Die Zukunft von Siemens : So krempelt Peter Löscher einen Weltkonzern um

Siemens baut sich einmal mehr um. Mit einem Sparplan will Vorstandschef Peter Löscher innerhalb von zwei Jahren die Kosten seines Hauses um 6 Mrd. Euro drücken. Neben tausenden Arbeitsplätzen fallen dem Vorhaben auch ganze Geschäftsbereiche zum Opfer. Die operative Rendite soll so bis 2014 auf mehr als zwölf Prozent von zuletzt knapp zehn Prozent steigen. Im Folgenden die größten Baustellen des Konzerns:OSRAM:Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7.300 und 8.000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung ist für den weiteren Jahresverlauf geplant. Osram macht einen Jahresumsatz von gut 5 Mrd. Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.ENERGIETECHNIK:Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl im vergangenen Jahr den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.SORTIERANLAGEN:Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Mio. Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3.600 Mitarbeiter sind betroffen.WASSERAUFBEREITUNG:Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.SOLARENERGIE-TECHNIK:Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Mio. Dollar (313,9 Mio. Euro) und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wird ein Abnehmer gesucht.INDUSTRIESOFTWARE:Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Im Frühjahr kommt für 680 Mio. Euro die belgische LMS hinzu. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für insgesamt mehr als 4 Mrd. Euro gekauft.BAHNTECHNIK:Während Siemens mit Auslieferungsproblemen seiner ICE-Flotte an die Deutsche Bahn hadert, erweitert der Konzern sein Geschäft mit Signal- und Leittechnik durch die Übernahme der Bahntechniksparte der britischen Invensys und gibt dafür 2,2 Mrd. Euro aus.ALTLASTEN UND FÜHRUNGSQUERELEN:Neben den aktuellen Sorgenkindern verfügt Siemens noch über einige Altlasten. Die Problemtochter Nokia Siemens Networks besserte sich zuletzt. Nach verlustreichen Jahren verzeichnete der Netzwerkbauer zwei Quartale mit stabilen Umsätzen und Gewinn. Die beiden Mütter Siemens und Nokia wollen auf absehbare Zeit allerdings noch an ihren Anteilen festhalten, bis sich der jüngste Erfolg von NSN verstetigt hat.In den vergangenen Monaten wuchs zudem die Kritik am Führungsduo Löscher und Gerhard Cromme. Einige Aktionäre sind des Aufsichtsratschefs überdrüssig, Analysten gehen Vorstandschef Löscher wegen einer Serie von teuren Schnitzern an. Doch die Schicksalsgemeinschaft bietet bislang den Kritikern die Stirn. (reuters/apa/pm)