Nutzfahrzeuge : Country Boys - der große SOLID Pickup-Test
Aktive Mitgliedschaft erforderlich
Das WEKA PRIME Digital-Jahresabo gewährt Ihnen exklusive Vorteile. Jetzt WEKA PRIME Mitglied werden!

Sie haben bereits eine PRIME Mitgliedschaft?
Bitte melden Sie sich hier an.
Pickup-Trucks gehören zu den USA wie Coutry-Musik und Stars-and-Stripes. Des Amis beliebtestes Fortbewegungsmittel kommt jedoch auch in anderen Teilen der Welt gut an – ja selbst in Europa erfreut sich die Kombination aus PKW plus Ladefläche zunehmender Beliebtheit. SOLID hat sechs Pickups genauer unter die Lupe genommen. Denn: Gerade in der Baubranche stellt der Pickup einen idealen Kompromiss aus Ladekapazität, Komfort und Alltagsnutzen dar.
Zunächst haben die von uns getesteten Pickups eine Menge an Gemeinsamkeiten: Alle haben Platz für fünf Passagiere, eine offene Ladefläche (die man bei allen gegen Aufpreis auch mit einer verschließbaren Klappe oder gleich einem wetterfesten Überbau ausstatten kann) und ein geländetaugliches Fahrwerk mit beachtlicher Bodenfreiheit. Angst, auf unwegsamer Strecke voll beladen stecken zu bleiben, braucht man ohnehin wenig haben – alle hier vorgestellten Pickups sind mit Allradantrieb ausgestattet.
Ins schwierige Gelände sollte man mit einem Pickup trotzdem besser nicht allzuweit vordringen. An den langen Überhängen (vor allem hinten) reißt man sich sonst schnell Stoßstange oder Anhängerkupplung ab. Mit den meisten SUVs nehmen es die Allrad-Pickups aber locker auf.
Die grundlegende Technik der von uns getesteten Pickups unterscheidet sich kaum: Alle fünf Fahrzeuge sind näher mit dem LKW als mit dem PKW verwandt. Das moderne Blechkleid versteckt einen geradezu archaischen Fahrzeugaufbau aus einem stabilen Leiterrahmen, auf den Karosserie und Technik aufgeschraubt wurde. Da kann die aktuelle Pickup-Generation noch so auf Lifestyle und SUV machen, im Herzen sind sie alle Nutzfahrzeug. Mit Starrachse und Blattfedern. Und das ist auch gut so. Simple Technik hält bekanntlich länger.
Ford Ranger 3.2 TDCi
Für einen Pickup eines US-Herstellers ist der Ranger fast schon ein Microcar. Verglichen mit dem, was in den USA sonst noch in dieser Fahrzeugklasse rangiert, gehört er tatsächlich zu den kleineren. Nicht jedoch bei uns: 5,36 Meter Länge – das ist mehr als ein 7er BMW. Der 200 PS starke Sechszylinder-Diesel im Ranger dürfte den meisten Anforderungen im Arbeits- und Freizeiteinsatz locker gewachsen sein. Im Normalverkehr fährt der Ranger mit Heckantrieb. Ein Knopfdruck, und die Vorderräder werden zugeschaltet. Legt man dann noch das Untersetzungsgetriebe ein und aktiviert die Sperren kraxelt der Ranger selbst über erstaunlich profilierte Topologie. Unbeladen kommt der Ranger – vor allem auf feuchter Straße aber schnell an seine Traktionsgrenzen. Die Hinterachse kann schon mal rabbiat zu hüpfen beginnen, wenn man bei Regen aus einer Ausfahrt auf die Straße einbiegt.
Arbeit: ****
Freizeit: ****
Vorteile: Großes Platzangebot auch auf den hinteren Sitzen, große Ladekapazität, starker Motor Nachteile: hoher Verbrauch, rustikales Fahrwerk
Außenmaße: 5362 x 1860 x 1815 mm
Hubraum / Motor: 3198 cm³ / 5-Zylinder
Leistung: 147 kW / 200 PS (470 Nm)
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Verbrauch: 8,9 L/100 km Leergewicht: 2250 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 3200 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst): 750 / 3500 kg
Entdecken Sie jetzt
-
Lesen
- Für Benko klickten die Handschellen 23.01.2025
- Aktualisierung von ÖBV-Richtlinie 23.01.2025
- MedUni Campus Wien mit Ringer Schalungslösungen 23.01.2025
-
Videos
- SOLID Bau-TV | 11.07.2024 11.07.2024
- SOLID Bau-TV | 27.06.2024 27.06.2024
- SOLID Bau-TV | 06.06.2024 06.06.2024
-
Podcasts
- Bauen up to date #13 - 04.03.2024 04.03.2024
- Bauen up to date #12 - 13.9.2023 12.09.2023
- Bauen up to date #11 - 23.04.2023 23.04.2023
VW Amarok 3.0 TDI 4Motion
Hübsch wie er aussieht, könnte man beim Amarok schon fast vergessen, dass es sich hier um ein Nutzfahrzeug handelt. Ob auf seiner beachtlichen Ladefläche auch tatsächlich regelmäßig Zementsäcke, Schubkarren und Werkzeugkisten landen, ist ohnehin fraglich. Styling und Ausstattung orientiert sich schließlich klar am „Lifestyle-Faktor“ eines Pickup-Trucks. Dabei kann der Amarok nicht nur mit der rustikaleren Konkurrenz aus Asien und den USA mithalten, sondern überflügelt sie in vielen Bereichen sogar. So übertrifft die von uns getestete Top-Motorisierung mit Diesel-Sechszylinder den Rest des Starterfeldes bei Leistung und Drehmoment. Ideal, wenn oft schwere Lasten zu ziehen hat. Bei der maximalen Zuladung zieht der Amarok allerdings erst mit dem optionalen Schwerlast-Fahrwerk gleich. Mit dem ist der Vorsprung in Sachen Komfort dann aber auch schon wieder dahin. Dennoch bleibt der Amarok insgesamt einer der besten Vertreter seiner Zunft. Schade nur, dass er auch der teuerste ist.
Arbeit: ****
Freizeit: *****
Vorteile: Mittelklasse-Flair, viele Ausstattungsoptionen, großes Platzangebot, starker Motor
Nachteile: gute Ladekapazität nur gegen Aufpreis, hoher Preis
Außenmaße: 5254 x 1954 x 1834 mm
Hubraum / Motor: 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung: 165 kW / 224 PS (550 Nm)
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h Verbrauch: 7,8 L/100 km
Leergewicht: 2078 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 2920 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst): 750 / 3300 kg
Toyota Hilux 2.4 D-4D
In der von uns gefahrenen Version mit 18-Zoll-Alufelgen, edler Metallic-Lackierung und teurer „Lounge“-Ausstattung ist der Hilux wirklich merklich zu fein für die Baustelle. Aber ein echter Hackler wie der Hilux darf sich eben auch mal schön rausputzen. Dass Toyota prinzipiell durchaus weiß, wie man gute Pickups baut, beweist der japanische Hersteller schon seit fast 50 Jahren: Der Hilux war das automobile Equivalent zum AK-47 – einfach, unkaputtbar und trotzdem preiswert.
Mit der jüngsten Iteration des legendären Lastesels hat Toyota praktisch überall nachgelegt: Die komplett neue Konstruktion ist steifer und noch tragfähiger, das Fahrwerk sowohl geländetauglicher als auch komfortabler, der Innenraum hochwertiger, der Motor (trotz kleinerem Hubraum) kräftiger. Alles in allem ein durchwegs gelungenes Gesamtpaket.
Arbeit: ****
Freizeit: ****
Vorteile: Gutes Platzangebot in der Kabine, kräftiger Motor, ordentliche Lade- und Zugkapazität
Nachteile: Bremsen nur Mittelmaß, großer Wenderadius
Außenmaße: 5330 x 1855 x 1815 mm
Hubraum / Motor: 2393 cm³ / 4-Zylinder
Leistung: 110 kW / 150 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Verbrauch: 6,8 L/100 km
Leergewicht: 2100 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 3150 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst): 750 / 3200 kg
Mitsubishi L200
Mit seinem Untersetzungsgetriebe und dem permantenen Allradantrieb legt Mitsubishi den L200 klar als echten Gelände-Pickup aus. Das zeigt sich auch in der Praxis: Die maximale Wattiefe liegt etwa bei sturmfluttauglichen 600 Millimeter, die elektronischen Sperren sorgen auch bei schlechter Traktion für gutes Vorankommen.
Seinen an sich günstigen Einstiegspreis muss man in Relation zur gebotenen Ausstattung sehen. Selbst elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung gibt’s da nur gegen Aufpreis. In der Top-Ausstattung liegt der L200 dafür wieder auf dem Niveau der Konkurrenz. Ausgefallene Extras darf man sich aber selbst dann nicht erwarten.
Der L200 bleibt auch in seiner aktuellen Generation ein Arbeitstier, das zwar äußerlich und im Interieur etwas aufgehübscht wurde, seinen Fokus aber immer noch klar auf den Arbeitseinsatz legt.
Arbeit: ****
Freizeit: ****
Vorteile: Gute Geländetauglichkeit, günstiger Preis
Nachteile: Fahrkomfort, Basisversion spärlich ausgestattet
Außenmaße: 5285 x 1815 x 1780 mm
Hubraum / Motor: 2442 cm³ / 4-Zylinder
Leistung: 133 kW / 181 PS (430 Nm)
Höchstgeschwindigkeit: 179 km/h
Verbrauch: 6,4 L/100 km
Leergewicht: 1950 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 2905 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst): 750 / 3100 kg
Isuzu D-Max
Als einziger Pickup am österreichischen Markt kommt der D-Max von einem Hersteller, der hierzulande ausschließlich LKW und Nutzfahrzeuge anbietet. Kein Wunder also, dass der robust gebaute D-Max auch im Innenraum Baumarktcharme versprüht. Wer den Isuzu als reines Arbeitstier einsetzt, wird diese Eigenschaft jedoch zu schätzen wissen: Keine teuren Oberflächen, keine Zierelemente – ein Interieur, das aussieht, als könnte man es problemlos mit dem Hochdruckreiniger säubern.
Das ruppige Auftreten des D-Max macht ihn als Alltagsauto etwas weniger attraktiv. Komfortfunktionen sucht man vergeblich, ja selbst eine Bergabfahrhilfe, die in fast allen geländetauglichen Fahrzeugen von heute Standard ist, gibt es hier nicht. Dennoch: Wenn es um den Arbeitseinsatz geht, sollte man den Isuzu auf keinen Fall außer Acht lassen.
Arbeit: *****
Freizeit: ***
Vorteile: Robuste Oberflächen, guter Preis
Nachteile: Mäßige Lastenkapazität
Außenmaße: 5295 x 1860 x 1795 mm
Hubraum / Motor: 2499 cm³ / 4-Zylinder
Leistung: 136 kW / 183 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Verbrauch: 8,4 L/100 km
Leergewicht: 2067 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 3000 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst): 750 / 3000 kg
Nissan Navara
Am Steuer des Navara könnte man glatt vergessen, dass man hinter sich eine offene Ladefläche hat. Das Armaturenbrett und die Innenausstattung stammt aus dem Nissan-Teilelager für PKW, was sie zwar nicht schmutzbeständiger, dafür aber hübscher machen. Auch die Ausstattung ist beachtlich: Notbremsassistent, Rundum-Kamera, Voll-LED-Scheinwerfer – das sucht man bei den meisten Konkurrenten vergeblich.
Auch außen ist der Navara mittlerweile so edel geworden, dass man ihm Schwerarbeit im Dreck einer Baustelle fast nicht mehr zumuten will. Macht man’s doch, enttäuscht er nicht: Geländetauglichkeit auf hohem Niveau, gute Ladekapazität und die vollen 3,5 Tonnen maximale Anhängelast. Eben ein Arbeiter, der selbst auf der Baustelle auf sein Äußeres achtet.
Arbeit: ****
Freizeit: *****
Vorteile: Hervorragende Ausstattung, Fahrkomfort auf PKW-Niveau
Nachteile: mäßige Zuladung
Außenmaße: 5330 x 1850 x 1805 mm
Hubraum / Motor: 2299 cm³ / 4-Zylinder
Leistung: 120 kW / 160 PS (403 Nm)
Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h
Verbrauch: 6,4 L/100 km
Leergewicht: 2023 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 3010 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst): 750 / 3500 kg
Fazit:
Läßt man den Preis außen vor, macht der VW Amarok den besten Eindruck im Testfeld. Hohe Verarbeitungsqualität, guter Fahrkomfort, ein kräftiger Sechszylinder und eine riesige Ladefläche – da bleiben kaum Wünsche offen. Wer den Truck aber wirklich nur für den Arbeitseinsatz sucht, kommt am L200 von Mitsubishi jedoch kaum vorbei. Mehr Pickup bei soviel Geländetauglichkeit für weniger Geid bietet kaum ein Hersteller.
Dieser Artikel entstammt der Ausgabe 4/2017 von SOLID - Wirtschaft und Technik am Bau