Immobilien : Sensibles Temperieren bei Gebäudekühlung
Historische Abbildungen des Architekten und Zeichners Carl Schütz (1745 - 1800) zeigen, dass Beschattungsmaßnahmen schon lange Teil des Wiener Stadtbilds sind.
- © Carl Schütz / BVSTEs ist ja nicht so, dass derzeit international und national alles eitel Wonne wäre. Im Gegenteil. Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Großwetterlage auf Mutter Erde ging der „Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel“, den das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft präsentierte, ziemlich unter.
Das, obwohl das Dokument darlegt, dass die Erderwärmung die Alpenrepublik besonders hart trifft. So stieg hierzulande seit 1900 die Temperatur um etwa 3,1 Grad Celsius; mehr als doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt. Drängender denn je rückt das Thema Gebäudekühlung in den Fokus. Um den Klimawandel nicht noch mehr anzuheizen, soll sie möglichst energiesparend und CO2-neutral erfolgen. Passives Kühlen lautet das Zauberwort.
Beschatten und Begrünen
Zum einen geht es um – sinnvollerweise – außenliegende Beschattungsmaßnahmen. Der Bundesverband Sonnenschutztechnik verweist in diesem Zusammenhang auf aktuelle Untersuchungen, laut denen Fassadenmarkisen, Raffstores und Rollläden nicht nur das Raumklima verbessern, sondern auch den Wohnwert von Immobilien messbar steigern können.
Zu den passiven Kühlmaßnahmen zählt weiters die Bauwerksbegrünung, also die sachgerechte Bepflanzung von Dächern, Fassaden und Innenwänden. Sie steigert darüber hinaus vor allem im urbanen Raum die Aufenthaltsqualität und liefert unter anderem in Form des Vor-Ort-Regenwasserrückhalts einen großen ökologischen Vorteil. Der Pferdefuß: Begrünungen stehen häufig mit Brandschutznormen in Konflikt.
Die Nutzung von Abwasser
Eine aktive Kühlmaßnahme ist die klassische Klimaanlage, die angesichts ihres Energiehungers das ursprüngliche Problem, also die Erderwärmung, in der Regel verschärft. Doch es gibt CO2-schonende Alternativen.
Beispielsweise die energetische Nutzung von Abwasser, das EU-weit seit Ende 2018 als erneuerbarer Energieträger anerkannt ist. Sie kann mittels Wärmetauscher und Wärmepumpensysteme zum Kühlen, aber auch zum Heizen von Gebäuden zum Einsatz kommen.
Die Temperatur des Abwassers in Kanälen ist ganzjährig relativ hoch und gleichzeitig konstant. In Wien beträgt sie im Jahresdurchschnitt 16 Grad Celsius und purzelt selbst in den Wintermonaten nur selten unter elf Grad. Damit liegt die Ausgangstemperatur wesentlich höher als etwa bei Grundwasser oder Erdwärme, weswegen die Energieausbeute deutlich höher ausfällt.
Bereits 2006 aktivierte Wien Kanal eine Anlage zur Energiegewinnung aus Abwasser aus dem öffentlichen Kanalnetz. Die Rabmer Gruppe, ein oberösterreichisches Familienunternehmen, stellte die Technik bereit. Im Kanal wurden rinnenförmige Wärmetauscher eingebaut und in dem zu beheizenden Gebäude eine Wärmepumpe installiert. Ein Wasserkreislauf verbindet die beiden Komponenten. Das über den Wärmetauscher fließende Abwasser erwärmt den Wasserkreislauf, der anschließend durch die Wärmepumpe auf das benötigte Temperaturniveau gebracht wird. Ein Gebäude, dem auf diese Art Kühlung widerfährt, ist das Mixed-Use-Objekt Vio Plaza in der Schönbrunner Straße in Wien-Meidling. Cool – im wahrsten Sinn des Wortes – wäre es, wenn es mehr werden.