Die Bauwirtschaft in der Steiermark steckt in einer tiefen Krise. Während im Tiefbau öffentliche Aufträge noch eine gewisse Stabilität sichern, herrscht im Hochbau und in der Sanierung Flaute. Besonders der abrupte Förderstopp hat zu einem massiven Einbruch im Hochbau und der Sanierung geführt.
Wie geht es der Baubranche in der Steiermark? Was läuft anders als in anderen Bundesländern und warum?
Michael Stvarnik: Offen gesagt: Schlecht. So wie es der gesamten Baubranche in Österreich geht. Ausgenommen davon ist der Tiefbau, der einigermaßen konstant läuft. Aber dort sind wenig Beschäftigte zu finden. Das Gros der Beschäftigten findet sich im Hochbau und in der Sanierung, und dort läuft es schlecht. In der Steiermark wurden die Sonderbundesförderungsmittel für den Geschoßwohnbau auf der einen Seite zwar abgeholt und sind in Umsetzung, auf der anderen Seite wurde durch den überraschenden Förderstopp der Eigenheimförderung und der Sanierungen ein Stillstand in diesen Bereichen verursacht, der jede Hoffnung auf Besserung im Keim erstickt. Dazu kommt, dass es in der Steiermark förderpolitisch nicht gewollt ist, Eigentumsschaffung über private Bauträger zu unterstützen – das muss einem zu denken geben, da 60 % des Wohnbedarfs über private Bauträger gedeckt werden.
Das alles zusammen ist für die Bauwirtschaft belastend und wird eine wirtschaftliche Erholung der steirischen Bauwirtschaft in weite Ferne rücken.
Wie läuft das Baugeschehen in der Steiermark? In welchen Bereichen passiert viel und wo stockt es?
Stvarnik: Wirklich viel passiert nirgends … Im Tiefbau, also im Straßen- und im Leitungsbau, wird annähernd das Bauvolumen, das wir haben gehalten. Konjunkturmotorprojekte gibt es im Tiefbau aber keine. Die meisten Beschäftigten sind jedoch im Hochbau und der Sanierung tätig – und dort wurde alles eingebremst, denn welcher Bauherr errichtet jetzt noch sein Wohnhaus, welche Eigentümergemeinschaft dämmt jetzt noch ihre Fassaden, wenn Förderungen plötzlich eingestellt werden, neue Förderungen in Aussicht gestellt werden und nichts geschieht ? Mit Vollbremsungen wie diesen ist es dem Land leider gelungen, der steirischen Bauwirtschaft enormen Schaden zuzufügen.