zukäufen liegt eine Erklärung nahe: Strabag kauft sich sein Wachstum zusammen. Genau das bestätigen die Zahlen aber nicht. Strabag schreibt im Halbjahresbericht ausdrücklich, das starke Wachstum des Auftragsbestands sei überwiegend durch neu gewonnene Projekte getragen worden, Übernahmen hätten nur einen untergeordneten Einfluss gehabt. Das unterscheidet 2026 deutlich von der Situation ein Jahr zuvor: 2025 war Georgiou noch ein deutlicher Konsolidierungseffekt, rund die Hälfte des damaligen Leistungswachstums des Konzerns ging laut Strabag auf die australische Übernahme zurück. 2026 spricht der Konzern beim Auftragsbestand dagegen ausdrücklich von überwiegend organischem Projektgewinn, ein Hinweis darauf, dass die Expansionsstrategie allmählich von der Kaufphase in die Wachstumsphase übergeht.
Wasser statt nur Straße
Die Übernahmen verändern trotzdem, was Strabag fachlich anbietet. Am 2. März 2026 schloss der Konzern die Übernahme der WTE Wassertechnik GmbH von EVN ab, rund 550 Mitarbeiter, ein zusätzliches jährliches Leistungsvolumen im Bereich Wasserinfrastruktur von rund 300 Millionen Euro. Wichtiger als die reine Größenordnung ist die Wertschöpfungskette: WTE erweitert das bestehende Baugeschäft um Engineering, Prozesstechnik, Anlagenbau, langfristigen Betrieb, Modernisierung und Lifecycle-Management. Am 15. Juni 2026 übernahm Strabag UK zusätzlich den britischen Spezialtiefbau- und Geotechnikspezialisten Van Elle, 2025 rund 150 Millionen Euro Umsatz und mehr als 600 Beschäftigte, mit zusätzlicher Wertschöpfungstiefe in Hochbau, Wasserinfrastruktur, Energieinfrastruktur und Geotechnik. Aus einem klassischen Bauunternehmen wird im Wasserbereich zunehmend ein Anbieter, der Projekte von der Entwicklung über den Bau bis zum Betrieb begleiten kann.
Deutschland bleibt größer
Bei aller internationalen Dynamik darf ein Punkt nicht untergehen: Nord + West besitzt mit 14,748 Milliarden Euro weiterhin den größten Auftragsbestand aller drei Segmente, vor International + Sondersparten. Deutschland ist innerhalb dieses Segments mit Abstand der wichtigste Markt, mit Wachstumsfeldern in Energieinfrastruktur, Bahnbau, Brückenbau sowie öffentlichem und privatem Hochbau. Die richtige Beschreibung ist deshalb nicht, dass sich Strabag aus Europa ins Ausland verlagert, sondern dass der Konzern neben seinem starken mitteleuropäischen Kern zusätzliche internationale und spezialisierte Wachstumssäulen aufbaut.
Und Deutschland verdient gerade am meisten
Ein weiterer Kontrast zeigt sich beim Ergebnis. Während der Auftragsbestand von International + Sondersparten um 84 Prozent wuchs, sank das Segment-EBIT von 126,89 auf 79,47 Millionen Euro, ein Rückgang um 37 Prozent. Strabag erklärt das vor allem mit einer 50-Millionen-Euro-Firmenwertabschreibung im Zusammenhang mit einer Akquisition, bereinigt um diesen Effekt habe das Segment einen soliden Ergebnisbeitrag geliefert, mit höheren Beiträgen unter anderem aus Infrastruktur- und Immobilienprojektentwicklung sowie Building Solutions. Die internationalen Großprojekte werden dadurch nicht automatisch unprofitabler, das lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten.
Nord + West dagegen verzeichnete ein EBIT-Plus von 119 Prozent, von 83,38 auf 182,28 Millionen Euro, Strabag führt das ausdrücklich auf höhere Ergebnisbeiträge aus Mobilitäts- und Energieinfrastruktur zurück. Die künftige Pipeline wird also zunehmend internationaler und spezialisierter, der aktuelle Ergebnisboom bleibt dagegen stark deutsch geprägt, zwei unterschiedliche Zeitdimensionen desselben Konzerns.
Österreich wächst, treibt aber nicht den Rekord
Auch der Heimatmarkt trägt zum Auftragswachstum bei, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab. Strabag nennt Österreich unter den Ländern mit spürbarem Auftragszuwachs im ersten Halbjahr, insbesondere im Wohnungsbau und in der Energieinfrastruktur, im Segment Süd + Ost zählen Österreich, Slowenien und Polen zu den stärksten Wachstumsmärkten. Das Segment insgesamt wuchs beim Auftragsbestand jedoch nur um zwei Prozent, ganz klar nicht der Motor des 36-Milliarden-Sprungs. Im Ausblick für 2026 spricht Strabag für Österreich lediglich von einer weitgehenden Stabilisierung der Bauleistung, als Belastungen nennt der Konzern weiterhin schwachen Wohnungsbau, verhaltene Industrieinvestitionen, angespannte Gemeindebudgets und staatliche Sparmaßnahmen im Verkehrswegebau, auch die Mitarbeiterzahl ging in Österreich zurück. Der Konzernrekord entsteht damit ausdrücklich nicht, weil der Heimatmarkt boomt, Strabag kann Schwäche in einzelnen Märkten durch seine geografische und fachliche Breite überkompensieren.
Was 36 Milliarden Euro wirklich bedeuten
So groß die Zahl wirkt, sie ist weder Umsatz noch Gewinn. Strabag erzielte im ersten Halbjahr 2026 eine Leistung von 9,983 Milliarden Euro sowie einen Konzernumsatz von 9,148 Milliarden Euro, der Auftragsbestand von 35,985 Milliarden Euro ist davon strikt zu unterscheiden: Leistung beschreibt die wirtschaftlich erbrachte Bauleistung inklusive anteiliger Arge-Leistungen, Umsatz die im Konzernabschluss erfassten Erlöse, der Auftragsbestand den noch nicht abgearbeiteten, vertraglich gesicherten Arbeitsvorrat.
Damit haben wir uns bereits eine gute Grundauslastung bis in das Jahr 2028 hinein gesichert.Stefan Kratochwill, CEO Strabag SE
Rein rechnerisch entsprechen 35,985 Milliarden Euro etwa dem 1,56-Fachen der neuen Jahresleistungsprognose von knapp 23 Milliarden Euro, daraus lässt sich aber nicht ableiten, Strabag habe exakt 18 oder 19 Monate Arbeit vor sich, dafür laufen die einzelnen Projekte zu unterschiedlich lange, während gleichzeitig ständig neue Aufträge hinzukommen und bestehende abgearbeitet werden. Die belastbare Aussage bleibt die Grundauslastung bis 2028.
Die Prognose ist stärker als noch im Frühjahr
Im ersten Quartal hatte Strabag noch mit rund 22 Milliarden Euro Leistung und einer EBIT-Marge von 5,0 bis 5,5 Prozent gerechnet. Nach sechs Monaten wurde die Prognose auf eine Leistung nahe 23 Milliarden Euro sowie 5,5 bis 6,0 Prozent EBIT-Marge angehoben. Die Leistung des Konzerns stieg im ersten Halbjahr um 12 Prozent auf 9,983 Milliarden Euro, erstmals meldet Strabag zur Jahresmitte eine Leistung von rund zehn Milliarden Euro. Im ersten Quartal hatte das Wachstum wegen eines kälteren Jahresauftakts trotzdem nur bei vier Prozent gelegen, im zweiten Quartal nahm die Dynamik deutlich zu, getragen vor allem von Impulsen aus der Energie- und Bahninfrastruktur in Deutschland, zusätzliche Zuwächse kamen aus Großbritannien, Tschechien und Kroatien. Auch beim Ergebnis zeigt sich derselbe Trend: Das EBITDA stieg um 30 Prozent auf 560,09 Millionen Euro, das EBIT um 35 Prozent auf 174,43 Millionen Euro, das Konzernergebnis nach Minderheiten um 25 Prozent auf 119,06 Millionen Euro, bei einer soliden Netto-Cash-Position von 2,61 Milliarden Euro.
Deutschlands geplantes 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen sieht Strabag dabei als bedeutenden langfristigen Wachstumsfaktor, macht aber zugleich klar, dass größere Effekte aus zusätzlichen staatlichen Investitionsprogrammen wegen Planungs-, Vergabe- und Genehmigungszeiten erst nach und nach in Bauleistung übersetzt werden. Der aktuelle Rekord beruht damit weitgehend auf bereits bestehenden Investitionszyklen und konkret vergebenen Projekten, nicht auf politisch erst angekündigten Milliarden.
Wo Strabag in den kommenden Jahren bauen will
Vor einem Jahr lag erst knapp ein Viertel des Strabag-Auftragsbestands in International + Sondersparten, heute ist es mehr als ein Drittel. Deutschland bleibt der größte und aktuell profitabelste Kernmarkt, gleichzeitig verschiebt sich der Arbeitsvorrat des Konzerns sichtbar in Richtung internationaler Infrastruktur, Wasser, Energie, Tunnelbau und Mining. Die 35,985 Milliarden Euro sind deshalb nicht nur ein Rekord, sie zeigen, wo Strabag in den kommenden Jahren bauen will.
FACTBOX: Strabag – Halbjahr 2026
Stichtag: 30. Juni 2026
Auftragsbestand: 35,985 Mrd. Euro
- Veränderung ggü. Juni 2025: +27 %
- Veränderung ggü. Ende 2025: +15 %
- Auftragsbestand Ende März 2026: 33,063 Mrd. Euro
- Zuwachs allein im 2. Quartal: rund 2,922 Mrd. Euro
Leistung 6M/2026: 9,983 Mrd. Euro (+12 %)
Umsatz: 9,148 Mrd. Euro (+15 %)
EBITDA: 560,09 Mio. Euro (+30 %)
EBIT: 174,43 Mio. Euro (+35 %)
Konzernergebnis nach Minderheiten: 119,06 Mio. Euro (+25 %)
Netto-Cash-Position: 2,61 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 80.923 Vollzeitäquivalente
Guidance 2026: Leistung nahe 23 Mrd. Euro (zuvor rund 22 Mrd.), EBIT-Marge 5,5–6,0 % (zuvor 5,0–5,5 %)
Grundauslastung laut Strabag: bis 2028
Segmente (Auftragsbestand)
- Nord + West: 14,748 Mrd. Euro (+13 % YoY), EBIT 182,28 Mio. Euro (+119 %)
- Süd + Ost: 8,672 Mrd. Euro (+2 % YoY)
- International + Sondersparten: 12,538 Mrd. Euro (+84 % YoY), EBIT 79,47 Mio. Euro (–37 %, u. a. wegen 50-Mio.-Firmenwertabschreibung)
- Anteil International + Sondersparten am YoY-Gesamtzuwachs: rechnerisch rund 75 %
- Anteil International + Sondersparten am Konzern-Auftragsbestand: rund 35 % (Vorjahr: rund 24 %)
Wichtige Wachstumstreiber 2026
- Harp (Großbritannien): Projektvolumen rund 3,5 Mrd. Euro, vergeben August 2025, 110 km Wasserleitungssystem, rund 50 km neue Tunnel, rund 9 Jahre Bauphase plus 25 Jahre Instandhaltung
- Chuquicamata Mina Norte (Chile, Züblin): rund 800 Mio. Euro, mehr als 54 km Tunnel, rund 1.200 Beschäftigte, Fertigstellung 2031
- Georgiou/The Wave (Australien): mehr als 490 Mio. Euro neue Bahnaufträge, Georgiou-Auftragsbestand erstmals über 1 Mrd. Euro
- Osteuropa: Straßen-/Bahnbauprojekte über mehr als 1 Mrd. Euro
- Deutschland: Pfaffensteigtunnel (rund 11 km, davon rund 9,8 km TBM-Vortrieb, mit Züblin), Schleuse Erlangen (380 Mio. Euro, mit Züblin), Korridorsanierung Lehrte–Oebisfelde
Übernahmen 2026
- WTE Wassertechnik (von EVN, abgeschlossen 2. März 2026): rund 550 Mitarbeiter, rund 300 Mio. Euro zusätzliche Jahresleistung Wasserinfrastruktur
- Van Elle (Großbritannien, übernommen 15. Juni 2026): rund 150 Mio. Euro Umsatz 2025, mehr als 600 Beschäftigte
- laut Strabag nur untergeordneter Treiber des Auftragsbestand-Zuwachses, Haupttreiber sind neu gewonnene Projekte
Marktreaktion: Aktienkurs +11,79 % auf rund 95,80 Euro am Tag der Veröffentlichung, nahe am Allzeithoch (Februar 2026: 97,40 Euro)