Bauen auf dem Wasser : 103 Meter Büro auf der Donau: Wie in Wien eine schwimmende Zentrale gebaut und dann verlegt wird

Auf einem 103 Meter langen Stahlponton entsteht die neue Zentrale von via donau. ÖSTU-STETTIN errichtet den zweigeschossigen Büroaufbau in Stahl-Holz-Hybridbauweise zunächst an einem temporären Liegeplatz auf der Donau – später wird das fertige Gebäude zur Reichsbrücke verholt.

Auf einem 103 Meter langen Stahlponton entsteht die neue Zentrale von via donau. ÖSTU-STETTIN errichtet den zweigeschossigen Büroaufbau in Stahl-Holz-Hybridbauweise zunächst an einem temporären Liegeplatz auf der Donau – später wird das fertige Gebäude zur Reichsbrücke verholt.

- © viadonau/Rastegar

Die meisten Gebäude entstehen dort, wo sie später stehen. Dieses nicht. An einem temporären Liegeplatz an der Wiener Lagerhauslände, einem öffentlichen Anlegeplatz für die Großschifffahrt, wächst derzeit ein zweigeschossiges Bürogebäude heran, das seinen endgültigen Standort erst nach dem Bau ansteuern wird. Die HABAU-Tochter ÖSTU-STETTIN errichtet dort für die via donau, die Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft, eine schwimmende Unternehmenszentrale. Am 31. März 2026 fiel der offizielle Startschuss für den Hochbau, seither laufen die Aufbauarbeiten auf dem Schiffsrumpf.

Erst wenn das Gebäude weitgehend fertig ist, beginnt der spektakulärste Teil des Projekts: Der komplette Baukörper wird rund eineinhalb Kilometer über die Donau stromaufwärts an seinen endgültigen Standort bei der Reichsbrücke verholt, an die Praterlände am rechten Donauufer in Wien-Leopoldstadt, und dort dauerhaft verankert. Ein Gebäude, das den Standort wechselt: Genau das macht dieses Projekt zu mehr als einer Architekturkuriosität.

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103-Meter-Ponton aus Schiffbaustahl: das Fundament, das schwimmt

Das Fundament dieses Baus ist kein Betonsockel und keine Bodenplatte, sondern ein geschlossener Ponton aus Schiffbaustahl, rund 103 Meter lang und 21 Meter breit. Er liegt unter dem Wasserspiegel und erfüllt gleich drei Aufgaben zugleich: Er ist die schwimmende Tragstruktur, das technische Untergeschoss und der Raum für einen Teil der Gebäude- und Schiffstechnik. Der Ponton ist damit nicht bloß ein schwimmender Unterbau, sondern ersetzt Fundament, Keller und Technikgeschoss eines herkömmlichen Gebäudes in einem.

Gefertigt wurde der Rumpf in einer serbischen Werft und anschließend nach Wien gebracht. Auf ihm entsteht nun, auf rund elf Metern Höhe, ein zweigeschossiger Büroaufbau mit Sonnendeck. Architektonisch erinnert das Ergebnis an ein modernes Schiff: ausgeformte Bug- und Heckbereiche, Fassaden aus Aluminium und Holz sowie großzügige Verglasungen greifen das maritime Umfeld auf und lassen den Bau eher wie einen Kreuzfahrtdampfer als wie ein Bürohaus wirken. Im Inneren sollen Holzoberflächen und viel Glas für eine helle, offene Atmosphäre sorgen.

Konstruktiv ist das Gebäude ein Stahl-Holz-Verbundbau. Die Fassaden und den konstruktiven Holzbau übernimmt die Baumgartner Raimund GmbH, ein Tochterunternehmen von ÖSTU-STETTIN. Damit treffen in einem einzigen Bauwerk gleich mehrere Disziplinen aufeinander, die sonst selten in dieser Kombination auftauchen.

Die ‚Schwimmende Unternehmenszentrale‘ der via donau ist ein außergewöhnliches Projekt und zeigt sehr gut die breite Kompetenz der ÖSTU-STETTIN. Hier werden die Baustoffe Stahl, Holz und Beton in besonderer Weise kombiniert – und das unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen auf dem Wasser. Umso mehr freut es uns, das schwimmende Bürogebäude umzusetzen und damit unsere Leistungsfähigkeit bei komplexen Bauvorhaben unter Beweis stellen zu können.
Robert Hitschmann, technischer Geschäftsführer ÖSTU-STETTIN

Beim Hochbaustart der neuen via-donau-Zentrale im März 2026: Auf dem Stahlponton an einem temporären Liegeplatz entsteht der zweigeschossige Büroaufbau in Stahl-Holz-Hybridbauweise.

- © viadonau

Bauen am fließenden Gewässer: Warum ein Großteil vorgefertigt wird

Eine Baustelle am fließenden Gewässer ist keine gewöhnliche Baustelle. Das Baufeld liegt direkt an der Donau, was erhöhte Sicherheits- und Behördenauflagen mit sich bringt, und der Platz am temporären Liegeplatz ist eng. Deshalb wird ein großer Teil der Bauteile vorgefertigt und anschließend in Montagebauweise auf dem Ponton zusammengesetzt, statt sie vor Ort von Grund auf zu errichten. Das reduziert die Arbeiten unter den beengten und stark reglementierten Bedingungen am Wasser.

Der Bauablauf folgt damit einer Logik, die sich vom klassischen Hochbau deutlich unterscheidet. Zuerst wird der Schiffsrumpf extern als Stahlponton gefertigt und nach Wien gebracht. Dann montiert ÖSTU-STETTIN am temporären Liegeplatz den Büroaufbau mit Fassade, Haustechnik und Zugängen. Erst danach, als weitgehend fertiges Gebäude, wird die Zentrale zur Reichsbrücke verholt, wo die dauerhafte Verankerung, die Landanschlüsse und schließlich die Nutzung folgen. Der Bau ist also abgeschlossen, bevor das Gebäude seinen Standort überhaupt erreicht.

Der begrenzte Raum im Rumpf verschärft dabei eine Aufgabe, die an Land oft unauffällig bleibt: die Unterbringung der Haustechnik. Wo ein Bürohaus an Land Anlagen bequem im Keller oder auf dem Dach unterbringen kann, ist der Platz im Ponton durch schifffahrtstechnische Anforderungen begrenzt. Jeder Kubikmeter im Rumpf ist verplant, was die Integration von Technik, Statik und Nutzung zu einer besonders dichten Planungsaufgabe macht.

120 Arbeitsplätze plus Wasserpolizei: Einsatzstandort an der Wasserstraße

Die neue Zentrale schafft nicht bloß rund 120 Arbeitsplätze für die via donau. Sie bündelt künftig auch die Wasserpolizei und die Oberste Schifffahrtsbehörde unter einem Dach. Dazu kommt ein eigener Bootsanlegesteg für Einsatzorganisationen sowie fünf Zugangsbrücken, die das schwimmende Gebäude mit dem Ufer verbinden.

Der Standort am Wasser ist damit nicht bloß symbolisch gewählt. Er soll die Wege zwischen dem Betrieb der Wasserstraßengesellschaft, der Schifffahrtsaufsicht und den Einsatzkräften verkürzen. Die Zentrale ist als Arbeitsplatz, Einsatzstandort und technische Infrastruktur direkt an der Wasserstraße gedacht, nicht als Büro, das zufällig schwimmt. Für eine Institution, deren Aufgabe die Donau selbst ist, liegt der Arbeitsplatz damit buchstäblich auf dem eigenen Betriebsgelände.

Visualisierung der künftigen via-donau-Zentrale an ihrem endgültigen Liegeplatz nahe der Reichsbrücke. Das zweigeschossige Bürogebäude wird auf einem Stahlponton schwimmen und über mehrere Stege mit dem Ufer verbunden sein.

- © via donau - Österreichische Wasserstraßen-GmbH/pittiono & ortner architekturbüro ZT GmbH

Wärme aus Donauwasser: das Plus-Energie-Konzept als schwimmendes Reallabor

Über den Bauablauf hinaus versteht die via donau das Projekt als Experimentierfeld. Das Büroschiff ist als „schwimmendes Reallabor" für nachhaltige Schifffahrts- und Infrastrukturtechnik konzipiert und soll als Plus-Energie-Büro mehr Energie erzeugen, als es im Jahresverlauf verbraucht. Die Wärme soll dabei aus dem Donauwasser gewonnen werden, auf dem Dach sind Photovoltaikmodule vorgesehen, und über neuartige Toilettenanlagen soll Energie aus organischen Abfällen zurückgewonnen werden. Holz als Baustoff und eine klimaneutrale Bautechnik nach Gold-Standard ergänzen das Konzept.

Ob die positive Jahresbilanz im realen Betrieb tatsächlich erreicht wird, lässt sich allerdings erst nach der Inbetriebnahme beurteilen. Der aktuelle Bauzustand liefert dazu noch keine gemessenen Werte. Das Konzept ist ambitioniert formuliert, sein Nachweis steht wie bei jedem Plus-Energie-Anspruch erst mit dem laufenden Betrieb an.

Dieses Bauprojekt zeigt eindrucksvoll, wofür die HABAU GROUP steht: Innovationskraft, technische Kompetenz und der Mut, neue Wege zu gehen. Mit der ‚Schwimmenden Unternehmenszentrale‘ der via donau setzt unser Konzernunternehmen ÖSTU-STETTIN ein Bauvorhaben um, das so bislang einzigartig in Österreich ist.
Hubert Wetschnig, CEO HABAU GROUP

Visualisierung der Uferansicht: Die neue via-donau-Zentrale soll sich mit begrünten Freiflächen und einer flachen, lang gestreckten Silhouette in den Bereich bei der Reichsbrücke einfügen.

- © via donau - Österreichische Wasserstraßen-GmbH/pittiono & ortner architekturbüro ZT GmbH

Fertigstellung 2027: Warum das Verholen der eigentliche Höhepunkt ist

Die architektonische Grundidee entstammt einem europaweiten Wettbewerb aus dem Jahr 2020, den die Planungsgemeinschaft aus Pittino & Ortner, Rosenfelder & Höfler sowie Lorenz Consult für sich entschied. Als Generalunternehmer verantwortet ÖSTU-STETTIN die Umsetzung, hinter dem Unternehmen steht die HABAU GROUP als Konzernmutter.

Die aktuelle Projektkommunikation rechnet mit der Gesamtfertigstellung im März 2027, in die Hochbaukosten fließen 16,6 Millionen Euro. Frühere Zeitpläne sahen eine deutlich frühere Übergabe vor. Gebaut werden soll bis gegen Jahresende 2026, ehe das Bauwerk verlegt wird.

Der entscheidende Moment dieses Projekts kommt damit nicht mit der Dachgleiche, wie bei einem gewöhnlichen Hochbau. Er kommt, wenn aus der Baustelle ein fahruntüchtiges, aber schwimmfähiges Bürogebäude geworden ist und 103 Meter Zentrale über die Donau ihren endgültigen Liegeplatz ansteuern. Erst dann steht das Gebäude dort, wo es hingehört, an einem Ufer, das es nie mit eigener Kraft verlassen wird.