Seilbahnen Malaysia : 15 Stützen durch den Regenwald: Erste Stütze der Doppelmayr-Gondelbahn auf den Penang Hill steht

Top Station Penang Hill Cable Car

Mitten im tropischen Wald von Penang entsteht eine neue Gondelbahn: Doppelmayr liefert die Technik für die Verbindung vom Botanischen Garten auf den rund 720 Meter hohen Penang Hill, Gebrüder Weiss übernimmt den Transport der Komponenten aus Vorarlberg nach Malaysia.

- © Doppelmayr

Am Ende der Reise aus Vorarlberg steht eine Baustelle, wie sie im Seilbahnbau selten ist. Der Penang Hill im Nordwesten Malaysias ist bereits über eine über hundert Jahre alte Standseilbahn erschlossen, doch an Feiertagen und in der Hochsaison stößt diese an ihre Grenzen. Die neue Gondelbahn von Doppelmayr soll sie entlasten. Sie führt allerdings durch ein Gebiet, in dem nicht jeder Eingriff ohne Weiteres möglich ist: Der Penang Hill ist ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat mit tropischem Regenwald und hoher Artenvielfalt. Das prägt den Bau von der Trassenführung bis zur Frage, welcher Baum stehen bleibt.

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32 Prozent fertig: Erste Stütze steht, Kosten um die Hälfte höher

Seit Sommer 2026 wächst die Bahn sichtbar über den Boden hinaus. Im Bereich der Botanischen Gärten wurde die erste Stütze errichtet, die rund 15 Meter hohe Stütze Nummer 3. Bevor die nächste folgt, wird ihre Standfestigkeit geprüft, die weiteren Stützen werden deutlich höher. Insgesamt soll die Bahn auf 15 Stützen stehen, fünf davon im Wald und zehn im Bereich von Bergstation, Talstation und bestehendem Jeep Track.

Bei einer Baustellenbesichtigung im August bezifferte Penangs Chief Minister Chow Kon Yeow den Fortschritt mit 32 Prozent. Sämtliche unterirdischen Arbeiten sind abgeschlossen. Wegen des felsigen Untergrunds und strenger technischer Auflagen war dafür kein schweres Gerät zugelassen, gearbeitet wurde mit Handwerkzeugen. Starker Regen hatte den Bau zuvor über mehrere Monate verzögert. „Wir erwarten, dass die Arbeiten nun schneller vorankommen, weil sich oberirdische Bauarbeiten leichter steuern lassen als unterirdische“, so Chow (übersetzt aus dem Englischen).

Gestiegen sind auch die Kosten. Statt der ursprünglich veranschlagten 245 Millionen Ringgit werden nun rund 367,2 Millionen Ringgit genannt, ein Plus von rund 50 Prozent. Die Lieferungen aus Wolfurt laufen weiter: Rund 60 Container mit elektromechanischer Ausrüstung und großen Seilscheiben trafen im August ein, eine weitere Lieferung wird für September und Oktober erwartet.

Die neue Bergstation soll sich mit ihrer geschwungenen Architektur in die bewaldete Landschaft des Penang Hill einfügen. Doppelmayr liefert die Seilbahntechnik, Gebrüder Weiss organisiert den Transport der Komponenten aus Vorarlberg nach Malaysia.

- © Doppelmayr

50 Achter-Gondeln, 6 Meter pro Sekunde: So funktioniert die Bahn

Die Penang Hill Cable Car beginnt in der Nähe der Botanischen Gärten von Penang und führt über eine Zwischenstation auf die rund 720 Meter hohe Bergstation. Die Strecke ist 2,73 Kilometer lang. Zum Einsatz kommt eine kuppelbare Umlaufbahn von Doppelmayr mit 50 Achter-Gondeln, die mit sechs Metern pro Sekunde fahren und die Bergstation in weniger als zehn Minuten erreichen. Die Anlage ist auf bis zu 1.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung ausgelegt.

Das Vorhaben umfasst mehr als Seil, Stützen und Kabinen. Geplant sind drei Stationen, eine Garden Station bei den Botanischen Gärten, eine Umlenkstation und die Bergstation, dazu ein Parkhaus mit rund 700 Stellplätzen, eine kommerzielle Plaza, Busabstellflächen und eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Ausgelegt ist die Bahn nicht als städtisches Massenverkehrsmittel, sondern als touristische Erschließung, die die bestehende Standseilbahn ergänzt.

Umgesetzt wird das Projekt als öffentlich-private Partnerschaft. Den Zuschlag erhielt das malaysische Unternehmen Hartasuma, das die Bahn plant, finanziert, baut, im Rahmen einer 30-jährigen Konzession betreibt und danach an den Bundesstaat Penang übergibt. Nach Angaben der Penang Hill Corporation trägt die öffentliche Hand dabei keine direkten Projektkosten. Doppelmayr liefert das Seilbahnsystem und war an der technischen Prüfung von Trasse und Stützenstandorten beteiligt.

25 bis 35 Grad Hangneigung: Fundamente in Handarbeit

Der Penang Hill liegt an Hängen mit 25 bis 35 Grad Neigung, mitten im Regenwald. Um den Eingriff gering zu halten, setzt das Projekt auf Baumethoden, die im Seilbahnbau nicht selbstverständlich sind. Die Fundamente werden teils in Handarbeit als gegrabene Caissons hergestellt, also ohne schweres Gerät, das breite Zufahrten erfordern würde. Wo möglich, wird der bestehende Jeep Track als Zuwegung genutzt, statt neue Schneisen zu schlagen, und die Zahl der Stützen wird bewusst niedrig gehalten.

Der Umgang mit den Bäumen folgt nach Angaben der Projektgesellschaft einem ungewöhnlichen Ablauf. Nicht jeder Baum, der nach der ursprünglichen Planung im Weg stünde, wird gefällt. Stattdessen wird teilweise zuerst die Stütze errichtet oder ihre genaue Lage vor Ort überprüft, und erst danach entschieden, ob ein Baum weichen muss, zurückgeschnitten wird oder ganz erhalten bleiben kann. Damit richtet sich der Eingriff nach der tatsächlichen Situation im Gelände und nicht allein nach dem Plan.

38 Tage auf See: Der Weg der Container von Wolfurt nach Penang

Der Weg der Bauteile von Vorarlberg nach Penang ist ein Projekt für sich. Gebrüder Weiss übernahm den Transport der mehr als 60 Container mit Seilbahnkomponenten und wickelte ihn multimodal ab: per Lkw vom Werk zum Güterterminal, per Bahn nach Hamburg, per Seefracht nach Malaysia, dazu die Zollabwicklung und der Weitertransport bis zur Baustelle. Die Container wurden in mehreren Teilsendungen nach einem festen Liefer- und Bauplan verschickt, damit die Komponenten in der Reihenfolge ankommen, in der sie am Berg gebraucht werden.

Als Weltmarktführer im Seilbahnbau realisieren wir internationale Großprojekte, dafür brauchen wir verlässliche Partner. Mit Gebrüder Weiss haben wir einen Logistiker an unserer Seite, der komplexe Transporte dank seines globalen Netzwerks effizient und termingerecht umsetzt.
Egon Vögel, Versandleiter Doppelmayr

Damit stammt nicht nur die Technik aus Österreich, sondern auch die Organisation der internationalen Projektlogistik. Hinzu kommt die Planungsseite: Doppelmayr-Ingenieure waren gemeinsam mit lokalen Fachleuten an Trassenführung, Stützenpositionen, technischer Machbarkeit und der Anpassung an das sensible Gelände beteiligt. Österreich liefert bei diesem Projekt also Bauteile, Logistik und Planungskompetenz zugleich.

Die neue Talstation nahe den Penang Botanic Gardens ist als weitläufiger Mobilitäts- und Besucherhub geplant. Von hier soll die Doppelmayr-Gondelbahn künftig auf den Penang Hill führen; die Komponenten dafür werden von Gebrüder Weiss aus Vorarlberg nach Malaysia transportiert.

- © Doppelmayr

Über 100 Jahre alte Standseilbahn am Limit

Die bestehende Standseilbahn auf den Penang Hill ist eine über hundert Jahre alte Attraktion und stammt in ihrer heutigen Form ebenfalls aus dem Umfeld von Doppelmayr, deren Konzerntochter Garaventa sie 2010 überholte. Sie allein trägt die Besucherlast aber nicht mehr zuverlässig. An Spitzentagen bilden sich lange Wartezeiten, und die Zufahrt zur Talstation ist stark belastet.

Die neue Gondelbahn soll die Ströme verteilen: eine zweite Route auf den Berg, die die Standseilbahn entlastet, bei Störungen eine Alternative bietet und die Seite der Botanischen Gärten touristisch aufwertet. Für die Betreiber ist die Bahn damit Tourismusattraktion, Verkehrsentlastung und Standortentwicklung in einem. Die bestehende historische Bahn soll daneben als eigenständige Attraktion mit Denkmalwert bestehen bleiben.

UNESCO-Biosphärenreservat: Gutachten, Genehmigung und Kritik

Für das Projekt wurden mehrere Gutachten erstellt, darunter eine Umweltverträglichkeitsprüfung, eine Verkehrsuntersuchung und geotechnische Bewertungen. Weil die Bahn Hänge zwischen 25 und 35 Grad quert, war eine Genehmigung durch die Bundesbehörden nötig, die 2024 erteilt wurde. Die gesamte Infrastruktur ist auf den Green-Building-Index-Goldstandard ausgelegt.

Kritik kam dennoch von Umweltorganisationen, insbesondere an der Öffentlichkeitsbeteiligung im Umweltprüfungsverfahren. Die Penang Hill Corporation weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und unabhängige Fachleute sowie Behörden eingebunden gewesen seien. Ob die grünen Baumethoden im sensiblen Gelände tatsächlich halten, was sie versprechen, wird sich erst am fertigen Bauwerk zeigen.

Beim symbolischen Spatenstich im Juni 2024 fiel der Startschuss für die Penang Hill Cable Car. Das Projekt wird von Hartasuma umgesetzt, Doppelmayr liefert die Seilbahntechnik aus Vorarlberg; die Eröffnung ist nach Abschluss der Bau- und Testphase für 2027 vorgesehen.

- © Doppelmayr

Betrieb ab dem vierten Quartal 2027

Beim Zeitplan haben sich die Angaben mehrfach verschoben. Ältere Unternehmensmeldungen nannten noch einen Betriebsbeginn 2026, Anfang August 2026 war von einem Start im Juni 2027 die Rede. Nach den jüngsten Angaben von Chief Minister Chow soll die Bahn im August 2027 baulich fertig sein, der Betrieb soll im vierten Quartal 2027 beginnen.

Bis dahin entstehen aus den Containern aus Wolfurt Station für Station die Bauwerke am Berg. Wie viel Regenwald dafür am Ende tatsächlich weichen muss, entscheidet sich nicht allein am Plan, sondern an jeder einzelnen Stütze im Gelände.

FACTBOX: Penang Hill Cable Car

  • Ort: Penang, Malaysia, von den Botanischen Gärten auf den Penang Hill
  • Bauherr/Betreiber: Hartasuma (öffentlich-private Partnerschaft mit der Penang Hill Corporation, 30-jährige Konzession, danach Übergabe an den Bundesstaat Penang)
  • Seilbahntechnik: Doppelmayr, Wolfurt (Vorarlberg)
  • Logistik: Gebrüder Weiss, Vorarlberg (mehr als 60 Container, rund 38 Tage Seefracht)
  • Streckenlänge: 2,73 Kilometer
  • Stützen: 15, davon 5 im Wald; erste Stütze (Nr. 3, rund 15 m) im Sommer 2026 errichtet
  • Höhe Bergstation: rund 720 Meter
  • Gondeln: 50 Achter-Kabinen, 6 m/s, Fahrzeit unter 10 Minuten
  • Kapazität: bis zu 1.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung
  • Stationen: Garden Station, Umlenkstation, Bergstation
  • Zusatzinfrastruktur: Parkhaus mit rund 700 Stellplätzen, kommerzielle Plaza, Busabstellflächen, ÖV-Anbindung
  • Lage: UNESCO-Biosphärenreservat Penang Hill, Hänge mit 25 bis 35 Grad Neigung
  • Baumethoden: handgegrabene Caisson-Fundamente, Nutzung des bestehenden Jeep Track, reduzierte Stützenzahl, GBI-Gold-Standard angestrebt
  • Baufortschritt: 32 Prozent (August 2026), unterirdische Arbeiten abgeschlossen
  • Investition: rund 367,2 Millionen Ringgit (ursprünglich 245 Millionen Ringgit)
  • Baubeginn: Spatenstich Juni 2024
  • Zeitplan: bauliche Fertigstellung August 2027, Betriebsbeginn im vierten Quartal 2027 geplant