Hochhausbau in Saudi-Arabien : 466 Meter, 116 Stockwerke, über 1.000 geplant: Wie Doka am ersten Kilometer-Wolkenkratzer der Welt mitbaut
Die Selbstkletterschalungen von Doka ermöglichen die Errichtung der drei nach oben verjüngten Gebäudeflügel. Das Foto zeigt eine frühere Bauphase des Jeddah Tower vor dem jahrelangen Baustopp.
- © KONE CorporationEnde November 2025 wurde am Jeddah Tower das erste Fassadenelement eingehoben: 1,5 mal 5,3 Meter groß, rund 450 Kilogramm schwer, auf Ebene 18 in knapp 74 Metern Höhe. Der Rohbau stand zu diesem Zeitpunkt längst viel weiter oben, im Dezember meldete Thornton Tomasetti mehr als 80 Geschosse. Rohbau und Fassade laufen auf der Baustelle am Roten Meer zeitlich versetzt, aber parallel. Der Turm soll als erstes Gebäude der Welt die Marke von einem Kilometer überschreiten und den Burj Khalifa in Dubai mit 828 Metern übertreffen. 2018 war der Rohbau nach etwa 63 Geschossen zum Stillstand gekommen, seit Jänner 2025 wird wieder gebaut.
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116 Stockwerke und 466 Meter: Der Stand vom September 2026
Zuletzt nannte der Entwickler im September den Stand der Baustelle. Fabien Toscano, CEO der Jeddah Economic Company, erklärte bei der Saudi Mega Projects Conference vom 28. bis 30. September, der Turm habe das 116. Stockwerk und rund 466 Meter Höhe erreicht. Gulf News berichtete am 6. Oktober darüber. Die Baustelle wächst seither weiter.
Die Entwicklung zeigt, wie schnell der Rohbau seit dem Neustart vorankommt. Beim neuen Bauvertrag im Oktober 2024 waren 63 Geschosse fertig. Thornton Tomasetti meldete im Dezember 2025 mehr als 80 Geschosse und bestätigte im April 2026 die Marke von 100 Geschossen und etwa 400 Metern. Bis zur geplanten Höhe fehlen damit noch mehr als 500 Meter.
Über 1.000 Meter geplant: 180 Meter mehr als der Burj Khalifa
Die Planer beschreiben die Höhe des Jeddah Towers als mehr als 1.000 Meter. In Medien und Projektunterlagen wird häufig ein Wert von rund 1.008 Metern genannt. Gegenüber den 828 Metern des Burj Khalifa ergäbe das rechnerisch einen Vorsprung von 180 Metern. Die Gesamtfläche der Planung liegt laut den beteiligten Büros bei rund 530.000 Quadratmetern, das ist die Projektfläche und keine Nutzfläche.
Die Zielhöhe ist ein Plan. Gebaut sind bisher rund 466 Meter. Als Fertigstellungstermin nennt der Entwickler Ende 2028.
Doka aus Amstetten: Schalungsauftrag seit Jänner 2014
Doka meldete am 22. Jänner 2014, den Schalungsauftrag für den damals noch Kingdom Tower genannten Wolkenkratzer erhalten zu haben. Schalung ist die Form, in die Beton gegossen wird, bis er trägt. Doka erklärte damals, die gesamte Schalungslösung als Komplettanbieter entwickelt zu haben. Der Auftrag umfasste nach Unternehmensangaben Wand- und Deckenschalungen, Logistik- und Materialplanung, Vormontage und Richtmeister auf der Baustelle. Den Auftragswert bezifferte Doka auf den unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Die Hochhaus-Spezialisten in der Zentrale in Amstetten arbeiteten dafür mit dem Doka-Team in Saudi-Arabien und mit dem ausführenden Unternehmen Saudi Binladin Group zusammen. Das Hauptunternehmen des Turms ist die Saudi Binladin Group, Doka ist als Schalungspartner beteiligt.
Drei Flügel, die sich stetig verjüngen: Die Schalung bleibt nie gleich
Der Turm hat einen Y-förmigen Grundriss mit drei Flügeln. Diese steigen nicht in scharf abgesetzten Rücksprüngen auf, sondern werden nach oben kontinuierlich schmaler und enden auf unterschiedlichen Höhen. Das verbessert die aerodynamische Wirkung, macht aber das Schalen schwieriger: Wandlängen, Wanddicken und Anschlüsse ändern sich mit jedem Stockwerk.
Doka nennt die fortlaufende Verjüngung der drei Flügel in der Projektkommunikation von 2014 ausdrücklich eine der Hauptschwierigkeiten. Die Schalungs- und Selbstklettersysteme wurden deshalb so ausgelegt, dass sie an die sich verändernde Geometrie angepasst werden können.
SKE100 plus, Dokadek 30 und Xclimb 60: Drei Aufgaben an einem Turm
In der Doka-Meldung von 2014 sind drei Systeme genannt, die jeweils eine eigene Aufgabe übernehmen.
Die Selbstkletterschalung SKE100 plus bildet die Wände und den Kern. Schalungs- und Arbeitsbühnen werden dabei hydraulisch nach oben umgesetzt, ohne dass ein Kran jede Einheit einzeln versetzen muss. Die Deckenschalung Dokadek 30 stellt die Geschossplatten her. Die Rahmeneinhausung Xbright als Teil des Schutzschildsystems Xclimb 60 sichert die Arbeitsbereiche an den offenen Geschosskanten. Alle drei Systemangaben stammen aus dem Jahr 2014.
200 km/h Wind: Was die Bemessung aussagt
Doka beschreibt als Anforderung, die Kletter- und Schalungssysteme für Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zu bemessen. Das ist eine Auslegungsgröße für die Statik. Wie hoch die zulässige Windgeschwindigkeit beim Klettern, beim Arbeiten auf den Bühnen oder im Stillstand liegt, sind eigene Werte, die sich aus der Bemessungsangabe nicht ableiten lassen.
Y-Form statt Aussteifung: Ein Tragwerk aus Stahlbetonwänden
Adrian Smith + Gordon Gill Architecture und Thornton Tomasetti beschreiben die dreiflügelige Form als zentralen Teil des Windkonzepts. Der Grundriss und die nach oben abnehmende Gebäudeform sollen die Wirkung von Wirbeln verringern, die der Wind an einem Hochhaus ablöst. Windkanalversuche und rechnerische Modelle waren dafür entscheidend.
Das Tragwerk besteht nach Darstellung von Thornton Tomasetti im Wesentlichen aus miteinander verbundenen Stahlbetonwänden und Deckenplatten. Klassische Outrigger, also Ausleger, die den Kern mit den Außenstützen verbinden, sowie Transferträger und ein übliches Stützenraster gibt es in der primären Tragstruktur nicht. Die Wände nehmen sowohl die senkrechten Lasten als auch den Wind auf. Die Planer nutzen damit bewusst die in der Region verbreitete Stahlbetontechnik, statt einen Kilometer Höhe als Stahlskelett zu bauen. Das stellt hohe Anforderungen an die Geometrie des Betons, an die Bewehrungsanschlüsse und an die Anpassung der Schalung.
600 bar Förderdruck: Hochdruckpumpe von SANY
Beton muss über hunderte Meter nach oben gepumpt werden. Der Maschinenbauer SANY teilte im Halbjahresbericht 2026 vom 28. August mit, dass eine Hochdruck-Anhängerbetonpumpe des Modells HBT9060CH-5S(T4) mit 60 Megapascal maximalem Förderdruck für den Jeddah Tower in den Nahen Osten geliefert und dort eingesetzt wurde. 60 Megapascal entsprechen 600 bar. Das ist der Höchstdruck der Pumpe, nicht die tatsächlich erreichte Förderhöhe.
In der ersten Bauphase waren 2015 Schwing-Pumpen der Serie SP 8800 mit Betonverteilermasten dokumentiert. Das Beratungsunternehmen Concrete Future hielt im Februar 2026 Pumpvorgänge im Bereich des 91. und 92. Kernstockwerks fest und nennt Premco als Betonlieferanten.
270 Bohrpfähle und 40.000 Kubikmeter Beton: Die Gründung im Korallengestein
Der Turm steht auf einer rund fünf Meter dicken Stahlbeton-Fundamentplatte mit 270 Bohrpfählen von bis zu 1,8 Metern Durchmesser. Thornton Tomasetti nennt eine Tiefe von bis zu 105 Metern. Die Gründungsarbeiten führte zwischen 2012 und 2014 Saudi Bauer Foundation Contractors aus, die saudische Tochter von Bauer Spezialtiefbau. Laut einem Fachbericht eines Bauer-Ingenieurs hatten die Pfähle Durchmesser von 1,50 und 1,80 Metern bei Bohrtiefen zwischen 49 und 109 Metern. Insgesamt wurden rund 18.000 Bohrmeter hergestellt, rund 40.000 Kubikmeter Hochleistungsbeton und rund 6.000 Tonnen Bewehrungsstahl eingebaut.
Der Baugrund an der Küste ist kein gleichmäßiger Fels. Der Bohrsuspensions-Lieferant KB International beschreibt degradiertes, wassergesättigtes Korallenriff-Gestein, Hohlräume und vom Meer beeinflusste Grundwasserverhältnisse. Die Standfestigkeit der Bohrlöcher und die Überwachung der Bohrsuspension waren deshalb wesentliche Arbeitsschritte.
1,5 Millionen Meter Dichtungsprofile: Die Fassade wächst mit dem Rohbau
Der Fassaden-Unterauftrag ging im Juni 2025 an JANGHO. Das Unternehmen beschreibt 40 Millimeter breite horizontale Fugen und elastische Dichtungslösungen, die Bewegungen und Temperaturbelastungen des Turms aufnehmen sollen. Nach Angaben von JANGHO kommen acht Fassadensysteme, BIM-gestützte Geometriekompensation und 32 durchgeführte Prüfungen zum Einsatz.
Trelleborg meldete am 20. Mai 2026, für den Jeddah Tower 1,5 Millionen laufende Meter extrudierte Silikonprofile entwickelt zu haben. Sie dichten das Fassadensystem ab und müssen Temperaturschwankungen und Bewegungen über einen langen Gebäudelebenszyklus aufnehmen. Die Zahl bezeichnet Profillänge, nicht Fassadenfläche.
67 Aufzüge und Fahrtreppen: KONE und der Weg nach oben
Für die Erschließung bestellte der Entwickler bei KONE am 8. Oktober 2025 insgesamt 67 Aufzüge und Fahrtreppen: 29 MiniSpace-Aufzüge, sieben Doppelstockaufzüge, zwei JumpLift-Bauaufzüge, 21 MonoSpace-Aufzüge und acht Fahrtreppen. Das sind 59 Aufzüge, darunter die beiden Baulifte, plus acht Fahrtreppen.
Vier der MiniSpace-Aufzüge sollen KONE UltraRope erhalten, ein Hebeseilsystem mit Kohlefaser-Kern. KONE nennt für die dafür spezifizierten Aufzüge Geschwindigkeiten von bis zu zehn Metern pro Sekunde. Der Weg zur Aussichtsplattform auf Ebene 157 beträgt mehr als 630 Meter.
7,2 Milliarden Riyal: Der Vertrag für den Neustart
Im Oktober 2024 informierte die Kingdom Holding die saudische Börse über die Vereinbarung zwischen der Jeddah Economic Company und der Saudi Binladin Group. Der Vertragswert beträgt 7,2 Milliarden Saudi-Riyal, darin enthalten sind 1,1 Milliarden Riyal für bereits früher bezahlte Leistungen. Die erwartete Bauzeit wurde damals mit 42 Monaten beziffert, das ergäbe rechnerisch Frühjahr 2028. Der Entwickler nennt inzwischen Ende 2028.
Die Börsenmitteilung spricht von 157 geplanten Geschossen, von denen 63 fertig waren. Ältere Projektangaben, auch die Doka-Meldung von 2014, nennen 167.
Von 466 Metern auf mehr als 1.000
Im September standen 116 Geschosse. Bis zum angestrebten Fertigstellungstermin Ende 2028 müssen noch mehr als 500 Meter Rohbau entstehen, dazu Fassade, Aufzüge und Ausbau, die parallel zum Rohbau mitwachsen.
Factbox: Jeddah Tower, Dschidda
- Projekt: Jeddah Tower (früher Kingdom Tower), mehr als 1 km hoher, gemischt genutzter Wolkenkratzer
- Standort: Dschidda, Saudi-Arabien, nahe der Küste des Roten Meeres
- Entwickler: Jeddah Economic Company
- Hauptbauunternehmen: Saudi Binladin Group
- Architektur: Adrian Smith + Gordon Gill Architecture
- Tragwerksplanung: Thornton Tomasetti
- Schalung: Doka, Amstetten (Auftrag 2014; Systeme laut Doka-Meldung 2014: SKE100 plus, Dokadek 30, Xclimb 60 mit Xbright)
- Spezialtiefbau und Gründung: Saudi Bauer Foundation Contractors, Tochter von Bauer Spezialtiefbau (2012 bis 2014)
- Fassade: JANGHO, Unterauftrag Juni 2025
- Aufzüge: KONE, Auftrag Oktober 2025
- Geplante Endhöhe: mehr als 1.000 m, häufig genannt rund 1.008 m
- Baufortschritt: 116 Geschosse, rund 466 m (Entwicklerangabe, September 2026)
- Geplante Fertigstellung: Ende 2028 laut Entwickler
- Geschosse: 157 geplant laut Börsenmitteilung 2024, ältere Angaben 167
- Projektfläche: rund 530.000 m² laut Planern
- Geometrie: Y-förmig, drei nach oben kontinuierlich verjüngte Flügel
- Gründung: 270 Bohrpfähle, Durchmesser 1,5 bis 1,8 m, Bohrtiefen 49 bis 109 m, Fundamentplatte bis 5 m dick
- Wind-Bemessung (Doka, 2014): bis 200 km/h für die Kletter- und Schalungssysteme
- Betonpumpe 2026: SANY HBT9060CH-5S(T4), bis 60 MPa (600 bar) maximaler Förderdruck
- Erstes Fassadenelement: 30. November 2025, 1,5 × 5,3 m, rund 450 kg, Ebene 18 (JANGHO)
- Fassadendichtung: 1,5 Mio. laufende Meter Silikonprofile (Trelleborg)
- Aufzugstechnik: 59 Aufzüge, darunter zwei Bauaufzüge, und acht Fahrtreppen, zusammen 67 Anlagen
- Wiederaufnahmevertrag: 7,2 Mrd. Saudi-Riyal, darunter 1,1 Mrd. Riyal bereits bezahlter Leistungen (Oktober 2024)