Green Tech Valley : Haus als Dreifach-Speicher: Wie Fassaden Wärme, Kälte und CO₂ speichern sollen

Spatenstich fürs Wood Vision Lab: In Weiz entsteht ein österreichisches Innovationslabor für Holz-Leichtbau.

Spatenstich fürs Wood Vision Lab: In Weiz entsteht ein österreichisches Innovationslabor für Holz-Leichtbau.

- © visarteam, Stadt Weiz/Lagler

Für Bernhard Puttinger ist klar: „Das Gebäude wird in Zukunft zum Dreifach-Speicher für Strom, Wärme/Kälte und CO2 und damit zu einem wesentlichen Aktivposten der Energie- und Klimawende.“ Voraussetzung dafür sei vorausschauende Planung, so der Geschäftsführer des Green Tech Valley.

Wie die Gebäudehülle eine aktive Rolle übernehmen kann, zeigt die CEPA-Energiefassade des Ingenieurbüros Towern3000, eines Netzwerkpartners der Clusterorganisation für Energie- und Umwelttechnik. Dabei werden Dämmen, Heizen, Kühlen und Speichern in einer außenliegenden Gebäudehülle zusammengeführt.

Das wasserbasierte Energieabgabesystem wird in vorgefertigte Fassadenmodule integriert. Über die großflächige Außenwand können Wärme und Kälte im Niedertemperaturbereich in das Gebäude eingebracht werden. Die bestehende Wandmasse übernimmt die Funktion eines thermischen Speichers. Sie gibt Wärme oder Kälte zeitversetzt an die Innenräume weiter.

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Bernhard Puttinger, Geschäftsführer Green Tech Valley: „Das Gebäude an sich wird zum Aktivposten für die Energie- und Klimawende.“

- © Foto Fischer, Graz

Der Maßanzug fürs Haus

Da die Arbeiten weitgehend über die Gebäudehülle erfolgen, ist die Umsetzung auch bei bewohnten oder laufend genutzten Bestandsgebäuden möglich. Für die Montage können die Fassadenelemente dabei sogar seriell vorgefertigt werden.

Puttinger spricht in diesem Zusammenhang von einem „Maßanzug fürs Haus“: „Entwickelt wurde die Technologie gemeinsam mit dem Institut für nachhaltige Technologien AEE Intec. Mittlerweile ist das wegweisende Forschungsprojekt in der Praxis angekommen. Gebäude in Österreich und Deutschland – darunter Schulen und Wohngebäude – wurden auf diese Weise saniert.“

Das ist eine Methode, um die Sanierungsquote zu erhöhen und eine der drei erwähnten Speicherfunktionen eines Gebäudes zu stärken. Holzbau bietet zudem den Zusatznutzen einer langfristigen CO2-Speicherung. Unabhängig davon spricht Puttinger die Möglichkeit der Karbonatisierung von Baustoffen zur dauerhaften Bindung biogenen Kohlendioxids an.

Schlaue Marktanreize setzen

Das Green Tech Valley initiiert nicht nur Projekte und bringt potenzielle Kooperationspartner zusammen. Der Cluster bereitet auch Informationen zu gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderschienen auf.

Dass die Förderkapazitäten in Zeiten klammer Budgets begrenzt sind, ist klar. Der Cluster-Manager plädiert daher für „schlaue Marktanreize“ anstelle des monetären Füllhorns: „Insbesondere braucht es eine Miet- und Wohnrechtsreform, um Sanierungen zu erleichtern, Barrieren abzubauen und Kosten zu reduzieren.“

Investitionen in Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft lohnen sich, wie die nun veröffentlichten Zahlen zur Branchenkonjunktur zeigen: Entgegen dem allgemeinen Wirtschaftstrend verzeichneten die Unternehmen der Umwelt- und Energietechnik im Kalenderjahr 2025 einen Beschäftigungs- und Umsatzzuwachs. Für das aktuelle Jahr wird ein Umsatzplus von rund fünf Prozent erwartet.

Gemeinsam mit AEE Intec entwickelte das Ingenieurbüro Towern3000 einen „Maßanzug fürs Haus“.

- © Brand Images

Ein Hoch dem Holzbau

Soeben erfolgte der Baustart für ein weiteres Projekt aus dem Umfeld des Green Tech Valley: In Weiz entsteht das Wood Vision Lab als österreichisches Innovationslabor für Holz-Leichtbau.

Ziel dieser neuen Einrichtung sind die Entwicklung und industrielle Anwendung von ökologischen Leichtbau-Hybridwerkstoffen aus Holz und biobasierten Materialien. Auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern sollen moderne Akzelerator-Büros, Meeting- und Multimediaräume und ein Holz-Technikum zur Verfügung stehen.

Bei Letzterem handelt es sich um ein Forschungslabor, das von Mietern, Kooperationspartnern sowie externen Unternehmen und Institutionen zur Entwicklung, Erprobung und Skalierung innovativer Holzleichtbau-Anwendungen genutzt werden kann. Durch die unmittelbare Nähe zu Forschungseinrichtungen wie Joanneum Research entsteht ein Kompetenz-Hub mit internationaler Ausrichtung.

Dem kreislauffähigen Holzwohnbau widmet sich ein Green-Tech-Valley-Projekt, das sich gegenwärtig noch in der Konzeptphase befindet. Projektleiter Martin Popowicz arbeitet mit dem Timber Innovation Network Alpe-Adria TINAA zusammen. „Es geht dabei gleichermaßen um Neubau und Sanierung. Wir wollen unter anderem digitale Technologien zum Mapping von Gebäuden untersuchen, um daraus Sanierungsstrategien abzuleiten.“

Recycling von Bauabfällen

Mehrmals im Jahr erstellen die Expertinnen und Experten der Organisation einen Green Tech Radar. Dessen jüngste Ausgabe vom Juli 2026 befasste sich mit der Zukunft des Recyclings.

Großes Potenzial besteht bei Bau- und Abbruchabfällen. Mit 11 Millionen Tonnen belegt deren jährliches Aufkommen Rang zwei nach Aushubmaterialien. Die Recycling-Quote für mineralische Bau- und Abbruchabfälle liegt bei 80 Prozent, angestrebt sind 90 Prozent.

„Recht häufig findet jedoch ein Downcycling statt, also eine Verarbeitung zu geringerwertigen Gütern“, analysiert Popowicz. Um dem entgegenzuwirken, braucht es moderne Methoden wie sensorgestützte Sortierung mittels Nah-Infrarotsensoren sowie Röntgentransmission (XRT) oder Röntgenfluoreszenz (XRF) und laserinduzierte Plasmaspektroskopie (LIBS = Laser Induced Breakdown Spectroscopy). In Zukunft könnten KI-gestützte Bildgebungsverfahren zu noch besserer Sortierleistung führen.

Das Um und Auf für das „Urban-Mining-Konzept“ eines Gebäudes ist freilich Building Information Modeling. „BIM bietet das Potenzial, sämtliche Rohstoffinformationen für künftige Second-Life-Szenarien bereitzustellen.“

Visualisierung des geplanten Wood Vision Lab in Weiz. Das Innovationslabor soll auf mehr als 2.000 Quadratmetern Forschung, Entwicklung und industrielle Anwendungen im Holz-Leichtbau und mit biobasierten Materialien bündeln.

- © visarteam, Stadt Weiz/Lagler

Die Herausforderung als Chance

Taxonomie-Verordnung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, CO2-Grenzausgleich – nahezu unüberschaubar ist das EU-Regelwerk inklusive der nationalen Umsetzungen zu Klima- und Umweltschutz. Die Cluster-Expert:innen haben die geltende Gesetzeslage daher in Form einer Green Transformation Map aufbereitet.

Unternehmen sind in vielen Bereichen, wenn auch unterschiedlich stark, betroffen: bei Finanzen und Reporting (Nachhaltigkeitsberichterstattungsgesetz, EU-Taxonomie-Verordnung), im Marketing (Green-Claims-Direktive), im Einkauf (Lieferketten-Richtlinie, EU-Verordnung zur Sicherung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen, CO2-Grenzausgleich, Entwaldungsverordnung) und im Produktdesign (Ökodesign-Verordnung, Right-to-Repair-Direktive, Verpackungsverordnung). 

Der CO2-Fußabdruck eines Produkts oder Bauwerks wird somit zu einer immer wichtigeren Kenngröße. Green Tech Valley bringt Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammen, die es verstehen, diese Herausforderung in eine Chance umzumünzen.

Green Tech Valley im Überblick

  • CEPA-Energiefassade: Vorgefertigte Fassadenmodule verbinden Dämmen, Heizen, Kühlen und thermisches Speichern; entwickelt mit Towern3000 und AEE Intec.
  • Wood Vision Lab, Weiz: Mehr als 2.000 m² für Forschung und Entwicklung im Holz-Leichtbau und bei biobasierten Materialien.
  • Bau- und Abbruchabfälle: Rund 11 Mio. Tonnen jährlich; Recyclingquote bei mineralischen Bau- und Abbruchabfällen rund 80 %, Ziel sind 90 %.
  • Urban Mining: BIM soll Rohstoffinformationen für spätere Wiederverwendung und Second-Life-Szenarien verfügbar machen.
  • Green Tech Radar: Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf Recycling, sensorgestützter Sortierung und KI-basierten Verfahren.