Flugplatzbau Polen : 100 Millionen Euro, 7 Flugzeugstellplätze: Porr baut Logistikbasis für US-Streitkräfte am Flughafen Wrocław
Visualisierung des geplanten Flugzeugvorfelds der militärischen Logistikbasis APOD am Flughafen Wrocław-Strachowice. PORR errichtet dort vier Abstellpositionen für Militärtransporter des Typs C-5 Galaxy sowie drei weitere Positionen für C-130 Hercules.
- © RZIEine C-5M Super Galaxy misst von Flügelspitze zu Flügelspitze fast 68 Meter. Steht sie am Boden, braucht sie Platz für alles, was rund um sie geschieht: Rangieren, Entladen, Abfertigung. Genau diese Flächen sollen am Flughafen von Wrocław, auf Deutsch Breslau, entstehen. Mitte Oktober 2026 kündigte der Leiter der RZI, Oberst Robert Wójcik, gegenüber der Stadt Wrocław an, das Baugelände in der darauffolgenden Woche an den Auftragnehmer zu übergeben. Am 19. Oktober meldete Porr den Auftrag offiziell.
Der Flughafen Wrocław-Strachowice hat einen zivilen und einen militärischen Bereich. Porr baut deshalb keinen neuen Flughafen, sondern erweitert die militärische Logistikinfrastruktur auf dem Gelände eines bestehenden internationalen Flughafens.
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Eine von vier Logistikbasen: Was ein APOD ist
Die neue Anlage heißt APOD, die Abkürzung steht für Aerial Port of Debarkation. Gemeint ist ein Flughafen, an dem Personal, Material und Gerät per Luft ankommen und entladen werden. Rechtlicher Rahmen ist das Enhanced Defense Cooperation Agreement zwischen Polen und den Vereinigten Staaten, unterzeichnet am 15. August 2020 und im polnischen Gesetzblatt veröffentlicht. Es führt den Flughafen Wrocław-Strachowice ausdrücklich als APOD-Standort der US-Streitkräfte.
Wrocław ist eine von vier Logistikbasen, die Polen zur Unterstützung amerikanischer Streitkräfte errichtet. Nach Angaben der Stadt gehören zu dem Investitionsprogramm außerdem die Standorte Powidz, Łask und Drawsko Pomorskie. Die Finanzierung der militärischen Infrastruktur in Polen trägt der polnische Staat, die US-Streitkräfte sind die vorgesehenen Nutzer. Der Vertrag über die erste Bauphase wurde deshalb mit der polnischen RZI geschlossen und nicht mit einer amerikanischen Behörde.
Fünf von 20 Aufgaben: Was im ersten Vertrag steckt
Die Stadt Wrocław berichtete am 15. Oktober unter Berufung auf das polnische Streitkräfte-Unterstützungsinspektorat, dass der Vertrag für fünf von insgesamt 20 Aufgaben des APOD-Ausbaus unterzeichnet worden sei. Genau diese fünf Bestandteile nennt Porr: zwei Flugzeugvorfelder, die verbindenden Rollwege, ein Gebäude für die militärische Flughafenfeuerwehr und ein Betriebsgebäude für den technischen Flughafendienst.
Ein Vorfeld ist die Fläche, auf der Flugzeuge abgestellt, abgefertigt und beladen werden. Rollwege verbinden diese Flächen mit der übrigen Flughafeninfrastruktur, über sie rollen die Maschinen zur Start- und Landebahn und zurück. Die beiden neuen Vorfelder und die Rollwege bilden damit den Kern des Auftrags. Porr-Konzernchef Karl-Heinz Strauss verweist in der Unternehmensmeldung auf die Erfahrung des Konzerns mit Sicherheits- und Flughafeninfrastruktur.
4 plus 3: Zwei Vorfelder für zwei Flugzeugtypen
Das erste Vorfeld erhält vier Abstellpositionen für Maschinen des Typs C-5 Galaxy, das zweite drei für die C-130 Hercules. Die sieben Stellplätze sind die Summe dieser geplanten Kapazitäten. Es geht nicht um sieben dauerhaft stationierte Flugzeuge, sondern um die Plätze, an denen Maschinen stehen können.
Der Unterschied zwischen den beiden Typen ist groß. Die C-5 zählt zu den größten Transportflugzeugen der US-Luftwaffe, die C-130 ist deutlich kleiner.
67,89 Meter Spannweite: Die Größe der C-5
Für die C-5M Super Galaxy nennt die US Air Force eine Spannweite von 67,89 Metern, eine Länge von 75,3 Metern und eine Höhe von 19,84 Metern. Die maximale Startmasse beträgt 381.024 Kilogramm, die maximale Nutzlast 127.460 Kilogramm. Der Frachtraum ist 43,8 Meter lang und 5,79 Meter breit.
Porr spricht in der Meldung allgemein von der C-5 Galaxy, nicht von einer bestimmten Variante. Die Zahlen aus dem Datenblatt der C-5M zeigen deshalb die Größenordnung, sie sind keine Bemessungswerte für die neuen Vorfelder.
40,41 Meter Spannweite: Die C-130 als zweiter Typ
Das zweite Vorfeld ist für die C-130 Hercules vorgesehen. Zur C-130-Familie gehören mehrere Varianten, die Air National Guard der USA gibt für die C-130J-30 eine Spannweite von 40,41 Metern an. Auch das ist ein Vergleichswert und kein Projektmaß: Porr nennt in der Auftragsmeldung keine bestimmte Variante.
Zwischen 65 und 80 Metern: Was der Code F bedeutet
Die europäische Flugsicherheitsagentur EASA ordnet Flugzeuge anhand ihrer Spannweite Referenzcodes zu. Der Buchstabe F steht für Flugzeuge mit einer Spannweite von mindestens 65 und weniger als 80 Metern. Die 67,89 Meter der C-5M liegen in diesem Bereich. Die EASA weist allerdings darauf hin, dass nicht alle Teile eines Flugplatzes dem größten Referenzflugzeug entsprechen müssen.
RZI-Leiter Wójcik sagte gegenüber dem Stadtportal von Wrocław, der Flughafen solle durch die Gesamtheit der militärischen und zivilen Maßnahmen für Flugzeuge des Codes F und für die Brandschutzkategorie 10 befähigt werden. Das beschreibt den angestrebten Zustand des gesamten Flughafens. Die Zertifizierung der neuen Infrastruktur ist für 2029 geplant.
Zwei Betriebsgebäude: Feuerwehr und technischer Flughafendienst
Zu den fünf Bestandteilen des Vertrags gehören zwei Hochbauten. Das eine ist ein Gebäude für die militärische Flughafenfeuerwehr. Es ist ein Neubau innerhalb des APOD-Auftrags. Das zweite ist ein Betriebsgebäude für den technischen Flughafendienst, nach der polnischen Meldung ein Gebäude für diensthabende Flughafentechniker. Die Stadt Wrocław zeigt auf ihrem Portal eine Visualisierung des geplanten Feuerwehrgebäudes, die der RZI zugeordnet ist.
Zusammen ergibt sich ein Paket aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen: außen die hoch belasteten Flächen für Flugzeuge, innen die Gebäude für Einsatz und Betrieb.
Rund 100 Millionen Euro, 33 Monate: Vertrag und Zeitplan
Der Vertragswert liegt bei rund 100 Millionen Euro. Für die Ausführung nennt Porr Polen eine vertragliche Frist von 33 Monaten. Als Zieljahr für die Fertigstellung der Bauarbeiten, die Zertifizierung und die Betriebsbereitschaft der neuen Infrastruktur nennt Porr 2029.
Die 100 Millionen Euro betreffen nur die erste Bauphase, also die fünf Bestandteile des Vertrags. Der gesamte APOD-Ausbau in Wrocław umfasst nach Angaben der Behörde 20 Aufgaben.
Bahnanschluss, Fracht, Unterkünfte: Was sonst noch zum APOD gehört
Ein Flugzeugstellplatz allein macht noch keinen Umschlagflughafen. Das Enhanced Defense Cooperation Agreement von 2020 nennt in seiner Anlage für Wrocław unter anderem das APOD-Vorfeld, Rollwege, Einrichtungen für den Frachtumschlag, die Passagierabfertigung und ergänzende Logistik. Das Stadtportal nennt nach einem Gespräch mit RZI-Leiter Wójcik weitere geplante Einrichtungen wie einen Bahnanschluss, Fracht- und Passagiereinrichtungen sowie Versorgung und Unterbringung. Die Bahnanbindung hat die Stadt ausdrücklich als eigenständige Maßnahme beschrieben, die bereits vor dem APOD-Hauptbau umgesetzt wurde.
Diese Einrichtungen gehören nicht zum Vertrag von Porr. Teilmaßnahmen können zeitlich und vertraglich getrennt laufen. Der erste Vertrag umfasst fünf der 20 Aufgaben.
FACTBOX: APOD Wrocław-Strachowice, erste Bauphase
- Projekt: Aerial Port of Debarkation (APOD) Wrocław-Strachowice, erste Bauphase
- Standort: militärischer Bereich des bestehenden Flughafens Wrocław-Strachowice, Polen
- Nutzungszweck: militärische Umschlag- und Logistikinfrastruktur für die US-Streitkräfte
- Auftraggeber: Rejonowy Zarząd Infrastruktury we Wrocławiu (RZI), regionale Militärinfrastrukturverwaltung
- Generalunternehmer: Porr S.A. (Polen-Tochter des Porr-Konzerns, Wien)
- Vertragswert: rund 100 Mio. Euro
- Ausführungszeit: 33 Monate
- Fertigstellung, Zertifizierung und Betriebsbereitschaft: geplant 2029
Leistungsumfang (fünf von 20 APOD-Aufgaben)
- Vorfeld mit vier Stellplätzen für C-5 Galaxy
- Vorfeld mit drei Stellplätzen für C-130 Hercules
- Verbindende Rollwege
- Gebäude der militärischen Flughafenfeuerwehr
- Betriebsgebäude für den technischen Flughafendienst
Vergleichswerte Flugzeuge (Datenblätter der US-Streitkräfte)
- C-5M Super Galaxy: Spannweite 67,89 m, Länge 75,3 m, Höhe 19,84 m, maximale Startmasse 381.024 kg
- C-130J-30: Spannweite 40,41 m
- Referenzcode F (EASA): Spannweite ab 65 m bis unter 80 m
Rahmen
- Rechtsgrundlage: Enhanced Defense Cooperation Agreement Polen–USA, 15. August 2020
- Weitere Logistikbasen in Polen: Powidz, Łask, Drawsko Pomorskie
- Finanzierung der militärischen Infrastruktur: polnischer Staat