Massivbau : Gewichtige Lösungen aus Beton

Maba Standortleiter Produktion

MABA Standortleiter Markus Schmidt: "Wir haben eine größere Halle bekommen, brauchen weniger Personal darin für die Produktion."

- © Maba Kirchdorfer Group

Der Firmensitz erinnert ein bisschen an das Weiße Haus in den USA – und dass er heute so strahlt, ist erst einer umfassenden Sanierung 2011 zu verdanken. Als Michael Wardian, heute Geschäftsführer der Kirchdorfer Group zu der auch Maba gehört, hierher nach Wöllersdorf zum Vorstellungsgespräch kam, war das denkmalgeschützte Gebäude noch in einem anderen Zustand. Doch der Zustand sagte nichts über die Vielfalt und Expertise der hier produzierten Betonfertigteile aus. Infrastruktur „Made in Austria“ wurde und wird hier ganz großgeschrieben. Innovative Technik und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand.  

Bevor es zum Rundgang durch die Produktion geht, verrät Michael Wardian noch, warum das historische Haus im 2. Weltkrieg nicht zerstört wurde. „Durch den hufeisenförmigen Grundriss war es gemeinsam mit dem Wasserturm ein Orientierungspunkt für die Flieger. Zwischen den beiden liegt Wiener Neustadt.“ 

Ein Blick von oben auf das Maba Werk in Wöllersdorf / Wiener Neustadt (NÖ).

- © Maba / Kirchdorfer Group

Grundstein für neue Baukultur

Seit 1925 ist Maba hier angesiedelt, zwar mit der Adresse Wöllersdorf, aber fast die Hälfte des Areals – vor allem die Produktion – liegt auf Wiener Neustädter Gebiet. Begonnen hat alles mit nur fünf Mitarbeitenden und einer elektrisch betriebenen Betonmischmaschine: Martin Bartels (MaBa), ein Elektropionier aus Thüringen, und die Wiener Bauunternehmer Gebrüder Schlarbaum legten im südlichen Niederösterreich den Grundstein für eine neue Baukultur. 

In einer alten Feuerwerksanstalt begannen sie mit der Produktion von Transformatorenhäusern aus Betonfertigteilen. Schon bald erweitern sie das Sortiment um Kabeldurchzugssteine, Mastfüße und Stahlbetonmasten – Produkte, die die Elektrifizierung Österreichs maßgeblich voranbringen. 

 

Technik-Begeisterung in der Schule wecken

Heute zählt man in der Produktion über 180 Mitarbeitende, Markus Schmidt ist der Standortleiter und selbst schon seit über 20 Jahren im Unternehmen. Beim Rundgang wechselt er mit jedem Mitarbeiter ein kurzes Wort, schüttelt einem Lehrling die Hand und fragt ihn, wie es ihm geht. „Wenn wir uns von unseren Leuten gute Arbeit erwarten, dann müssen wir ihnen auch mit Respekt begegnen“, so Schmidt. Er freut sich über die jungen Leute, die hier beginnen zu arbeiten. Sie sind leicht zu erkennen, nicht nur aufgrund ihres Alters, sondern auch an der Helmfarbe Grün.  
Damit der Nachwuchs ins Maba-Werk findet, beginnt das Engagement des Unternehmens bereits in den Schulen. Zum zweiten Mal ist die Kirchdorfer Gruppe gemeinsam mit Maba dieses Schuljahr Teil der MINTality-Community. „Unser Ziel ist es, Begeisterung für Technik zu wecken und jungen Menschen praxisnah zu zeigen, wie spannend unsere Arbeitswelt ist.“ Die NÖ Mittelschule für Wirtschaft und Technik in Wiener Neustadt ist dabei Partnerschule. Zum Auftakt prüften die Schülerinnen und Schüler Betonwürfel, analysierten Ausgangsstoffe und arbeiteten an der medialen Begleitung ihres zukünftigen Projekts. Die Mitarbeitenden kommen fast ausschließlich aus der Region, auch der Geschäftsführer und der Standortleiter haben einen kurzen Anfahrtsweg. 

Die Aufstiegsmöglichkeiten bei Maba sind für jeden gleich, wer sich profiliert, bekommt eine Chance – so ist auch die Produktionsmeisterin noch keine 30 Jahre alt.  

Vielleicht liegt es auch am Lean Management, dass es gut läuft im Maba-Werk. Mitarbeitende bringen ihre Ideen ein, viele von ihnen werden besprochen, manche umgesetzt. Und dann wird transparent gezeigt, was gemacht wird und welchen Erfolg es zeigt.  

Zwei Drittel Tiefbau, ein Drittel Hochbau

Geschäftsführer Michael Wardian erklärt, welche Betonfertigteile in Wöllersdorf gefertigt werden und wo sie zum Einsatz kommen. Der Großteil (zwei Drittel) ist für den Tiefbau und hier vorwiegend für die Infrastruktur bestimmt, der Rest für den Hochbau (hier sind es vor allem die Modulwände aus Ziegelsplitt mit Beton). Der Hauptanteil der Produkte wird in Österreich verbaut.  
Manchmal muss man dafür unter Tag gehen, um sie zu sehen. Für den Koralmtunnel, der Ende diesen Jahres fertiggestellt wird, lieferte Maba neben elastisch gelagerten Gleistragplatten (GTP) für die gesamten 100 km des Koralmbahnprojektes auch die Tübbinge, die die Tunnelröhren auskleiden. Letztere sind Präzisionsprodukte, die mit laserbasierten Theodoliten vermessen werden, um höchsten technischen Anforderungen zu genügen. 

Auch das U2xU5-Projekt in Wien ist ein gutes Beispiel moderner Infrastrukturentwicklung. Die benötigten Tübbingringe werden in Wöllersdorf produziert, erstmals direkt im Stammwerk und nicht in einer Feldfabrik am Tunnelportal. Diese Nähe zu Wien und die jahrzehntelange Erfahrung machen Maba zum Partner für komplexe Bauvorhaben. So auch beim Ausbau des Wiental-Kanals, wo die Fertigteile ein zentrales Element des Wiener Regenwassermanagements, das die Stadt vor Starkregen schützt und die Wasserqualität verbessert, sind.  

 

Maba Tübbinge
Maba Tübbinge made in Niederösterreich - © Rieger

Modulwände halten Erdbeben stand

Kirchdorfer Group-Geschäftsführer Michael Wardian sieht die Chance aber auch im Hochbau. Dafür sucht er Partner auf Bauträgerseite. Ein Pluspunkt ist, dass die Erdbebensicherheit der Betonfertigteile nun  von einem Forschungsprojekt von TU Wien, Maba Fertigteilindustrie und Mischek, bei dem  zweieinhalb Jahre lang geprüft wurde, bestätigt ist.  
Industriell vorgefertigte Betonfertigteile – wie sie etwa von Maba im großvolumigen Wohnbau seit den 1990er-Jahren und von Mischek Systembau GmbH seit den 1960 eingesetzt werden – erfüllen längst hohe bauphysikalische Anforderungen. Das bisherige Hindernis: Konventionelle Rechenmodelle bilden das Tragverhalten unter Erdbebenlast nur eingeschränkt ab – und verhindern damit eine breitere Anwendung dieser effizienten Bauweise. 
Im Rahmen eines von der FFG geförderten Forschungsprojekts “Erdbebennachweis bei Vollfertigteilwänden (Push Over)” wurde an der TU Wien unter Leitung von Univ.-Prof. Peter Bauer die Pushover-Analyse auf Vollfertigteilwände angewendet. Im Unterschied zu klassischen linear-elastischen Berechnungsverfahren erlaubt dieses nichtlineare, verformungsbasierte Verfahren eine realitätsnahe Abbildung plastischer Verformungen und Reibungsverbünde – ein entscheidender Faktor zur Energieumwandlung und Schadensbegrenzung bei seismischen Ereignissen. 
Im Fokus der Analyse steht das Verhalten von Schubfugen im Mörtelbett – also den kraftübertragenden Verbindungen zwischen den Bauteilen, über die horizontale Erdbebenlasten aufgenommen und weitergeleitet werden. Mittels experimenteller Bauteilprüfungen wurden Kennwerte wie Gleitwiderstand, Rückstellmomente – also Drehkräfte bei Verformung – und die Fähigkeit der Bauteile, seismische Einwirkungen abzutragen, systematisch erhoben und in das Modell integriert. 
Die Auswertung zeigt: Für Gebäude mit bis zu sechs oberirdischen Geschoßen lässt sich die Tragfähigkeit von im Mörtelbett versetzten Vollfertigteilwänden gemäß Eurocode 8 plausibel nachweisen – ohne zusätzliche Zugverbindungen über mehrere Geschosse hinweg. 

Für Tragwerksplaner, Statiker und Architekten bietet sich damit ein verformungsbasiertes Nachweisverfahren, das speziell für die Anwendung ressourcenschonender Fertigteilbauweisen konzipiert ist. Der Ansatz erlaubt eine auf das tatsächliche Verformungsverhalten abgestimmte Bemessung – mit Potenzial zur Reduktion von Materialeinsatz und Baukosten. 

Maba Wardian Wöllersdorf Werk
Geschäftsführer Michael Wardian (l.) und Standortleiter Markus Schmidt mit SOLID-Redakteurin Bettina Kreuter vor einer vorgefertigten Wand imMaba-Werk in Wöllersdorf. - © Ingrid Schriefl / Maba