Kraftwerksbau in Oberösterreich : 167 Millionen Euro: Wie Porr Oberösterreichs „grüne Batterie" in den Berg baut

Der Ausbruch der unterirdischen Kraftwerkskaverne ist abgeschlossen. Der rund 53 Meter lange, 26 Meter breite und 41 Meter hohe Hohlraum nimmt später die Maschinensätze auf.
© Energie AG

Von außen deutet am Fuß des Großen Sonnsteins wenig auf die Dimension dessen hin, was sich im Inneren des Bergs abspielt. Wo Ausflügler im Sommer den Blick auf den Traunsee genießen, haben sich Mineure über Monate durch den Fels gearbeitet, bis ein Hohlraum entstand, den die Energie AG selbst mit der Größe der Kirche von Ebensee vergleicht. Mit dem Ende dieses Ausbruchs beginnt für das Projekt eine neue Phase.

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Eine Kirche im Berg

Die Kraftwerkskaverne liegt unterirdisch am Fuß des Großen Sonnsteins. Nach dem Mitte Juni 2026 veröffentlichten Baustellenstand der Energie AG ist ihr Ausbruch abgeschlossen, mit den genannten Abmessungen von rund 53 Metern Länge, 26 Metern Breite und 41 Metern Höhe. Der unterirdische Hohlraum erreicht damit ungefähr die Größe der Kirche von Ebensee, wie ihn die Energie AG selbst beschreibt.

Fertig ist der Kraftwerksbereich damit aber nicht. Es laufen die Sicherung des Gebirges und des Hohlraums, dazu haben die ersten Beton- und Stahlbauarbeiten begonnen, die in den kommenden Monaten weiter intensiviert werden sollen. Mit dem letzten Ausbruch ist der Hohlraum vorhanden, zum Kraftwerk wird er aber erst durch Beton, Stahl und die noch einzubauende Maschinentechnik.

Hoch über Ebensee entsteht ein Speicherbecken mit rund 1,32 Millionen Kubikmetern Nutzinhalt. Es bildet das obere Ende des neuen Pumpspeichersystems.

- © Energie AG

Was Porr für 167 Millionen Euro baut

Die Energie AG investiert nach ihrem derzeitigen Stand fast eine halbe Milliarde Euro in das gesamte Pumpspeicherkraftwerk, in älteren Projektangaben waren es rund 450 Millionen Euro. Das Auftragsvolumen von Porr beträgt davon rund 167 Millionen Euro, eine Zahl, die den Bau- und Untertagebauauftrag beschreibt, nicht die gesamte Anlage.

Zum bestätigten Leistungsumfang von Porr gehören Erdarbeiten, Ingenieurbauarbeiten, Tunnel- und Stollenbau, die Herstellung der unterirdischen Kraftwerkskaverne, Ausbruch und Sicherung unterirdischer Hohlräume, Betonarbeiten im Kraftwerksbereich, die Errichtung von zwei vertikalen Lotschächten, der Ausbruch eines rund 60 Grad geneigten Druckschachts, die Herstellung des Auslaufbauwerks am Traunsee sowie die erforderliche Infrastruktur für den späteren Kraftwerksbetrieb. Porr selbst bezeichnet das Projekt als Kombination aus Kraftwerksbau, Tunnelbau und Erdbau, weder ein reiner Tunnel noch ein reines Kraftwerksgebäude.

14 Meter Stahl für den Druckstollen

Seit einigen Wochen werden große Stahlbauteile über die Langbathstraße zur Baustelle transportiert. Die einzelnen Rohrabschnitte sind 14 Meter lang und 3,2 Meter im Durchmesser. Auf der Baustelle werden sie in den Druckstollen eingebracht, an ihrer vorgesehenen Stelle positioniert, miteinander verschweißt und anschließend außen mit Beton vergossen.

Die Rohre werden also nicht einfach in einen bereits fertigen Tunnel gelegt. Rohrleitung, Stahlbau und Betoninnenschale werden zu einem auf hohen Wasserdruck ausgelegten System verbunden, das Wasser aus dem fast 500 Meter höher gelegenen Speicher kontrolliert zur Maschine führen muss. Entsprechend wichtig sind Stahlpanzerung, Verbindungen und Betonummantelung. Wie viele Rohrsegmente bereits eingebaut sind, ist öffentlich nicht dokumentiert, der aktuelle Stand beschreibt laufende Transporte und Montagearbeiten.

Millimeterarbeit auf der Ortsdurchfahrt: Die angelieferten Druckrohre sind jeweils rund 14 Meter lang und haben einen Durchmesser von 3,2 Metern.

- © Energie AG

491 Meter zwischen Speicher und Traunsee

Das Kraftwerk verbindet zwei stark unterschiedliche Höhenlagen. Als Unterbecken dient der Traunsee, der Oberwasserspeicher entsteht im Rumitzgraben, dazwischen liegt eine Bruttofallhöhe von 491 Metern. Zum Wasserweg gehören das Einlaufbauwerk am Oberwasserspeicher, ein Druckstollen, ein Wasserschloss, der rund 60 Grad geneigte und etwa 440 Meter lange Druckschacht, die Kraftwerkskaverne, ein Unterwasserstollen, der Schieberschacht sowie das Ein- und Auslaufbauwerk im Traunsee.

Nach Angaben der Energie AG besteht der obere Triebwasserweg aus einem rund 864 Meter langen Druckstollen und dem Wasserschloss, das Druckschwankungen im Wasserweg ausgleicht. Der 1.200 Meter lange Energieableitungsstollen von der Kaverne zum künftigen 110-kV-Schaltwerk wurde bereits im Juni 2025 fertiggestellt, er dient nicht der Wasserführung, sondern der elektrischen Verbindung des unterirdischen Kraftwerks mit dem Stromnetz. Triebwasserweg und Energieableitungsstollen sind damit zwei getrennte Systeme: eines transportiert Wasser, das andere führt Strom aus dem Berg.

So speichert Wasser überschüssigen Strom

Das Pumpspeicherkraftwerk erzeugt nicht aus sich heraus zusätzliche Energie, es speichert elektrische Energie mithilfe von Wasser. Bei Stromüberschuss bezieht die Anlage Strom, die Maschine arbeitet im Pumpbetrieb, Wasser wird aus dem Traunsee in den höher gelegenen Speicher gepumpt, die elektrische Energie wird als Lageenergie des Wassers gespeichert. Bei hohem Strombedarf fließt das Wasser durch den Druckschacht zurück, die Maschine arbeitet als Turbine, der Generator speist Strom ins Netz ein, das Wasser gelangt wieder in den Traunsee.

Wenn wir zu wenig Strom haben, lässt man etwas wieder hinunter, damit wir wieder Strom haben. Das ist wie ein Stromherz für Oberösterreich.
Markus Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender Energie AG

Die wesentlichen Leistungsdaten: 170 Megawatt im Turbinenbetrieb, bis zu 150 Megawatt im Pumpbetrieb, 1,32 Millionen Kubikmeter Speicherinhalt an Wasser, zehn Stunden Stromerzeugung unter Volllast, dazu eine reversible, drehzahlvariable Pumpturbine. Die Anlage soll flexibel auf Unterschiede zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch reagieren, gerade Wind- und Solarstrom fallen nicht zwingend dann an, wenn der Verbrauch besonders hoch ist. Die Bezeichnung „grüne Batterie" stammt von der Energie AG. Die Maschinentechnik liefert im Wesentlichen Andritz, mit einer drehzahlvariablen Pumpturbine, dem Motorgenerator sowie wesentlichen elektrischen und steuerungstechnischen Komponenten, Porr ist damit nicht Errichter der gesamten elektromechanischen Anlage.

Zwischen Oberwasserspeicher und Traunsee liegen 491 Meter Fallhöhe. Das beim Aushub gewonnene Material wird direkt auf der Baustelle für den Dammbau weiterverwendet.

- © Christoph Kuschej / Laabmayr ZT GmbH

Wenn ein Kraftwerksbauteil zum Schiff wird

Der ungewöhnlichste Transport des Projekts führt allerdings weder durch einen Tunnel noch über die Langbathstraße. Das Auslaufbauwerk für den Traunsee soll nicht direkt an seinem endgültigen Standort montiert werden, die tonnenschwere Stahlkonstruktion wird nach den veröffentlichten Bauangaben am gegenüberliegenden Seeufer gefertigt.

Danach ist ein ungewöhnlicher Ablauf geplant: Die Stahlkonstruktion wird am anderen Ufer fertiggestellt, ähnlich wie ein Schiff zu Wasser gelassen, anschließend über den Traunsee gezogen. Erst dort gelangt sie an ihre endgültige Position. Dieser Vorgang ist als Bauablauf vorgesehen, noch nicht erfolgt.

Der Berg liefert Material für seinen eigenen Damm

Nach dem Auslaufbauwerk folgt die zweite bautechnische Besonderheit des Projekts. Das beim Ausbruch und bei den Arbeiten am Oberwasserspeicher gewonnene Material wird direkt für die Schüttung des Hauptdamms verwendet. Ein erheblicher Teil des Materials muss dabei nicht erst über lange Strecken zur Baustelle gebracht werden.

Nach Projektkonzept bringt das mehrere Vorteile: Weniger Material muss von außen angeliefert werden, das Ausbruchmaterial bleibt Teil des Bauwerks, Transporte durch die touristisch geprägte Region werden reduziert, Materialgewinnung und Dammbau sind unmittelbar miteinander verbunden. Gesichert ist die direkte Nutzung geeigneten gewonnenen Materials, nicht dass sämtliches Ausbruchmaterial vollständig und ohne Aufbereitung verwendet wird.

Der Hauptdamm des Oberwasserspeichers im Rumitzgraben erreicht dabei selbst beachtliche Dimensionen: rund 81 Meter Höhe, rund 287 Meter Kronenlänge und rund 1,06 Millionen Kubikmeter Schüttvolumen. Mit Stand Mitte Juni 2026 konzentrieren sich die Arbeiten dort auf die Gewinnung und den Einbau des benötigten Materials sowie die Leitungsverlegung entlang der Forststraßen.

Mit dem Spatenstich 2023 begann die Umsetzung des Kavernenkraftwerks. Zum Auftrag von Porr gehören unter anderem Tunnel, Stollen, zwei senkrechte Schächte und der geneigte Druckschacht.

- © Porr AG

Fast alles verschwindet im Berg

Der zentrale Kraftwerksbetrieb findet unterirdisch statt. An der Oberfläche bleiben vor allem der Oberwasserspeicher, die dazugehörigen Betriebsbauwerke, Anlagen am Traunsee sowie Teile der elektrischen Netzanbindung sichtbar.

Man wird eigentlich nur mehr den Oberspeicher sehen, und wir können mit diesem Pumpspeicherkraftwerk den Sonnenstrom, den Windstrom, der in Oberösterreich erzeugt wird, hier speichern.
Leonhard Schitter, Generaldirektor Energie AG

Bereits 2023 wurden entlang des Projektgebiets Amphibienschutzzäune errichtet und Tiere aus dem Baufeld abgesiedelt, eine der ökologischen Begleitmaßnahmen des Bauvorhabens.

Probebetrieb ab Ende 2027

Die Vorarbeiten begannen im Oktober 2023, Porr sieht den Probebetrieb für Ende 2027 vor, die angegebene Projektdauer reicht bis Februar 2028. Ende 2027 soll also der Probebetrieb beginnen, die Projektabwicklung reicht nach den derzeit veröffentlichten Angaben bis Anfang 2028, der reguläre Netzbetrieb folgt damit im Jahr darauf.

FACTBOX: Pumpspeicherkraftwerk Ebensee

Projekt: Pumpspeicherkraftwerk Ebensee
Standort: Ebensee am Traunsee, Oberösterreich
Bauherr: Energie AG Oberösterreich Erzeugung
Bauauftragnehmer: Porr Bau
Aufgabe von Porr: Kavernen-, Tunnel-, Stollen-, Schacht-, Erd- und Ingenieurbau sowie das Auslaufbauwerk am Traunsee
Maschinentechnik: im Wesentlichen Andritz

Kosten

  • Porr-Auftragsvolumen: rund 167 Mio. Euro
  • Gesamtinvestition Energie AG: fast eine halbe Milliarde Euro

Anlagenkonzept: unterirdisches Pumpspeicherkraftwerk zwischen Traunsee (Unterbecken) und Oberwasserspeicher im Rumitzgraben (Oberbecken)
Leistung: 170 MW im Turbinenbetrieb, bis zu 150 MW im Pumpbetrieb
Speicher: 1,32 Mio. m³ Wasser, ausgelegt auf zehn Volllaststunden
Fallhöhe: 491 m

Kraftwerkskaverne: rund 53 × 26 × 41 m, Ausbruch abgeschlossen (Stand Mitte Juni 2026)
Druckschacht: rund 60° geneigt, rund 440 m lang
Druckstollen (oberer Triebwasserweg): rund 864 m
Energieableitungsstollen: 1.200 m, fertiggestellt Juni 2025
Hauptdamm Oberwasserspeicher: rund 81 m hoch, rund 287 m Kronenlänge, rund 1,06 Mio. m³ Schüttvolumen

Aktueller Stand: Kavernenausbruch abgeschlossen; Sicherungs-, Beton-, Stahl- und Druckrohrarbeiten laufen; Materialgewinnung und -einbau am Hauptdamm
Termin: Vorarbeiten seit Oktober 2023; Probebetrieb ab Ende 2027 vorgesehen; Projektabschluss 2028