Baubranche Steiermark : 17 Geschoße, 177 Wohnungen: Großdeal in Graz – doch der steirische Neubau stockt

Mega-Transaktion: Die deutsche ZBI Gruppe erwarb für den offenen Immobilienfonds UniImmo den 17-geschoßigen Wohnturm Level KS 1 Tower in Graz.

Mega-Transaktion: Die deutsche ZBI Gruppe erwarb für den offenen Immobilienfonds UniImmo den 17-geschoßigen Wohnturm Level KS 1 Tower in Graz.

- © Kern Group

Mit dem Erwerb des Grazer Wohnhochhauses Level KS1 Tower durch den offenen Immobilienfonds UniImmo zündete die deutsche ZBI Gruppe ein Signal für den steirischen Wohnimmobilienmarkt. Das 17-geschoßige Gebäude im Stadtbezirk Gries umfasst 177 Mietwohnungen, rund 20.000 Quadratmeter Gesamtvermietungsfläche sowie ergänzende Gewerbeflächen. Fertiggestellt wurde es im Frühling 2026, sechs Monate früher als ursprünglich geplant. Der nahezu energieautarke Monolith mit eigener Energiezentrale soll die Position des Fonds in einem der wachstumsstärksten Mietmärkte Österreichs stärken. Die Transaktion unterstreicht, dass Graz trotz der schwierigen Marktphase als attraktives Einsatzgebiet für institutionelle Investoren gilt.

Dass sich der Wohnimmobilienmarkt stabilisiert, zeigt auch die Halbjahresbilanz von s Real Immobilien. Nach einer Phase der Verunsicherung infolge gestiegener Bau- und Energiekosten sowie erschwerter Finanzierungsbedingungen ziehen österreichweit die Transaktionen wieder an. Die Preise entwickeln sich überwiegend stabil oder steigen moderat. Zentrale Herausforderungen bleiben die Leistbarkeit sowie die maue Neubautätigkeit.

Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Bauwirtschaft verpassen? Abonnieren Sie unseren Newsletter Hier geht’s zur Anmeldung!

Hohe Preissensibilität

Für die Grüne Mark zeichnet s Real ein summa summarum positives Bild. Sowohl der Großraum Graz als auch die ländlichen Regionen vermelden im ersten Halbjahr 2026 einen verhaltenen Aufschwung. Roland Jagersbacher, Geschäftsführer von s Real Steiermark, erklärt: „Der steirische Immobilienmarkt belebte sich im ersten Halbjahr deutlich. Die Transaktionszahlen stiegen spürbar, die Preise nur moderat.“

Während der Markt für gebrauchte Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen Fahrt aufnimmt, bleibt der Neubausektor unter Druck. Vor allem im Bauträgerbereich und bei Anlegerwohnungen fällt die Nachfrage aufgrund des hohen Preisniveaus unverändert gering aus. Gesucht werden derzeit primär Wohnimmobilien um zwischen 150.000 Euro und 450.000 Euro. Die Preissensibilität der Käufer sei auffallend hoch. Insgesamt erwartet s Real auch für das zweite Halbjahr eine weitgehend stabile Marktentwicklung.

Luxusimmobilien mit Sonderrolle

Eine Sonderrolle nimmt traditionell das Premiumsegment ein. Laut einer aktuellen Analyse von Re/Max entwickelte sich der heimische Luxusimmobilienmarkt 2025 dynamischer als der Gesamtmarkt. Auch in der Steiermark legte die Zahl der hochpreisigen Wohnimmobilientransaktionen wieder zu, wenngleich das Bundesland im Österreich-Vergleich weiterhin zu den günstigeren Pflastern zählt. Sowohl bei Luxuseinfamilienhäusern als auch bei -wohnungen kam es zu mehr Deals, während die Durchschnittspreise teilweise rückläufig waren. Ausschlaggebend bleiben Lage, Qualität und Individualität der Objekte.

In Graz zeigt sich dabei ein differenziertes Bild. Während bei hochwertigen Penthäusern ein relativ großes Angebot für entsprechend stärkere Konkurrenz sorgt, bleiben exklusive Einfamilienhäuser aufgrund ihrer Einzigartigkeit leichter vermittelbar. Energieeffizienz, moderne Gebäudetechnik sowie nachhaltige Energiekonzepte gewinnen im Übrigen auch im Premiumsegment an Bedeutung.

Zweiteilung

Trotz der verbesserten Marktstimmung bleibt der Wohnimmobilienmarkt in der Steiermark unterm Strich zweigeteilt. Der Sekundärmarkt entwickelt sich dynamisch, institutionelle Investoren setzen mit Projekten wie dem Level KS1 Tower auf langfristige Perspektiven und auch das Luxussegment zeigt wieder mehr Bewegung. Jedoch bremsen die geringe Neubautätigkeit und die anhaltend hohe Preissensibilität vieler Kaufinteressenten eine stärkere Erholung.

Rainer Wührer ist seit Juni 2026 Präsident der Kammer der Architekten und der Ziviltechniker in der Steiermark und Kärnten.

- © Helga Rader

„Es braucht wieder mehr Planbarkeit für Investitionen“

Rainer Wührer erläutert, warum aktuell zahlreiche Wohnbauprojekte in der Steiermark verschoben werden.

SOLID: Wo sehen Sie mit Blick auf den steirischen Immobilienmarkt den größten Handlungsbedarf?

RAINER WÜHRER: Eine der größten Herausforderungen besteht derzeit darin, wieder mehr Planbarkeit für Investitionen zu schaffen. Der Bedarf an Wohnraum ist in der Steiermark grundsätzlich vorhanden. Viele Projekte werden jedoch verschoben, weil wirtschaftliche Unsicherheiten, komplexe Rahmenbedingungen sowie lange Verfahren deren Umsetzung erschweren. Weiters benötigt die vorhandene Substanz unsere Aufmerksamkeit. Die Nutzung und Veränderung des Bestands, ja überhaupt seine Bewertung als wichtige Ressource, ist eine lohnende Aufgabe für Planung und Investitionen.

Wie können Architekten und Ziviltechniker zur Leistbarkeit von Wohnraum in der Steiermark beitragen?

Wir können nicht alle Faktoren beeinflussen, die Wohnraum verteuern. Grundstückskosten, Finanzierung, Abgaben oder gesetzliche Vorgaben liegen außerhalb unseres unmittelbaren Einflussbereichs. Als Ziviltechniker können wir aber dazu beitragen, die vorhandenen Spielräume bestmöglich zu nutzen. Wir setzen dabei unsere Kreativität auch für alternative, manchmal ungewöhnliche Ideen ein. Die Weichen für die Wirtschaftlichkeit eines Projekts werden bereits zu Beginn gestellt; etwa bei Standort, Flächenorganisation, Konstruktion oder technischer Ausstattung. Gute Planung hilft, unnötige Kosten zu vermeiden, ohne Abstriche bei Qualität oder Nutzbarkeit zu verursachen.

Welche Impulse braucht es, um die Entwicklung des Baubestands im Bundesland voranzutreiben?

Sanierung und Bestandsentwicklung in der Steiermark müssen einfacher umsetzbar werden. Bestehende Gebäude bringen andere Voraussetzungen als Neubauten mit. Werden bei ihnen dieselben Anforderungen ohne ausreichenden Spielraum angewandt, können sinnvolle Projekte wirtschaftlich oder technisch scheitern. Es geht dabei nicht um niedrigere Sicherheitsstandards, sondern um Regelungen, die den Bestand differenziert betrachten und gute Einzelfalllösungen ermöglichen. Festgeschrieben werden dürfen nur die Ziele, nicht der Weg dahin. Ebenso wichtig sind rasche Verfahren und eine frühzeitige Abstimmung zwischen Bauherren, Planung und Behörden. Die qualitätsvolle Weiterentwicklung des Bestands entscheidet mit darüber, ob Orts- und Stadtkerne lebendig bleiben, bestehende Infrastruktur besser genutzt wird und Gebäude eine neue Zukunft erhalten. Auch gezielte Förderungen können hier wichtige Impulse setzen.

Nennen Sie ein innovatives Immobilienprojekt in der Grünen Mark.

Erfreulicherweise entstehen immer mehr Projekte, die zeigen, welches Potenzial im Bauen im Bestand liegt. Ein gelungenes Beispiel ist die Sanierung der Alpinekolonie in Trofaiach. Dort wurde eine denkmalgeschützte Arbeitersiedlung behutsam an heutige Wohnbedürfnisse angepasst, ohne ihren identitätsstiftenden Charakter und die besonderen Freiraumqualitäten zu verlieren.